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(Die Sechs Nara-Schulen)
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==Die Sechs Nara-Schulen==
 
==Die Sechs Nara-Schulen==
In der Nara Zeit wurde der Buddhismus von Strömungen dominiert, die man zusammen·fassend als die „Sechs Nara-Schulen“ (Hossō, Kegon, Ritsu, Sanron, Kusha, Jōjitsu) be·zeichnet. Im Unter·schied zu späteren Rich·tungen, ver·standen sich diese Schulen weniger als kon·kurrierende Aus·le·gungen des bud·dhis·tischen Dharma denn als kom·plementäre Disziplinen inner·halb eines ge·mein·samen religiös-philo·sophischen Systems. So widmet sich etwa die „Schule der Ordens·regeln“ ({{glossar:risshuu}}) in erster Linie den Mönchs·geboten, bzw. den Regeln des Zu·sammen·lebens im Kloster. Die vielleicht ein·fluss·reichste Richtung war die {{glossar:hossoushuu|Hossō Schule}}, die auch noch in der Heian Zeit ein be·stimmender Faktor in der alten Haupt·stadt Nara blieb. Die Sechs Schulen verteilten sich auf sieben Tempel ({{glossar:toudaiji}}, {{glossar:yakushiji}}, {{glossar:koufukuji}}, {{glossar: houryuuji}}, Saidai-ji, Gangō-ji und Daian-ji), die wieder·um die geistigen Zentren des Nara-zeit·lichen Bud·dhis·mus dar·stellten und alle inner·halb oder in der Nähe der Haupt·stadt angesiedelt waren.
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In der Nara Zeit wurde der Buddhismus von Strömungen dominiert, die man zusammen·fassend als die „Sechs Nara-Schulen“ (Hossō, Kegon, Ritsu, Sanron, Kusha, Jōjitsu) be·zeichnet. Im Unter·schied zu späteren Rich·tungen, ver·standen sich diese Schulen weniger als kon·kurrierende Aus·le·gungen des bud·dhis·tischen Dharma denn als kom·plementäre Disziplinen inner·halb eines ge·mein·samen religiös-philo·sophischen Systems. So widmet sich etwa die „Schule der Ordens·regeln“ ({{glossar:risshuu}}) in erster Linie den Mönchs·geboten, bzw. den Regeln des Zu·sammen·lebens im Kloster. Die vielleicht ein·fluss·reichste Richtung war die {{glossar:hossoushuu|Hossō Schule}}, die auch noch in der Heian Zeit ein be·stimmender Faktor in der alten Haupt·stadt Nara blieb. Die Sechs Schulen verteilten sich auf sieben Tempel ({{glossar:toudaiji}}, {{glossar:yakushiji}}, {{glossar:koufukuji}}, {{glossar: houryuuji}}, {{glossar:Saidaiji}}, Gangō-ji und Daian-ji), die wieder·um die geistigen Zentren des Nara-zeit·lichen Bud·dhis·mus dar·stellten und alle inner·halb oder in der Nähe der Haupt·stadt angesiedelt waren.
  
 
==Der Dōkyō Zwischenfall==
 
==Der Dōkyō Zwischenfall==

Version vom 21. Oktober 2010, 13:44 Uhr

Der Buddhismus der Nara-Zeit

Seine erste große Blüte erlebte der Buddhismus im achten Jahr­hundert, als Japan von NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr (damals Heijō-kyō) aus regiert wurde. Die För­de­rung des Bud­dhis­mus wurde vor allem durch Shōmu TennōShōmu Tennō 聖武天皇 701–56; 45. japanischer Kaiser; (r. 724–49); Förderer des Buddhismus Bishamon-tenFruehzeitBenzaitenSutra... mehr voran­ge­trieben, der zu­sammen mit seinen Vor­gängern Tenchi und TenmuTenmu Tennō 天武天皇 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686) Schreinanlage IseOkuninushiFruehzeitKami Kulte... mehr zu den ener­gischsten Kaisern zählt, die Japan je besaß. Seine Regierung war zu­nächst von Hungers­nöten und Rivali­täten inner­halb des Hof­adels ge­kenn­zeichnet, die Shōmu durch die Ver­legung seiner Resi­denz in den Griff zu bekommen ver­suchte: Zwischen 741 und 44 siedelte er dreimal um, bis er schließlich 745 end­gültig nach Nara zurück­kehrte. Während dieser Zeit setzte er auch religions­poli­tische Maß­nahmen, die rück­blickend gesehen kon­sequenter und plan­mäßiger wirken als seine Hauptstadtpolitik.

Staats-buddhistische Reformen

741 erging ein kaiserlicher Erlass, der die Errichtung eines landes­weiten Netzes von „Provinz­tempeln“ (kokubunjikokubunji 国分寺 Provinztempel, Provinzialhaupttempel; in der Nara-Zeit Teil eines landesweiten Tempel-Netzwerks Bekannte TempelBishamon-ten) befahl. Als Zentrum dieser Provinz­tempel sollte ein neuer Tempel von un­ge­heuren Aus­maßen, der Große Tempel des Ostens (TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel SogiyaBekannte SchreineHachimanKasugaBekannte Tempel... mehr) in Nara er­richtet werden. Das ganze System sollte offen­bar ein Gegen­ge­wicht zu den Familien-Tempeln (ujideraujidera 氏寺 Klan- oder Familientempel Fruehzeit) der verschiedenen Adels­häuser bilden und den Bud­dhis­mus stärker in den Dienst der öffent­lichen Ver­waltung einbinden.

daibutsu_nara.jpg
Buddha Vairocana (Rushana butsu) // Statue, daibutsu (Bronze), Detail. 752; Tōdaiji, Nara; Gesamthöhe (mit Lotos-Podest): 14,98 m // Bild © Frank Gualtieri, Wikimedia Commons 2005 (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Obwohl sie durch über zwölf Jahrhunderte viel gelitten hat, ist die weltweit größte Bronzestatue (Daibutsu) noch heute äußerst eindrucksvoll.

Die Errichtung des Tōdaiji (745) und seines Großen Buddhas (752) waren der sicht­bare Ausdruck von Shōmus ambitionierter Religions­politik. Besonders die Her­stellung der damals wie heute welt­weit größten Bronze­statue war ein Ereignis, das weit über die Landes­grenzen hinaus Be­deutung er­langte. Die ge­samte bud­dhis­tische Welt schickte Ab­gesandte zur „Augen­öffnungs­zere­monie“ des Großen Buddhas, die Ein­weihung wurde von einem indischen Mönch vor­ge­nommen. Aller­dings trieben die Her­stellungs­kosten von Statue und Tempel den antiken Staat an den Rand des Ruins und waren nur dank groß an­gelegter Spenden­kampagnen zu be­wältigen. Dass der Bud­dhis­mus in Japan gerade damals zu der­artigen Leis­tungen fähig war, ist zweifel­los ein Zeichen für die be­sonderen Hoffnungen, die sich Staat und Gesell­schaft von der fremd­ländischen Religion machten.

Weniger spektakulär, aber womöglich wirkungs­voller waren die „Provinz­tempel“, als deren Zentrum der Tōdaiji er­richtet worden war. Sie befanden sich im all­ge­meinen nahe der neu eingerichteten Verwaltungs­zentren in den Provinzen und waren auch als Maßnahme zur Stärkung einer landes­weiten zentra­lis­tischen Ver­waltung im Sinne der ritsuryōritsuryō 律令 wtl. Strafen und Verordnungen; Gesetzessammlung des Altertums nach dem Vorbild der chin. Tang-Dynastie Fruehzeit-Gesetz­gebung ge­dacht. Noch heute zeugen Orte mit dem Namen Kokubunji davon, dass es sich wohl um be­deutende regionale Zentren ge­handelt haben muss. Aller­dings ver­loren diese offiziellen „Staats­tempel“ in dem Maß an Bedeutung, in dem die zentrale Ver­waltung ingesamt durch private Ländereien (shōen) unter­wandert, bzw. ersetzt wurde. Im Zuge der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit wurde außerdem der Tōdaiji vom benach­barten Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara Bekannte SchreineKasugaBekannte TempelKamakura... mehr an Bedeutung über­flügelt und mehr oder weniger ab­sorbiert. Der Kōfuku-ji war aber letztlich nichts anderes als der Ahnen­tempel des mächtigsten Adels­ge­schlechts, der FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum Bekannte SchreineKasugaTenjinBekannte TempelOkuninushi... mehr. Nach und nach ver­wandelte sich der frühe japanische Bud­dhis­mus somit von einem Instrument der staat­lichen Zentra­lisierung zu einem Ver­bündeten der alten Klan-Strukturen, die allen äußer­lichen Sini­sierungs­maßnah­men zum Trotz all­mählich wieder die Herr­schaft des Landes be­stimmten. Der Bud­dhis­mus war somit eng mit den Fragen Ver­staat­lichung vs. Privati­sierung ver­bunden, die bereits in den unter­schied­lichen Gesell­schafts­modellen des japanischen Altertums eine Rolle spielten.

Die Sechs Nara-Schulen

In der Nara Zeit wurde der Buddhismus von Strömungen dominiert, die man zusammen­fassend als die „Sechs Nara-Schulen“ (Hossō, Kegon, Ritsu, Sanron, Kusha, Jōjitsu) be­zeichnet. Im Unter­schied zu späteren Rich­tungen, ver­standen sich diese Schulen weniger als kon­kurrierende Aus­le­gungen des bud­dhis­tischen Dharma denn als kom­plementäre Disziplinen inner­halb eines ge­mein­samen religiös-philo­sophischen Systems. So widmet sich etwa die „Schule der Ordens­regeln“ (RisshūRisshū 律宗 „Schule der Ordensregeln“ (skt. vinaya); Schulrichtung des frühen jap. Buddhismus, eine der Sechs Nara-Schulen; ) in erster Linie den Mönchs­geboten, bzw. den Regeln des Zu­sammen­lebens im Kloster. Die vielleicht ein­fluss­reichste Richtung war die Hossō SchuleHossō-shū 法相宗 Schulrichtung des frühen jap. Buddhismus, eine der Sechs Nara-Schulen Saicho, die auch noch in der Heian Zeit ein be­stimmender Faktor in der alten Haupt­stadt Nara blieb. Die Sechs Schulen verteilten sich auf sieben Tempel (TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel SogiyaBekannte SchreineHachimanKasugaBekannte Tempel... mehr, Yakushi-jiYakushi-ji 薬師寺 Tempel des Yakushi Nyorai in Nara TempelHonji suijaku, Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara Bekannte SchreineKasugaBekannte TempelKamakura... mehr, Hōryū-jiHōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ BautenTempelTempeltoreFruehzeitShotoku Taishi... mehr, Saidai-jiSaidai-ji 西大寺 Buddhistischer Tempel in Nara, err. 765, Haupttempel der Shingon Risshū Schule Hadaka matsuriDaikoku, Gangō-ji und Daian-ji), die wieder­um die geistigen Zentren des Nara-zeit­lichen Bud­dhis­mus dar­stellten und alle inner­halb oder in der Nähe der Haupt­stadt angesiedelt waren.

Der Dōkyō Zwischenfall

Auch für die Nachfolger Shōmu Tennōs, insbesondere für seine Tochter, Prinzessin Abe (718–770), die ihm als Kōken TennōKōken Tennō 孝謙天皇 718–770; japanische Kaiserin; r. 749–758 und 764–770 unter dem Namen Shōtoku 称徳 Miniaturstupas nach­folgte, war die För­de­rung des Bud­dhis­mus ein zentrales Anliegen. Unter ihrer Herr­schaft ge­riet das Ver­hältnis zwischen Hof und bud­dhis­tischem Klerus jedoch in eine Krise, die von einem allzu ehr­geizigen Mönch, DōkyōDōkyō 道鏡 ?–772; Nara-zeitl. Mönch; buddhistischer Staatsmann MiniaturstupasZen, ausgelöst wurde. Dōkyō betrat die politische Bühne des Landes 761. Kōken hatte kurz zuvor ihr Amt ab­ge­geben, um sich in ein bud­dhis­tisches Kloster zurück­zu­ziehen und wurde dort von einer schweren Krank­heit geplagt. Dōkyō gelang es „mit magischen Riten“ die Ex-Kaiserin von ihrer Krank­heit zu heilen und offen­bar auch zu er­mutigen, neuer­lich die Geschicke des Landes selbst in die Hand zu nehmen. Es be­durfte dazu aller­dings hand­fester dynastischer Kämpfe mit ihrem Onkel mütter­licher­seits, Fujiwara no Nakamaro, die Kōken 764 zu ihren Gunsten ent­schied, worauf sie unter dem Namen Shōtoku (r. 764–770) neuerlich das Amt des Tennō übernahm.

Ein erstes Anzeichen für die teilweise bizarre Förderung des Bud­dhis­mus unter der Kaiserin wurde be­reits kurz nach ihrer zweiten Macht­er­greifung deut­lich. Zur Feier ihres militä­rischen Sieges ordnete sie die Her­stellung von einer Million winziger Stupas (hyakuman tōhyakuman tō 百万塔 Miniatur-Stupas, wtl. Millionen-Stupas Miniaturstupas) an und ließ sie in den Klöstern des Landes ver­teilen. Offen­bar meinte sie, ihre Macht­über­nahme dem Bei­stand Buddhas zu ver­danken und wollte sich auf diese Weise er­kennt­lich zeigen. In der Folge übertrug sie Dōkyō das höchste Minister­amt und er­nannte ihn schließ­lich sogar zum kaiser­lichen Thron­folger. Damit ent­stand erst­mals in der ja­pa­nischen Geschichte die Aus­sicht, dass dem genea­logischen Prinzip der Tenno-Erb­folge ein Ende gesetzt und Japan von einer Art bud­dhis­tischer Theo­kratie regiert werden könnte.

Dōkyō und die Kaiserin versuchten sogar, ihren Nach­folge­plan durch ein Orakel der ein­heimi­schen Gottheit HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr im weit ent­fernten Usa SchreinUsa Hachiman-gū 宇佐八幡宮 Usa Hachiman Schrein (Usa, Kyūshū) Bekannte SchreineHachiman in Kyushu zu legitimieren. Der Bote, den sie zu Hachimans Schrein schickten, Glossar:Wakenokiyomaru, kehrte jedoch mit einem ab­schlägigen Orakel­spruch zurück, was ihm zunächst grausame Bestrafung, später aber großen geschicht­lichen Ruhm einbrachte. Viel­leicht war dieser ge­schei­terte Mani­pulations­ver­such einer Gottheit tat­säch­lich der Grund, warum nach dem Tod der Kaiserin im Jahre 770 ihre Gegner bei Hof wieder die Ober­hand ge­wannen. Dōkyō jeden­falls wurde nicht Kaiser, sondern ent­machtet und in die Ver­bannung geschickt.

Anti-buddhistische Reflexe

Nachfolgende Kaiser waren nun bestrebt, die Verflechtungen von Bud­dhismus und Staat zu lockern. So soll die Ver­legung der Haupt­stadt unter Kanmu TennōKanmu Tennō 桓武天皇 737–806; 50. japanischer Tennō; (r. 781–806); verantwortlich für Verlegung der Hauptstadt nach Heian (Kyōto) KukaiSaicho (zu­nächst 784 nach Nagaoka, dann 794 nach Heian [= Kyōto]) aus dem Bedürfnis ent­standen sein, dem Einfluss der Nara-Klöster zu ent­kommen. Manche Religions­historiker meinen zu­dem, dass die Existenz von gegen den Bud­dhis­mus gerichteten Tabu-Be­stim­mungen inner­halb des Ise SchreinsIse Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie Ise IzumoSchreinanlage IseTaubenKami Kulte... mehr und in vielen Be­reichen des höfischen Ritual­wesens direkt mit der Dōkyō Affäre in Ver­bindung steht. Diese Affäre könnte somit Anlass für ein be­wusst nicht-bud­dhis­tisches höfisches Ritual­wesen und damit der Beginn einer Art „shintoistischen Bewusstseins“ inner­halb der Hof­aristo­kratie ge­wesen sein. Aller­dings tritt dieser „höfische Shinto“ nach außen hin nicht als konkurrierendes religiöses System gegen den Bud­dhis­mus auf und ist weder unter der Be­zeich­nung „Shinto“ noch unter einem anderen Namen als eigen­ständige Religion fass­bar. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Der Buddhismus der Nara-Zeit.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.10.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Nara?oldid=17152