Geschichte/Terauke: Unterschied zwischen den Versionen

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Inquisition bedeutet bekanntlich Nachforschung. Im europäischen Kontext versteht man darunter die Ausforschung von Anhängern ketzerischer Ideen, die nicht dem Dogma der katholischen Kirche entsprachen. In Japan entwickelte sich — ironischerweise nach dem ersten Kontakt mit dem Christentum — ein ähnliches System, das unter dem Begriff {{glossar:teraukeseido}}, „System der Tempel-Bestätigungen“, bekannt wurde. Auch dabei ging es um die Ausforschung von nicht Rechtgläubigen, wobei hier aber vor allem Christen gemeint waren. Die Glaubensnachforschungen wurden unter Mithilfe von buddhistischen Tempeln ausgeführt, bestraft wurden die Ungläubigen jedoch — und hier liegt ein großer Unterschied zur europäischen Inquisition — von weltlichen Autoritäten.
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{{fl|I}}nquisition bedeutet bekanntlich Nach·forschung. Im euro·päischen Kontext ver·steht man darunter die Aus·forschung von An·hängern ketzer·ischer Ideen, die nicht dem Dogma der katho·lischen Kirche ent·sprachen. In Japan entwickelte sich — ironischer·weise nach dem ersten Kontakt mit dem Chris·ten·tum — ein ähn·liches System, das unter dem Begriff {{glossar:teraukeseido}}, „System der Tempel-Bestätigungen“, be·kannt wurde. Auch dabei ging es um die Aus·forschung von nicht Recht·gläubigen, wobei hier aber vor allem Christen ge·meint waren. Die Glaubens·nach·forschungen wurden unter Mit·hilfe von bud·dhis·tischen Tempeln aus·geführt, be·straft wurden die Un·gläubigen jedoch — und hier liegt ein großer Unter·schied zur euro·päischen Inquisition — von weltlichen Autori·täten.
  
Das System umfasste im Grunde drei Instanzen, nämlich die lokale (dörfliche) Führungsschicht, den örtlichen Tempel und die regionalen Vertreter des Landesverwaltung. Die Familienvorsteher (bzw. die Vorsteher von Nachbarschaftsgruppen, {{Glossar:Goningumi}}) hatten die Aufgabe, jährlich ein Register ihrer Familienmitglieder anzufertigen, das u.a. Angaben zu Familienstand und Alter aller betreffenden Personen enthielt. Dieses Register musste vom lokalen Tempel bestätigt werden. Die Bestätigung implizierte, dass alle fraglichen Personen Mitglieder der Glaubensgemeinde des Tempels und daher rechtgläubig waren. Daher nannte man die entsprechenden Register auch {{glossar:shuumonaratamechou}}, „Glaubensüberprüfungs-Register“. Die vom Tempel bestätigten Register wurde dann den nächsthöheren Verwaltungsbehörden vorgelegt. Um also nicht in den Verdacht ketzerischer Betätigung zu kommen, musste sich jeder Bürger aktiv um die Mitgliedschaft bei einem staatlich anerkannten Tempel bemühen, der ihm dann seine Rechtgläubigkeit bestätigte.
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==Glaubensüberprüfung==
  
<div class="bildtext">[[Image:shumon_aratame_cho.jpg|link=]]<div>''Shūmon aratame'' Register <br /> Quelle: [http://www2.ipcku.kansai-u.ac.jp/%7Ehamano/eap/index-e.html EAP] (Eurasian Project on Population and Family History) [2010/8] </div></div>
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Das System der Tempelregistrierung umfasste im Grunde drei Instanzen, nämlich die lokale (dörfliche) Führungs·schicht, den örtlichen Tempel und die regionalen Ver·treter des Landes·verwaltung. Die Familien·vorsteher (bzw. die Vorsteher von Nach·bar·schafts·gruppen, {{Glossar:Goningumi}}) hatten die Aufgabe, jährlich ein Register ihrer Familien·mit·glieder anzufertigen, das u.a. An·gaben zu Familien·stand und Alter aller be·treffenden Personen ent·hielt. Dieses Register musste vom lokalen Tempel be·stätigt werden. Die Be·stätigung implizierte, dass alle frag·lichen Personen Mit·glieder der Glaubens·gemeinde ({{g|danna}}) des Tempels und daher recht·gläubig waren. Daher nannte man die ent·sprechenden Register auch {{glossar:shuumonaratamechou}}, „Glaubens·überprüfungs-Register“. Die vom Tempel be·stätigten Register wurde dann den nächst·höheren Ver·waltungs·behörden vor·gelegt. Um also nicht in den Ver·dacht ketzer·ischer Be·tätigung zu kommen, musste sich jeder Bürger aktiv um die Mit·glied·schaft bei einem staatlich an·er·kannten Tempel bemühen, der ihm dann seine Recht·gläubigkeit bestätigte.  
  
Dieses System wurde Anfang des siebzehnten Jahrhunderts im Anschluss an die Shimabara Rebellion (1637-38) vom Tokugawa Shogunat eingeführt und war zunächst zur Ausforschung der Christen in Kyushu, dem Hauptverbreitungsgebiet des japanischen Christentums, gedacht. Das Shogunat etablierte zu diesem Zweck eine eigene Behörde (''shūmon aratame yaku'') und hielt die {{Glossar:Daimyou}} an, ein gleiches zu tun. Im Laufe der folgenden hundert Jahre breitete sich die Institution über ganz Japan aus, obwohl der eigentliche Anlass, die Christenverfolgung, immer bedeutungsloser wurde. Das System erwies sich jedoch in mehrfacher Hinsicht als nützliches Herrschaftsmittel zur ideologischen und verwaltungstechnischen Kontrolle der Bevölkerung.
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Dieses System wurde Anfang des sieb·zehn·ten Jahr·hunderts im An·schluss an die Shima·bara Rebellion (1637–38) vom Tokugawa Shōgunat ein·ge·führt und war zu·nächst zur Aus·forschung der Christen in Kyūshū, dem Haupt·ver·breitungs·gebiet des japanischen Chris·ten·tums, ge·dacht. Das Shōgunat etablierte zu diesem Zweck eine eigene Behörde ({{Glossar:Shuumonaratameyaku}}) und hielt die {{Glossar:Daimyou}} an, ein gleiches zu tun. Im Laufe der folgenden hundert Jahre breitete sich die Institu·tion über ganz Japan aus, ob·wohl der eigentliche Anlass, die Chris·ten·ver·folgung, immer be·deutungs·loser wurde. Das System erwies sich jedoch in mehr·facher Hin·sicht als nützliches Herr·schafts·mittel zur ideologischen und ver·waltungs·tech·nischen Kontrolle der Bevöl·kerung.
  
Zunächst wurde dadurch jede Person bürokratisch erfasst. Diese Aufgabe erledigten nun aber nicht allein Verwaltungsbeamte, sondern auch buddhistische Tempel. Sie mussten ja ihren Gemeindemitgliedern bestätigen, dass diese ihrer Gemeinde angehörten, und mussten im Fall ungerechtfertigter Bestätigungen mit Sanktionen rechnen. Üblicherweise war die Tempel-Mitgliedschaft durch die Familie vorgegeben, bzw. überhaupt durch die geographische Lage. Man gehörte einfach zum nächst gelegenen Tempel, unabhängig welcher buddhistischen Richtung dieser angehörte. Dieser Tempel setzte dann seinen Stempel unter die entsprechenden Registereinträge, sofern diese vonseiten der einzelnen Mitglieder ordnungsgemäß ausgefüllt waren.
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Zunächst wurde dadurch jede Person büro·kratisch erfasst. Diese Aufgabe er·ledigten nun aber nicht allein Ver·waltungs·beamte, sondern auch bud·dhis·tische Tempel. Sie mussten ja ihren Gemeinde·mit·gliedern bestätigen, dass diese ihrer Gemeinde an·ge·hörten und setzten zu diesem Zweck einen Stempel unter die ent·sprechenden Register·einträge, sofern diese von·seiten der einzelnen Mit·glieder ordnungs·gemäß ausgefüllt waren.
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Tempel lebten in der Regel von individuellen Spenden. Schon vor der Edo-Zeit bemühten sich die Tempel, fixe Gemeinden zu etablierten, die regelmäßig festgesetzte Summen für religiöse Dienstleistungen, allen voran Begräbnisse, „spendeten“. Dieses System, das nicht auf Gesetzen, sondern auf Bräuchen beruhte, ist auch als {{g|dankaseido}} bekannt (''danka'' oder ''danna'' bedeutet Gönner oder Spender und geht auf den Sanskritbegriff ''dana'', „Gabe“, zurück).
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Der Zwang sich bei einem Tempel zu registrieren stärkte das System der Spendergemeinden und damit auch die Macht buddhistischer Institutionen als solcher. Zwar konnte man den Tempel, bei dem man sich seine Rechtgläubigkeit bestätigen lassen wollte, in der Theorie frei wählen, es musste aber auf jeden Fall ein buddhistischer Tempel sein. Außerdem gab es gesetzliche Bestimmungen, die den Wechsel von einem Tempel zum anderen schwierig machten. Daher blieb man üblicherweise bei jenem Tempel, dem schon die eigenen Vorfahren angehörten. Tempel·registrie·rung und Spender·gemeinde waren also unab·hängig von einander entstanden, verstärkten sich in der Edo-Zeit jedoch gegenseitig und prägten den Buddhismus dieser Zeit.
  
 
==Bürokratisierung des Buddhismus==
 
==Bürokratisierung des Buddhismus==
  
Die {{glossar:shuumonaratame}} Zertifikate spielten im Alltag der {{glossar:edo}}-Zeit eine ähnliche Rolle wie heute ein Pass oder Personalausweis. Man brauchte sie bei jedem größeren Ortswechsel (das Reisen war ja sehr eingeschränkt), beim Antritt bestimmter Arbeiten, bei der Heirat, usw. Auf diese Weise wurden die buddhistischen Tempel quasi zur untersten Ebene der Landesverwaltung und zwar gleichermaßen für die Zentralverwaltung (Shogunat) als auch die Regionalverwaltung (Daimyat). Buddhistische Tempel nahmen damit zwar weltliche Verwaltungsaufgaben auf sich und waren weltlichen Verwaltungsbeamten untergeordnet, hatten aber auch Nutzen aus dem System. Sie erhielten mehr Macht über ihre Gläubigengemeinden, da diese ja auf ihre ''shūmon aratame ''-Bestätigungen angewiesen waren. Manche Tempel ließen sich diese Bestätigungen auch von den Mitgliedern ihrer Gemeinde bezahlen. In jedem Fall verdienten sie aber durch zusätzliche religiöse Dienstleistungen, vor allem Begräbnisse, die nun niemand in der Gemeinde mehr ablehnen konnte. Offizielle Bestimmungen des Shogunats enthalten sogar den Hinweis, dass Gemeindemitglieder, die auf die buddhistischen Sterberiten keinen Wert legen, möglicherweise Christen sind und genauer untersucht werden müssen (Tamamuro 2001, S. 267). Man kam also in der Edo-Zeit um buddhistische Totenriten nicht mehr herum.
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Die {{glossar:shuumonaratame}}-Zertifikate spielten im Alltag der {{glossar:edo}}-Zeit eine ähnliche Rolle wie heute ein Pass oder Personal·ausweis. Man brauchte sie bei jedem größeren Orts·wechsel (das Reisen war ja sehr ein·ge·schränkt), beim Antritt be·stimmter Arbeiten, bei der Heirat, usw. Auf diese Weise wurden die bud·dhis·tischen Tempel quasi zur untersten Ebene der Landes·verwaltung und zwar gleicher·maßen für die Zentral·verwaltung ({{glossar:bakufu}}) als auch die Regional·verwaltung ({{glossar:han}}). Bud·dhis·tische Tempel nahmen damit zwar weltliche Ver·waltungs·aufgaben auf sich und waren welt·lichen Ver·waltungs·beamten unter·geordnet, hatten aber auch Nutzen aus dem System. Sie er·hielten mehr Macht über ihre Gläubigen·gemeinden, da diese ja auf ihre ''shūmon aratame''-Be·stätigungen an·ge·wiesen waren. Manche Tempel ließen sich diese Be·stätigungen auch von den Mit·gliedern ihrer Gemeinde be·zahlen. In jedem Fall ver·dienten sie aber durch zu·sätz·liche religiöse Dienst·leis·tungen, vor allem Begräbnisse, die nun niemand in der Ge·mein·de mehr ab·lehnen konnte. Offizielle Rechts·dokumente des Shōgunats wiesen explizit darauf hin, dass Gemeinde·mit·glieder, die auf die bud·dhis·tischen Ster·be·riten keinen Wert legten, möglicher·weise Christen seien und genauer unter·sucht werden müssten.<ref>Tamamuro 2001, S. 267.</ref> Man kam also in der Edo-Zeit um bud·dhis·tische Totenriten nicht mehr herum.
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Durch dieses System wurde natürlich der Bud·dhis·mus als Ganzes stark be·ein·flusst. Der Gegen·satz zwischen erlaubten und häretischen Sekten wurde vertieft. Ab·ge·sehen vom Chris·ten·tum standen auch manche Frak·tionen der {{g|nichirenshuu|Nichiren}}-Schule und des [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]] auf der Liste ver·botener Religionen. Sie alle hatten während der {{Glossar:Sengokujidai | Sengoku}}-Zeit (16. Jh.) theokratische Ge·meinden gebildet, die im Zuge der Reichs·einigung von {{Glossar:Odanobunaga}} und {{Glossar:Toyotomihideyoshi}} mit bru·taler Gewalt be·kämpft wurden. Das {{glossar:teraukeseido}} ließ also — und darin liegt ein weiterer Unter·schied zur Inquisition — eine gewisse Glaubens·viel·falt nach wie vor zu, richtete sich aber umso heftiger gegen religiöse Grup·pierungen, deren „funda·men·talis·tischer“ Charakter die staatliche Ordnung in Frage stellten.
  
Durch dieses System wurde natürlich der Buddhismus als Ganzes stark beeinflusst. Der Gegensatz zwischen erlaubten und häretischen Sekten wurde vertieft. Abgesehen vom Christentum standen auch manche Fraktionen der [[Geschichte:Nichiren | Nichiren]] Schule und des [[Geschichte:Amidismus | Amidismus]] auf der Liste verbotener Religionen. Sie alle hatten während der {{Glossar:Sengokujidai | Sengoku}}-Zeit (16. Jh.) theokratische Gemeinden gebildet, die im Zuge der Reichseinigung von {{Glossar:Odanobunaga}} und {{Glossar:Toyotomihideyoshi}} mit brutaler Gewalt bekämpft wurden. Das {{glossar:teraukeseido}} ließ also — und darin liegt ein weiterer Unterschied zur Inquisition — eine gewisse Glaubensvielfalt nach wie vor zu, richtete sich aber umso heftiger gegen religiöse Gruppierungen, deren „fundamentalistischer“ Charakter die staatliche Ordnung in Frage stellten.
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Dennoch kam es inner·halb der vom Staat erlaubten und ge·förderten bud·dhis·tischen Richtungen zwangs·läufig zu einer Nivellierung. Dies unter anderem aus dem Grund, dass das Shōgunat ein Mit·sprache·recht bei der Fest·legung ortho·doxer Glaubens- und Praxis·formen hatte. Der heute ver·breitete sog. „Begräbnis-Bud·dhis·mus“ ({{glossar:soushikibukkyou}}), der wie wir gesehen haben über die Sekten·grenzen hinweg sehr ähnlich auf·ge·baut ist, resultiert indirekt aus der be·sonderen Beachtung der Sterbe·riten, die vom Shōgunat vor·ge·geben wurden. Die Vergabe von bud·dhis·tischen Toten·namen ({{glossar:kaimyou}}), wie sie heute in allen Rich·tun·gen des japanischen Bud·dhis·mus prakti·ziert wird (s. Kap. Alltag, [[Alltag/Totenriten | Bestattung]]), entstand bei·spiels·weise im Zu·sammen·hang mit dem ''terauke'' System, Anfang des acht·zehnten Jahr·hunderts. Die spezi·fischen Glaubens·inhalte der einzelnen bud·dhis·tischen Rich·tungen wurden da·ge·gen in den Hinter·grund ge·drängt.
  
Dennoch kam es innerhalb der vom Staat erlaubten und geförderten buddhistischen Richtungen zwangsläufig zu einer Nivellierung. Dies unter anderem aus dem Grund, dass das Shogunat ein Mitspracherecht bei der Festlegung orthodoxer Glaubens- und Praxisformen hatte. Der heute verbreitete sog. „Begräbnis-Buddhismus“ ({{glossar:soushikibukkyou}}), der wie wir gesehen haben über die Sektengrenzen hinweg sehr ähnlich aufgebaut ist, resultiert indirekt aus der besonderen Beachtung der Sterberiten, die vom Shogunat vorgegeben wurde. Die Vergabe von buddhistischen Totennamen ({{glossar:kaimyou}}), wie sie heute in allen Richtungen des japanischen Buddhismus praktiziert wird (s. Kap. Alltag, [[Alltag:Totenriten | Bestattung]]), entstand beispielsweise im Zusammenhang mit dem ''terauke'' System, Anfang des 18. Jahrhunderts. Die spezifischen Glaubensinhalte der einzelnen buddhistischen Richtungen wurden dagegen in den Hintergrund gedrängt.
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Es nimmt somit nicht weiter Wunder, dass es in der Edo-Zeit zu anti-bud·dhis·tischen Ressen·timents kam, dass die bud·dhis·tischen Mönche als Agenten der Re·gie·rung ver·schrien waren, und dass ver·schiedene Teile der Ge·sell·schaft nach spirituellen Wegen außer·halb des Bud·dhis·mus zu suchen be·gannen. In der Edo-Zeit bietet die Geschichte des Bud·dhis·mus daher nur noch wenige spek·taku·läre in·halt·liche Neuerungen (Ausnahme viel·leicht die Re·formen der {{Glossar:Zen}}-Sekten). Ideen·ge·schicht·lich ist da·ge·gen die Ent·wicklung des japa·nischen Kon·fuzianis·mus, des Shintō und das Auf·kommen der „Neuen Religionen“ in der {{Glossar:Bakumatsu}}-Zeit (d.h. in den letzten Jahrzehnten vor 1868) attraktiver. Den·noch hat die Büro·kra·tisierung des Bud·dhis·mus in- und außer·halb der japa·nischen Reli·gons·geschichte weit·reichende Folgen, die nach wie vor nur un·zu·reichend erforscht sind.
  
Es nimmt somit nicht weiter Wunder, dass es in der Edo-Zeit zu anti-buddhistischen Ressentiments kam, dass die buddhistischen Mönche als Agenten der Regierung verschrien waren, und dass verschiedene Teile der Gesellschaft nach spirituellen Wegen außerhalb des Buddhismus zu suchen begannen. In der Edo-Zeit bietet die Geschichte des Buddhismus daher nur noch wenige spektakuläre inhaltliche Neuerungen (Ausnahme vielleicht die Reformen der {{Glossar:Zen}} Sekten). Ideengeschichtlich ist dagegen die Entwicklung des japanischen Konfuzianismus, des Shinto und das Aufkommen der „Neuen Religionen“ in der {{Glossar:Bakumatsu}} Zeit (d.h. in den letzten Jahrzehnten vor 1868) attraktiver. Dennoch hat die Bürokratisierung des Buddhismus in- und außerhalb der japanischen Religonsgeschichte weitreichende Folgen, die nach wie vor nur unzureichend erforscht sind.
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* Yokota Fuyuhiko, 2008 <br/>„[http://www.archives.city.amagasaki.hyogo.jp/chronicles/visual/03kinsei/kinsei1-6.html#kinsei1-6-09 Hyakushō no ie to kazoku.]“ In: ''Zusetsu Amagasaki no rekishi.'' (Webprojekt der Sonoda Gakuen Joshi Daigaku.)
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Aktuelle Version vom 7. November 2018, 19:45 Uhr

Terauke seido Inquisition unter buddhistischen Vorzeichen

Inquisition bedeutet bekanntlich Nach­forschung. Im euro­päischen Kontext ver­steht man darunter die Aus­forschung von An­hängern ketzer­ischer Ideen, die nicht dem Dogma der katho­lischen Kirche ent­sprachen. In Japan entwickelte sich — ironischer­weise nach dem ersten Kontakt mit dem Chris­ten­tum — ein ähn­liches System, das unter dem Begriff terauke seidoterauke seido 寺請制度 System der Tempel-Bestätigungen DainihonshiStaatsshintoShinbutsu bunri, „System der Tempel-Bestätigungen“, be­kannt wurde. Auch dabei ging es um die Aus­forschung von nicht Recht­gläubigen, wobei hier aber vor allem Christen ge­meint waren. Die Glaubens­nach­forschungen wurden unter Mit­hilfe von bud­dhis­tischen Tempeln aus­geführt, be­straft wurden die Un­gläubigen jedoch — und hier liegt ein großer Unter­schied zur euro­päischen Inquisition — von weltlichen Autori­täten.

Glaubensüberprüfung

Das System der Tempelregistrierung umfasste im Grunde drei Instanzen, nämlich die lokale (dörfliche) Führungs­schicht, den örtlichen Tempel und die regionalen Ver­treter des Landes­verwaltung. Die Familien­vorsteher (bzw. die Vorsteher von Nach­bar­schafts­gruppen, goningumigoningumi 五人組 Nachbarschaftsgruppe; wtl. „Fünfergruppe“ Christenverfolgung) hatten die Aufgabe, jährlich ein Register ihrer Familien­mit­glieder anzufertigen, das u.a. An­gaben zu Familien­stand und Alter aller be­treffenden Personen ent­hielt. Dieses Register musste vom lokalen Tempel be­stätigt werden. Die Be­stätigung implizierte, dass alle frag­lichen Personen Mit­glieder der Glaubens­gemeinde (dannadanna 旦那 Gönner, Patron (eines Tempels) oder auch ein Mann, der für die Lebenskosten einer Frau aufkommt (z.B. für eine Geisha) ) des Tempels und daher recht­gläubig waren. Daher nannte man die ent­sprechenden Register auch shūmon aratame chōshūmon aratame chō 宗門改帳 Glaubensüberprüfungsregister , „Glaubens­überprüfungs-Register“. Die vom Tempel be­stätigten Register wurde dann den nächst­höheren Ver­waltungs­behörden vor­gelegt. Um also nicht in den Ver­dacht ketzer­ischer Be­tätigung zu kommen, musste sich jeder Bürger aktiv um die Mit­glied­schaft bei einem staatlich an­er­kannten Tempel bemühen, der ihm dann seine Recht­gläubigkeit bestätigte.

Mandaraji-mura shūmon aratame chō // Heft (Papier). Edo-Zeit, 1698; Mandaraji-mura, Settsu (heute Amagasaki-shi, Hyōgo-ken) // Bild © Amagasaki no rekishi (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Das hier abgebildete Glaubensregister (shūmon aratame chō) aus dem Jahr 1698 (Genroku 11) stellt ein gutes Beispiel für den Wert der Glaubensregister als sozialhistorische und demographische Quelle dar. Erfasst ist das Dorf Mandaraji, heute Teil der Stadt Amagasaki zwischen Kōbe und Ōsaka. Das Register wurde von der Dorfgemeide selbst erstellt, nach jedem Eintrag findet sich aber ein Stempel des lokalen Tempels, der damit die Richtigkeit der Angaben bestätigt. Auf der dritten Seite von rechts beginnt die Aufzählung der Familienmitglieder des Dorfvorstandes (shōya) Shaichibei. Zu diesem ist vermerkt, dass er Mitglied (danna, eig. „Spender“) des Jōdo-shin Tempels Shōfuku-ji sei (oberster Eintrag in großer Schrift). Es folgt sein Namen und sein Alter (49 Jahre). Links davon seine Frau, Mitglied des gleichen Tempels, 34 Jahre. Zu ihr folgt die Bemerkung: „Tochter des Hachiuemon aus Kamikema, Provinz Settsu, Eltern gehören dem Honsen-ji der Hokke-shū an, änderte vor 19 Jahren ihre Zugehörigkeit und wurde Mitglied der Schulrichtung ihres Mannes.“ Die Frau stammt also aus einer etwa fünf Kilometer entfernten Nachbargemeinde, die einem Nichiren Tempel zugeordnet ist, hat aber ihre Zugehörigkeit (nach der Heirat) geändert. Den weiteren Einträgen ist zu entnehmen, dass das Paar eine Tochter (14 Jahre) und einen Adoptivsohn (25 Jahre) hat. Man kann annehmen, dass der Adoptivsohn zugleich Ehemann der Tochter ist und das Amt des Dorfvorstehers einmal erben wird (ein in der Edo-Zeit häufiges Verfahren in Familien ohne männliche Nachfolger). Außerdem leben im Haushalt zwei Knechte und drei Mägde in jugendlichem Alter aus der Provinz Harima, die auch als Mitglieder des gleichen Tempels angeführt sind. (Quelle: Yokota Fuyuhiko, „Hyakushō no ie to kazoku“.)
. 1 Glaubensregister aus dem Jahr 1698

Dieses System wurde Anfang des sieb­zehn­ten Jahr­hunderts im An­schluss an die Shima­bara Rebellion (1637–38) vom Tokugawa Shōgunat ein­ge­führt und war zu­nächst zur Aus­forschung der Christen in Kyūshū, dem Haupt­ver­breitungs­gebiet des japanischen Chris­ten­tums, ge­dacht. Das Shōgunat etablierte zu diesem Zweck eine eigene Behörde (shūmon aratame yakushūmon aratame yaku 宗門改役 frühmoderne Behörde zur Glaubensüberprüfung ) und hielt die DaimyōDaimyō 大名 Territorialfürst, Titel des Kriegeradels AmidismusChristentumDainihonshiReichseinigungShinbutsu bunri... mehr an, ein gleiches zu tun. Im Laufe der folgenden hundert Jahre breitete sich die Institu­tion über ganz Japan aus, ob­wohl der eigentliche Anlass, die Chris­ten­ver­folgung, immer be­deutungs­loser wurde. Das System erwies sich jedoch in mehr­facher Hin­sicht als nützliches Herr­schafts­mittel zur ideologischen und ver­waltungs­tech­nischen Kontrolle der Bevöl­kerung.

Zunächst wurde dadurch jede Person büro­kratisch erfasst. Diese Aufgabe er­ledigten nun aber nicht allein Ver­waltungs­beamte, sondern auch bud­dhis­tische Tempel. Sie mussten ja ihren Gemeinde­mit­gliedern bestätigen, dass diese ihrer Gemeinde an­ge­hörten und setzten zu diesem Zweck einen Stempel unter die ent­sprechenden Register­einträge, sofern diese von­seiten der einzelnen Mit­glieder ordnungs­gemäß ausgefüllt waren.

Tempel lebten in der Regel von individuellen Spenden. Schon vor der Edo-Zeit bemühten sich die Tempel, fixe Gemeinden zu etablierten, die regelmäßig festgesetzte Summen für religiöse Dienstleistungen, allen voran Begräbnisse, „spendeten“. Dieses System, das nicht auf Gesetzen, sondern auf Bräuchen beruhte, ist auch als danka seidodanka seido 檀家制度 System zur Führung von Familienregistern durch örtliche Tempel; siehe auch terauke seido bekannt (danka oder danna bedeutet Gönner oder Spender und geht auf den Sanskritbegriff dana, „Gabe“, zurück). Der Zwang sich bei einem Tempel zu registrieren stärkte das System der Spendergemeinden und damit auch die Macht buddhistischer Institutionen als solcher. Zwar konnte man den Tempel, bei dem man sich seine Rechtgläubigkeit bestätigen lassen wollte, in der Theorie frei wählen, es musste aber auf jeden Fall ein buddhistischer Tempel sein. Außerdem gab es gesetzliche Bestimmungen, die den Wechsel von einem Tempel zum anderen schwierig machten. Daher blieb man üblicherweise bei jenem Tempel, dem schon die eigenen Vorfahren angehörten. Tempel­registrie­rung und Spender­gemeinde waren also unab­hängig von einander entstanden, verstärkten sich in der Edo-Zeit jedoch gegenseitig und prägten den Buddhismus dieser Zeit.

Bürokratisierung des Buddhismus

Die shūmon aratameshūmon aratame 宗門改 „Glaubensüberprüfung“; religiöse Kontrolle in der Edo-Zeit -Zertifikate spielten im Alltag der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit eine ähnliche Rolle wie heute ein Pass oder Personal­ausweis. Man brauchte sie bei jedem größeren Orts­wechsel (das Reisen war ja sehr ein­ge­schränkt), beim Antritt be­stimmter Arbeiten, bei der Heirat, usw. Auf diese Weise wurden die bud­dhis­tischen Tempel quasi zur untersten Ebene der Landes­verwaltung und zwar gleicher­maßen für die Zentral­verwaltung (bakufubakufu 幕府 wtl. „Zeltregierung“; Militärregierung, Shōgunat Bakumatsu) als auch die Regional­verwaltung (hanhan Lokales Feudalfürstentum, Spätmittelalter bis Edo-Zeit ). Bud­dhis­tische Tempel nahmen damit zwar weltliche Ver­waltungs­aufgaben auf sich und waren welt­lichen Ver­waltungs­beamten unter­geordnet, hatten aber auch Nutzen aus dem System. Sie er­hielten mehr Macht über ihre Gläubigen­gemeinden, da diese ja auf ihre shūmon aratame-Be­stätigungen an­ge­wiesen waren. Manche Tempel ließen sich diese Be­stätigungen auch von den Mit­gliedern ihrer Gemeinde be­zahlen. In jedem Fall ver­dienten sie aber durch zu­sätz­liche religiöse Dienst­leis­tungen, vor allem Begräbnisse, die nun niemand in der Ge­mein­de mehr ab­lehnen konnte. Offizielle Rechts­dokumente des Shōgunats wiesen explizit darauf hin, dass Gemeinde­mit­glieder, die auf die bud­dhis­tischen Ster­be­riten keinen Wert legten, möglicher­weise Christen seien und genauer unter­sucht werden müssten.1 Man kam also in der Edo-Zeit um bud­dhis­tische Totenriten nicht mehr herum.

Durch dieses System wurde natürlich der Bud­dhis­mus als Ganzes stark be­ein­flusst. Der Gegen­satz zwischen erlaubten und häretischen Sekten wurde vertieft. Ab­ge­sehen vom Chris­ten­tum standen auch manche Frak­tionen der NichirenNichiren-shū 日蓮宗 Nichiren Schule; Sammelnamen für den Nichiren Buddhismus, aber auch Namen einer bestimmten Schule innerhalb des heutigen Nichiren Buddhismus; nicht zu verwechseln mit der 1912 gegr. Nichiren Shōshū MoencheNichirenZenShaka-Schule und des Amidismus auf der Liste ver­botener Religionen. Sie alle hatten während der SengokuSengoku Jidai 戦国時代 Zeit der kämpfenden Länder, 1467–1568 NikkoBishamon-tenDaibutsu StatuenReichseinigung-Zeit (16. Jh.) theokratische Ge­meinden gebildet, die im Zuge der Reichs­einigung von Oda NobunagaOda Nobunaga 織田信長 1534–1582, Kriegsfürst, Reichseiniger WuerdentraegerBekannte TempelAmidismusChristentumNichiren... mehr und Toyotomi HideyoshiToyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; bekannt als der zweite von drei Reichseinigern am Ende der „Zeit der kämpfenden Länder“ (Sengoku Jidai) HachimanTenjinBekannte TempelDaibutsu StatuenYasukuni... mehr mit bru­taler Gewalt be­kämpft wurden. Das terauke seidoterauke seido 寺請制度 System der Tempel-Bestätigungen DainihonshiStaatsshintoShinbutsu bunri ließ also — und darin liegt ein weiterer Unter­schied zur Inquisition — eine gewisse Glaubens­viel­falt nach wie vor zu, richtete sich aber umso heftiger gegen religiöse Grup­pierungen, deren „funda­men­talis­tischer“ Charakter die staatliche Ordnung in Frage stellten.

Dennoch kam es inner­halb der vom Staat erlaubten und ge­förderten bud­dhis­tischen Richtungen zwangs­läufig zu einer Nivellierung. Dies unter anderem aus dem Grund, dass das Shōgunat ein Mit­sprache­recht bei der Fest­legung ortho­doxer Glaubens- und Praxis­formen hatte. Der heute ver­breitete sog. „Begräbnis-Bud­dhis­mus“ (sōshiki bukkyōsōshiki bukkyō 葬式仏教 „Begräbnis-Buddhismus“; Buddhismus, der auf die Abhaltung von Totenriten fokussiert ist Familie), der wie wir gesehen haben über die Sekten­grenzen hinweg sehr ähnlich auf­ge­baut ist, resultiert indirekt aus der be­sonderen Beachtung der Sterbe­riten, die vom Shōgunat vor­ge­geben wurden. Die Vergabe von bud­dhis­tischen Toten­namen (kaimyōkaimyō 戒名 buddhistischer Totenname, posthumer Name eines Verstorbenen AhnenkultTotenriten), wie sie heute in allen Rich­tun­gen des japanischen Bud­dhis­mus prakti­ziert wird (s. Kap. Alltag, Bestattung), entstand bei­spiels­weise im Zu­sammen­hang mit dem terauke System, Anfang des acht­zehnten Jahr­hunderts. Die spezi­fischen Glaubens­inhalte der einzelnen bud­dhis­tischen Rich­tungen wurden da­ge­gen in den Hinter­grund ge­drängt.

Es nimmt somit nicht weiter Wunder, dass es in der Edo-Zeit zu anti-bud­dhis­tischen Ressen­timents kam, dass die bud­dhis­tischen Mönche als Agenten der Re­gie­rung ver­schrien waren, und dass ver­schiedene Teile der Ge­sell­schaft nach spirituellen Wegen außer­halb des Bud­dhis­mus zu suchen be­gannen. In der Edo-Zeit bietet die Geschichte des Bud­dhis­mus daher nur noch wenige spek­taku­läre in­halt­liche Neuerungen (Ausnahme viel­leicht die Re­formen der ZenZen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus FushimiTempeltoreArhatsHeian ZeitZoga... mehr-Sekten). Ideen­ge­schicht­lich ist da­ge­gen die Ent­wicklung des japa­nischen Kon­fuzianis­mus, des Shintō und das Auf­kommen der „Neuen Religionen“ in der bakumatsubakumatsu 幕末 Ende des Tokugawa-Shōgunats, 1853–1867 BakumatsuNeue ReligionenShinbutsu bunri-Zeit (d.h. in den letzten Jahrzehnten vor 1868) attraktiver. Den­noch hat die Büro­kra­tisierung des Bud­dhis­mus in- und außer­halb der japa­nischen Reli­gons­geschichte weit­reichende Folgen, die nach wie vor nur un­zu­reichend erforscht sind.

Verweise

Fußnoten

  1. Tamamuro 2001, S. 267.

Bilderläuterungen

  1. Shumon aratame cho 2.jpg
    Mandaraji-mura shūmon aratame chō // Heft (Papier). Edo-Zeit, 1698; Mandaraji-mura, Settsu (heute Amagasaki-shi, Hyōgo-ken) // Bild © Amagasaki no rekishi (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Das hier abgebildete Glaubensregister (shūmon aratame chō) aus dem Jahr 1698 (Genroku 11) stellt ein gutes Beispiel für den Wert der Glaubensregister als sozialhistorische und demographische Quelle dar. Erfasst ist das Dorf Mandaraji, heute Teil der Stadt Amagasaki zwischen Kōbe und Ōsaka. Das Register wurde von der Dorfgemeide selbst erstellt, nach jedem Eintrag findet sich aber ein Stempel des lokalen Tempels, der damit die Richtigkeit der Angaben bestätigt. Auf der dritten Seite von rechts beginnt die Aufzählung der Familienmitglieder des Dorfvorstandes (shōya) Shaichibei. Zu diesem ist vermerkt, dass er Mitglied (danna, eig. „Spender“) des Jōdo-shin Tempels Shōfuku-ji sei (oberster Eintrag in großer Schrift). Es folgt sein Namen und sein Alter (49 Jahre). Links davon seine Frau, Mitglied des gleichen Tempels, 34 Jahre. Zu ihr folgt die Bemerkung: „Tochter des Hachiuemon aus Kamikema, Provinz Settsu, Eltern gehören dem Honsen-ji der Hokke-shū an, änderte vor 19 Jahren ihre Zugehörigkeit und wurde Mitglied der Schulrichtung ihres Mannes.“ Die Frau stammt also aus einer etwa fünf Kilometer entfernten Nachbargemeinde, die einem Nichiren Tempel zugeordnet ist, hat aber ihre Zugehörigkeit (nach der Heirat) geändert. Den weiteren Einträgen ist zu entnehmen, dass das Paar eine Tochter (14 Jahre) und einen Adoptivsohn (25 Jahre) hat. Man kann annehmen, dass der Adoptivsohn zugleich Ehemann der Tochter ist und das Amt des Dorfvorstehers einmal erben wird (ein in der Edo-Zeit häufiges Verfahren in Familien ohne männliche Nachfolger). Außerdem leben im Haushalt zwei Knechte und drei Mägde in jugendlichem Alter aus der Provinz Harima, die auch als Mitglieder des gleichen Tempels angeführt sind. (Quelle: Yokota Fuyuhiko, „Hyakushō no ie to kazoku“.)

Links und Literatur

Tamamuro Fumio 2001
Local Society and the Temple-Parishioner Relationship within the Bakufu’s Governance Structure.“ Japanese Journal of Religious Studies 28/3–4 (2001), S. 261–292.
  • Yokota Fuyuhiko, 2008
    Hyakushō no ie to kazoku.“ In: Zusetsu Amagasaki no rekishi. (Webprojekt der Sonoda Gakuen Joshi Daigaku.)
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016
Ikonographie 
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Terauke seido Inquisition unter buddhistischen Vorzeichen.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 7.11.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Terauke?oldid=71178