Geschichte/Zen: Unterschied zwischen den Versionen

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(Zen und der Westen)
(Zen und der Westen)
 
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{{fl|Z}}{{glossar:zen|en}} wurde ebenso wie die meisten anderen Richtungen des japanischen Bud·dhis·mus aus China über·nommen, wo man ihn Chan nennt. Der Begriff selbst be·deutet im Grunde „Meditation“, und zwar genau ge·nommen ''dhyāna''-Meditation, eine Methode, die auf die Er·langung be·sonderer Einsichten Wert legt. Diese Methode wurde und wird von vielen Buddhisten praktiziert, auch schon bevor sich Zen als eigene Richtung etablierte. Im Zen wird aber auf diese Methode be·sonderer Wert gelegt. Die Betonung der Meditation spiegelt sich auch in den Legenden, die sich um den Stamm·vater des Zen-Buddhismus, Bodhidharma, ranken.
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==Die legendäre Gestalt des Bodhidharma==
 
==Die legendäre Gestalt des Bodhidharma==
  
{{skt:Bodhidharma}} (jap. Bodaidaruma oder schlicht {{glossar:daruma}}) soll im Jahr 520 von Indien nach China ge·kommen sein, wo er allein durch sein phy·sisches Er·schei·nungs·bild Aufsehen erregte. Die Ikonographie des Zen zeichnet ihn jeden·falls als stark be·haartes, bärtiges Raubein mit her·vor·quel·lenden Augen, der stark an die Dar·stel·lungen von [[Ikonographie/Waechtergoetter | Wächtergottheiten]] oder {{glossar:oni}} erinnert. Dieser unheimliche Mönch soll nun neun Jahre lang gegen eine Mauer ge·wandt im Meditations·sitz ({{glossar:zazen}}) ver·harrt haben, ohne sich durch Mitmönche, die sich ihm als Schüler andienten, aus der Ruhe bringen zu lassen. Erst {{glossar:huike}}, der erste chinesische Chan-Patriarch, soll seine Auf·merk·sam·keit auf sich ge·lenkt haben, indem er sich selbst einen Arm abhackte. Bodhidharma wiederum soll sich die Augen·lider ab·ge·schnitten haben, um während der Meditation nicht ein·zu·schlafen. Außer dieser besonderen Neigung zur Meditation ist von Bodhidharma wenig bekannt, doch scheint es gerade seine Rätsel·haftig·keit zu sein, die ihn als Gründer·figur des Chan/Zen attraktiv machte.
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Der Indische Mönch {{skt:Bodhidharma}} (jap. Bodaidaruma oder schlicht {{glossar:daruma|Daruma}}) soll im Jahr 520 nach China ge·kommen sein, wo er allein durch sein phy·sisches Er·schei·nungs·bild Aufsehen erregte. Die Ikonographie des Zen zeichnet ihn jeden·falls als stark be·haartes, bärtiges Raubein mit her·vor·quel·lenden Augen, der stark an die Dar·stel·lungen von [[Ikonographie/Waechtergoetter | Wächtergottheiten]] oder {{glossar:oni}} erinnert. Dieser unheimliche Mönch soll nun neun Jahre lang gegen eine Mauer ge·wandt im Medi·tations·sitz ({{glossar:zazen}}) ver·harrt haben, ohne sich durch Mit·mönche, die sich ihm als Schüler andienten, aus der Ruhe bringen zu lassen. Erst {{glossar:huike}}, der erste chinesische Chan-Patriarch, soll seine Auf·merk·sam·keit auf sich ge·lenkt haben, indem er sich selbst einen Arm abhackte. Bo·dhi·dharma wiederum soll sich die Augen·lider ab·ge·schnitten haben, um während der Meditation nicht ein·zu·schlafen. Außer dieser beson·deren Neigung zur Meditation ist von Bo·dhi·dharma wenig bekannt, doch scheint es gerade seine Rätsel·haftig·keit zu sein, die ihn als Gründer·figur des Chan/Zen attraktiv machte.
  
 
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In Japan weiß die Legende von Bodhidharma außerdem noch zu berichten, dass sich in·folge seiner Meditation seine Arme und Beine rück·gebildet hätten. Die japanische Volks·religion hat daraus schließlich die glücks·bringende Daruma-Puppe gemacht, ein Steh·auf·männchen, das nur aus Kopf und Rumpf besteht (s. dazu auch [[Alltag/Glücksbringer | Glücksbringer]]).
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In Japan weiß die Legende von Bo·dhi·dharma außerdem noch zu berichten, dass sich in·folge seiner Meditation seine Arme und Beine rück·gebildet hätten. Die japa·nische Volks·religion hat daraus schließlich die glücks·bringende ''daruma''-Puppe gemacht, ein Steh·auf·männchen, das nur aus Kopf und Rumpf besteht (s. dazu auch [[Alltag/Glücksbringer | Glücks·bringer]]).
  
==Chinesische Chan-Patriarchen==
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== Chinesische Chan-Patriarchen ==
{{sidebox|sidepage=Koan|titel=zitat|hotei2_hakuin.jpg|Ein Kōan}}
 
{{floatleft|rinzai.jpg|Linji, jap. Rinzai|rahmen_h=335 }}
 
Auf Bodhidharma folgte in China eine Reihe berühmter Patriarchen, die jeder ihren eigenen pädagogischen  Stil hatten. Besonders be·rühmt ist Meister {{glossar:linji}} (jap. Rinzai), der seine Schüler durch Stock·schläge und Schelt·schreie („katsu!“) zur Erleuchtung führte.
 
Die Anekdoten dieser Patriarchen bilden so etwas wie den Kanon des Zen Buddhismus. In ihnen offen·bart sich ein im Zen funda·mentales Prinzip: Er·leuch·tung kann nicht durch Studium ver·mittelt werden, sondern nur durch un·mittel·bare Er·leuch·tungs·erfah·rung (jap. {{glossar:satori}}). Diese Erfah·rung steht in voll·kommenen Gegen·satz zum All·tags·be·wusst·sein und über·kommt einen überfalls·artig. Um das All·tags·be·wusst·sein außer Kraft zu setzen, hat der Zen Bud·dhis·mus auch jene paradoxen „Zen-Rätsel“ ({{glossar:kouan}}) entwickelt, in die sich die Schüler während der Meditation ver·tiefen sollen. Die ''kōan'' mögen spiele·rischen Charakter haben. Zugleich drücken sie aber auch aus, dass die Suche nach der Er·leuch·tung nur dann erfolg·reich ist, wenn sie mit dem Ernst einer Ent·scheidung auf Leben und Tod ver·bunden ist. Daher auch das häufige Motiv der physi·schen Gewalt in den Zen-Geschich·ten. Daher auch ein mög·licher Appeal, den Zen für die japa·nische Krieger·klasse hatte.
 
  
Hinsichtlich seiner privilegierten Mittel, zur Erleuchtung zu gelangen, lässt sich Zen als das genaue Gegen·teil des [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]] auffassen. Im Mittel·punkt steht die eigene An·stren·gung, das eigene Wollen, das ein absolutes Aus·maß erreichen muss: {{glossar:jiriki}}, nicht {{glossar:tariki}}. Die Be·herr·schung des eigenen Willens, die Selbst·disziplin schiebt sich dabei im Zen gegenüber dem Glauben in den Vor·der·grund. Was man glaubt, scheint oft gar nicht mehr von Be·deu·tung. Vor allem darf man sich durch den Gegen·stand seiner Glaubens·vereh·rung nicht von seinem Weg der Übung ab·bringen lassen. Ein be·rühmter ''kōan'' sagt sogar: „Wenn du den {{skt:Buddha}} triffst, töte den Buddha!“
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Auf Bo·dhi·dharma folgte in China eine Reihe berühmter Pa·tri·archen, die jeder ihren eigenen pä·dago·gischen  Stil hatten. Besonders be·rühmt ist Meister {{glossar:linji}} (jap. Rinzai), der seine Schüler durch Stock·schläge und Schelt·schreie („{{g|katsu}}!“) zur Erleuchtung führte.
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Die Anek·doten dieser Patriarchen bilden so etwas wie den Kanon des Zen Bud·dhis·mus. In ihnen offen·bart sich ein im Zen funda·mentales Prinzip: Er·leuch·tung kann nicht durch Studium ver·mittelt werden, sondern nur durch un·mittel·bare Er·leuch·tungs·erfah·rung (jap. {{glossar:satori}}). Diese Erfah·rung steht in voll·kommenen Gegen·satz zum All·tags·be·wusst·sein und über·kommt einen überfalls·artig. Um das All·tags·be·wusst·sein außer Kraft zu setzen, hat der Zen Bud·dhis·mus auch jene para·doxen „Zen-Rätsel“ ({{glossar:kouan}}) entwickelt, in die sich die Schüler während der Meditation ver·tiefen sollen. Die ''kōan'' mögen spiele·rischen Cha·rak·ter haben. Zu·gleich drücken sie aber auch aus, dass die Suche nach der Er·leuch·tung nur dann erfolg·reich ist, wenn sie mit dem Ernst einer Ent·scheidung auf Leben und Tod ver·bunden ist. Daher auch das häufige Motiv der physi·schen Gewalt in den Zen-Geschich·ten und auch ein mög·licher Appeal, den Zen für die japa·nische Krieger·klasse hatte.
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Hinsichtlich seiner privi·legierten Mittel, zur Er·leuch·tung zu gelangen, lässt sich Zen als das genaue Gegen·teil des [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]] auffassen. Im Mittel·punkt steht die eigene An·stren·gung, das eigene Wollen, das ein absolutes Aus·maß er·rei·chen muss: {{glossar:jiriki}}, nicht {{glossar:tariki}}. Die Be·herr·schung des eigenen Willens, die Selbst·disziplin schiebt sich dabei im Zen gegen·über dem Glauben in den Vor·der·grund. Was man glaubt, scheint oft gar nicht mehr von Be·deu·tung. Vor allem darf man sich durch den Gegen·stand seiner Glau·bens·vereh·rung nicht von seinem Weg der Übung ab·bringen lassen. Ein be·rühmter ''kōan'' sagt sogar: „Wenn du den {{skt:Buddha}} triffst, töte den Buddha!“
  
 
==Zen in Japan==  
 
==Zen in Japan==  
  
In der {{glossar:kamakura}}-Zeit entwickelten sich zwei Haupt·strö·mungen des japanischen Zen, {{glossar:soutoushuu}} und {{glossar:rinzaishuu}}. Sōtō Zen war ur·sprüng·lich die asketischere und strengere Richtung. Ihr Begründer, {{glossar:dougenkigen}} (1200–1253), ist heute der viel·leicht be·kannteste Ver·treter des japanischen Zen überhaupt. Dōgen war je·doch zu seinen Leb·zeiten nicht mehr als der Abt eines sek·tie·rerischen Klosters in einer ab·ge·legenen Provinz. Auch unter seinen Nach·folgern blieb Sōtō Zen weit hinter der Be·deu·tung von Rinzai Zen zurück und ver·breitete sich vor allem in ländlichen Gebieten.
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In der {{glossar:kamakura}}-Zeit entwickelten sich zwei Haupt·strö·mungen des japanischen Zen, {{glossar:soutoushuu}} und {{glossar:rinzaishuu}}. Sōtō Zen war ur·sprüng·lich die asketischere und strengere Richtung. Ihr Begründer, {{glossar:dougenkigen}} (1200–1253), ist heute der viel·leicht be·kann·teste Ver·treter des japanischen Zen überhaupt. Dōgen war je·doch zu seinen Leb·zeiten nicht mehr als der Abt eines sek·tie·rerischen Klosters in einer ab·ge·legenen Provinz. Auch unter seinen Nach·folgern blieb Sōtō Zen weit hinter der Be·deu·tung von Rinzai Zen zurück und ver·breitete sich vor allem in ländlichen Gebieten.
  
 
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Die Rinzai-Schule erfuhr hingegen eine massive Förde·rung durch das neu ge·gründete Shogunat in Kamakura. Die historische Rolle des Zen ist daher eng mit der Etablierung einer neuen Herr·schafts·ordnung durch den Krieger·adel in der Kamakura Zeit verknüpft.
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Die Rinzai-Schule erfuhr hingegen eine massive Förde·rung durch das neu ge·gründete {{g|Shougun|Shōgunat}} in Kamakura. Die historische Rolle des Zen ist daher eng mit der Eta·blierung einer neuen Herr·schafts·ordnung durch den Krieger·adel in der Kamakura-Zeit verknüpft.
  
 
===Gozan-Klöster in Kamakura===
 
===Gozan-Klöster in Kamakura===
  
Als buddhistischer Orden wurde Zen in Japan durch {{glossar:myouaneisai}} (oder {{glossar:yousai}}, 1141–1215) be·gründet, nach·dem er selbst in China in den Chan-Orden ein·ge·weiht worden war. Eisai verdankte die rasche Akzeptanz seiner neuen Richtung zum einen der Tatsache, dass man von chinesischen Chan Meistern wusste, aber noch nie·mand vor ihm in den Besitz einer formalen Weiter·gabe·be·rechtigung ge·kommen war. Zum anderen kooperierte Eisai eng mit den etablierten japanischen Schulen, vor allem mit der {{glossar:Shingonshuu}}, und be·stand nicht auf einer puristischen, kom·pro·miss·losen Linie, wie sie für den Sōtō Zen charakte·ristisch werden sollte (Dōgen kritisiert die gleiche Kom·pro·miss·bereit·schaft bereits bei den Linji-Kollegen in China). Anderer·seits hatte auch Eisai mit Gegnern, vor allem inner·halb der {{glossar:tendaishuu|Tendai}} Schule zu kämpfen. Das führte dazu, dass er Kyoto verließ und im neu er·richteten Shogunat von Kamakura einen wichtigen Gönner fand. Das Shogunat unter·stützte Eisai dabei, ein Kloster·system, wie es bereits im chinesischen Chan bestand, zu er·richten. Dieses bestand aus fünf Haupt·tempeln und wurde dem·ent·sprechend {{glossar:gozan}} (Fünf Berge) System genannt. Mit der Er·richtung dieser Klöster erhielt Eisais Richtung (Rinzai Zen) in Kamakura eine ähnliche Funktion, wie sie Tendai, Shingon und die [[Geschichte/Nara | Nara Schulen]] für den Kaiserhof in Kyoto hatten.
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Als bud·dhis·tischer Orden wurde Zen in Japan durch {{glossar:myouanyousai}} (oder {{glossar:eisai}}, 1141–1215) be·gründet, nach·dem er selbst in China in den Chan-Orden ein·ge·weiht worden war. Eisai verdankte die rasche Akzeptanz seiner neuen Richtung zum einen der Tatsache, dass man von chinesischen Chan-Meistern wusste, aber noch nie·mand vor ihm in den Besitz einer formalen Weiter·gabe·be·rechtigung ge·kommen war. Zum anderen ko·operierte Eisai eng mit den etablierten ja·pa·nischen Schulen, vor allem mit der {{glossar:Shingonshuu}}, und be·stand nicht auf einer puristischen, kom·pro·miss·losen Linie, wie sie für den Sōtō Zen charakte·ristisch werden sollte (Dōgen kritisiert die gleiche Kom·pro·miss·bereit·schaft bereits bei den Linji-Kollegen in China). Anderer·seits hatte auch Eisai mit Gegnern, vor allem inner·halb der {{glossar:tendaishuu|Tendai}}-Schule zu kämpfen. Das führte dazu, dass er Kyōto verließ und im neu er·richteten Shōgunat von Kamakura einen wichtigen Gönner fand. Das Shōgunat unter·stützte Eisai dabei, ein Kloster·system, wie es bereits im chinesischen Chan bestand, zu er·richten. Dieses bestand aus fünf Haupt·tempeln und wurde dem·ent·sprechend {{glossar:gozan}} (Fünf Berge) System genannt. Mit der Er·richtung dieser Klöster erhielt Eisais Richtung (Rinzai Zen) in Kamakura eine ähnliche Funktion, wie sie Tendai, Shingon und die [[Geschichte/Nara | Nara Schulen]] für den Kaiserhof in Kyōto hatten.
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Es ist fraglich, ob diese Förderung der neuen bud·dhis·tischen Richtung wirklich aufgrund einer be·sonderen Affinität zwischen der Strenge des Zen und dem Ethos der Krieger erfolgte, wie häufig be·hauptet wird. Eher scheint es der histo·rischen Ko·in·zidenz von der Gründung des Kamakura-Shōgunats (1185) und der Ein·führung einer neuen bud·dhis·tischen Lehre zu·zu·schreiben, dass die noch nicht vom Hof „besetzte“ Richtung des Zen nun von den {{g|Minamoto}} Shōgunen favorisiert wurde.
  
Es ist fraglich, ob diese Förderung der neuen bud·dhis·tischen Richtung wirklich aufgrund einer be·sonderen Affinität zwischen der Strenge des Zen und dem Ethos der Krieger erfolgte, wie häufig be·hauptet wird. Eher scheint es der historischen Koinzidenz von der Gründung des Kamakura-Shogunats (1185) und der Ein·führung einer neuen bud·dhis·tischen Lehre zu·zu·schreiben, dass die noch nicht vom Hof „besetzte“ Richtung des Zen nun von den Minamoto Shogunen favorisiert wurde.
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=== Zen unter den Ashikaga Shōgunen ===
  
===Zen unter den Ashikaga Shogunen===
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| Shogun Ashikaga Yoshimitsu  
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Das Kamakura Shogunat wurde bekanntlich von der Dynastie der Ashikaga ver·drängt, die das politische Zentrum Japans 1336 wieder nach Kyoto ver·legte. Damit ver·lagerte sich auch der Schwer·punkt der ''gozan''-Klöster in die alte Kaiser·stadt, wo ein neues Set von „Fünf Bergen“ entstand. Die Regierungs·zeit der Ashikaga Shogune ({{glossar:muromachi}}-Zeit 1333–1573) gilt die Blütezeit der ''gozan''-Kloster·kultur. Tusch·malerei und Tee-Kultur bildeten zu·sammen mit chinesischer und japanischer Dichtung die wichtigsten Künste, die in den Klöstern ge·pflegt und mit dem Adel ge·teilt wurden. Zen-Mönche, die nicht das Privileg hatten, Mit·glieder der „Fünf Berge“ zu sein, waren jedoch von dieser Kultur weit·gehend aus·ge·schlossen und geißelten ihre Mit·brüder, sich ganz in welt·lichen Ver·irrungen verloren zu haben. Für sie war Zen keineswegs gleichbedeutend mit Tee, Kalligraphie und Dichtung.
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Das Kamakura Shōgunat wurde bekanntlich von der Dynastie der {{g|Ashikaga}} ver·drängt, die das politische Zentrum Japans 1336 wieder nach Kyōto ver·legte. Damit ver·lagerte sich auch der Schwer·punkt der ''gozan''-Klöster in die alte Kaiser·stadt, wo ein neues Set von „Fünf Bergen“ entstand. Die Regierungs·zeit der Ashikaga Shōgune ({{glossar:muromachi}}-Zeit, 1333–1573) gilt als die Blütezeit der ''gozan''-Kloster·kultur. Tusch·malerei und Tee-Kultur bildeten zu·sammen mit chine·sischer und japa·nischer Dichtung die wich·tigsten Künste, die in den Klöstern ge·pflegt und mit dem Adel ge·teilt wurden. {{g|Ashikagayoshimitsu}} wurde nach seinem offiziellen Rück·tritt als Shōgun sogar selbst Zen-Mönch, was ihn aber nicht daran hinderte, weiterhin politische Macht auszuüben.  Zen-Mönche, die nicht das Privileg hatten, Mit·glieder der „Fünf Berge“ zu sein, waren jedoch von dieser Kultur weit·gehend aus·ge·schlossen und geißelten ihre Mit·brüder, sich ganz in welt·lichen Ver·irrungen verloren zu haben. Für sie war Zen keineswegs gleichbedeutend mit Tee, Kalli·graphie und Dichtung.
  
In der künstlerisch überhöhten ''gozan'' Kultur zur Zeit der Ashikaga stellte im übrigen China das große Vorbild dar. Da in den ''gozan'' Klöstern die chinesischen Chan-Patriarchen und ihre Texte einen hohen Stellen·wert hatten, waren Zen-Mönche die besten „Sinologen“ der damaligen Zeit und vor allem in dieser Funktion waren sie für die Kultur der Elite wichtig. Das führte unter anderem dazu, dass auch nicht-buddhistische Denk·traditionen des Kon·fuzianis·mus und Daoismus gerade in Zen-Klöstern gepflegt wurden. Es ist daher auch kein Wunder, dass die [[Geschichte/Neo-Konfuzianismus | Neo-Konfuzianer]] der frühen {{glossar:edo}}-Zeit (17. Jh.) wie Fujiwara Seika oder {{glossar:Hayashirazan}} ausgebildete Zen-Mönche waren. Es ist also not·wendig, die Ent·wick·lung des Zen in Japan historisch differenziert zu be·trach·ten und zu be·denken, dass nicht alles, was unter Be·teiligung von Zen Mönchen in Japan ent·stand, zwangsläufig Zen ist.
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In der künstlerisch überhöhten ''gozan''-Kultur zur Zeit der Ashikaga stellte im übrigen China das große Vorbild dar. Da in den ''gozan''-Klöstern die chinesischen Chan-Patriarchen und ihre Texte einen hohen Stellen·wert hatten, waren Zen-Mönche die besten „Sinologen“ der damaligen Zeit und vor allem in dieser Funk·tion waren sie für die Kultur der Elite wichtig. Das führte unter anderem dazu, dass auch nicht-bud·dhis·tische Denk·traditionen des {{g|jukyou|Kon·fuzianis·mus}} und {{g|doukyou|Daoismus}} gerade in Zen-Klöstern gepflegt wurden. Es ist daher auch kein Wunder, dass die [[Geschichte/Neo-Konfuzianismus | Neo-Konfuzianer]] der frühen {{glossar:edo}}-Zeit (17. Jh.) wie {{g|Fujiwaraseika}} oder {{glossar:Hayashirazan}} ausgebildete Zen-Mönche waren. Es ist also not·wendig, die Ent·wick·lung des Zen in Japan historisch differenziert zu be·trach·ten und zu be·denken, dass nicht alles, was unter Be·teiligung von Zen-Mönchen in Japan ent·stand, zwangsläufig Zen ist.
  
 
==Die geschichtliche Rolle des Zen==
 
==Die geschichtliche Rolle des Zen==
  
Es gehört zu den von der japanischen Geschichtstradition selbst ge·schaf·fenen Mythen, dass alle so·ge·nannten „Krieger“ (''bushi'', ''samurai'') vom Shōgun bis zum letzten kleinen Vasall Träger einer ge·mein·samen Krieger-Kultur waren, die im Kern vom Zen ge·prägt war. Tat·säch·lich war aber Krieger nicht gleich Krieger, Samurai nicht gleich Samurai. Zen war vor allem eine Religion der Krieger·elite, die sich zu·gleich an der Kultur des Hofes orientierte. Ab·kömmlinge des so·ge·nannten „Schwertadels“ (''buke'') und des alten Hofadels (''kuge'') bildeten während der Ashikaga Herr·schaft zusammen die Kultur der Haupt·stadt und ließen sich dabei ge·mein·sam von Zen-Mönchen in exotischen Ver·gnügen wie dem Tee·trinken beraten. In den Provinzen schlossen sich Krieger und Bauern dagegen zu rebellischen Gruppen zu·sammen, die als {{glossar:ikkoushuu}} bekannt wurden. Sie stellen die Vor·läufer des heute noch weit ver·breiteten {{glossar:joudoshinshuu}} Buddhismus dar (s. dazu [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]]). Die nieder·rangigen Kämpfer in den Provinzen waren also eher für die Lehren des Reinen Landes ({{glossar:joudo}}) empfänglich. Zwischen ihnen und der ''gozan''-Kultur in Kyoto herrschte wohl eine ähn·liche Kluft, wie zwischen Kriegern und Hof·adeligen zur Zeit des ''Genji monogatari''.
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Es gehört zu den von der japanischen Geschichts·tradition selbst ge·schaf·fenen Mythen, dass alle so·ge·nannten „Krieger“ ({{g|bushi}}, {{g|samurai}}) vom Shōgun bis zum letzten kleinen Vasall Träger einer ge·mein·samen Krieger-Kultur waren, die im Kern vom Zen ge·prägt war. Tat·säch·lich war aber Krieger nicht gleich Krieger, Samurai nicht gleich Samurai. Zen war vor allem eine Religion der Krieger·elite, die sich zu·gleich an der Kultur des Hofes orientierte. Ab·kömmlinge des so·ge·nannten „Schwertadels“ ({{g|buke}}) und des alten Hofadels ({{g|kuge}}) bildeten während der Ashikaga-Herr·schaft zusammen die Kultur der Haupt·stadt und ließen sich dabei ge·mein·sam von Zen-Mönchen in exotischen Ver·gnügen wie dem Tee·trinken beraten. In den Provinzen schlossen sich Krieger und Bauern dagegen zu rebellischen Gruppen zu·sammen, die als {{glossar:ikkoushuu}} bekannt wurden. Sie stellen die Vor·läufer des heute noch weit ver·breiteten {{glossar:joudoshinshuu}} Bud·dhis·mus dar (s. dazu [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]]). Die nieder·rangigen Kämpfer in den Pro·vinzen waren also eher für die Lehren des Reinen Landes ({{glossar:joudo}}) empfänglich. Zwischen ihnen und der ''gozan''-Kultur in Kyōto herrschte wohl eine ähn·liche Kluft, wie zwischen Kriegern und Hof·adeligen zur Zeit des {{g|Genjimonogatari}}.
  
Gab es also überhaupt einen Unterschied zwischen Zen Mönchen und den Angehörigen anderer bud·dhis·tischer Richtungen? Einen guten Ein·blick gibt hier die Ge·schichten·sammlung {{glossar:Shasekishuu}}, deren Autor, {{glossar:mujuuichien}} (1226–1312), selbst dem Zen nahe stand. Seine Be·wunderung für die neue Richtung äußert sich bei·spiels·weise in der Art, wie er über den Tod damals berühmter Zen Meister be·richtet. Sie sollen nicht nur jeweils ein Todes·gedicht im chinesischen Stil ge·dichtet haben, das sie vor ihrem Ab·leben rezitierten, sie waren auch in der Lage, den Zeit·punkt ihres Todes vor·her·zu·sagen und ver·schieden dann in auf·rechter Meditations·haltung. Mujū be·richtet mit ähnlicher An·er·kennung aber auch von Amida Buddhisten, die bis zu ihrem Tod un·ver·wandt das {{glossar:nenbutsu}} rezitierten. Mujū selbst hat sicher sowohl von Zen- als auch von Jōdo-Techniken Gebrauch ge·macht. Er zeigt Be·wunde·rung für eine Art von kon·sequenter Strenge im Lebens·stil der Zen-Mönche, die anderen Buddhisten seiner Zeit oft ab·handen ge·kommen war, er ver·rät aber gleich·zeitig, dass sie sehr wohl auch mit den etablierten Schulen ({{glossar:tendaishuu|Tendai}} und {{glossar:shingonshuu|Shingon}}) kooperierten, bzw. deren Praktiken in ihre eigene Liturgie integrierten. In dieser Hinsicht war Zen wahr·schein·lich weniger radikal als einzelne Vertreter des [[Geschichte/Amidismus | Amidismus]] oder des {{glossar:nichirenshuu|Nichiren}} Buddhismus, die funda·men·ta·listische Positionen vertraten und sich nicht in das Paradigma des Pluralismus, das vom Main·stream-Buddhismus vertreten wurde, einordnen ließen.
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Gab es also überhaupt einen Unterschied zwischen Zen-Mönchen und den An·ge·hörigen anderer bud·dhis·tischer Richtungen? Einen guten Ein·blick gibt hier die Ge·schichten·sammlung {{glossar:Shasekishuu}}, deren Autor, {{glossar:mujuuichien}} (1226–1312), selbst dem Zen nahe stand. Seine Be·wun·derung für die neue Richtung äußert sich bei·spiels·weise in der Art, wie er über den Tod damals berühmter Zen-Meister be·richtet. Sie sollen nicht nur jeweils ein Todes·gedicht im chinesischen Stil ge·dichtet haben, das sie vor ihrem Ab·leben rezitierten, sie waren auch in der Lage, den Zeit·punkt ihres Todes vor·her·zu·sagen und ver·schieden dann in auf·rechter Meditations·haltung. Mujū be·richtet mit ähnlicher An·er·kennung aber auch von {{g|Amida}} Bud·dhisten, die bis zu ihrem Tod un·ver·wandt das {{glossar:nenbutsu}} rezitierten. Mujū selbst hat sicher sowohl von Zen- als auch von Jōdo-Techniken Gebrauch ge·macht. Er zeigt Be·wunde·rung für eine Art von kon·sequenter Strenge im Lebens·stil der Zen-Mönche, die anderen Bud·dhisten seiner Zeit oft ab·handen ge·kommen war, er ver·rät aber gleich·zeitig, dass sie sehr wohl auch mit den etablierten Schulen ({{glossar:tendaishuu|Tendai}} und {{glossar:shingonshuu|Shingon}}) ko·operierten, bzw. deren Praktiken in ihre eigene Liturgie inte·grierten. In dieser Hinsicht war Zen wahr·schein·lich weniger radikal als einzelne Ver·treter des {{g|joudoshuu|Amidismus}} oder des {{glossar:nichirenshuu|Nichiren}} Buddhismus, die funda·men·ta·listische Posi·tionen vertraten und sich nicht in das Paradigma des Plura·lismus, das vom Main·stream-Buddhismus vertreten wurde, einordnen ließen.
  
===Spätere Entwicklungen===
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=== Spätere Entwicklungen ===
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Ein Bild vom Leben der Zen Mönche im späten Mittel·alter gibt der exzentrische Dichter-Mönch {{glossar:ikkyuusoujun}} (1394–1481), der unter anderem für seine erotische Liebes·lyrik be·kannt ist. Bei ihm ist zu er·kennen, wie die rätsel·hafte Strenge, für die die alten Patriarchen be·kannt sind, im Denken der Zen-Mönche immer wieder auf·scheint. In der Praxis be·weist jedoch Ikkyūs eigener Lebens·wandel, dass von dieser Strenge wohl im allgemeinen nicht viel zu spüren war.
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Ein Bild vom Leben der Zen-Mönche im späten Mittel·alter gibt der ex·zen·trische Dichter-Mönch {{glossar:ikkyuusoujun}} (1394–1481), der unter anderem für seine erotische Liebes·lyrik be·kannt ist. Bei ihm ist zu er·kennen, wie die rätsel·hafte Strenge, für die die alten Pa·triar·chen be·kannt sind, im Denken der Zen-Mönche immer wieder auf·scheint. In der Praxis be·weist jedoch Ikkyūs eigener Lebens·wandel, dass von dieser Strenge wohl im allgemeinen nicht viel zu spüren war.
  
In der frühen Edo-Zeit kam es zur Gründung der dritten Haupt·richtung des japanischen Zen, der {{glossar:oubakushuu}}, durch den chinesischen Mönch {{glossar:yinyuanlongqi}} (1592–1673). Die Richtung ist nach einem chinesischen Kloster be·nannt und gilt als noch eklektizistischer als die beiden anderen Haupt·richtungen, Rinzai-shū und Sōtō-shū.
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In der frühen Edo-Zeit kam es zur Gründung der dritten Haupt·richtung des japanischen Zen, der {{glossar:oubakushuu}}, durch den chinesischen Mönch {{glossar:yinyuanlongqi}} (1592–1673). Die Richtung ist nach einem chinesischen Kloster be·nannt und gilt als noch eklek·tizis·tischer als die beiden anderen Haupt·richtungen, Rinzai-shū und Sōtō-shū. Der Ōbakū-Zen schloss unter anderem den {{g|Amida}}-Glauben, einschließlich der Anrufungsformel Amidas, {{g|nenbutsu}}, mit ein. Zugleich zogen neue, „exotisch“ chinesische Elemente wie etwa die Verehrung der „Fünfhundert {{s|Arhat|Arhats}}“ (''gohyaku'' {{g|rakan}}) die Aufmerksamkeit der Eliten und der allgemeinen Bevölkerung auf sich.  
  
 
Auch innerhalb des Rinzai Zen kam es zu Reformen, u.a. durch {{glossar:hakuinekaku}} (1685–1768), der mit seinen humor·vollen Tusch·zeich·nungen ein eigenes Genre der „Zen-Malerei“ ({{glossar:zenga}}) be·gründete. Er schuf aber auch eine Reihe von schriftlichen Werken in ähnlich un·mittel·bar-persönlichem Stil.
 
Auch innerhalb des Rinzai Zen kam es zu Reformen, u.a. durch {{glossar:hakuinekaku}} (1685–1768), der mit seinen humor·vollen Tusch·zeich·nungen ein eigenes Genre der „Zen-Malerei“ ({{glossar:zenga}}) be·gründete. Er schuf aber auch eine Reihe von schriftlichen Werken in ähnlich un·mittel·bar-persönlichem Stil.
  
==Zen und der Westen==
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== Zen und der Westen ==
{{Sidebox|Awa_kenzo.jpg| w=140|top=-40|Zen und Bogenschießen}}
 
Zen bietet historisch betrachtet ein sehr wider·sprüch·liches Bild und ist auch als Religion die am schwierigsten zu klas·sifi·zie·rende Strömung des ja·pa·nischen Bud·dhis·mus. Zweifel·los liegt aber gerade darin seine be·sondere An·ziehungs·kraft im Westen. Zen ist viel·leicht eben·so aus dem Daoismus zu erklären, wie aus dem Bud·dhis·mus, und ist daher auch Anhängern anderer Religionen zu·gäng·licher als jene Varianten des ja·pa·nischen Bud·dhis·mus, die stärker an konkrete Bilder und Vor·stel·lungen gebunden sind. Daher finden selbst Christen keine allzu großen Schwierig·keiten, Zen mit Jesus in Ein·klang zu bringen. Besonders um die Mitte des zwanzigsten Jahr·hunderts hat sich ein Nahe·ver·hältnis zwischen dem Jesuiten·orden und der japanischen Zen Sekte entwickelt, aus dem sich ein Bild des Zen ent·wickelte, das die Zen Be·geisterung der westlichen Welt ent·scheidend prägte. In diese Zeit fiel auch die Ab·fassung von {{g|Herrigeleugen| Eugen Herrigels}} ''[[Grundbegriffe/Stereotype/Zen-Bogenschießen|Zen und die Kunst des Bogenschießens]]'' (1948), das bis heute den Mythos vom todes·ver·achtenden Zen-Mönch bzw. vom Zen-inspirierten Samurai mit beeinflusst. (S. dazu auch [[Grundbegriffe/Stereotype | Stereotype Ansichten über Religion in Japan]].)
 
  
Dieses Zen-Bild wurde  maßgeblich von {{glossar:suzukidaisetsu|Daisetz T. Suzuki}} geprägt. Suzuki  ist der vielleicht berühmteste Zen-Autor des 20. Jahr·hunderts und ver·ant·wort·lich für viele moderne Mythen, die rund um Zen ent·standen sind. Dank seiner populären Schriften sind chinesische Chan-Mönche wie Linzi oder Chan-Klassiker wie das {{glossar:Wumenguan}} im Westen unter der japanischen Aussprache „Rinzai“ und ''„Mumonkan“'' viel besser bekannt. Das Zen-Bild Suzukis, der in der Zwischenkriegszeit nicht nur mit dem japanischen Ultranationalismus, sondern auch mit dem deutschen Faschismus sympathisierte, bedient sich einer plakativen Gegenüberstellung von westlicher „Rationalität“ und östlicher „Spiritualität“, die im Zen ihren reinsten Ausdruck findet. Dieses Stereotyp wurde seit den 1990er Jahren einer kritischen Prüfung unterzogen. Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der kurze Artikel „Whose Zen? Zen Nationalism Revisited“ von Robert Sharf (1995)
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Zen bietet historisch betrachtet ein sehr wider·sprüch·liches Bild und ist auch als Religion die am schwierigsten zu klas·sifi·zie·rende Strö·mung des ja·pa·nischen Bud·dhis·mus. Zweifel·los liegt aber gerade darin seine be·sondere An·ziehungs·kraft im Westen. Zen ist viel·leicht eben·so aus dem Daoismus ({{g|Doukyou2}}) zu erklären, wie aus dem Bud·dhis·mus, und ist daher auch Anhängern anderer Religionen zu·gäng·licher als jene Varianten des ja·pa·nischen Bud·dhis·mus, die stärker an konkrete Bilder und Vor·stel·lungen gebunden sind. Daher finden selbst Christen keine allzu großen Schwierig·keiten, Zen mit Jesus in Ein·klang zu bringen. Besonders um die Mitte des zwanzigsten Jahr·hunderts hat sich ein Nahe·ver·hältnis zwischen dem Jesuiten·orden und dem japanischen Zen entwickelt, das die Zen-Be·geisterung der westlichen Welt ent·scheidend prägte. In diese Zeit fiel auch die Ab·fassung von {{g|Herrigeleugen| Eugen Herrigels}} ''[[Grundbegriffe/Stereotype/Zen-Bogenschießen|Zen und die Kunst des Bogenschießens]]'' (1948), das bis heute den Mythos vom todes·ver·achtenden Zen-Mönch bzw. vom Zen-inspirierten Samurai mit beeinflusst. (s. dazu auch [[Grundbegriffe/Stereotype | Stereotype Ansichten über Religion in Japan]].)  
  
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Dieses Zen-Bild wurde  maßgeblich von {{glossar:suzukidaisetsu}} (auch: Daisetz T. Suzuki) geprägt. Suzuki ist der vielleicht berühmteste Zen-Autor des 20. Jahr·hunderts und ver·ant·wort·lich für viele moderne Mythen, die rund um Zen ent·standen sind. Dank seiner populären Schriften sind chinesische Chan-Mönche wie Linzi oder Chan-Klassiker wie das {{glossar:Wumenguan}} im Westen unter der japanischen Aussprache „Rinzai“ und ''„Mumonkan“'' viel besser bekannt. Das Zen-Bild Suzukis, der in der Zwischen·kriegs·zeit nicht nur mit dem japa·nischen Ultra·national·ismus, sondern auch mit dem deutschen Faschis·mus sympathisierte, bedient sich einer plaka·tiven Gegen·überstellung von westlicher „Rationalität“ und östlicher „Spiritualität“, die im Zen ihren reinsten Ausdruck findet. Dieses Stereotyp wurde seit den 1990er Jahren einer kritischen Prüfung unterzogen. Be·son·ders auf·schluss·reich ist in diesem Zusammenhang der kurze Artikel „Whose Zen? Zen Nationalism Revisited“ von Robert Sharf (1995). 
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Über Zen findet sich im Netz massenweise Information in westlichen Sprachen. Zur Orientierung empfiehlt sich:
 
Über Zen findet sich im Netz massenweise Information in westlichen Sprachen. Zur Orientierung empfiehlt sich:
 
* [http://www.ciolek.com/WWWVL-Zen.html Zen Buddhism WWW Virtual Library] (en.)<br/>Ausführliche Linksammlung zum Thema Zen.
 
* [http://www.ciolek.com/WWWVL-Zen.html Zen Buddhism WWW Virtual Library] (en.)<br/>Ausführliche Linksammlung zum Thema Zen.
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Kritische Artikel zum geläufigen Zen-Bild:
 
Kritische Artikel zum geläufigen Zen-Bild:
 
*[http://www.thezensite.com/MainPages/critical_zen.html Critical Zen] <br>Artikel der Online-Bibliographie [http://www.thezensite.com/ thezensite].
 
*[http://www.thezensite.com/MainPages/critical_zen.html Critical Zen] <br>Artikel der Online-Bibliographie [http://www.thezensite.com/ thezensite].
 
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{{Literatur:Bodiford_1993| Bodiford gilt als führender westlicher Experte der institutionellen Geschichte des Zen in Japan. }}
{{Literatur:Bodiford_1993}}<br/>Bodiford gilt als führender westlicher Experte der institutionellen Geschichte des Zen in Japan.
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{{Literatur:Faure_1993| Entmythologisierende Studie des chinesischen und japanischen Zen, bzw. Chan Buddhismus.}}
{{Literatur:Faure_1993}} <br/> Entmythologisierende Studie des chinesischen und japanischen Zen, bzw. Chan Buddhismus.
 
 
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{{Literatur:Dumoulin_1985}}
{{Literatur:Dumoulin_1986}}<br/> Dumoulin gilt auch im englischen Sprachraum als exzellenter Kenner sowohl der japanischen als auch der chinesischen Geschichte des Zen. Seine Sicht ist jedoch nicht ganz un·be·ein·flusst von seinem Bemühen, Zen und Christentum einander an·zu·nähern. Dumoulin war Jesuitenpater und Missionar.
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{{Literatur:Dumoulin_1986Dumoulin gilt auch im englischen Sprachraum als exzellenter Kenner sowohl der japanischen als auch der chinesischen Geschichte des Zen. Seine Sicht ist jedoch nicht ganz un·be·ein·flusst von seinem Bemühen, Zen und Christentum einander an·zu·nähern. Dumoulin war Jesuitenpater und Missionar.}}
 
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Aktuelle Version vom 15. Mai 2019, 14:45 Uhr

Zen Buddhismus

ZenZen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus FushimiTempeltoreArhatsHeian ZeitZoga... mehr wurde ebenso wie die meisten anderen Rich­tungen des japa­nischen Bud­dhis­mus aus China über­nommen, wo man ihn ChanChan jap. Zen, wtl. Meditation; chin. Bez. des Zen Buddhismus RegenmachenKoan nennt. Der Begriff selbst be­deutet im Grunde „Meditation“, und zwar genau ge­nommen dhyāna-Meditation, eine Methode, die auf die Er­langung be­sonderer Einsichten Wert legt. Diese Methode wurde und wird von vielen Buddhisten praktiziert, auch schon bevor sich Zen als eigene Richtung etablierte. Im Zen wird aber auf diese Methode be­sonderer Wert gelegt. Die Beto­nung der Meditation spiegelt sich auch in den Legenden, die sich um den Stamm­vater des Zen Buddhismus, Bodhidharma, ranken.

Die legendäre Gestalt des Bodhidharma

Der Indische Mönch BodhidharmaBodhidharma बोधिधर्म Legendärer Begründer des Zen-Buddhismus, jap. Daruma 達磨 oder Bodaidaruma 菩提達磨 ArhatsBodhidharma (jap. Bodaidaruma oder schlicht DarumaDaruma 達磨 Spitzname des Mönchs Bodhidharma; Bezeichnung der daruma-Puppe als Glücksbringer GluecksbringerBodhidharma) soll im Jahr 520 nach China ge­kommen sein, wo er allein durch sein phy­sisches Er­schei­nungs­bild Aufsehen erregte. Die Ikonographie des Zen zeichnet ihn jeden­falls als stark be­haartes, bärtiges Raubein mit her­vor­quel­lenden Augen, der stark an die Dar­stel­lungen von Wächtergottheiten oder onioni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister JahrHorrorklassikerDaikokuWind und Donner... mehr erinnert. Dieser unheimliche Mönch soll nun neun Jahre lang gegen eine Mauer ge­wandt im Medi­tations­sitz (zazenzazen 座禅 Meditationssitz ) ver­harrt haben, ohne sich durch Mit­mönche, die sich ihm als Schüler andienten, aus der Ruhe bringen zu lassen. Erst HuikeHuike 慧可 487–593; chin. Chan Patriarch; ältere Umschrift: Hui k‘o Bodhidharma, der erste chinesische Chan-Patriarch, soll seine Auf­merk­sam­keit auf sich ge­lenkt haben, indem er sich selbst einen Arm abhackte. Bo­dhi­dharma wiederum soll sich die Augen­lider ab­ge­schnitten haben, um während der Meditation nicht ein­zu­schlafen. Außer dieser beson­deren Neigung zur Meditation ist von Bo­dhi­dharma wenig bekannt, doch scheint es gerade seine Rätsel­haftig­keit zu sein, die ihn als Gründer­figur des Chan/Zen attraktiv machte.

Bodhidharma meditiert in einer Höhle // Malerei (Seide, Farbe) von Mushō Jōshō (1234-1306). Kamakura-Zeit; 107,5 x 54,5 cm // Bild © Jotenkaku Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Bodhidharma bei der Meditation. In der oberen Hälfte befindet sich ein Gedicht.
. 1 Bodhidharma meditierend
Huike schneidet seinen Arm ab (Eka danpi zu) // Hängerollbild, kakemono (Tusche auf Papier) von Sesshū Tōyō (1420–1506). 1496; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Sainen-ji, Aichi-ken; 199,9 × 113,6 cm // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Der spätere Zen-Patriarch Huike bietet Bodhidharma seinen abgehackten Arm als Zeichen seiner Ernsthaftigkeit dar.
. 2 Huike opfert seinen Arm

In Japan weiß die Legende von Bo­dhi­dharma außerdem noch zu berichten, dass sich in­folge seiner Meditation seine Arme und Beine rück­gebildet hätten. Die japa­nische Volks­religion hat daraus schließlich die glücks­bringende daruma-Puppe gemacht, ein Steh­auf­männchen, das nur aus Kopf und Rumpf besteht (s. dazu auch Glücks­bringer).

Chinesische Chan-Patriarchen

Hotei (Budai) // Tuschmalerei, fukujin von Sengai Gibon (1750-1837) // Bild © Museum Rietberg (letzter Zugriff: 2016/8) // Glücksgott Hotei (chin. Budai).
Ein kōan
Linji (Rinzai) // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche), Detail. Muromachi-Zeit; 110,1 x 42,6 cm // Bildquelle: Freer Gallery (letzter Zugriff: 2011/8) // Der Chan-Patriarch Linji (jap. Rinzai) mit geballter Faust.
. 3 Linji, jap. Rinzai

Auf Bo­dhi­dharma folgte in China eine Reihe berühmter Pa­tri­archen, die jeder ihren eigenen pä­dago­gischen Stil hatten. Besonders be­rühmt ist Meister LinjiLinji 臨濟 ?–866; chin. Chan-Patriarch; jap. Rinzai (jap. Rinzai), der seine Schüler durch Stock­schläge und Schelt­schreie („katsukatsu Ausruf im Zen-Buddhismus, der vom Zen-Meister genutzt wird, um seine Schüler zu einem Status der Erleuchtung zu führen !“) zur Erleuchtung führte. Die Anek­doten dieser Patriarchen bilden so etwas wie den Kanon des Zen Bud­dhis­mus. In ihnen offen­bart sich ein im Zen funda­mentales Prinzip: Er­leuch­tung kann nicht durch Studium ver­mittelt werden, sondern nur durch un­mittel­bare Er­leuch­tungs­erfah­rung (jap. satorisatori 悟り Erleuchtungserfahrung (bes. im Zen Buddhismus) AlltagBuddhismus Lehre). Diese Erfah­rung steht in voll­kommenen Gegen­satz zum All­tags­be­wusst­sein und über­kommt einen überfalls­artig. Um das All­tags­be­wusst­sein außer Kraft zu setzen, hat der Zen Bud­dhis­mus auch jene para­doxen „Zen-Rätsel“ (kōankōan 公案 Koan, paradoxes Zen-Rätsel RegenmachenKoanBuddhismus LehreStereotype) entwickelt, in die sich die Schüler während der Meditation ver­tiefen sollen. Die kōan mögen spiele­rischen Cha­rak­ter haben. Zu­gleich drücken sie aber auch aus, dass die Suche nach der Er­leuch­tung nur dann erfolg­reich ist, wenn sie mit dem Ernst einer Ent­scheidung auf Leben und Tod ver­bunden ist. Daher auch das häufige Motiv der physi­schen Gewalt in den Zen-Geschich­ten und auch ein mög­licher Appeal, den Zen für die japa­nische Krieger­klasse hatte.

Hinsichtlich seiner privi­legierten Mittel, zur Er­leuch­tung zu gelangen, lässt sich Zen als das genaue Gegen­teil des Amidismus auffassen. Im Mittel­punkt steht die eigene An­stren­gung, das eigene Wollen, das ein absolutes Aus­maß er­rei­chen muss: jirikijiriki 自力 wtl. eigene Kraft; buddhistisches Konzept AmidismusHeian Zeit, nicht tarikitariki 他力 andere Kraft (helfende Kraft Amidas) AmidismusHeian Zeit. Die Be­herr­schung des eigenen Willens, die Selbst­disziplin schiebt sich dabei im Zen gegen­über dem Glauben in den Vor­der­grund. Was man glaubt, scheint oft gar nicht mehr von Be­deu­tung. Vor allem darf man sich durch den Gegen­stand seiner Glau­bens­vereh­rung nicht von seinem Weg der Übung ab­bringen lassen. Ein be­rühmter kōan sagt sogar: „Wenn du den BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr triffst, töte den Buddha!“

Zen in Japan

In der KamakuraKamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) HachimanItsukushimaKasugaBerg KoyaDaibutsu Statuen... mehr-Zeit entwickelten sich zwei Haupt­strö­mungen des japanischen Zen, Sōtō-shūSōtō-shū 曹洞宗 Schule des Zen-Buddhismus Stereotype und Rinzai-shūRinzai-shū 臨濟宗 Rinzai-Schule des jap. Zen Buddhismus . Sōtō Zen war ur­sprüng­lich die asketischere und strengere Richtung. Ihr Begründer, Dōgen KigenDōgen Kigen 道元希玄 1200–1253; Begründer des Sōtō Zen; auch Eihei Dōgen. ArhatsKamakura (1200–1253), ist heute der viel­leicht be­kann­teste Ver­treter des japanischen Zen überhaupt. Dōgen war je­doch zu seinen Leb­zeiten nicht mehr als der Abt eines sek­tie­rerischen Klosters in einer ab­ge­legenen Provinz. Auch unter seinen Nach­folgern blieb Sōtō Zen weit hinter der Be­deu­tung von Rinzai Zen zurück und ver­breitete sich vor allem in ländlichen Gebieten.

Zenmeister Dōgen beim Betrachten des Mondes // Hōkei-ji, Präfektur Fukui // // Zur Ikone gewordenes Portrait des Zen-Meisters Dōgen. Es handelt sich bei der vorliegenden Abb. um eine Kopie, das Original befindet sich im Hōkei Tempel.
. 4 Dōgen
Zenmeister Yōsai // Hängerollbild, kakemono (Farbe auf Seide). Muromachi-Zeit, 14.–15. Jh.; Ryōsoku-in, Kennin-ji, Kyōto // Bildquelle: Kurokawa Takao no Bi (letzter Zugriff: 2014/6) // Myōan Yōsai war der Begründer des japanischen Rinzai-Zen und Abt des Kennin-ji. Die charakteristische Schädelform findet sich auf anderen Portraits von ihm. Yōsai sitzt auf dem traditionellen Abtsessel, in der Hand den Stock Linjis. Man beachte, dass Yōsai zwar auf einem erhöhten Stuhl sitzt, die Schuhe aber ausgezogen und die Beine überkreuzt hat. Diese Sitzweise ist auch auf vielen anderen Mönchsportraits zu beobachten.
. 5 Eisai
Gründermönche des japanischen Zen

Die Rinzai-Schule erfuhr hingegen eine massive Förde­rung durch das neu ge­gründete ShōgunatShōgun 将軍 Shōgun; Titel der Militärherrscher aus dem Kriegeradel Nichiren in Kamakura. Die historische Rolle des Zen ist daher eng mit der Eta­blierung einer neuen Herr­schafts­ordnung durch den Krieger­adel in der Kamakura-Zeit verknüpft.

Gozan-Klöster in Kamakura

Als bud­dhis­tischer Orden wurde Zen in Japan durch Myōan YōsaiMyōan Yōsai 明菴榮西 1141–1215; Zen-Möch, Begründer des jap. Rinzai Zen. Auch Eisai. (oder EisaiEisai 榮西 s. Myōan Yōsai , 1141–1215) be­gründet, nach­dem er selbst in China in den Chan-Orden ein­ge­weiht worden war. Eisai verdankte die rasche Akzeptanz seiner neuen Richtung zum einen der Tatsache, dass man von chinesischen Chan-Meistern wusste, aber noch nie­mand vor ihm in den Besitz einer formalen Weiter­gabe­be­rechtigung ge­kommen war. Zum anderen ko­operierte Eisai eng mit den etablierten ja­pa­nischen Schulen, vor allem mit der Shingon-shūShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan AhnenkultMoencheYamabushiBekannte TempelBerg Koya... mehr, und be­stand nicht auf einer puristischen, kom­pro­miss­losen Linie, wie sie für den Sōtō Zen charakte­ristisch werden sollte (Dōgen kritisiert die gleiche Kom­pro­miss­bereit­schaft bereits bei den Linji-Kollegen in China). Anderer­seits hatte auch Eisai mit Gegnern, vor allem inner­halb der TendaiTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai YamabushiNikkoBekannte TempelBerg KoyaBishamon-ten... mehr-Schule zu kämpfen. Das führte dazu, dass er Kyōto verließ und im neu er­richteten Shōgunat von Kamakura einen wichtigen Gönner fand. Das Shōgunat unter­stützte Eisai dabei, ein Kloster­system, wie es bereits im chinesischen Chan bestand, zu er­richten. Dieses bestand aus fünf Haupt­tempeln und wurde dem­ent­sprechend gozangozan 五山 wtl. „Fünf Berge“; Klosterorganisation des Zen Buddhismus Tempeltore (Fünf Berge) System genannt. Mit der Er­richtung dieser Klöster erhielt Eisais Richtung (Rinzai Zen) in Kamakura eine ähnliche Funktion, wie sie Tendai, Shingon und die Nara Schulen für den Kaiserhof in Kyōto hatten.

Es ist fraglich, ob diese Förderung der neuen bud­dhis­tischen Richtung wirklich aufgrund einer be­sonderen Affinität zwischen der Strenge des Zen und dem Ethos der Krieger erfolgte, wie häufig be­hauptet wird. Eher scheint es der histo­rischen Ko­in­zidenz von der Gründung des Kamakura-Shōgunats (1185) und der Ein­führung einer neuen bud­dhis­tischen Lehre zu­zu­schreiben, dass die noch nicht vom Hof „besetzte“ Richtung des Zen nun von den MinamotoMinamoto Kriegerfamilie, die 1185 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Kamakura Shōgunat, 1185–1333 Kasuga Shōgunen favorisiert wurde.

Zen unter den Ashikaga Shōgunen

Goldener Pavillion (Kinkaku-ji) // Tempel (Holz, vergoldet). Muromachi-Zeit, errichtet 1398, 1950 zerstört, 1955 wieder errichtet; „UNESCO Kulturerbe“; im Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji // Bild © Ron Reznick, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9/6) // Der Kinkaku-ji ist wahrscheinlich das meist photographierte Bauwerk Kyōtos. Ursprünglich als Teehaus für den Shōgun Ashikaga Yoshimitsu konzipiert, ging er später in den Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji über. Das Gebäude fiel 1950 einem Brandanschlag zum Opfer und wurde danach originalgetreu wiedererrichtet. Dennoch vermisst man ein wenig die historische Patina.
. 6 Kinkaku-ji
Ex-Shōgun Ashikaga Yoshimitsu // Statue (Holz). Muromachi-Zeit; Shōkoku-ji, Kyōto // Bild © Shokokuji Treasures (letzter Zugriff: 2010/8) // Ashikaga Yoshimitsu (1358–1408) in der Tracht eines Zen-Abtes. Yoshimitsu trat nach seinem Rücktritt vom Amt des Shōguns (1394) in den Laienmönchstand (nyūdō) ein, dominierte aber weiterhin die Politik seiner Nachfolger. Er war auch ein besonderer Förderer des Nō-Theaters.
. 7 Ex-Shōgun Ashikaga Yoshimitsu

Das Kamakura Shōgunat wurde bekanntlich von der Dynastie der AshikagaAshikaga 足利 Kriegerfamilie, die 1336 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Ashikaga Shōgunat, 1336–1573 ver­drängt, die das politische Zentrum Japans 1336 wieder nach Kyōto ver­legte. Damit ver­lagerte sich auch der Schwer­punkt der gozan-Klöster in die alte Kaiser­stadt, wo ein neues Set von „Fünf Bergen“ entstand. Die Regierungs­zeit der Ashikaga Shōgune (MuromachiMuromachi 室町 Stadtteil in Kyōto; Sitz des Ashikaga Shōgunats 1336–1573 (= Muromachi-Zeit) AmidismusKamakuraShinto MittelalterStereotype... mehr-Zeit, 1333–1573) gilt als die Blütezeit der gozan-Kloster­kultur. Tusch­malerei und Tee-Kultur bildeten zu­sammen mit chine­sischer und japa­nischer Dichtung die wich­tigsten Künste, die in den Klöstern ge­pflegt und mit dem Adel ge­teilt wurden. Ashikaga YoshimitsuAshikaga Yoshimitsu 足利義満 1358–1408, 3. Ashikaga-Shōgun, r. 1368–1394; besonderer Förderer des Zen und des Nō-Theaters; unter ihm endete das Schisma im Tennō-Haus (Nord-Süd Hof) wurde nach seinem offiziellen Rück­tritt als Shōgun sogar selbst Zen-Mönch, was ihn aber nicht daran hinderte, weiterhin politische Macht auszuüben. Zen-Mönche, die nicht das Privileg hatten, Mit­glieder der „Fünf Berge“ zu sein, waren jedoch von dieser Kultur weit­gehend aus­ge­schlossen und geißelten ihre Mit­brüder, sich ganz in welt­lichen Ver­irrungen verloren zu haben. Für sie war Zen keineswegs gleichbedeutend mit Tee, Kalli­graphie und Dichtung.

In der künstlerisch überhöhten gozan-Kultur zur Zeit der Ashikaga stellte im übrigen China das große Vorbild dar. Da in den gozan-Klöstern die chinesischen Chan-Patriarchen und ihre Texte einen hohen Stellen­wert hatten, waren Zen-Mönche die besten „Sinologen“ der damaligen Zeit und vor allem in dieser Funk­tion waren sie für die Kultur der Elite wichtig. Das führte unter anderem dazu, dass auch nicht-bud­dhis­tische Denk­traditionen des Kon­fuzianis­musjukyō 儒教 Konfuzianismus, Lehre des Konfuzius (Kongzi oder Kong Fuzi); wtl. Lehre der Gelehrten Neo-KonfuzianismusBuddhismusStereotypeWeltbild... mehr und DaoismusDōkyō 道鏡 ?–772; Nara-zeitl. Mönch; buddhistischer Staatsmann NaraMiniaturstupas gerade in Zen-Klöstern gepflegt wurden. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Neo-Konfuzianer der frühen EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit (17. Jh.) wie Fujiwara SeikaFujiwara Seika 藤原惺窩 1561–1619; Gelehrter und Philosoph des Neo-Konfuzianismus oder Hayashi RazanHayashi Razan 林羅山 1583–1657; neo-konfuzianischer Gelehrter Neo-Konfuzianismus ausgebildete Zen-Mönche waren. Es ist also not­wendig, die Ent­wick­lung des Zen in Japan historisch differenziert zu be­trach­ten und zu be­denken, dass nicht alles, was unter Be­teiligung von Zen-Mönchen in Japan ent­stand, zwangsläufig Zen ist.

Die geschichtliche Rolle des Zen

Es gehört zu den von der japanischen Geschichts­tradition selbst ge­schaf­fenen Mythen, dass alle so­ge­nannten „Krieger“ (bushibushi 武士 Krieger, Samurai HachimanKamakuraReichseinigungStereotype, SamuraiSamurai im Westen übliche Bezeichnung eines Mitgliedes der Krieger-Klasse des vorindustriellen Japans; bushi ist die in Japan gängige Bezeichnung ) vom Shōgun bis zum letzten kleinen Vasall Träger einer ge­mein­samen Krieger-Kultur waren, die im Kern vom Zen ge­prägt war. Tat­säch­lich war aber Krieger nicht gleich Krieger, Samurai nicht gleich Samurai. Zen war vor allem eine Religion der Krieger­elite, die sich zu­gleich an der Kultur des Hofes orientierte. Ab­kömmlinge des so­ge­nannten „Schwertadels“ (bukebuke 武家 Kriegeradel; die führenden Kriegerklans Kamakura) und des alten Hofadels (kugekuge 公家 Hofadel; die führenden höfischen Familien BakumatsuKamakura) bildeten während der Ashikaga-Herr­schaft zusammen die Kultur der Haupt­stadt und ließen sich dabei ge­mein­sam von Zen-Mönchen in exotischen Ver­gnügen wie dem Tee­trinken beraten. In den Provinzen schlossen sich Krieger und Bauern dagegen zu rebellischen Gruppen zu­sammen, die als Ikkō-shūIkkō-shū 一向宗 Ikkō Sekte, eine Fraktion des Buddhismus vom Reinen Land ( Jōdo-shū) AmidismusNichirenReichseinigung bekannt wurden. Sie stellen die Vor­läufer des heute noch weit ver­breiteten Jōdo ShinshūJōdo Shinshū 浄土真宗 Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“ AhnenkultBekannte TempelAmidismusKamakuraReichseinigung... mehr Bud­dhis­mus dar (s. dazu Amidismus). Die nieder­rangigen Kämpfer in den Pro­vinzen waren also eher für die Lehren des Reinen Landes (jōdojōdo 浄土 Reines Land, Paradies AmidismusHeian ZeitKamakuraAmida... mehr) empfänglich. Zwischen ihnen und der gozan-Kultur in Kyōto herrschte wohl eine ähn­liche Kluft, wie zwischen Kriegern und Hof­adeligen zur Zeit des Genji monogatariGenji monogatari 源氏物語 Das Genji monogatari (dt. Die Geschichte vom Prinzen Genji) wird der Hofdame Murasaki Shikibu (ca. 978–ca. 1014) zugeschrieben und ist der erste psychologische Roman der japanischen Literaturgeschichte. .

Gab es also überhaupt einen Unterschied zwischen Zen-Mönchen und den An­ge­hörigen anderer bud­dhis­tischer Richtungen? Einen guten Ein­blick gibt hier die Ge­schichten­sammlung ShasekishūShasekishū 沙石集 Sammlung buddhistischer Erzählungen und Anekdoten, 1283 verfasst von Mujū Ichien Kamakura, deren Autor, Mujū IchienMujū Ichien 無住一円 1226–1312; buddh. Mönch und Autor essayistischer und anekdotischer Werke Opfer (1226–1312), selbst dem Zen nahe stand. Seine Be­wun­derung für die neue Richtung äußert sich bei­spiels­weise in der Art, wie er über den Tod damals berühmter Zen-Meister be­richtet. Sie sollen nicht nur jeweils ein Todes­gedicht im chinesischen Stil ge­dichtet haben, das sie vor ihrem Ab­leben rezitierten, sie waren auch in der Lage, den Zeit­punkt ihres Todes vor­her­zu­sagen und ver­schieden dann in auf­rechter Meditations­haltung. Mujū be­richtet mit ähnlicher An­er­kennung aber auch von AmidaAmida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū) TempelOpferChristentumHonji suijaku... mehr Bud­dhisten, die bis zu ihrem Tod un­ver­wandt das nenbutsunenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger MoencheAmidismusNichirenAmida... mehr rezitierten. Mujū selbst hat sicher sowohl von Zen- als auch von Jōdo-Techniken Gebrauch ge­macht. Er zeigt Be­wunde­rung für eine Art von kon­sequenter Strenge im Lebens­stil der Zen-Mönche, die anderen Bud­dhisten seiner Zeit oft ab­handen ge­kommen war, er ver­rät aber gleich­zeitig, dass sie sehr wohl auch mit den etablierten Schulen (TendaiTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai YamabushiNikkoBekannte TempelBerg KoyaBishamon-ten... mehr und ShingonShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan AhnenkultMoencheYamabushiBekannte TempelBerg Koya... mehr) ko­operierten, bzw. deren Praktiken in ihre eigene Liturgie inte­grierten. In dieser Hinsicht war Zen wahr­schein­lich weniger radikal als einzelne Ver­treter des AmidismusJōdo-shū 浄土宗 Schule des Amida-Buddhismus JahrTempeltoreOpferAmidismusHeian Zeit... mehr oder des NichirenNichiren-shū 日蓮宗 Nichiren Schule; Sammelnamen für den Nichiren Buddhismus, aber auch Namen einer bestimmten Schule innerhalb des heutigen Nichiren Buddhismus; nicht zu verwechseln mit der 1912 gegr. Nichiren Shōshū MoencheNichirenTeraukeShaka Buddhismus, die funda­men­ta­listische Posi­tionen vertraten und sich nicht in das Paradigma des Plura­lismus, das vom Main­stream-Buddhismus vertreten wurde, einordnen ließen.

Spätere Entwicklungen

Selbstportrait Hakuins // Hängerollbild, kakemono (Papier) von Hakuin Ekaku (1686–1769). Edo-Zeit // Bildquelle: Gabor Terebess (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Der Zen-Abt Hakuin Ekaku auf einem karikaturhaft überzeichneten Selbstportrait.
. 8 Hakuin
Ikkyū Sōjun // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche, Farbe) von Bokusai, Detail. Muromachi-Zeit, 15. Jh.; Tōkyō National Museum; 43,7 x 26,1 cm // Bild © e-Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Der Dichter und Mönch Ikkyū Sōjun (1394–1481) zählt zu den bekanntesten und exzentrischsten Figuren des japanischen Zen. Aus seiner Zeit (Muromachi-Zeit) existieren zahlreiche Portraits von hochrangigen Mönchen, viele davon äußerst realistisch. Dennoch ist dieses Bild dank seines lebendigen und zugleich bekümmerten Ausdrucks außergewöhnlich. Es spiegelt eine Art von Weltschmerz wider, die auch in Ikkyūs Lyrik zu finden ist.
. 9 Ikkyū

Ein Bild vom Leben der Zen-Mönche im späten Mittel­alter gibt der ex­zen­trische Dichter-Mönch Ikkyū SōjunIkkyū Sōjun 一休宗純 1394–1481; Zen-Mönch und Dichter (1394–1481), der unter anderem für seine erotische Liebes­lyrik be­kannt ist. Bei ihm ist zu er­kennen, wie die rätsel­hafte Strenge, für die die alten Pa­triar­chen be­kannt sind, im Denken der Zen-Mönche immer wieder auf­scheint. In der Praxis be­weist jedoch Ikkyūs eigener Lebens­wandel, dass von dieser Strenge wohl im allgemeinen nicht viel zu spüren war.

In der frühen Edo-Zeit kam es zur Gründung der dritten Haupt­richtung des japanischen Zen, der Ōbaku-shūŌbaku-shū 黄檗宗 Dritte Hauptrichtung des jap. Zen TempeltoreArhatsRegenmachen, durch den chinesischen Mönch Yinyuan LongqiYinyuan Longqi 隱元隆琦 1592–1673; jap. Ingen Ryūki; Begründer des Ōbaku-Zen (1592–1673). Die Richtung ist nach einem chinesischen Kloster be­nannt und gilt als noch eklek­tizis­tischer als die beiden anderen Haupt­richtungen, Rinzai-shū und Sōtō-shū. Der Ōbakū-Zen schloss unter anderem den AmidaAmida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū) TempelOpferChristentumHonji suijaku... mehr-Glauben, einschließlich der Anrufungsformel Amidas, nenbutsunenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger MoencheAmidismusNichirenAmida... mehr, mit ein. Zugleich zogen neue, „exotisch“ chinesische Elemente wie etwa die Verehrung der „Fünfhundert Arhatsarhat अर्हत् höchste Stufe des Menschseins vor dem Austritt aus dem Geburtenkreislauf, jap. rakan Buddhismus“ (gohyaku rakanrakan 羅漢 buddhistische Heilsgestalt; Skt. Arhat (oder Arhant); eigentlich: arakan ArhatsHeian ZeitHeilige) die Aufmerksamkeit der Eliten und der allgemeinen Bevölkerung auf sich.

Auch innerhalb des Rinzai Zen kam es zu Reformen, u.a. durch Hakuin EkakuHakuin Ekaku 白隠慧鶴 1685–1768; Zen-Mönch und Reformer der Rinzai-shū; Maler (1685–1768), der mit seinen humor­vollen Tusch­zeich­nungen ein eigenes Genre der „Zen-Malerei“ (zengazenga 禅画 Zen-Tuschebild Gluecksgoetter) be­gründete. Er schuf aber auch eine Reihe von schriftlichen Werken in ähnlich un­mittel­bar-persönlichem Stil.

Zen und der Westen

Awa Kenzō // Photographie // Bildquelle: Oslo Kyūdō Kyōkai (letzter Zugriff: 2016/8) // Awa Kenzō, der Bogenschießmeister von Eugen Herrigel.
. 10 Zen Bogenschießen

Zen bietet historisch betrachtet ein sehr wider­sprüch­liches Bild und ist auch als Religion die am schwierigsten zu klas­sifi­zie­rende Strö­mung des ja­pa­nischen Bud­dhis­mus. Zweifel­los liegt aber gerade darin seine be­sondere An­ziehungs­kraft im Westen. Zen ist viel­leicht eben­so aus dem Daoismus (DōkyōDōkyō 道教 Daoismus, wtl. Lehre des Weges, chin. Daojiao; philosophisch-rel. Strömung Chinas; s.a. ) zu erklären, wie aus dem Bud­dhis­mus, und ist daher auch Anhängern anderer Religionen zu­gäng­licher als jene Varianten des ja­pa­nischen Bud­dhis­mus, die stärker an konkrete Bilder und Vor­stel­lungen gebunden sind. Daher finden selbst Christen keine allzu großen Schwierig­keiten, Zen mit Jesus in Ein­klang zu bringen. Besonders um die Mitte des zwanzigsten Jahr­hunderts hat sich ein Nahe­ver­hältnis zwischen dem Jesuiten­orden und dem japanischen Zen entwickelt, das die Zen-Be­geisterung der westlichen Welt ent­scheidend prägte. In diese Zeit fiel auch die Ab­fassung von Eugen HerrigelsEugen Herrigel 1884–1955, deutscher Philosoph und Autor des Bestsellers Zen und die Kunst des Bogenschießens Zen und die Kunst des Bogenschießens (1948), das bis heute den Mythos vom todes­ver­achtenden Zen-Mönch bzw. vom Zen-inspirierten Samurai mit beeinflusst. (s. dazu auch Stereotype Ansichten über Religion in Japan.)

Dieses Zen-Bild wurde maßgeblich von Suzuki DaisetsuSuzuki Daisetsu 鈴木大拙 1870–1966; jap. Zen-Autor; Bekannt als Daisetz T. Suzuki Drachenbilder (auch: Daisetz T. Suzuki) geprägt. Suzuki ist der vielleicht berühmteste Zen-Autor des 20. Jahr­hunderts und ver­ant­wort­lich für viele moderne Mythen, die rund um Zen ent­standen sind. Dank seiner populären Schriften sind chinesische Chan-Mönche wie Linzi oder Chan-Klassiker wie das WumenguanWumenguan 無門関 Klassiker des chin. Chan (Zen) von Wumen Huikai, 13. Jh.; jap. Mumonkan, „Die torlose Schranke“ im Westen unter der japanischen Aussprache „Rinzai“ und „Mumonkan“ viel besser bekannt. Das Zen-Bild Suzukis, der in der Zwischen­kriegs­zeit nicht nur mit dem japa­nischen Ultra­national­ismus, sondern auch mit dem deutschen Faschis­mus sympathisierte, bedient sich einer plaka­tiven Gegen­überstellung von westlicher „Rationalität“ und östlicher „Spiritualität“, die im Zen ihren reinsten Ausdruck findet. Dieses Stereotyp wurde seit den 1990er Jahren einer kritischen Prüfung unterzogen. Be­son­ders auf­schluss­reich ist in diesem Zusammenhang der kurze Artikel „Whose Zen? Zen Nationalism Revisited“ von Robert Sharf (1995).

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Daruma shokokuji.jpg
    Bodhidharma meditiert in einer Höhle // Malerei (Seide, Farbe) von Mushō Jōshō (1234-1306). Kamakura-Zeit; 107,5 x 54,5 cm // Bild © Jotenkaku Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Bodhidharma bei der Meditation. In der oberen Hälfte befindet sich ein Gedicht.
  2. Daruma armoffering.jpg
    Huike schneidet seinen Arm ab (Eka danpi zu) // Hängerollbild, kakemono (Tusche auf Papier) von Sesshū Tōyō (1420–1506). 1496; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Sainen-ji, Aichi-ken; 199,9 × 113,6 cm // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Der spätere Zen-Patriarch Huike bietet Bodhidharma seinen abgehackten Arm als Zeichen seiner Ernsthaftigkeit dar.
  3. Rinzai.jpg
    Linji (Rinzai) // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche), Detail. Muromachi-Zeit; 110,1 x 42,6 cm // Bildquelle: Freer Gallery (letzter Zugriff: 2011/8) // Der Chan-Patriarch Linji (jap. Rinzai) mit geballter Faust.
  4. Dogen.jpg
    Zenmeister Dōgen beim Betrachten des Mondes // Hōkei-ji, Präfektur Fukui // // Zur Ikone gewordenes Portrait des Zen-Meisters Dōgen. Es handelt sich bei der vorliegenden Abb. um eine Kopie, das Original befindet sich im Hōkei Tempel.
  5. Eisai kenninji.jpg
    Zenmeister Yōsai // Hängerollbild, kakemono (Farbe auf Seide). Muromachi-Zeit, 14.–15. Jh.; Ryōsoku-in, Kennin-ji, Kyōto // Bildquelle: Kurokawa Takao no Bi (letzter Zugriff: 2014/6) // Myōan Yōsai war der Begründer des japanischen Rinzai-Zen und Abt des Kennin-ji. Die charakteristische Schädelform findet sich auf anderen Portraits von ihm. Yōsai sitzt auf dem traditionellen Abtsessel, in der Hand den Stock Linjis. Man beachte, dass Yōsai zwar auf einem erhöhten Stuhl sitzt, die Schuhe aber ausgezogen und die Beine überkreuzt hat. Diese Sitzweise ist auch auf vielen anderen Mönchsportraits zu beobachten.
  6. Kinkakuji2.jpg
    Goldener Pavillion (Kinkaku-ji) // Tempel (Holz, vergoldet). Muromachi-Zeit, errichtet 1398, 1950 zerstört, 1955 wieder errichtet; „UNESCO Kulturerbe“; im Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji // Bild © Ron Reznick, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9/6) // Der Kinkaku-ji ist wahrscheinlich das meist photographierte Bauwerk Kyōtos. Ursprünglich als Teehaus für den Shōgun Ashikaga Yoshimitsu konzipiert, ging er später in den Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji über. Das Gebäude fiel 1950 einem Brandanschlag zum Opfer und wurde danach originalgetreu wiedererrichtet. Dennoch vermisst man ein wenig die historische Patina.
  7. Ashikaga yoshimitsu.jpg
    Ex-Shōgun Ashikaga Yoshimitsu // Statue (Holz). Muromachi-Zeit; Shōkoku-ji, Kyōto // Bild © Shokokuji Treasures (letzter Zugriff: 2010/8) // Ashikaga Yoshimitsu (1358–1408) in der Tracht eines Zen-Abtes. Yoshimitsu trat nach seinem Rücktritt vom Amt des Shōguns (1394) in den Laienmönchstand (nyūdō) ein, dominierte aber weiterhin die Politik seiner Nachfolger. Er war auch ein besonderer Förderer des Nō-Theaters.
  8. Hakuin.jpg
    Selbstportrait Hakuins // Hängerollbild, kakemono (Papier) von Hakuin Ekaku (1686–1769). Edo-Zeit // Bildquelle: Gabor Terebess (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Der Zen-Abt Hakuin Ekaku auf einem karikaturhaft überzeichneten Selbstportrait.
  9. Ikkyu2.jpg
    Ikkyū Sōjun // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche, Farbe) von Bokusai, Detail. Muromachi-Zeit, 15. Jh.; Tōkyō National Museum; 43,7 x 26,1 cm // Bild © e-Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Der Dichter und Mönch Ikkyū Sōjun (1394–1481) zählt zu den bekanntesten und exzentrischsten Figuren des japanischen Zen. Aus seiner Zeit (Muromachi-Zeit) existieren zahlreiche Portraits von hochrangigen Mönchen, viele davon äußerst realistisch. Dennoch ist dieses Bild dank seines lebendigen und zugleich bekümmerten Ausdrucks außergewöhnlich. Es spiegelt eine Art von Weltschmerz wider, die auch in Ikkyūs Lyrik zu finden ist.
  10. Awa kenzo.jpg
    Awa Kenzō // Photographie // Bildquelle: Oslo Kyūdō Kyōkai (letzter Zugriff: 2016/8) // Awa Kenzō, der Bogenschießmeister von Eugen Herrigel.

Links

Über Zen findet sich im Netz massenweise Information in westlichen Sprachen. Zur Orientierung empfiehlt sich:

Zen aus philosophischer Sicht:

Kritische Artikel zum geläufigen Zen-Bild:

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

William Bodiford 1993
Sōtō Zen in Medieval Japan. Honolulu: University of Hawaii Press 1993.
Bodiford gilt als führender westlicher Experte der institutionellen Geschichte des Zen in Japan.
Bernard Faure 1993
Chan Insights and Oversights: An Epistemological Critique of the Chan Tradition. Princeton: Princeton University Press 1993.
Entmythologisierende Studie des chinesischen und japanischen Zen, bzw. Chan Buddhismus.
Heinrich Dumoulin 1985
Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I: Indien und China. Bern: Francke 1985.
Heinrich Dumoulin 1986
Geschichte des Zen-Buddhismus, Band II: Japan. Bern: Francke 1986.
Dumoulin gilt auch im englischen Sprachraum als exzellenter Kenner sowohl der japanischen als auch der chinesischen Geschichte des Zen. Seine Sicht ist jedoch nicht ganz un­be­ein­flusst von seinem Bemühen, Zen und Christentum einander an­zu­nähern. Dumoulin war Jesuitenpater und Missionar.
Robert Sharf 1995
Whose Zen?: Zen Nationalism Revisited.“ In: James W. Heisig, John Maraldo (Hg.), Rude Awakenings: Zen, the Kyoto School, and the Question of Nationalism. Honolulu: University of Hawai'i Press 1995, S. 40–51.
Daisetz Teitaro Suzuki 1957
Zen und die Kultur Japans. Hamburg: Rowohlt 1957. [1. Fassung erschien bereits 1938 auf Englisch und 1941 auf Deutsch.]
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Zen Buddhismus.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 15.5.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Zen?oldid=72994