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(Der Ehrwürdige Zōga bei der Kaiserinmutter)
 
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{{g|Fujiwaranosenshi}} 藤原詮子 (962–1002), Mutter des Ichijō Tennō, trat 991 mit 30 Jahren in den Nonnenstand.
 
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in den geist·lichen Stand ein·tre·ten wollte, ließ sie nach ihm schicken, damit er die Weihe vornehmen solle. „Welche Ehre,“ sprach er, „ich, Zōga, werde dies gerne tun.“ Seine Schüler hatten befürchtet, dass der Ehrwürdige den Boten der Kaiserin·mutter mit Prügeln fort·jagen würde, und waren er·leich·tert, als er sich statt dessen be·schwingt auf den Weg zur Haupt·stadt machte. Dort angekommen ließ ihn die kaiserliche Hoheit sogleich freudig zu sich rufen. Weltliche und geistliche Würden·träger waren in großer Zahl zur Stelle und auch ein Vertreter des Tennō war aus dem kai·ser·lichen Palast ent·sandt worden. Der Blick des Ehr·würdigen war ehr·furcht·gebietend und sein Auf·treten vornehm, doch schien er etwas leidend zu sein.  
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in den geist·lichen Stand ein·tre·ten wollte, ließ sie nach ihm schicken, damit er die Weihe vornehmen solle. „Welche Ehre,“ sprach er, „ich, Zōga, werde dies gerne tun.“ Seine Schüler hatten befürchtet, dass der Ehrwürdige den Boten der Kaiserin·mutter mit Prügeln fort·jagen würde, und waren er·leich·tert, als er sich statt dessen be·schwingt auf den Weg zur Haupt·stadt machte. Dort angekommen ließ ihn die kaiserliche Hoheit sogleich freudig zu sich rufen. Weltliche und geistliche Würden·träger waren in großer Zahl zur Stelle und auch ein Vertreter des Tennō war aus dem kai·ser·lichen Palast ent·sandt worden. Der Blick des Ehr·würdigen war ehr·furcht·gebietend und sein Auf·treten vornehm, doch schien er ein wenig mitgenommen zu sein.  
  
 
Nach·dem man ihn aufrief, begab er sich zum Para·vent, hinter dem die kaiser·liche Hoheit saß, und begann die Ordi·nations·riten. Als die kaiserliche Hoheit ihr prächtiges Haar [über den Paravent] herabhängen ließ, damit er es abschneiden möge, brachen  sämtliche Hof·damen in haltloses Schluch·zen aus. Schließlich war die Tonsur vollzogen und der Ehr·würdige wandte sich zum Gehen. Da sagte er mit lauter Stimme: „Was war eigentlich der Grund, dass Ihr Zōga zu Euch rufen ließet? Ich kann es nicht verstehen. Habt Ihr vielleicht gehört, dass mein schmutziges Ding besonders groß ist? Es ist in der Tat größer als andere, doch jetzt hängt es nur noch herab, schlaff wie ein Stück Seide.“ Die Hof·damen, die nebenan in den hinteren Ge·mä·chern saßen, die Minister, die Höflinge und die ver·sam·mel·ten Mönche rissen alle fassungs·los Mund und Augen auf. Auch der kaiserlichen Hoheit erging es nicht anders. Alle Er·haben·heit war verflogen, alle waren schweiß·gebadet und wären am liebsten im Boden versunken.
 
Nach·dem man ihn aufrief, begab er sich zum Para·vent, hinter dem die kaiser·liche Hoheit saß, und begann die Ordi·nations·riten. Als die kaiserliche Hoheit ihr prächtiges Haar [über den Paravent] herabhängen ließ, damit er es abschneiden möge, brachen  sämtliche Hof·damen in haltloses Schluch·zen aus. Schließlich war die Tonsur vollzogen und der Ehr·würdige wandte sich zum Gehen. Da sagte er mit lauter Stimme: „Was war eigentlich der Grund, dass Ihr Zōga zu Euch rufen ließet? Ich kann es nicht verstehen. Habt Ihr vielleicht gehört, dass mein schmutziges Ding besonders groß ist? Es ist in der Tat größer als andere, doch jetzt hängt es nur noch herab, schlaff wie ein Stück Seide.“ Die Hof·damen, die nebenan in den hinteren Ge·mä·chern saßen, die Minister, die Höflinge und die ver·sam·mel·ten Mönche rissen alle fassungs·los Mund und Augen auf. Auch der kaiserlichen Hoheit erging es nicht anders. Alle Er·haben·heit war verflogen, alle waren schweiß·gebadet und wären am liebsten im Boden versunken.

Aktuelle Version vom 12. Februar 2019, 19:25 Uhr

Der Ehrwürdige Zōga entleert seinen Darm

Der TendaiTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai YamabushiNikkoBekannte TempelBerg KoyaBishamon-ten... mehr-Mönch ZōgaZōga 増賀 917–1003; Mönch der Tendai-Schule Heian Zeit (917–1003) tritt in mehreren Anek­doten der mittleren Heian-Zeit als kom­promiss­loser Eigenbrötler auf, der die zu­neh­mende Ver­weltlichung des Klerus durch eine Verweigerungshaltung tadelt, wie sie in späterer Zeit vor allem unter ZenZen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus FushimiTempeltoreArhatsHeian Zeit... mehr-Meistern gepflegt wurde. Unter anderem soll er eine Prozession zu Ehren seines Lehrers, des Erzabtes RyōgenRyōgen 良源 912–985; Abt der Tendai-Schule; unter Namen wie Jie Daishi 慈恵大師, Ganzan Daishi 元三大師, Tsuno Daishi 角大師 oder Mame Daishi 豆大師 auch als Schutzheiliger populär Oni und Kappa, in Lumpen und auf einem klapprigen alten Ochsen reitend begleitet haben.

Der Ehrwürdige Zōga auf einem Ochsen.
Querbildrolle, emaki (Papier, Farbe) von Kanō Einō (1631–1697), Detail. Edo-Zeit; aus Zōga shōnin gyōgōki („Taten des Ehrwürdigen Zōga“), Rolle 2; 1272,3×35,7cm
Bildquelle: Nara Women's University. (Letzter Zugriff: 2014/5).

Der Mönch Zōga zeigt seine Verachtung gegenüber weltlichem Reichtum und Prunk, indem er an der Ehrung seines eigenen Lehrers (des Mönchs im Ochsenkarren) in zerschlissener Alltagskleidung teilnimmt. Die Illustration entstammt einer Edo-zeitlichen Querbildrolle des Tanzan Schreins, des geistigen Zentrums von Tōnomine, wo Zōga tätig war.

. 1 Der Ehrwürdige Zōga führt auf einem klapprigen Ochsen die Parade seines Lehrers an

Ein anderes Mal verschenkte Zōga seine gesamten Kleider an die Armen und kehrte nackt in sein Kloster zurück.

Der Ehrwürdige Zōga verschenkt seine Kleider.
Querbildrolle, emaki (Papier, Farbe) von Kanō Einō (1631–1697), Detail. Edo-Zeit; aus Zōga shōnin gyōgōki („Taten des Ehrwürdigen Zōga“), Rolle 1; 1272,3×35,7cm
Bildquelle: Nara Women's University. (Letzter Zugriff: 2014/5).

Der Mönch Zōga verschenkt seine Kleider an die Armen und kehrt nackt in sein Kloster zurück.

. 2 Zōga verschenkt seine Kleider an die Armen

Die selt­samste Episode — von der leider keine Illustrationen zu finden waren — handelt jedoch von einer Zere­monie im Jahr 991, als Zōga bereits als hochbetagter, kauziger Klosterabt etabliert war. Ganz gegen seine sonstige Gewohn­heit folgt der über Sieb­zig­jährige einer Auf­forderung, die Nonnen­weihe der Kaiserin­mutter durchzuführen. (Der Kaiser, Ichijō TennōIchijō Tennō 一条天皇 980-1011; 66. Kaiser von Japan; (r. 986-1011) , war zu dieser Zeit ein Kind und seine Mutter eine junge Frau von 30 Jahren, insofern stellte die Nonnen­weihe eine be­son­ders ver­antwor­tungs­volle Aufgabe und zugleich eine große Aus­zeichnung dar). Die Zere­monie endet jedoch mit einem Eklat, den das Uji shūi monogatariUji shūi monogatari 宇治拾遺物語 „Ausgewählte Erzählungen [des Dainagon] von Uji“ (13. Jh.); Sammlung von unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten, viele aus dem → Konjaku monogatari Beule fol­gen­der­maßen schildert:

Der Ehrwürdige Zōga bei der Kaiserinmutter

Vor langer Zeit lebte auf dem Berg TōnomineTōnomine 多武峰 Heiliger Berg südlich von Nara, wo u.a. der Ahnherr der Fujiwara Nakatomi no Kamatari im Tanzan Schrein verehrt wird 1 ein heiliger Mann, den man den Ehr­würdigen Zōga nannte. Er war streng und unnachgiebig, Ruhm und Reich­tum verachtete er und oft tat er absichtlich so, als ob er von Sinnen wäre.

Als die Kaiserin­mutter der Dritten Straße2 in den geist­lichen Stand ein­tre­ten wollte, ließ sie nach ihm schicken, damit er die Weihe vornehmen solle. „Welche Ehre,“ sprach er, „ich, Zōga, werde dies gerne tun.“ Seine Schüler hatten befürchtet, dass der Ehrwürdige den Boten der Kaiserin­mutter mit Prügeln fort­jagen würde, und waren er­leich­tert, als er sich statt dessen be­schwingt auf den Weg zur Haupt­stadt machte. Dort angekommen ließ ihn die kaiserliche Hoheit sogleich freudig zu sich rufen. Weltliche und geistliche Würden­träger waren in großer Zahl zur Stelle und auch ein Vertreter des Tennō war aus dem kai­ser­lichen Palast ent­sandt worden. Der Blick des Ehr­würdigen war ehr­furcht­gebietend und sein Auf­treten vornehm, doch schien er ein wenig mitgenommen zu sein.

Nach­dem man ihn aufrief, begab er sich zum Para­vent, hinter dem die kaiser­liche Hoheit saß, und begann die Ordi­nations­riten. Als die kaiserliche Hoheit ihr prächtiges Haar [über den Paravent] herabhängen ließ, damit er es abschneiden möge, brachen sämtliche Hof­damen in haltloses Schluch­zen aus. Schließlich war die Tonsur vollzogen und der Ehr­würdige wandte sich zum Gehen. Da sagte er mit lauter Stimme: „Was war eigentlich der Grund, dass Ihr Zōga zu Euch rufen ließet? Ich kann es nicht verstehen. Habt Ihr vielleicht gehört, dass mein schmutziges Ding besonders groß ist? Es ist in der Tat größer als andere, doch jetzt hängt es nur noch herab, schlaff wie ein Stück Seide.“ Die Hof­damen, die nebenan in den hinteren Ge­mä­chern saßen, die Minister, die Höflinge und die ver­sam­mel­ten Mönche rissen alle fassungs­los Mund und Augen auf. Auch der kaiserlichen Hoheit erging es nicht anders. Alle Er­haben­heit war verflogen, alle waren schweiß­gebadet und wären am liebsten im Boden versunken.

Der Ehr­würdige aber faltete zum Ab­schied die Hände und sprach: „Vom Alter gebeugt und schwer verkühlt, bin ich außerdem vom Durchfall geplagt. Ich hätte nicht kommen sollen, doch nachdem man mich eigens rief, gesellte ich mich zu Euch. Jetzt aber kann ich mich nicht mehr halten und muss mich eiligst zurück­ziehen.“ Kaum war er auf die westliche Veranda hinaus­getreten, entblößte er sein Gesäß und entleerte sich, als ob man Wasser aus einem Zuber gösse. Geräusch und Gestank waren so gewaltig, dass sie bis zur kaiser­lichen Ho­heit drangen. Da konnten sich die jungen Höf­linge nicht mehr halten vor Lachen. Die Mönche aber empörten sich, dass man so einen Ver­rück­ten hatte rufen lassen.

Auf diese Weise stellte sich Zōga ab­sicht­lich an wie von Sinnen. Nichts­desto­trotz ver­brei­tete sich der Ruf seiner Heilig­keit weiter und weiter.3

Verweise

Fußnoten

  1. Etwa eine Tagesreise südlich der damaligen Hauptstadt Heian-kyōHeian-kyō 平安京 urspr. Name der Stadt Kyōto; wtl. Stadt des Friedens; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) RegenmachenHeian ZeitKamakura (Kyōto).
  2. Fujiwara no SenshiFujiwara no Senshi 藤原詮子 962-1002; Mutter des Ichijō Tennō; Nonnenweihe 991 藤原詮子 (962–1002), Mutter des Ichijō Tennō, trat 991 mit 30 Jahren in den Nonnenstand.
  3. Aus dem Ujishūi monogatari, Erzählung 143, ein Werk der setsuwasetsuwa 説話 Lehrerzählung, didaktische Anekdote; meist von buddh. Mönchen in Form umfangreicher Sammlungen kompiliert OpferRegenmachenHeian ZeitKamakura... mehr Literatur aus dem 13. Jahrhundert. Nach Watanabe Tsunaya und Kōichi Nishio (ed.). Ujishūi monogatari (Nihon koten bungaku taikei, Bd. 27). Iwanami Shoten, 1960. Ü.: Bernhard Scheid. Siehe auch Tyler 1987, S. 307–310.

Bilderläuterungen

  1. Zoga.jpg
    Der Ehrwürdige Zōga auf einem Ochsen.
    Querbildrolle, emaki (Papier, Farbe) von Kanō Einō (1631–1697), Detail. Edo-Zeit; aus Zōga shōnin gyōgōki („Taten des Ehrwürdigen Zōga“), Rolle 2; 1272,3×35,7cm
    Bildquelle: Nara Women's University. (Letzter Zugriff: 2014/5).

    Der Mönch Zōga zeigt seine Verachtung gegenüber weltlichem Reichtum und Prunk, indem er an der Ehrung seines eigenen Lehrers (des Mönchs im Ochsenkarren) in zerschlissener Alltagskleidung teilnimmt. Die Illustration entstammt einer Edo-zeitlichen Querbildrolle des Tanzan Schreins, des geistigen Zentrums von Tōnomine, wo Zōga tätig war.

  2. Zoga2.jpg
    Der Ehrwürdige Zōga verschenkt seine Kleider.
    Querbildrolle, emaki (Papier, Farbe) von Kanō Einō (1631–1697), Detail. Edo-Zeit; aus Zōga shōnin gyōgōki („Taten des Ehrwürdigen Zōga“), Rolle 1; 1272,3×35,7cm
    Bildquelle: Nara Women's University. (Letzter Zugriff: 2014/5).

    Der Mönch Zōga verschenkt seine Kleider an die Armen und kehrt nackt in sein Kloster zurück.

Literatur

Royall Tyler (Ü.) 1987
Japanese Tales. New York: Pantheon Books 1987.
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Ikonographie 
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„Der Ehrwürdige Zōga entleert seinen Darm.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.2.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Heian_Zeit/Zoga?oldid=72626