Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi

< Geschichte‎ | Fruehzeit
Version vom 13. September 2010, 14:43 Uhr von Opaque (Kommentar | Beiträge) (Kindliche Pietät und Frömmigkeit)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Shōtoku Taishi in populären Darstellungen

Aus heutiger Sicht erscheint Shōtoku Taishi vor allem als genialer Staats­mann, der u.a. durch die ihm zu­ge­schriebene „Ver­fassung in 17 Punkten“1 (eine sehr all­gemein ge­haltene An­wei­sung an die politische Klasse des Landes) die Re­for­men des siebten Jahr­hunderts, die aus Japan einen Staat nach chi­ne­sischem Vorbild machten, ein­leitete. Zu­gleich findet man bereits in den frühesten Quellen An­sätze zur Legenden­bildung um Shōtoku Taishi. So heißt es im Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr, dass er von Geburt an sprechen konnte und dass er oft die Anliegen von zehn Menschen gleichzeitig anhörte.

Der Prinz als Staatmann

Shotoku taishi.jpg
Der Prinz als junger Regent von zwei kindlichen Pagen begleitet.

Das bekannteste Shōtoku-Motiv stammt angeblich aus der NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr-Zeit. Der Prinz ist bereits erwachsen und trägt ein Zepter (shakushaku Zeremonielles Zepter der Schreinpriester; trad. Emblem von Herrschern und Götterstatuen SchreinpriesterShinto-Goetter) als Zeichen seiner welt­lichen Macht. Im 20. Jahr­hundert griff man ganz besonders stark auf dieses Motiv zurück: Geld­scheine mit dem obigen Taishi Motiv waren von den dreißiger Jahren bis 1984 in Umlauf. Die staats­männische Seite des Prinz-Regenten tritt auf den Geld­scheinen noch deutlicher hervor als auf dem Original.

Shotoku banknote.jpg

Buddhistische Verehrung

Obwohl die genannte Verfassung von Shotoku Taishi vor­nehm­lich kon­fuzia­nische Prinzipien enthält, setzt sie sich auch für die För­de­rung des Bud­dhis­mus ein. Punkt 2 der Ver­fassung lautet:

Haltet die Drei Schätze in höchsten Ehren. Die Drei Schätze, das sind Buddha, Dharma und Sangha (Buddha, Buddha­lehre und Mönchs­gemeinde). Sie sind die letzte Zuflucht der vier Arten von Wesen, das Fundament aller Nationen. Welcher Mensch zu welcher Zeit könnte diese Lehren nicht respektieren? Wirklich schlechte Menschen gibt es nur wenige. Die meisten befolgen, was man sie lehrt. Wie aber sollte man Ver­bogenes gerade biegen, wenn man nicht zu den Drei Schätzen Zuflucht nimmt? 2

Spätere Generationen buddhistischer Mönche dankten Shōtoku dieses Engagement für den Bud­dhis­mus, indem sie ihn zu einer Art Heiligen hoch­stilisierten und als Inkarnation des Bodhisattva Avalokiteshvara (KannonKannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekannt PhalluskulteFushimiKasugaNikkoBekannte Tempel... mehr) aus­gaben. Es entstand eine eigene Glaubens­richtung, die sich in ihren Gebeten speziell an Shōtoku Taishi wandte.

Kindliche Pietät und Frömmigkeit

Eine Legende weiß etwa zu berichten, dass Prinz Shōtoku bereits als zwei­jähriges Kind an Buddhas Todes­tag, dem 15. des Zweiten Monats, mit gefalteten Händen nieder­kniete und den Buddha pries (namu butsunamu butsu 南無仏 Lobpreisung Buddhas ). Shōtoku Taishi als betender Knabe stellt daher ein häufiges Motiv in der darstellenden Kunst dar.

Shotoku taishi kamakura.jpg
Kōyō Taishi mit Rauchopferschale
Seidenmalerei, Kamakurazeit. 3

Ein weiteres Standard Motiv zeigt den Prinzen, wie er ein buddhistisches Rauch­opfer für die Genesung seines Vaters, Kaiser Yōmei (r. 585-587), abhält. Auf­grund dieses frommen — und der Legende nach erfolg­reichen — Unter­nehmens wurde auch Yōmei zum Bud­dhis­mus bekehrt. Das Motiv des „pietätvoll opfernden Prinzen“ (Kōyō Taishi 孝養太子) zeigt Shōtoku Taishi als über­proportional dar­gestelltes Kind mit bud­dhis­tischer Mönchs­stola (kesakesa 袈裟 äußerstes Gewand der buddh. Mönchstracht, variiert zwischen einem breiten Wickeltuch und einer dünnen Stola; besteht der Theorie nach aus Flicken. MoencheMoenchstrachtYamabushi) und einer Rauch­opfer­schale in der Hand. Die über Shōtoku Taishis neu­artigen Kult sichtlich er­staunten Hof­adeligen sind als kleine Figuren im Vordergrund zu sehen.

Der Prinz als Bodhisattva-artige Figur

Shotoku jizo.jpg
Kamakura Zeit (14. Jh.)4

Shotoku Taishi trägt hier sogar ein Pilgergewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva JizōJizō 地蔵 wtl. Schatzhaus/Mutterleib der Erde; skr. Kṣitigarbha; populäre Bodhisattva Figur MoencheOpfergabenFushimiOsorezan... mehr erinnert.

Guze kannon.jpg
„Kannon, der Weltenretter“ (Guze Kannon),
„Geheime Buddha-Statue“ des Hōryū-ji, die angeblich Shōtokus Züge trägt.

Die Verehrung Shōtokus als Manifestation Avalokitshvaras hat ihren Ursprung möglicherweise in der ältesten Kannon-Statue des Hōryū-jiHōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ BautenTempelTempeltoreFruehzeit... mehr, dem Weltenretter Kannon, eine Statue, die sich vor allem durch eine untypische Physiognomie auszeichnet und angeblich nach einem Portrait Shōtokus angefertigt wurde. Die Statue galt lange als „Geheim-Buddha“ und wurde komplett unter Verschluss gehalten, sodass sie verhältnismäßig gut erhalten ist. Auch heute wird sie nur selten gezeigt.

Gosonzomandara.jpg
Mandala der Fünf Erhabenen (Gosonzō mandara), Kamakura Zeit. 5

Auf diesem Mandala aus der Kamakura Zeit sieht man Shōtoku Taishi und Kōbō Daishi Kūkai „zu Füßen“ des Dainichi Nyorai. Dainichi ist der Haupt-Buddha des von Kūkai nach Japan übermittelten esoterischen Buddhismus. Für die Anhänger Shōtokus war Kūkai darüber hinaus die Reinkarnation des Shōtoku Taishi. Auf diese Weise konnte der Prinz auch in den esoterischen Buddhismus intergriert werden. Die beiden Figuren oben sind im übrigen die Bodhisattvas Kokūzō und Kannon, die hier wohl als „Urformen“ (honji) der beiden buddhistischen Heiligen fungieren.

Anmerkungen

  1. Tatsächlich bestehen berechtigte Zweifel an der Authentizität dieses Dokuments, das nur in einer Fassung des Nihon shoki, also über hundert Jahre nach seiner Entstehung, bekannt ist.
  2. Nihon shoki, Suiko Tennō, 12. Jahr (604), 4. Monat (Ü.: B. Scheid).
    Siehe auch: Wikisource (jap), Wikipedia (de), Aston, Nihongi II, S. 129.
  3. Bildquelle: The British Museum
  4. Bildquelle: Smithonian Institute
  5. Bildquelle: Yamaguchi Sumio, Kyōto shiseki sansaku e, (2009/4).
Geschichte/Fruehzeit (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Shōtoku Taishi als buddhistischer Staatsmann und Heiliger.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 13.9.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Fruehzeit/Shotoku_Taishi?oldid=14234