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Wie das {{glossar:nihonshoki}} berichtet, erhielt Kinmei Tennō im Jahr 552 eine {{skt:Buddha}}-Statue, einige {{skt:sutra|Sutren}} und ein „Emp·feh·lungs·schreiben“ von König Seong mit der Auf·forde·rung, den Bud·dhis·mus staat·lich zu fördern. Eine Fraktion mächtiger Höf·linge, an·ge·führt vom „kon·serva·tiven“ Klan der {{glossar:Mononobe}}, sprach sich aller·dings bald da·gegen aus, da sie fürchtete die ein·hei·mischen Götter zu erzürnen, und be·ende·te damit die ersten Ansätze staatlicher Bud·dhis·mus·förderung. Einige Adels·familien mit genealogischen Verbindungen zum Kontinent, vor allem die {{glossar:soganouji|Soga}}, för·derten den Bud·dhis·mus jedoch auf eigenen Faust weiter.  Die Soga errichteten u.a. einen privaten bud·dhis·tischen Tempel und ließen drei junge Frauen (ein Hinweis auf die religiöse Bedeutung von Frauen!) zu Nonnen weihen. Als bald darauf, im Jahr 585, eine Epi·demie das Land heim·suchte, machten die Gegner der Soga, in erster Linie der Klan der Mononobe, deren aus·ländischen Buddha-Kult dafür ver·ant·wort·lich. Die bud·dhis·tischen Statuen und der Tempel der Soga wurden ge·waltsam zer·stört und die Nonnen ver·bannt, doch die Seuche breitete sich weiter aus, bis ihr schließ·lich auch Kaiser {{g|Bidatsutennou|Bidatsu}} (r. 572–85) erlag. Die Soga fühlten sich dadurch in ihrer pro-bud·dhis·tischen Haltung be·stärkt und ge·wannen neuer·lich die Ober·hand. 587 kam es schließ·lich zu einer krie·ge·rischen Aus·ei·nan·der·setzung zwischen den Soga und den Mononobe, die die Soga (nach kräftigen Für·bitten und Opfer·gaben an den Buddha) für sich ent·schieden. Darauf·hin wurde ihnen gestattet, ihren bud·dhis·tischen Kult offiziell wieder auf·zu·nehmen.<ref> Quelle: ''Nihon shoki'' (Aston, ''Nihongi'', Vol. II, S. 65–67 und 101–105.)</ref>
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Wie das {{glossar:nihonshoki}} berichtet, erhielt Kinmei Tennō im Jahr 552 eine {{skt:Buddha}}-Statue, einige {{skt:sutra|Sutren}} und ein „Emp·feh·lungs·schreiben“ von König Seong mit der Auf·forde·rung, den Bud·dhis·mus staat·lich zu fördern. Eine Fraktion mächtiger Höf·linge, an·ge·führt vom „kon·serva·tiven“ Klan der {{glossar:Mononobe}}, sprach sich aller·dings bald da·gegen aus, da sie fürchtete die ein·hei·mischen Götter zu erzürnen, und be·ende·te damit die ersten Ansätze staatlicher Bud·dhis·mus·förderung. Einige Adels·familien mit genealogischen Verbindungen zum Kontinent, vor allem die {{glossar:soganouji|Soga}}, för·derten den Bud·dhis·mus jedoch auf eigenen Faust weiter.  Die Soga errichteten u.a. einen privaten bud·dhis·tischen Tempel und ließen drei junge Frauen (ein Hinweis auf die religiöse Bedeutung von Frauen!) zu Nonnen weihen. Als bald darauf, im Jahr 585, eine Epi·demie das Land heim·suchte, machten die Gegner der Soga, in erster Linie der Klan der Mononobe, deren aus·ländischen Buddha-Kult dafür ver·ant·wort·lich. Die bud·dhis·tischen Statuen und der Tempel der Soga wurden ge·waltsam zer·stört und die Nonnen ver·bannt, doch die Seuche breitete sich weiter aus, bis ihr schließ·lich auch der damalige Herrscher, {{g|Bidatsutennou}} (r. 572–85), erlag. Die Soga fühlten sich dadurch in ihrer pro-bud·dhis·tischen Haltung be·stärkt und ge·wannen neuer·lich die Ober·hand. 587 kam es schließ·lich zu einer krie·ge·rischen Aus·ei·nan·der·setzung zwischen den Soga und den Mononobe, die die Soga (nach kräftigen Für·bitten und Opfer·gaben an den Buddha) für sich ent·schieden. Darauf·hin wurde ihnen gestattet, ihren bud·dhis·tischen Kult offiziell wieder auf·zu·nehmen.<ref> Quelle: ''Nihon shoki'' (Aston, ''Nihongi'', Vol. II, S. 65–67 und 101–105.)</ref>
  
 
=== Erste Tempel ===
 
=== Erste Tempel ===

Aktuelle Version vom 12. Februar 2019, 17:45 Uhr

Die Frühzeit des japanischen Buddhismus

Im sechsten und siebten Jahr­hundert ent­wickelte sich Japan all­mäh­lich von einer losen Kon­fö­de­ration kon­kurrierender Klans (jap. ujiuji altjap. Klan, Sippe, Familie Praehistorie) zu einem Staats­wesen, das zu­neh­mend am Vor­bild Chinas orientiert war. China wirkte in dieser Zeit vor allem deshalb so stark, weil es nach Jahr­hun­derten der poli­tischen De­zentrali­sierung zunächst der SuiSui chin. Herrschaftsdynastie, 581–618 - (581) und dann der TangTang chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 Heian ZeitKami KulteSaichoBuddhismus... mehr-Dynastie (618) ge­lungen war, das Reich der Mitte wieder unter einer Herr­schaft zu einen. Die Tang machten den Bud­dhis­mus zu einer Art Staats­religion und werteten ihn damit auch in den Augen der um­lie­genden ost­asia­tischen Reiche deutlich auf. Doch schon davor, im sechsten Jahr­hundert zeigten sich einzelne Monarchen an der neu­artigen indischen Religion interessiert. Aus japanischer Sicht kam ein ent­scheidender Impuls, sich näher mit dem Bud­dhis­mus zu befassen, aus dem mit Japan ver­bündeten korea­nischen Reich BaekjeBaekje 百濟/백제 Ehemaliges Königreich in Korea, das sich zu seiner Blütezeit im 5. Jh. über die gesamte Westküste Südkoreas erstreckte; 660 vom benachbarten Silla erobert Einfuehrung des BuddhismusKami Kulte, wo der Bud­dhis­mus bereits im frühen sechsten Jahr­hundert unter König SeongSeong Wang 聖王 ?-554; König Seong von Baekje (heute Teil Koreas), r. 523–554; auch Seongmyeong Wang 聖明王 Einfuehrung des BuddhismusAmida (r. 523–554) offiziell ein­ge­führt wurde.

Laut offi­ziellen japanischen Chro­niken empfahl König Seong seinem Kollegen, dem japanischen Herr­scher KinmeiKinmei Tennō 欽明天皇 509–571; 29. Tennō Japans; r. 540?–571 Einfuehrung des Buddhismus (r. 540?–571), Maß­nahmen zur För­de­rung des Bud­dhis­mus zu ergreifen, was dieser auch tat. Doch verraten selbst diese Chro­niken, dass die Ein­füh­rung des Bud­dhis­mus nicht von einem Tag auf den anderen er­folgte und mit er­heb­lichen Wider­ständen von Teilen der höfischen Elite zu kämpfen hatte.

Übernahme des Buddhismus und Widerstände

Bodhisattva Maitreya.
Statue, bosatsu (Bronze, vergoldet). Korea, um 600; „Nationalschatz“; Seoul; Höhe: 93,5 cm
Bild © National Museum of Korea. (Letzter Zugriff: 2011/7).

Koreanische Statue eines Bodhisattvas, möglicherweise Bodhisattva Maitreya, im Stil der Nördlichen Wei-Dynastie (385–535).

Einführung des Buddhismus

Wie das Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr berichtet, erhielt Kinmei Tennō im Jahr 552 eine BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr-Statue, einige Sutrensūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismus... mehr und ein „Emp­feh­lungs­schreiben“ von König Seong mit der Auf­forde­rung, den Bud­dhis­mus staat­lich zu fördern. Eine Fraktion mächtiger Höf­linge, an­ge­führt vom „kon­serva­tiven“ Klan der MononobeMononobe 物部 wtl. „Sippe der Dinge“; altjap. Klan, der gegen den Buddhismus eingestellt war Bishamon-ten, sprach sich aller­dings bald da­gegen aus, da sie fürchtete die ein­hei­mischen Götter zu erzürnen, und be­ende­te damit die ersten Ansätze staatlicher Bud­dhis­mus­förderung. Einige Adels­familien mit genealogischen Verbindungen zum Kontinent, vor allem die SogaSoga no uji 蘇我氏 Soga-Klan, die ersten Förderer des jap. Buddhismus Bishamon-tenRegenmachen, för­derten den Bud­dhis­mus jedoch auf eigenen Faust weiter. Die Soga errichteten u.a. einen privaten bud­dhis­tischen Tempel und ließen drei junge Frauen (ein Hinweis auf die religiöse Bedeutung von Frauen!) zu Nonnen weihen. Als bald darauf, im Jahr 585, eine Epi­demie das Land heim­suchte, machten die Gegner der Soga, in erster Linie der Klan der Mononobe, deren aus­ländischen Buddha-Kult dafür ver­ant­wort­lich. Die bud­dhis­tischen Statuen und der Tempel der Soga wurden ge­waltsam zer­stört und die Nonnen ver­bannt, doch die Seuche breitete sich weiter aus, bis ihr schließ­lich auch der damalige Herrscher, Bidatsu TennōBidatsu Tennō 敏達天皇 538–585; 30. Tennō Japans (r. 572–585) Einfuehrung des Buddhismus (r. 572–85), erlag. Die Soga fühlten sich dadurch in ihrer pro-bud­dhis­tischen Haltung be­stärkt und ge­wannen neuer­lich die Ober­hand. 587 kam es schließ­lich zu einer krie­ge­rischen Aus­ei­nan­der­setzung zwischen den Soga und den Mononobe, die die Soga (nach kräftigen Für­bitten und Opfer­gaben an den Buddha) für sich ent­schieden. Darauf­hin wurde ihnen gestattet, ihren bud­dhis­tischen Kult offiziell wieder auf­zu­nehmen.1

Erste Tempel

Asuka Daibutsu.
Statue, nyorai (Bronze) von Tori Busshi. 609; Höhe: 2,75 m
Bild © Kyōto shiseki sansakue. (Letzter Zugriff: 2011/7).

Mit 2,75m Sitzhöhe erreichte die Statue des Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) für die damalige Zeit kollossale Ausmaße. Der Bildhauer Tori Busshi stammte aus einer koreanischen Einwandererfamilie. Der Stil des Daibutsu ist kontinental geprägt.

. 1 Japans ältester Buddha

Mit dem be­stim­menden Einfluss des Soga Klans beginnt in Japan die AsukaAsuka 飛鳥 Asuka Region im Süden des Yamato-Beckens (Nara), wo sich in der Frühzeit die Residenzen der Soga befanden; Asuka-Zeit (587–645 oder auch 587–710) -Zeit (587–645 oder 587–710), be­nannt nach dem Stamm­land der Soga im südlichen Nara-BeckenNara-bonchi 奈良盆地 Becken im Norden der Präfektur Nara in welchem auch die Stadt Nara liegt Himiko. Hier ließ Soga no UmakoSoga no Umako 蘇我馬子 551?–626; Staatsmann; Sohn des Soga no Iname (551?–626), der füh­rende Staats­mann seiner Zeit, gegen Ende des sechsten Jahr­hunderts erst­mals eine weit­läufige Tem­pel­an­lage, den so­ge­nannten Asuka Tempel (Asuka-deraAsuka-dera 飛鳥寺 erster historisch fassbarer Tempel Japans, gegr. 593 (Nihon shoki) von Soga no Umako; wurde unter anderem als Hōkō-ji (Tempel des beginnenden Dharmas) bezeichnet, später aber unter dem Namen Gangō-ji (Tempel des ursprünglichen Beginns) nach Nara verlegt; unter Asuka-dera versteht man heute den ursprünglichen Standort in der Asuka Region Bishamon-tenDaibutsu StatuenEinfuehrung des Buddhismus) er­richten. Künstler und Bau­meister aus Baekje waren in die Bau­arbeiten ein­be­zogen. Auch die älteste datier­bare Buddha-Statue Japans, der DaibutsuDaibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statue HachimanBekannte TempelPagodenBishamon-tenDaibutsu Statuen... mehr des Asuka Tempels, trägt deut­liche Züge der da­maligen korea­nischen Bild­hauer­kunst. Sie stammt wahrscheinlich von Tori BusshiTori Busshi 止利仏師 tätig um 600; wtl. Buddhameister Tori; Bildhauer aus der Familie Kuratsukuri-be, einer Sippe von Sattelmachern mit koreanischen Wurzeln , der sowohl auf einigen frühen Skulpturen als auch im Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr erwähnt ist. Toris Vater war bereits Bildhauer gewesen und stammte aus einer koreanischen Einwandererfamilie, die zunächst als Sattelmacher (kuratsukuri) tätig waren.

Archäo­logische Aus­gra­bungen auf dem Gebiet des Asuka Tempels förderten nicht nur bud­dhis­tische Wert­gegen­stände zutage, sondern auch Grab­bei­gaben, wie sie ansonsten in den damals noch üblichen Hügelgräbern (kofunkofun 古墳 Hügelgrab der japanischen Frühzeit (ca. 300–700), wtl. „altes Grab“ PraehistorieShinto-Goetter) zu finden sind. Dies legt den Schluss nahe, dass bud­dhis­tische Tempel un­mittel­bar für das Ende der Hügel­gräber ver­ant­wort­lich sind und bei Bud­dhis­mus-freund­lichen Familien als Ersatz dieser archaischen Grab­stätten fungierten.

Shōtoku Taishi: Realität oder Fiktion?

Den end­gültigen Durch­bruch erzielte der japanische Bud­dhis­mus — jedenfalls nach Darstellung des Nihon shoki — Ende des sechsten Jahr­hunderts unter der Regent­schaft von Shōtoku TaishiShōtoku Taishi 聖徳太子 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regent ToriiTempelBishamon-tenShotoku Taishi... mehr (574–622), einem Sohn des Yōmei TennōYōmei Tennō 用明天皇 540–587; 31. Kaiser Japans (r. 585–587); Vater von Shōtoku Taishi Einfuehrung des BuddhismusShotoku Taishi. Shōtoku wurde zwar selbst nicht Tennō, fungierte aber von 593–622 als Regent seiner Tante, Kaiserin SuikoSuiko Tennō 推古天皇 554–628; Kaiserin(!) Suiko; 33. Tennō Japans (r. 593–628) Itsukushima (r. 593–628), und genoss daher höchste politische Auto­rität. Seine Vor­liebe für den Buddhismus offen­barte sich unter anderem in der Tat­sache, dass er der neuen Religion seine Residenz in IkarugaIkaruga-chō 斑鳩町 Stadt im Norden der Präfektur Nara; Die Residenz des Shōtoku Taishi befand sich hier, an der Stelle wo heute der Hōryū-ji steht ver­machte — es entstand daraus der Tempel Hōryū-jiHōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ BautenTempelTempeltoreShotoku Taishi... mehr unweit von Nara, dessen älteste Gebäude aus dem siebten Jahr­hundert stammen. Hier erinnert unter anderem die Statue des Guze KannonGuze Kannon 救世観音 wtl. Kannon, der Weltenretter; Hauptheiligtum in der Halle der Träume (Yumedono) im Hōryū-ji Shotoku Taishi, der an­geb­lich die Züge Shōtokus tragen soll, an die frommen Werke des Prinzen.

Kōyō Taishi mit Rauchopferschale.
Hängerollbild, kakemono (Seide, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, frühes 14. Jh.; 105 x 51,5 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7).

Shōtoku Taishi bei der Abhaltung eines buddhistischen Rauchopfers.

Shōtoku Taishi

Shōtoku Taishi war nicht nur mächtig, er soll auch äußerst gebildet und theo­logisch versiert ge­wesen sein. Unter dem Ein­druck chi­ne­sischer Vor­bilder erließ er eine Art mora­lischen Kodex, die so­ge­nannte 17 Punkte Ver­fassung. Diese gilt als das erste japanische Ge­setzes­werk, ist jedoch nur in­direkt, aus dem Nihon shoki, über­liefert. Der relativ kurze Text orientiert sich vor allem an den Prin­zipien und Tu­genden des Kon­fuzianis­mus und erteilt den Unter­tanen auf dieser Grund­lage einige essen­zielle Ver­haltens­regeln. Punkt 2 enthält jedoch die ex­plizite Forde­rung, den Bud­dhis­mus zu ehren. Dies legt den Schluss nahe, dass der Buddhismus unter Shōtoku von einer vor allem unter koreanischen Familien gepflegten Privatreligion zu einer vom Hof vollkommen akzeptierten und subventionierten Religion aufstieg und somit erstmals zu der „Staatsreligion“ wurde, als die er sich selbst anpries.

Die Histori­zität all dieser pro-bud­dhis­tischen Refor­men wird in jüngerer Zeit allerdings des öfteren in Frage gestellt. Der wahre Shōtoku Taishi steht im Schatten einer Art Heiligenbiographie, die bereits im Nihon shoki anklingt und später noch weiter ausgebaut wurde. In reinen Zahlen nimmt sich das Aus­maß bud­dhis­tischer Aktivi­täten am Ende von Prinz Shōtokus Lebens ver­hältnis­mäßig be­scheiden aus, wenn man einem Zensus Glauben schenkt, der ebenfalls im Nihon shoki überliefert wird. Demnach gab es im Jahr 624, also zwei Jahre nach Prinz Shōtokus Tod, im damaligen Japan 46 Tempel, in denen 816 Mönche und 569 Nonnen tätig waren.

Wenn aber Shōtoku Taishis Rolle als Förderer des Buddhismus gar nicht bedeutend war, oder wenn es sich überhaupt um eine fiktive Gestalt handeln sollte, wie manchmal angenommen, dann hat das auch für das Verständnis der Geschichte des Buddhismus schwerwiegende Folgen. Neuere Theorien ziehen daraus den Schluss, dass die Soga den Buddhismus viel länger monopolisierten, als bisher angenommen. Erst spätere Chroniken hätten versucht über Shōtoku Taishi eine Verbindung zwischen Tennō-Haus und Buddhismus zu konstruieren, die in Wirklichkeit gar nicht gegeben war. Das buddhistische Monopol der Soga würde demnach bis 645 bestanden haben. 645 war das Jahr des „Großen Umsturzes“ (TaikaTaika 大化 wtl. „großer Wandel“; Jahresdevise 645–650; 645 erfolgte in der Tat eine umfassende Reform des Rechts-, Verwaltungs- und Kalenderwesens und eine Neuordnung des Adels ), als der Soga-Klan selbst mehr oder weniger ausgelöscht wurde. Die Soga sahen sich bei diesem Staatsstreich ähnlichen Gegnern gegenüber wie 587. Unter ihren Gegnern zogen die FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum den nachhaltigsten Gewinn aus der neuen politischen Situation. Sie waren zwar ursprünglich für das höfische Zeremonienwesen zuständig und damit, wenn man so will „Shintō-Priester“, doch machten sie sich von 645 an den Buddhismus in ähnlicher Weise zunutze wie die Soga, auch wenn sie ihn nicht mehr völlig monopolisieren konnten. Es ging also nicht mehr um die Frage, ob man den Buddhismus fördern sollte oder nicht, sondern darum, wer das Recht hatte den Buddhismus zu fördern.

Sinisierung der staatlichen Verwaltung

Fujiwara no Kamatari.
Hängerollbild, kakemono (Papier, Farbe) von Ono no Takamura; 58,5 × 42,3 cm
Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2016/9).

Laut Bildinschrift handelt es sich um die Kopie einer Portraitzeichnung, die vom Heian-zeitlichen Gelehrten Ono no Takamura (802–853) angefertigt wurde. Im Vordergrund sind die nicht ausgeführten Silhuetten von Kamataris Untergebenen zu erkennen.

. 2 Fujiwara no Kamatari

645 übernahm also eine neue Grup­pierung die Führung des kaiser­lichen Hofes, der unter anderem Nakatomi no KamatariNakatomi no Kamatari 中臣鎌足 614–669; Staatsmann und Ahnherr der Fujiwara Kasuga (614–669), der Ahnherr der später dominanten FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum Bekannte SchreineKasugaTenjinBekannte TempelOkuninushi... mehr, an­ge­hörte. Obwohl ur­sprüng­lich aus dem „konservativen Lager“ und daher sowohl gegen den Soga Klan als auch gegen die Nach­kommen Shōtoku Taishis ge­richtet, trieb die neue Führung die Sini­sierung des Staates weiter voran. Erst­mals wurden nach chines­ischem Vor­bild Jahres­devisen (nengōnengō 年号 Jahresdevise oder Äraname, Motto der Politik zu dieser Zeit ) proklamiert, die als Motto der jeweiligen Politik zu verstehen sind. Die erste dieser Devisen lautete Taika, „Großer Wandel“ (645–650). Die Taika-ReformenTaika no Kaishin 大化改新 „Reformen des großen Wandels“; politischer Umschwung unter Kaiser Kōtoku im Jahre 646; Zentralisierung des Landes und Sinisierung des Staatssystems Kasuga leiteten die Arbeit an einem neuen Ge­setzes­werk ein, dem ritsuryōritsuryō 律令 wtl. Strafen und Verordnungen; Gesetzessammlung des Altertums nach dem Vorbild der chin. Tang-Dynastie Nara (wtl. Strafen und Verordnungen) Kodex, der schließlich unter Tenmu TennōTenmu Tennō 天武天皇 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686) Schreinanlage IseOkuninushiKami KulteNara... mehr (r. 673–686) in Kraft trat. Obwohl viele Ver­ordnungen rück­blickend als un­voll­kommene Kopien ihres chine­sischen Originals er­scheinen mögen, behielt der ritsuryō-Kodex er­staun­lich lange Geltung und prägte die japa­nische Rechts­­sprechung bis zum Beginn der Moderne.

Der ritsuryō-Kodex regelte Hof und landesweite Ver­waltung, indem er das gesamte Land zu Staats­eigen­tum erklärte und lokale Macht­haber zu beamteten Verwaltern um­funktio­nierte. Auch der Hof selbst be­stand im Wesent­lichen aus einer streng hierarchisch organi­sierten Be­amten­schaft. Ähnlich wie die „Ver­fassung“ Shōtoku Taishis entsprach auch diese Reform des Staats­wesens kon­fuzia­nischen Prinzipien, ohne dass dies die För­derung des Bud­dhis­mus aus­schloss. Im Gegenteil, der Buddhismus erlebte nach der Taika-Reform einen gewaltigen Aufstieg und breitete sich erstmals auch in entfernte Provinzen und in Bevöl­kerungs­gruppen außerhalb des Hochadels aus. Der Bud­dhis­mus ver­breitete sich in Japan also Hand in Hand mit einer Sini­sierung der Gesell­schaft und zwar von der Spitze der staat­lichen Institu­tionen aus.

Buddhismus und Staat

Fragt man nach dem Grund für das staat­liche Interesse am Bud­dhis­mus, so stößt man in den Quellen immer wieder auf den Glauben an seine be­son­dere magische Kraft. Dies lässt sich bereits in den er­wähnten Be­richten von der offizi­ellen Über­nahme des Bud­dhis­mus erkennen. Wie oben er­wähnt, zitiert das Nihon shoki in diesem Zu­sammen­hang ein Empfehlungsschreiben des korea­nischen Königs Seong an seinen ja­pa­nischen Amts­kollegen Kinmei Tennō, worin König Seong erklärt, der Bud­dhis­mus sei zwar schwer zu ver­stehen, aber äußerst mächtig und daher politisch opportun.

Auch von­seiten der Bud­dhis­ten selbst wurden ähnliche Argu­mente vor­ge­bracht. Wann immer es um die Er­rich­tung eines neuen Tempels oder um sonstige Ge­neh­mi­gungen ging, be­tonten die Mönche in ihren Bitt­schriften den Nutzen des Bud­dhis­mus für das Wohl bzw. den Schutz des Staates, und zwar durch Einsatz ma­gischer Riten. Im ja­pa­nischen Alter­tum wurde vor allem dem Re­zitieren von Sutren eine solche Wir­kung zu­ge­schrieben. Es wurde also hand­fester poli­tischer Nutzen mit den ma­gischen Mitteln der Religion in Aus­sicht ge­stellt, spiri­tuelle oder trans­zen­dente Ziele klangen nur am Rande an.

Der Bud­dhis­mus galt dem Zentral­staat insgesamt als äußerst mäch­tiges Instrument, dessen Kon­trolle man nicht aus der Hand geben durfte. Er wurde daher vom Staat nicht nur ge­fördert, er wurde auch vom Staat ge­maßregelt. Die Klöster durften nur ein be­stimmtes Kon­tin­gent an Mönchen und Nonnen auf­nehmen, jede einzelne Mönchs­weihe bedurfte einer staat­lichen Ge­neh­mi­gung. Anderer­seits sorgte die Zentral­regierung für die lande­sweite Aus­brei­tung des Bud­dhis­mus, indem sie in jeder Provinz ein streng hie­rarchisches Netz von Haupt- und Zweig­tempeln errichtete. Der TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel SogiyaBekannte SchreineHachimanKasugaBekannte Tempel... mehr in Nara wurde 745 von Shōmu TennōShōmu Tennō 聖武天皇 701–56; 45. japanischer Kaiser; (r. 724–49); Förderer des Buddhismus Bishamon-tenNaraBenzaitenSutra... mehr als Zentrum dieses staat­lich organi­sierten religiösen Systems errichtet.

Andererseits blieb die direkte Förderung buddhis­tischer Tempel durch mächtige Familien, wie sie seit der Zeit der Soga bestand (der sog. „Klan-Buddhismus“ ujizoku bukkyōujizoku bukkyō 氏族仏教 Klan-Buddhismus; Buddhismus der Adelsfamilien des jap. Altertums ), ein bestimmendes Element des japanischen Buddhismus. Adelsfamilien wie die Fujiwara schufen Familien-Tempel (ujideraujidera 氏寺 Klan- oder Familientempel Nara) wie den Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara , wo die höchsten Ämter zumeist von ordinierten Familienmitgliedern inne gehalten wurden. Die staatlichen Gesetze, die den Buddhismus betrafen, sahen hingegen Beförderung nach meritokratischen Gesichtspunkten vor, es sollten also nur die fähigsten Mönche in der Hierarchie aufsteigen, unabhängig von ihrer familiären Herkunft. Dieser Konflikt blieb innerhalb des japanischen Buddhismus lange bestehen.

Wie weit der Bud­dhis­mus allerdings den indivi­duellen Glauben der breiten Be­völke­rung prägte, ist ungewiss. Wahr­schein­lich be­stand anfangs nur geringes Inte­resse an einer all­gemeinen Ver­breitung bud­dhis­tischer Glaubens­inhalte. Deshalb wurden bud­dhis­tische Texte, die Japan zu­meist in chi­ne­sischer Form er­reichten, auch nicht über­setzt. Predig­ten und schrift­liche Unter­wei­sungen in der Landes­sprache sind bei­spiels­weise erst aus der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit bekannt. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten volks­tümlichen Er­zählungen, die bud­dhis­tische Moral­vor­stellungen illustrieren, indem sie dras­tische Bei­spiele von Be­loh­nung und Be­stra­fung durch die karmische Ver­geltung an­führen. Darin kommt u.a. die Über­zeugung zum Aus­druck, dass allein der Klang un­verständ­licher Sutren wohl­tuende Wirkung auf das KarmaKarma कर्म „Tat“, auch „konsequente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen, jap. Gō 業 TempelBuddhismusWeltbild der Zu­hörer aus­übt. Es ist daher an­zu­nehmen, dass im frühen Bud­dhis­mus eine starke Kluft zwischen einem hoch spezia­li­sierten, aktiv prakti­zierenden bud­dhis­tischen Klerus und einer weit­gehend passiven Ge­mein­schaft von Laien ohne präzise bud­dhis­tische Glaubens­vorstellungen bestand.

Abgesehen von seinen magisch-religiösen Quali­täten brachte der Bud­dhis­mus auch ganz konkrete Vor­teile mit sich, die wohl die wahren Ur­sachen seiner Be­deutung waren: Bud­dhis­tische Klöster waren Orte der Bildung, wo längst nicht nur religiöses Wissen vom asia­tischen Konti­nent ge­hortet und weiter­ge­geben wurde. Da bud­dhis­tische Mönche Wissen an­sammeln mussten, um in der Kloster­hierarchie vor­anzu­kommen, und dieser Wissens­erwerb die Kenntnis des Chi­ne­sischen vor­aus­setzte, war der Bud­dhis­mus — be­sonders in der NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr- und HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit — die bedeutendste Brücke, über die sich der Wissens­transfer zwischen Japan und dem Fest­land vollzog. Diese er­ziehe­rische Funktion blieb dem Bud­dhis­mus bis weit in die EdoEdo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyō ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit hinein erhalten.

Verweise

Fußnoten

  1. Quelle: Nihon shoki (Aston, Nihongi, Vol. II, S. 65–67 und 101–105.)

Bilderläuterungen

  1. Asuka daibutsu.jpg
    Asuka Daibutsu.
    Statue, nyorai (Bronze) von Tori Busshi. 609; Höhe: 2,75 m
    Bild © Kyōto shiseki sansakue. (Letzter Zugriff: 2011/7).

    Mit 2,75m Sitzhöhe erreichte die Statue des Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) für die damalige Zeit kollossale Ausmaße. Der Bildhauer Tori Busshi stammte aus einer koreanischen Einwandererfamilie. Der Stil des Daibutsu ist kontinental geprägt.

  2. Kamatari waseda.jpg
    Fujiwara no Kamatari.
    Hängerollbild, kakemono (Papier, Farbe) von Ono no Takamura; 58,5 × 42,3 cm
    Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2016/9).

    Laut Bildinschrift handelt es sich um die Kopie einer Portraitzeichnung, die vom Heian-zeitlichen Gelehrten Ono no Takamura (802–853) angefertigt wurde. Im Vordergrund sind die nicht ausgeführten Silhuetten von Kamataris Untergebenen zu erkennen.

Links

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Yoshida Kazuhiko 2003
Revisioning Religion in Ancient Japan.“ Japanese Journal of Religious Studies 30/1–2 (2003), S. 1–26.
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Ikonographie 
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„Die Frühzeit des japanischen Buddhismus.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.2.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Fruehzeit?oldid=72624