Geschichte/Shinto Mittelalter: Unterschied zwischen den Versionen

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Die ideen·geschicht·liche Bedeutung des Yoshida Shintō liegt aber nicht in der Re·vita·lisierung des Götter·amtes. Vielmehr brachte Yoshida Kanetomo die Techniken und Theorien des Watarai Shintō erstmals in ein ge·schlos·senes System und gab ihm zudem einen Namen: {{glossar:yuiitsushintou}}, der „Eine und Einzige Shintō“. Damit war erstmals eine Richtung des Shintō ent·standen, die sich auch selbst als solche identifizierte und bewusst vom Bud·dhis·mus abhob. Kanetomo war zugleich einer der ersten, die das Verhältnis von ''kami'' und Buddhas bzw. Shintō und Bud·dhis·mus explizit thema·tisierten. Um dem Shintō zum Vor·rang gegen·über dem Bud·dhis·mus zu ver·helfen, drehte er die gängige ''honji suijaku'' These schlicht·weg um und erklärte die ''kami'' zur Urform ({{glossar:honji}}) und die Buddhas zur „Spur“ ({{glossar:suijaku}}). Nach Ansicht des Yoshida Shintō würden sich die ''kami'' nur in Japan, dem Götter·land, in ihrer wahren Gestalt zu er·kennen geben, während sie sich in Indien und China in der behelfs·mäßigen Er·scheinungs·form von Buddhas manifestierten.
 
Die ideen·geschicht·liche Bedeutung des Yoshida Shintō liegt aber nicht in der Re·vita·lisierung des Götter·amtes. Vielmehr brachte Yoshida Kanetomo die Techniken und Theorien des Watarai Shintō erstmals in ein ge·schlos·senes System und gab ihm zudem einen Namen: {{glossar:yuiitsushintou}}, der „Eine und Einzige Shintō“. Damit war erstmals eine Richtung des Shintō ent·standen, die sich auch selbst als solche identifizierte und bewusst vom Bud·dhis·mus abhob. Kanetomo war zugleich einer der ersten, die das Verhältnis von ''kami'' und Buddhas bzw. Shintō und Bud·dhis·mus explizit thema·tisierten. Um dem Shintō zum Vor·rang gegen·über dem Bud·dhis·mus zu ver·helfen, drehte er die gängige ''honji suijaku'' These schlicht·weg um und erklärte die ''kami'' zur Urform ({{glossar:honji}}) und die Buddhas zur „Spur“ ({{glossar:suijaku}}). Nach Ansicht des Yoshida Shintō würden sich die ''kami'' nur in Japan, dem Götter·land, in ihrer wahren Gestalt zu er·kennen geben, während sie sich in Indien und China in der behelfs·mäßigen Er·scheinungs·form von Buddhas manifestierten.
  
Viele Elemente des Yoshida Shintō wirken aus heutiger Sicht derart bud·dhis·tisch, dass man sich kaum vor·stellen kann, wie zu jener Zeit nicht sofort die Idee auf·kommen konnte, der Yoshida Shintō hätte vom eso·te·rischen Bud·dhis·mus „abgekupfert“. Z.B. heißt es, dass es im Shintō „geheime“ und „offene“ Lehren gäbe (in Analogie zur Zwei·teilung in eso·te·rischen und exo·te·rischen Bud·dhis·mus), wobei die geheimen exklusiv im Besitz der Yoshida wären. Es gibt die Über·ein·stim·mung von Gesten, Worten und Gedanken (die „Drei Geheimnisse“ des eso·te·rischen Bud·dhis·mus), die zur Ver·einigung mit der an·ge·rufenen Gott·heit führen. Es gibt Ritual·gegen·stände und Mudrās, die direkt dem Shingon Bud·dhis·mus ent·nommen sind. Dennoch, aus der Sicht des all·gegen·wärtigen Syn·kre·tis·mus seiner Ent·stehungs·zeit wirkt der Yoshida Shintō durchaus puristisch: Es werden keine Buddhas an·ge·rufen. Es werden keine {{skt:sutra|Sutren}} rezitiert. Es werden keine bud·dhis·tischen Mönche als Ur·heber der Lehre an·ge·geben. Es werden keine bud·dhis·tischen Ziele wie Erleuchtung, {{skt:Nirvana}}, etc. proklamiert. Und wenn bestimmte Über·ein·stim·mungen mit dem Bud·dhis·mus an·er·kannt werden, dann nur, um die Ar·gu·men·tation zu stützen, dass auch der Bud·dhis·mus letztlich auf die japanischen ''kami'' zurückgeht.
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Viele Elemente des Yoshida Shintō wirken aus heutiger Sicht derart bud·dhis·tisch, dass man sich kaum vor·stellen kann, wie zu jener Zeit nicht sofort die Idee auf·kommen konnte, der Yoshida Shintō hätte vom eso·te·rischen Bud·dhis·mus „abgekupfert“. Zum Beispiel heißt es, dass es im Shintō „geheime“ und „offene“ Lehren gäbe (in Analogie zur Zwei·teilung in eso·te·rischen und exo·te·rischen Bud·dhis·mus), wobei die geheimen exklusiv im Besitz der Yoshida wären. Es gibt die Über·ein·stim·mung von Gesten, Worten und Gedanken (die „Drei Geheimnisse“ des eso·te·rischen Bud·dhis·mus), die zur Ver·einigung mit der an·ge·rufenen Gott·heit führen. Es gibt Ritual·gegen·stände und Mudrās, die direkt dem Shingon Bud·dhis·mus ent·nommen sind. Dennoch, aus der Sicht des all·gegen·wärtigen Syn·kre·tis·mus seiner Ent·stehungs·zeit wirkt der Yoshida Shintō durchaus puristisch: Es werden keine Buddhas an·ge·rufen. Es werden keine {{skt:sutra|Sutren}} rezitiert. Es werden keine bud·dhis·tischen Mönche als Ur·heber der Lehre an·ge·geben. Es werden keine bud·dhis·tischen Ziele wie Erleuchtung, {{skt:Nirvana}}, etc. proklamiert. Und wenn bestimmte Über·ein·stim·mungen mit dem Bud·dhis·mus an·er·kannt werden, dann nur, um die Ar·gu·men·tation zu stützen, dass auch der Bud·dhis·mus letztlich auf die japanischen ''kami'' zurückgeht.
  
 
===Die Verbreitung des Yoshida Shintō===
 
===Die Verbreitung des Yoshida Shintō===

Version vom 29. September 2015, 21:02 Uhr

Religion in Japan > Geschichte > Shinto Mittelalter
Shintō im Mittelalter

Die gegenseitige Durch­dringung von Bud­dhis­mus und Shintō ist in der KamakuraKamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) HachimanItsukushimaKasugaBerg KoyaDaibutsu Statuen... mehr und MuromachiMuromachi 室町 Stadtteil in Kyōto; Sitz des Ashikaga Shōgunats 1336–1573 (= Muromachi-Zeit) AmidismusKamakuraZenStereotype... mehr-Zeit (drei­zehn­tes bis sech­zehn­tes Jahr­hun­dert) bei­nahe total. Es scheint, als könne man über­haupt nur von einer ein­zi­gen, mehr oder weni­ger syn­kre­tis­tischen Religion des ja­pa­nischen Mittel­alters sprechen. Gewisse Unter­schiede zwi­schen kamiskami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr und BuddhasBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr werden zwar nicht ge­leug­net, doch letzt­lich — so die all­ge­meine Auf­fas­sung — sind diese Unter­schiede nur schein­bar, im Grunde sind kami und Buddhas das Gleiche. Eben­so wie fast jeder kami-Schrein unter der Ver­wal­tung eines bud­dhis­ti­schen Tem­pels steht, werden auch die kami selbst als „sicht­bare Spuren“ (suijakusuijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami KasugaHonji suijakuShinto-Goetter) oder Mani­fes­tati­onen einer bud­dhis­ti­schen Urform (honjihonji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku KasugaNikkoShotoku TaishiHonji suijaku... mehr) aufgefasst (s. honji suijaku These).

Ryōbu Shintō

Einzelne Mönche gehen sogar noch weiter und betrachten kami und Buddhas als zwei gleichwertige Er­schei­nungs­formen ein und der selben gött­lichen Instanz. Ins­be­son­dere kommt es zur Ver­schmel­zung von Dainichi NyoraiDainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ Schreinanlage IseVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr, dem Haupt­buddha des eso­te­rischen Bud­dhis­mus, mit AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr, der Ahnen­gott­heit des TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels Schreinanlage IseNeue ReligionenKamikazeNamazu-e. Amaterasu und Dainichi werden in einem ähn­lichen dualen Ver­hältnis zu ein­ander gesehen wie die beiden Mandalasmaṇḍala मण्डल „Kreis“, schematische Darstellung der kosmischen Ordnung, jap. mandara 曼荼羅 KasugaStupaVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr des eso­te­rischen Bud­dhis­mus, Vajra- und Mutterschoß-Mandala, die ihrerseits nur zwei Aspekte des kosmischen Buddha Dainichi dar­stellen. So wie die beiden Mandalas mit­unter auch als „zweiteiliges Mandala“ (Ryōbu mandaraRyōbu mandara 両部曼荼羅 „zweiteiliges Mandala“; andere Bezeichnung für das Ryōgai mandara ) be­zeich­net werden, hat man für die Ver­schmel­zung von Dainichi und Amaterasu rück­blickend den Begriff Ryōbu ShintōRyōbu Shintō 両部神道 Shintō-Interpretation des Mittelalters; wtl. „Shintō der beiden Teile“ Honji suijakuWeltbild, „Shintō der beiden Teile“, erfunden. Ryōbu Shintō be­zeich­net eine lose Gruppe von theo­logischen Spekulationen, die aus heutiger Sicht vor allem deshalb von Bedeutung sind, weil aus dieser Richtung der erste Anstoß zu einer eigenständigen Theologie des Shintō entstand.

Die Fragen, die manche bud­dhis­tische Mönche dazu trieben, sich aus theo­logischer Sicht mit den ein­hei­mischen Gott­heiten auseinander zu setzen, resultierten im all­gemeinen aus einzelnen Schrein­traditionen, die sich der Ein­ver­nahme durch den Bud­dhis­mus hart­näckig wider­setzten. Dazu zählten die bereits erwähnten seltsamen Tabus, die ganz besonders im Amaterasu Schrein von IseIse Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie Ise IzumoSchreinanlage IseTaubenKami KulteNara... mehr gegen den Bud­dhis­mus er­richtet worden waren. Und noch eine Vor­stellung findet sich allent­halben: Nicht alle kami sind bud­dhis­tische Er­schei­nungen. Manche — oft als „wirkliche kami“ (jitsu no kamijitsu no kami 実神 „wahre kami“ = kami ohne buddhistische Urform ( honji) ) bezeichnet — haben keine bud­dhis­tische Urform. Sie gehören ins Reich der tengutengu 天狗 wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen PhalluskulteYamabushiBishamon-tenGoetter der Erde... mehr und der mit Zauber­kraft aus­ge­statteten Füchse und tanukitanuki Tanuki; Marderhund Namazu-eTenguVerwandlungskuenstlerTanuki (siehe Kapitel Mythen, Geister bzw. Füchse) und sind tendenziell böse und ge­fähr­lich. Gerade diese „wirklichen kami“ zogen nun die Auf­merk­sam­keit der Ryōbu Shintō Denker auf sich und resultierten in er­staun­lichen Theorien, die gerade diese unter­sten und un­heiligsten aller Götter zu Mani­fes­tati­onen von Amaterasu und Dainichi erklärten.

Andere bud­dhis­tische Richtungen, zumeist radikale Amidisten, lehnten die kami generell ab. Sie zweifelten zwar nicht an der Existenz der kami, doch sie waren der Meinung, dass die kami — im Gegensatz zu den Buddhas bzw. zu Buddha AmidaAmida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū) JahrNikkoDaibutsu StatuenAmidismusAmidas Geluebde... mehr — ledig­lich eine selbst­süchtige, dies­seits­ver­haftete, irre­ge­leitete Religiosität fordern und fördern.

Zwischen diesen beiden Extremen gab es einen „religiösen Main­stream“, der grund­sätzlich dem Bud­dhis­mus anhing und zugleich den kami wohl­wollend gegen­über stand. Auch inner­halb dieses Mainstreams blieb aber ein ge­wisses Be­wusst­sein vom Unter­schied zwischen ein­hei­mischen und der bud­dhis­tischen Gestalten be­stehen, wobei die ein­heimischen letztlich geringer eingestuft wurden.

Götterwind und Götterland

Der Grund, warum man die kami trotz Vorherrschen des Bud­dhis­mus nie ganz aus dem Bewusst­sein verlor, mag in ihrer Ver­bunden­heit mit lokalen Ge­geben­heiten gelegen haben. In den kami suchten und fanden Japaner immer wieder die Be­stäti­gung einer lokalen — um nicht zu sagen „nationalen“ — Identität, die be­sonders in der emotionalen Posi­tio­nierung gegen­über China eine Rolle spielte. Dies wird unter anderem am Beispiel der er­folg­reichen Abwehr der Mongolen­angriffe, Ende des drei­zehnten Jahr­hunderts deutlich. Be­kannter­maßen scheiterten die beiden Invasions­versuche der Mongolen unter Kubilai KhanKubilai Khan 元世祖忽必烈 1215-1294; Großkhan der Mongolen; Kaiser von China -> Begründer der Yuan-Dynastie Kamikaze 1274 und 1281 jeweils an Taifunen, durch die die an­grei­fenden Flotten zer­stört wurden. Diese Winde wurden in Japan nach­träglich den kami zu­ge­schrieben und als kamikazekamikaze 神風 Götterwind; urspr. ein poetischer Beinamen der Provinz Ise, wird der Begriff seit den Mongolenangriffen des 13. Jh.s mit göttlichem Schutz im Krieg assoziiert und daher auch mit den Selbstmord-Piloten des 2. Weltkriegs in Verbindung gebracht OpfergabenSchreinanlage IseOpferKamakura... mehr, göttliche Winde, bezeichnet, ein Ausdruck, der im Zweiten Welt­krieg dann auch auf die Selbst­mord­piloten der Luft­waffe Anwendung fand.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass im An­schluss an die Mongolen­angriffe der Begriff shinkokushinkoku 神国 wtl. „Götterland“ StaatsshintoJinno shotoki — „Götterland“, bzw. „Land der kami“ — immer häufiger auf­taucht, und zwar zu­meist dann, wenn auf die Aus­er­wählt­heit Japans hin­ge­wiesen werden soll. Solche Gedanken spielen vor allem für die „Tradi­tionalisten“ des ja­pa­nischen Mittel­alters eine große Rolle, wenn es darum geht, die Macht des Tennō-Hofes wieder her­zu­stellen. Zu diesen zählte auch der Krieger Kitabatake ChikafusaKitabatake Chikafusa 北畠親房 1293–1354; Krieger und Gelehrter Jinno shotokiYuiitsu shinto myobo yoshu (1293–1354). Er zog nicht nur an der Seite des Kaisers Go-DaigoGo-Daigo 後醍醐 1288–1339; Tennō der späten Kamakura-Zeit, der versuchte, die pol. Autorität des Kaiserhofes wieder herzustellen. DainihonshiJinno shotoki in den Krieg gegen das Kamakura-Shōgunat, um den Tennō wieder ins Zentrum der Macht zurück­zu­führen, er schrieb auch gelehrte Werke, die den kaiser­lichen Macht­an­spruch historisch be­gründeten. Der erste Satz seines Haupt­werkes Jinnō shōtō-kiJinnō shōtō-ki 神皇正統記 „Über die Wahre Abfolge der Göttlichen Herrscher“, Traktat von Kitabatake Chikafusa, 1339 DainihonshiJinno shotokiYuiitsu shinto myobo yoshu („Über die Wahre Abfolge der Göttlichen Herrscher“, ent­standen um 1340) lautet folge­richtig: „Dieses Land ist ein Götterland.“ Wie im späteren Staatsshintō, der den Begriff „Götterland“ eben­falls gerne ver­wendete, wurden also bereits im Mittel­alter kami-Kult und Tennō-Kult mit einander in Beziehung gesetzt.

Watarai Shintō

Chikafusa stand mit einer religiösen Bewegung in Ver­bindung, die von IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū) KamidanaPilgerschaftBautenHachimanKasuga... mehr, genau ge­nommen vom Äußeren Ise Schrein (GekūGekū 外宮 Äußerer Schrein von Ise, Toyouke geweiht Ise IzumoSchreinanlage Ise), aus­ging und mit dem oben erwähnten Ryōbu Shintō in enger Ver­bin­dung stand. Der Äußere Schrein von Ise hatte stets damit zu kämpfen, dass Ise zwar ins­gesamt als heiliger Ort erachtet wurde, dass aber im Grunde nur AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr, die Haupt­gott­heit des Inneren Schreins, als Ahnen­gott­heit des Tenno auf­ge­fasst wurde. Die Gott­heit des Äußeren Schreins, ToyoukeToyouke 豊受 Nahrungsgottheit des Äußeren Schreins von Ise Ise IzumoSchreinanlage Ise, wurde dagegen als Dienerin Amaterasus an­ge­sehen. Der Äußere Schrein war der Priester-Familie WataraiWatarai 度会 Priester des Äußeren Schreins von Ise anheim ge­stellt. Die Watarai ent­warfen nun in einer Genera­tionen über­span­nenden Unter­nehmung eine Theologie, die erstens Toyouke als die Ver­körpe­rung des Urgotts Kuni no TokotachiKuni no Tokotachi 国常立 mythologische Urgottheit des Shintō Schreinanlage Ise ansah, und zweitens beide Schreine, Inneren und Äußeren als Ent­spre­chung der beiden Mandalasmaṇḍala मण्डल „Kreis“, schematische Darstellung der kosmischen Ordnung, jap. mandara 曼荼羅 KasugaStupaVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr des Buddhas Dainichi NyoraiDainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ Schreinanlage IseVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr. Im Unter­schied zur klassischen honji suijakuhonji suijaku 本地垂迹 wtl. Grundform und herabgelassene Spur; Theorie der Angleichung von kami und Buddhas NikkoJindo und ShintoRegenmachenHeian Zeit... mehr-Theorie und analog zum Ryōbu Shintō waren die Ise-Gottheiten und Dainichi voll­kommen gleich­wertig, ein­ander wechsel­seitig spiegelnd. Ise wurde zum heiligen Boden Dainichis und der Ursprung Dainichis damit nach Japan ver­legt. Dadurch wurde neben­bei auch der Begriff „Götterland“ bud­dhis­tisch begründet und ab­ge­sichert. Das machte den Ise- oder Watarai ShintōWatarai Shintō 度会神道 Shintō-Lehre des Äußeren Schreins von Ise Schreinanlage Ise, wie diese Richtung heute genannt wird, wahr­schein­lich auch besonders attraktiv in den Augen Chikafusas.

Wie die Ein­beziehung von Dainichi NyoraiDainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ Schreinanlage IseVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr bereits andeutet, wurde der Watarai Shintō nicht von den Watarai Priestern allein, sondern auch von bud­dhis­tischen Mönchen, v.a. aus der esoterischen ShingonShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan AhnenkultMoencheYamabushiBekannte TempelBerg Koya... mehr-Schule ent­wickelt. Damit nahmen Elemente des esoterisch-bud­dhis­tischen Ritus Einzug in diese Form des Shintō. Im Watarai Shintō gibt es demnach Gebets­formeln (mantramantra मन्त्र Gebetsformel, jap. shingon 真言 KukaiBuddhismus LehreIkonographieGluecksgoetter... mehr), Hand­zeichen (mudramudrā मुद्रा „Siegel“, Gebetsgeste, jap. inzō 印相 KukaiBuddhismus LehreIkonographieAmida... mehr), die Anbetung von Sanskrit­zeichen, die Anrufung von Buddhas und anderes mehr. Daneben spielt auch der Yin YangYin Yang 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie JahrSchreinanlage IseGrundbegriffeStereotype... mehr Glaube eine wichtige Rolle. Das deshalb, weil zu dieser Zeit auch die Shingon-Schule starke An­leihen beim Yin Yang Glauben und der chinesischen Kos­mo­logie machte. Im Mittel­punkt des Watarai Shintō standen aller­dings traditionelle Riten des höfischen Shintō, die sozusagen bud­dhis­tisch aufbereitet wurden.

Wie die Shingon-Schule, hielten die Watarai ihre Gebets- und Ritualtexte geheim und gaben sie nur Initiierten weiter. Dennoch ver­breitete sich der Watarai Shintō recht rasch und wirkte mit, Ise zu einem führenden Zentrum des mittel­alter­lichen Pilger­wesens werden zu lassen. Trotz dieser neuen Bedeutung der Ise Schreine ist es frag­lich, in­wie­weit sich die Vertreter des Watarai Shintō selbst als „Shintōisten“ sahen. Sofern sie Priester in Ise waren, ver­fügten sie natür­lich über eine historisch ge­wachsene Identität als kami-Priester. Aber ein klares Bewusst­sein, einer vom Bud­dhis­mus ver­schiedenen Religion zu dienen, lässt sich kaum er­kennen. Eher kann man im Watarai Shintō einen be­sonderen Versuch sehen, den Kult von Ise mit dem vor­herr­schenden bud­dhis­tischen Welt­bild in Ein­klang zu bringen und dabei dennoch die Be­sonder­heit Ises zu wahren.

Yoshida Shintō

Die Ideen und Techniken der WataraiWatarai 度会 Priester des Äußeren Schreins von Ise diffundierten in viele Schreine und Tempel des Mittel­alters und wurden im übrigen auch von den Priestern des Inneren Schreins von Ise über­nommen. Es dauerte aller­dings ver­hältnis­mäßig lange, bis auch die Familien des Tennō-Hofs — vor allem die Beamten des kaiser­lichen Götter­amtes (Jingi-kanJingi-kan 神祇官 Götteramt, wtl. Amt für Götter des Himmels und der Erde Kami KulteStaatsshintoShinbutsu bunriYuiitsu shinto myobo yoshu) — davon Gebrauch machten. Erst als die letzten Reste des HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-zeit­lichen Hof­staats im Zuge des ŌninŌnin no Ran 応仁の乱 Aufruhr der Ōnin-Zeit; Bürgerkrieg 1467–1477, der insbesondere in Kyōto große Zerstörungen verursachte ReichseinigungYuiitsu shinto myobo yoshu-Krieges (1467–1477) zerstört wurden und die Institution des Tennō den Tief­punkt ihrer politischen Be­deu­tungs­losig­keit erreichte, machte sich ein Ab­kömmling einer höfischen Priester­familie daran, eine Lehre im Stil der Watarai zu formulieren.

Taigen-kyū // Schreinskizze (Papier, Farbe, Tusche). Edo-Zeit; Tenri Toshokan, Yoshida Bunko // Bildquelle: Bernhard Scheid // Das Hauptheiligtum des Yoshida Shintō, der Taigen-kyū im Yoshida Schrein von Kyōto. Die Bildinschrift lautet:
Hauptort des japanischen Wegs der Götter (jingidō)
Yoshida, Kaguraoka
Sonnenhoher Sonnenweiheplatz und Schrein des Ursprungs
Illustration einer großen Feier
Der eigentliche Yoshida Schrein ist nur in der rechten unteren Ecke angedeutet. Daneben sieht man ein Arrangement für ein Ritual im Freien, bei dem Banner in den Farben der Fünf Himmelsrichtungen hervorstechen. Über die Brücke in der Bildmitte gelangt man zur Anlage des Taigen-kyū, die auch heute noch existiert. In der Mitte befindet sich das achteckige, schilfgedeckte Hauptgebäude. Die Nebenschreine unmittelbar hinter der Haupthalle repräsentieren Gekū und Naikū, die beiden Hauptschreine von Ise. Die Wege dorthin sind wegen des rituellen Anlasses mit Matten ausgelegt. Die weiteren Nebenschreine symbolisieren die Gesamtheit aller Schreine des Landes.
Hauptheiligtum des Yoshida Shinto

Dieser Priester namens Yoshida KanetomoYoshida Kanetomo 吉田兼倶 1435–1511; Shintō-Priester und Theologe; Begründer des Yoshida Shintō (auch Yuiitsu Shintō), Autor des Yuiitsu shintō myōbō yōshū Yuiitsu shinto myobo yoshu (1435–1511) stammte aus der Familie der UrabeUrabe 卜部 Priester und Orakelleser des Tennō-Hofs , die seit der Heian-Zeit als Orakel­leser und Weis­sager bei Hof tätig waren. Sein sogenannter Yoshida ShintōYoshida Shintō 吉田神道 mittelalterl. Shintō-Richtung, begründet von Yoshida Kanetomo Jindo und ShintoNeo-KonfuzianismusWeltbildYuiitsu shinto myobo yoshu bezieht Teile dieses Erbes mit ein, geht aber weit über die tra­di­ti­o­nellen Inhalte des höfischen Kults hinaus. Die Moti­vation Kanetomos scheint darin gelegen zu haben, das höfische Götter­amt neu zu errichten und unter die Füh­rung der Urabe Priester zu stellen. Dazu mussten viele Details der ehe­mals sakro­sankten Ordnung des Hofes auf den Kopf ge­stellt werden, aber das fiel zu Kanetomos Zeit wohl nicht mehr allzu sehr ins Gewicht. Teile der Hof­aristo­kratie mögen in Yoshida Kanetomo und in der neuen esoterisch-religiösen Be­deu­tung, die er dem Tennō und seinen In­sti­tu­ti­onen zu­schrieb, hin­gegen einen neuen Hoffnungs­träger erblickt haben.

Die Lehre des Yoshida Shintō

Die ideen­geschicht­liche Bedeutung des Yoshida Shintō liegt aber nicht in der Re­vita­lisierung des Götter­amtes. Vielmehr brachte Yoshida Kanetomo die Techniken und Theorien des Watarai Shintō erstmals in ein ge­schlos­senes System und gab ihm zudem einen Namen: Yuiitsu ShintōYuiitsu Shintō 唯一神道 mittelalt. Shintō-Richtung (= Yoshida S.) Yuiitsu shinto myobo yoshu, der „Eine und Einzige Shintō“. Damit war erstmals eine Richtung des Shintō ent­standen, die sich auch selbst als solche identifizierte und bewusst vom Bud­dhis­mus abhob. Kanetomo war zugleich einer der ersten, die das Verhältnis von kami und Buddhas bzw. Shintō und Bud­dhis­mus explizit thema­tisierten. Um dem Shintō zum Vor­rang gegen­über dem Bud­dhis­mus zu ver­helfen, drehte er die gängige honji suijaku These schlicht­weg um und erklärte die kami zur Urform (honjihonji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku KasugaNikkoShotoku TaishiHonji suijaku... mehr) und die Buddhas zur „Spur“ (suijakusuijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami KasugaHonji suijakuShinto-Goetter). Nach Ansicht des Yoshida Shintō würden sich die kami nur in Japan, dem Götter­land, in ihrer wahren Gestalt zu er­kennen geben, während sie sich in Indien und China in der behelfs­mäßigen Er­scheinungs­form von Buddhas manifestierten.

Viele Elemente des Yoshida Shintō wirken aus heutiger Sicht derart bud­dhis­tisch, dass man sich kaum vor­stellen kann, wie zu jener Zeit nicht sofort die Idee auf­kommen konnte, der Yoshida Shintō hätte vom eso­te­rischen Bud­dhis­mus „abgekupfert“. Zum Beispiel heißt es, dass es im Shintō „geheime“ und „offene“ Lehren gäbe (in Analogie zur Zwei­teilung in eso­te­rischen und exo­te­rischen Bud­dhis­mus), wobei die geheimen exklusiv im Besitz der Yoshida wären. Es gibt die Über­ein­stim­mung von Gesten, Worten und Gedanken (die „Drei Geheimnisse“ des eso­te­rischen Bud­dhis­mus), die zur Ver­einigung mit der an­ge­rufenen Gott­heit führen. Es gibt Ritual­gegen­stände und Mudrās, die direkt dem Shingon Bud­dhis­mus ent­nommen sind. Dennoch, aus der Sicht des all­gegen­wärtigen Syn­kre­tis­mus seiner Ent­stehungs­zeit wirkt der Yoshida Shintō durchaus puristisch: Es werden keine Buddhas an­ge­rufen. Es werden keine Sutrensūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismusFruehzeit... mehr rezitiert. Es werden keine bud­dhis­tischen Mönche als Ur­heber der Lehre an­ge­geben. Es werden keine bud­dhis­tischen Ziele wie Erleuchtung, NirvanaNirvāṇa निर्वाण „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid, jap. Nehan 涅槃 TotenritenTempeltoreArhatsAmidas GeluebdeHeian Zeit... mehr, etc. proklamiert. Und wenn bestimmte Über­ein­stim­mungen mit dem Bud­dhis­mus an­er­kannt werden, dann nur, um die Ar­gu­men­tation zu stützen, dass auch der Bud­dhis­mus letztlich auf die japanischen kami zurückgeht.

Die Verbreitung des Yoshida Shintō

Der Yoshida Shintō verbreitete sich im sech­zehnten Jahr­hundert, also in der Zeit der „Kämpfenden Länder“ verhältnis­mäßig weit­läufig in vielen Provinzen. Das liegt nicht nur an seiner über­zeu­genden Doktrin, sondern auch daran, dass die Nach­folger Yoshida Kanetomos in diversen kleineren, regionalen Schreinen, die teilweise von neu ent­standenen Dorf­gemeinschaften getragen wurden, eine Klientel ent­deckten, die weder vom Bud­dhis­mus noch von den traditionellen Groß­schreinen betreut wurde. Diesen Schreinen bot der Yoshida Shintō eine neue Form der Unter­stützung an, sei es, indem Priester in esoterische Riten des Yoshida Shintō eingeweiht wurden, sei es, dass der betreffende Schrein einfach einen Hofrang erhielt, den die Yoshida in ihrer Eigen­schaft als Priester des Götter­amts verteilten. Diese Funktion des Yoshida Shintō wurde in der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit sogar offiziell anerkannt. Zum Ent­setzen mancher anderer tradi­tioneller Priester­familien, wurden die Yoshida in den ersten „Bestimmungen für Schrein­priester“ des Tokugawa Shōgunats (= Shosha negi kannushi hattoShosha negi kannushi hatto 諸社禰宜神主法度 „Bestimmungen für Schreinpriester“ 1665 , 1665) als zuständig für alle Schreine de­klariert, die nicht bereits über traditionelle Bindungen zum Kaiserhof verfügten. Das Shōgunat erkannte damit den Tennō-Hof als prinzipiell für alle Shintō An­ge­legen­heiten zuständig an, und wählte innerhalb des Tennō-Hofs die Yoshida als zuständig für die große Mehr­heit aller Shintō Schreine aus.

Was das in der Praxis bedeutete, ist heute noch weitgehend ungeklärt. Fest steht zum einen, dass es dem Yoshida Shintō gelang ein weit ver­zweigtes System von abhängigen Schreinen zu schaffen. Zum anderen be­mühten sich viele Familien und Shintō Schulen, u.a. der neu erstarkende Watarai ShintōWatarai Shintō 度会神道 Shintō-Lehre des Äußeren Schreins von Ise Schreinanlage Ise, mit zu­nehmendem Erfolg darum, die Vor­macht­stellung der Yoshida zu brechen. Große Schreine mit tradi­tionellen Bindungen zum Hof fielen im übrigen nicht in den Zu­ständig­keits­bereich der Yoshida. Dennoch war der Einfluss des Yoshida Shintō in der Edo-Zeit beträchtlich. Er wird heute nach wie vor unter­schätzt und bedarf dringend einer historischen Aufarbeitung.

Kritik am Yoshida Shintō

Ein Grund für die geringe Kenntnis über den Yoshida Shintō soll auch kurz zur Sprache kommen: Bereits Anfang der Edo-Zeit kam es unter Intellektuellen zu einer „konfuzianischen Mode“ (s. Neo-Konfuzianismus), die zunächst mit den chi­ne­sischen Vor­stellungen des Yoshida Shintō noch durchaus kompatibel war. Doch entwickelte sich unter konfuzianischer Sicht ein neuer Blick bzw. ein neues Wissen über die Geschichte Japans. Zugleich nahm die Kritik an den mittel­alterlichen Formen der eso­te­rischen Wahr­heits­ver­mitt­lung zu. Beides führte dazu, dass die Ansprüche des Yoshida Shintō immer mehr in Frage gestellt wurden. Die Idee eines „reinen Shinto“ wurde zwar aus dem Yoshida Shintō über­nommen, radi­kalisierte sich jedoch. Mitte der Edo-Zeit entstand daraus die sogenannte „Nationale Schule“ (kokugaku), die sowohl den Bud­dhis­mus als auch den Konfuzia­nismus ablehnte. Unter Gelehrten wie Motoori NorinagaMotoori Norinaga 本居宣長 1730–1801; Shintō-Gelehrter der „nationalen Schule“ (Kokugaku) BakumatsuKokugakuShintoGoetter des Himmels... mehr und Hirata AtsutaneHirata Atsutane 平田篤胤 1776–1843; Kokugaku-Gelehrter BakumatsuKokugakuShinbutsu bunriJenseits wurde die kokugakukokugaku 国学 „Lehre des Landes“, Nationale Schule, Nativismus; in der Edo-Zeit entstandene Gelehrtentradtion, die ihren Fokus auf das nationale Erbe Japans richtete OkuninushiBakumatsuKokugakuStaatsshinto... mehr zu einer führenden intellektuellen Strömung, die namentlich die Führer der MeijiMeiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt FamilieGorintoJahrKamidanaMatsuri... mehr-Restauration inspirierte. Die Politik der sogenannten „Trennung von kami und Buddhas“ gleich nach der Restauration im Jahre 1868 kann als ideologisches Kind der kokugaku bezeichnet werden (s. Staatsshintō). Sie führte zur endgültigen Auf­lösung des Yoshida Shintō, der nunmehr als synkretistisch verschrien war.

Diese politisch-religiöse Entwicklung fand auch in der japanischen und schließlich in der westlichen Religions­forschung ihren Nieder­schlag. Unter der Ideologie des Staats­shintō, also während der Meiji, und vor allem der frühen ShōwaShōwa 昭和 Regierungszeit des Tennō Hirohito (1926–1989) -Zeit, wurde die Trennung von Bud­dhis­mus und Shintō auch rückwirkend vollzogen, alle „synkretistischen“ Richtungen wurden als historische Ver­irrungen gering geschätzt und in ihrer Bedeutung herunter gespielt. Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahr­hunderts setzte eine Revision dieses Geschichts­bildes ein, die allerdings noch keineswegs abgeschlossen ist.

Ikonographie 
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„Shintō im Mittelalter.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 29.9.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Shinto_Mittelalter?oldid=59994