Friedhof und Grab

< Alltag
Version vom 28. Juni 2015, 00:18 Uhr von Bescheid (Kommentar | Beiträge) (Textersetzung - „Alltag: “ durch „Alltag/“)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedhof und Grab

Wie im Zusammenhang mit den Totenriten besprochen, wird der Körper eines Ver­storbenen meist verbrannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familien­grab (hakahaka Grab ) beigesetzt. Auf dem Grab­stein ist der Name der Familie deutlich ein­graviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Grab mehrer Generationen der Familie XY“. Die individuellen Familien­mitglieder sind hingegen entweder gar nicht, oder nur an der Rück­seite des Grab­steins eingetragen. Darin liegt einer der Unter­schiede zwischen Grab­stein und ihaiihai 位牌 Ahnentäfelchen AhnenkultTotenritenSogiyaHorrorklassiker... mehr („Totentäfelchen“). Während ihai einem individuellen Ver­storbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grab­steine in der Regel eine ganze Familie. Die Familien­zu­ge­hörig­keit folgt der männlichen Linie. Frauen werden daher meist im Familien­grab ihres Mannes beigesetzt.

Traditionelle Gräber // Grab; Friedhof Yanaka, Tōkyō // Bild © Jens Quade, fickr 2005 (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Traditionelles Grab in Tōkyō.
Friedhof in Tokyo

In Tokyo sind derartige Familiengräber meist etwas kleiner als ein durch­schnitt­liches europäisches Grab, ihre Anschaffung und Auf­recht­erhaltung bedeutet aber dennoch einen erheblichen Kosten­aufwand. Es gehört zu den traditionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauer­feiern beim Tod der Eltern zu.

Grabbesuch

Ohakamairi.gif

Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Fried­hofs­besuchen. Beim Grab­besuch (ohaka mairi(o)haka mairi (お)墓参り Grab- oder Friedhofsbesuch ) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucher­stäbchen. Zuvor wird der Grab­stein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familien­grabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem bestimmten Tag, beispiels­weise dem Sterbe­tag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum Bon-Fest, dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familien­grab aufsuchen.

Grabformen

Die Geschichte des japanischen Bestattungs­wesens ist äußerst wechselvoll. Auf alten Fried­höfen, beispiels­weise dem Oku-no-in auf Berg KōyaKōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismus PilgerschaftNikkoBekannte TempelBerg Koya... mehr, sieht man noch die ehemals verbreiteten Grab­steine in gorintōgorintō 五輪塔 Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“ GorintoBerg Koya-Form, die sich als Abbilder von bud­dhis­tischen Stupasstūpa स्तूप „Hügel“, Grabmonument, jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆 GorintoNikkoPagodenStupa... mehr verstehen, also eigentlich nichts anderes sind als verkleinerte Grab­denk­mäler des BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultGorintoShikoku... mehr (s. Sidepage Gorintō).

Andererseits bezeichnet man auch die hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grab­bei­gaben neben den Gräbern befinden, als sotobasotoba 卒塔婆 heute: hölzerne Grabbeigabe; abg. von skt. stupa, eig. „Pagode“; in dieser Bedeutung wird sotoba jedoch auf das mittlere Zeichen 塔verkürzt; oder tōba, was wiederum von skt. stupa abgeleitet ist. Diese Latten tragen eine hand­geschriebene Inschrift, die u.a. den Toten­namen des Ver­storbenen oder den Namen eines Buddhas, etc. enthalten kann. Je nach bud­dhis­tischer Richtung können auch Sanskrit­zeichen auf dem Holz eingetragen sein. Diese Grab­bei­gaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grab­stein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer wie Stein­grab­mäler. Zumeist werden sie daher am Ende der Trauer­zeit vom Grab entfernt und ggf. anlässlich späterer Gedenk­feiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fort­schritt hat im übrigen auch vor sotobas nicht Halt gemacht: Wie die Ab­bildung rechts zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.

Grabbeigaben // Sotoba (Holz) // // Die Schriftzeichen in stilisiertem Sanskrit auf den sotoba symbolisieren die Fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde.
Sotoba
Buddhistischer Mönch beim Bedrucken von sotoba-Latten // // Bild © TTN (letzter Zugriff: 2011/7) // Dafür nimmt er einen Laptop und eines eigens für diesen Zweck bestimmten Printer zu Hilfe.
Sotoba Printer

Näheres zu den Jenseits­vor­stellungen, die natürlich bei der Gestaltung der Toten- und Be­gräbnis­riten eine wichtige Rolle spielen, findet man im Kapitel „Mythen“.

Weiter zu Alltag/Moenche
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Friedhof und Grab.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 28.6.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Friedhof?oldid=48497