Yatagarasu

Aus Kamigraphie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gottheit oder numinose Erscheinung
Name Yatagarasu 八咫烏 („acht- bzw. vielklauige Krähe“)
Sonstige Namen Yata-no-karasu
Rel. Zugehörigkeiten Shinto
Herkunft Japan
Ikonographie dreifüßige Krähe/Rabe
Funktion, Wirkkraft Sonnensymbol
Yatagarasu ema3.jpg
Jinmu-tennō mit Yatagarasu
Chinesischer Sonnenrabe und buddhistischer Weltenberg

Yatagarasu (八咫烏, auch Yatakarasu, yata-no-karasu oder Yata-Krähe; vielhändige bzw. vielklauige Krähe) ist eine dreibeinige Krähe, die in der japanischen Mythologie Bedeutung fand und auch heute noch in verschiedenen Schreinen und besonders in Kumano verehrt wird. Ursprünglich war sie der Wegweiser des Jinmu-tennō, der sich im gebirgigen Kumano verirrt hatte, während sie heute auch stark in der Populärkultur vertreten ist und unter anderem das offizielle Symbol der japanischen Fußballnationalmannschaft darstellt.

Ursprünge

Aufgrund von ähnlichen Krähenbildern in China und Korea ist anzunehmen, dass Yatagarasu eine japanische Version des chinesischen Sonnenraben Yang-wu darstellt. Dieser ist laut chinesischer Mythologie rot, dreibeinig, der Besitzer der Sonne und außerdem die am häufigsten dargestellte Form des sanzuwu, des dreibeinigen Vogels. In schriftlichen Quellen wird er erstmals im „Li Sao“ (314 v. Chr.) von Kiü-Yuen erwähnt, jedoch gibt es Anhaltspunkte, dass die Idee eines dreibeinigen Vogels nicht unbedingt chinesischer Natur ist: Auch auf älteren Münzen der Provinzen Lycia und Pamphylia lassen sich Abbildungen eines solchen Vogels finden, sodass es durchaus möglich wäre, dass es sich ursprünglich um eine westliche Vorstellung handelte (Aston 2008: 116). Darüber hinaus soll der Rabe auch in anderen Kulturen, wie zum Beispiel bei den indigenen Völkern Amerikas oder den Inuit, ein Symbol für die Sonne dargestellt haben, und auch die Ainu scheinen den Raben als Beschützer der Sonne verehrt zu haben (Erkes 1925: 33). Jedoch geht man laut momentanem Forschungsstand relativ sicher davon aus, dass Yatagarasu schließlich doch über Korea aus China nach Japan gekommen ist, da der chinesische Sonnenrabe der damaligen japanischen Oberschicht durchaus ein Begriff war.

Auch in Korea war die Idee eines dreibeinigen Rabens gängig, jedoch handelte es sich hierbei um einen Mondraben. In China hingegen war eine dreibeinige Kröte Symbol für den Mond. (Erkes 1925:33)

Japanische Mythologie

Yatagarasu spielt sowohl im Nihon shoki als auch im Kojiki eine wichtige Rolle, da sie dem Jinmu-tennō gesandt wird, als dieser sich in den Bergen Kumanos verirrt. Ursprünglich war er aus dem Dorf Kami in Kumano aufgebrochen, um seinen Feldzug in Richtung Osten durchzuführen. Als es auf der Reise zu Schwierigkeiten kommt, schickt ihm eine Gottheit (im Nihon shoki Amaterasu, im Kojiki Takagi) Yatagarasu, die ihm den Weg weisen soll. Dies gelingt auch, sodass Jinmu-tennō der erste tennō Japans werden kann. Die Übersetzung des Namens Yatagarasu bereitete vielen Japanologen Schwierigkeiten. Manche übersetzten ihn als „acht Fuß große Krähe“, andere als „achtköpfige Krähe“. Laut Aston ist die Verbindung zum chinesischen Sonnenraben Yang-wu allerdings deutlich zu erkennen, sodass nur die Interpretation der „achthändigen“, also „vielhändigen“ bzw. „vielklauigen Krähe“ in Frage kommt (Aston 2008: 116).

Feste und Schreine

Priester mit karasu-bō

Yatagarasu wird aufgrund des mythologischen Hintergrundes vor allem in den Schreinen in Kumano verehrt. In Nachi und Hongū gibt es dementsprechend ein alljährliches Fest: Am 1. Jänner wird Wasser vom Wasserfall beim Nachi-taisha zum Schrein von Yatagarasu gebracht, um ihn rituell zu reinigen. Im Zuge dessen werden Siegel und Glücksbringer angefertigt. Der durchführende Priester trägt dabei eine sogenannte karasu-bō oder yatagarasu-bō, die früher ein Symbol dafür war, dass man als Pilger bereits 1000 Tage in Kumano verbracht hatte (Moerman 2005).

Am 7. Jänner findet ein ähnliches Ritual in Hongū statt, bei dem zwar kein gereinigtes Wasser geholt wird, jedoch ebenfalls Siegel und Glücksbringer angefertigt werden. Auch hier trägt der Priester die karasu-bō.

Yatagarasu wird nicht nur in Kumano, sondern auch in anderen Schreinen verehrt.

Populärkultur

Großes ‚Fußball-ema‘ in Kumano

Yatagarasu ist in mehreren Bereichen der Populärkultur stark vertreten: Beispielsweise ist sie seit 1931 das Symbol der Japan Football Association und der japanischen Fußballnationalmannschaft. Weiters kommt sie in Kartenspielen wie Yu-gi-oh! und Videospielen wie zum Beispiel der Reihe Shin megami tensei: Persona vor. Die wichtigste Bedeutung scheint sie allerdings im Bereich des Fußballs zu haben, da auch unzählige o-mamori und ema mit Yatagarasu und einem Fußball bedruckt werden.

Quellen

Aston, William George (Ü.) (1896). Nihongi: Chronicles of Japan from the earliest times to a.d. 697. London: Kegan Paul. (Zahlreiche Neuauflagen, JHTI Onlineversion, Onlineversion (Wiki-Source).)

Moerman, Max D. (2005). Localizing paradise: Kumano pilgrimage and the religious landscape of premodern Japan. Harvard: Harvard University Press.