Geschichte/Zen/Bodhidharma: Unterschied zwischen den Versionen

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Möglicher·weise spielt hierbei eine Rolle, dass in Edo-zeitlichen Städten Freuden·viertel und Tempel·viertel meist unmit·telbar neben einander lagen oder sogar in einander über·gingen. Paradig·matisch für diese Struktur ist das Freuden·viertel Yoshiwara in Edo, das unmit·telbar an den heute noch existie·renden {{glossar:asakusadera|Asakusa}}-Tempel grenzte. Der genaue Grund für diese Verbindung ist mir nicht bekannt, mag aber mit Angebot und Nachfrage zu tun haben. Die ent·sprechen·den ''ukiyo-e''-Motive sind daher wohl als satirischer Kommentar zur Lebens·weise buddhis·tischer Mönche der Edo-Zeit zu verstehen.  
 
Möglicher·weise spielt hierbei eine Rolle, dass in Edo-zeitlichen Städten Freuden·viertel und Tempel·viertel meist unmit·telbar neben einander lagen oder sogar in einander über·gingen. Paradig·matisch für diese Struktur ist das Freuden·viertel Yoshiwara in Edo, das unmit·telbar an den heute noch existie·renden {{glossar:asakusadera|Asakusa}}-Tempel grenzte. Der genaue Grund für diese Verbindung ist mir nicht bekannt, mag aber mit Angebot und Nachfrage zu tun haben. Die ent·sprechen·den ''ukiyo-e''-Motive sind daher wohl als satirischer Kommentar zur Lebens·weise buddhis·tischer Mönche der Edo-Zeit zu verstehen.  
  
Die Nahe·beziehung von Daruma und Geisha ist selbst in der frühen Meiji-Zeit noch zu finden: In der Meiji-zeitlichen Darstel·lung von „Daruma zur Zeit der Landes·öffnung“ manifestiert sich auf an·rüh·rende Weise, dass damals sowohl die buddhistischen Tempel als auch die traditionellen Freuden·viertel zu den „Moderni·sierungs·ver·lierern“ zählten.  
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Die Nahe·beziehung von Daruma und Geisha ist selbst in der frühen {{g|Meiji}}-Zeit noch zu finden: In der Meiji-zeitlichen Darstel·lung von „Daruma zur Zeit der Landes·öffnung“ manifestiert sich auf an·rüh·rende Weise, dass damals sowohl die buddhistischen Tempel als auch die traditionellen Freuden·viertel zu den „Moderni·sierungs·ver·lierern“ zählten.  
  
 
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Version vom 29. September 2015, 15:25 Uhr

Bodhidharma, der erste Patriarch des Zen
Bodhidharma meditiert in einer Höhle // Malerei (Seide, Farbe) von Mushō Jōshō (1234-1306). Kamakura-Zeit; 107,5 x 54,5 cm // Bild © Jotenkaku Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Bodhidharma bei der Meditation. In der oberen Hälfte befindet sich ein Gedicht.
Bodhidharma meditiert in einer Höhle
Huike schneidet seinen Arm ab (Eka danpi zu) // Hängerollbild, kakemono (Tusche auf Papier) von Sesshū Tōyō (1420–1506). 1496; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Sainen-ji, Aichi-ken; 199,9 × 113,6 cm // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Der spätere Zen-Patriarch Huike bietet Bodhidharma seinen abgehackten Arm als Zeichen seiner Ernsthaftigkeit dar.
Huike opfert Bodhidharma seinen Arm

BodhidharmaBodhidharma बोधिधर्म Legendärer Begründer des Zen-Buddhismus, jap. Daruma 達磨 oder Bodaidaruma 菩提達磨 ArhatsZen (jap. DarumaDaruma 達磨 Spitzname des Mönchs Bodhidharma; Bezeichnung der daruma-Puppe als Glücksbringer GluecksbringerZen), der legenden­um­wobene Gründer des ChanChan jap. Zen, wtl. Meditation; chin. Bez. des Zen Buddhismus ArhatsStereotype bzw. ZenZen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus FushimiTempeltoreArhatsHeian ZeitZoga... mehr Buddhismus, ist ein beliebtes ikono­gra­phisches Motiv.

In den klassi­schen Darstel­lungen wird vor allem seine asketische Strenge und seine Aus­dauer bei der Medi­tation hervor­gehoben.

Dabei fallen einige ausge­sprochen grausame Details ins Auge: So soll der spätere Nach­folger Bodhi­dharmas, HuikeHuike 慧可 487–593; chin. Chan Patriarch; ältere Umschrift: Hui k‘o Zen, erst da­durch, dass er sich den Arm ab­hackte, als Schüler Bodhi­dharmas ak­zep­tiert worden sein. Bodhi­dharma selbst soll sich seine Augen­lider aus­ge­rissen haben, um vor dem Ein­schlafen wäh­rend der Medi­ta­tion ge­feit zu sein — in der Bodhi­dharma Ikono­graphie durch hervor­quel­lende Augen verdeut­licht. Die Le­gende hat immer­hin einen ver­söhn­lichen Ausgang: Aus den aus­geris­senen Lidern sollen die ersten Tee­pflan­zen hervor gewach­sen sein, die eben­falls den Zweck er­füllen, das Ein­schla­fen wäh­rend der Medi­tation zu verhindern.

All dies beruht auf dürren histo­rischen Fakten, denen zufolge Bodhidharma Anfang des sechsten Jahrhunderts von Indien nach China kam, sich dort mit dem durchaus bud­dhis­mus­freundlichen Kaiser überwarf und letztendlich in der Region des Berges SongshanSongshan 嵩山 Berg Song, Gebirge in Zentralchina, 1500m; zählt trad. zu den fünf heiligen Bergen des Daoismus; , einem der heiligen Berge Chinas, Exil fand. Hier befindet sich auch das berühmte Kloster ShaolinShaolin Si 少林寺 Ursprungskloster des Shaolin-Ordens am Berg Song; Geburtsstätte des Chan Buddhismus , wo Bodhi­dharma im Jahr 527 den buddhistisch-chinesischen Kampfsport begründet haben soll. Während das Kloster bis heute für seine Kampf­künste (Kung-fuKung-fu 功夫 wtl. Aufwand, Geschick (etwas durch Anstrengung erreichtes); heutzutage übliche Bezeichnung für die meisten chin. Kampfsportarten ) bekannt ist, verlagerte sich der Haupt­strang der chine­sischen Chan-Tradition aller­dings in andere Klöster.

Die Biographie Bodhi­dharmas reicherte sich bald mit allerlei Legenden an. So soll er — gleich BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr — als Prinz geboren worden sein; auf seiner Flucht überquerte er den Yangtse FlussYangtsekiang 扬子江 Außerhalb Chinas geläufiger Name des Jangjiang 長江 („langer Fluss“), drittlängster Fluss der Welt auf einem Schilfhalm, und als er schließlich von übel­wol­lenden Gegnern vergiftet wurde — wieder eine Analogie zu Buddha — täuschte er seinen Tod lediglich vor. Daher fand man in seinem leeren Grab nur einen Schuh, den er als „Beweis“ seiner Auf­erstehung zurück­gelas­sen hatte.

Vom Asketen zum Glücksgott

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Daruma-Portrait // Malerei (Papier, Farbe) von Sensho. 19. Jh. (?) // Bild © Waseda Library (letzter Zugriff: 2016/8) // Portrait von Bodhidharma, blauäugig, respekteinflößend. Tatsächlich gibt es Quellen, laut denen Bodhidharma blaue Augen gehabt haben soll. Demnach könnte er nicht indischer, sondern zentralasiatischer Herkunft sein.
Daruma4.jpg
Brustbild des Daruma (Hanshin daruma) // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche) von Sōami? (1485?-1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh.; 76,8 x 38,9 cm // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Portrait von Bodhidharma.
Daruma shohaku.jpg
Daruma-Portrait // Hängerollbild, kakemono von Soga Shōhaku (1730-1781), Detail // Bild © Muian (letzter Zugriff: 2011/7) // Portrait des Chan-Patriarchen Bodhidharma.
Daruma kyosai.jpg
Bodhidharma // Hängerollbild, kakemono von Kawanabe Kyōsai (1831-1889), Detail // Bildquelle: Wikipedia, Wiki (letzter Zugriff: 2016/8). Etsuko and Joe Price Collection // Portrait des Chan-Patriarchen Bodhidharma.
Daruma hakuin.jpg
Daruma // Hängerollbild, kakemono (Papier, Tusche) von Hakuin (1686–1768). Edo-Zeit; Manpuku-ji, Ōita-ken // // Bodhidharma in der typischen, karikaturhaften Darstellung des Zen-Meisters Hakuin.
Daruma hokusai.jpg
Daruma Portrait // Buchillustration von Katsushika Hokusai (1760-1849) // Bild © Muian (letzter Zugriff: 2011/7) // Entwurf für ein Riesenbild des Bodhidharma, das Hokusai 1817 in Nagoya als Werbeaktion für seine Hokusai Manga anfertigte. Im Bildtext sind die Maße des Plakats angegeben, die umgerechnet eine Fläche von 11 mal 18 Metern ergeben.
Daruma kuniyoshi.jpg
Selbstportrait als Daruma // Farbholzschnitt, ukiyoe (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus Ansei kenmonshi (Reportage des Ansei [Erdbebens]), 1856 // Bild © Waseda University Library (letzter Zugriff: 2016/8) // Dieses Bild ziert das Deckblatt einer illustrierten Reportage über das Große Erdbeben in Edo, 1855 (Ansei 2). Kuniyoshi hat diesem Daruma nicht nur seine eigenen Gesichtszüge verliehen, er versetzt ihn auch aus seiner Höhle in ein von vom Erdbeben zerstörtes Haus. Außerdem erkennt man im Mönchsgewand ein Gesicht mit weit aufgerissenem Maul, das für den Eingeweihten eindeutig das Gesicht eines Welses ist. Es handelt sich also um den Erdbebenwels (namazu), eine legendäre Gestalt, die damals als Verursacher des Erdbebens angesehen und von den ukiyo-e Künstlern halb im Ernst, halb scherzhaft in jedem nur erdenklichen Kontext dargestellt wurde. Das Bild trägt ein Gedicht mit folgendem Inhalt:

Erkenne, auch das ist die „Torlose Schranke“ des Zen:
Wenn alles zusammenfällt, bleibt nichts mehr übrig.

Angesichts der Katastrophe werden die Spekulationen über Erleuchtung und „Nichts“ aus dem Zen Klassiker „Torlose Schranke“ (Mumonkan) hier satirisch auf einen konkreten Nenner gebracht.

 
Yukidaruma.jpg
Schnee-Daruma // Farbholzschnitt, nishiki-e (Papier, Tusche, Farbe) von Utagawa Hirokage; aus der Serie Edo meisho dôke zukushi (Missgeschicke an berühmten Orten Edos), 1859 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2016/8). William Sturgis Bigelow Collection // Das Bild trägt den Titel „Schnee vor den Speicherhallen [der Daimyō]“. Ein Diener hat seine Einkäufe, Fisch und Zwiebel, auf einen frisch errichteten yuki-daruma, einen Schnee-Daruma, gelegt, um sich sein Schuhwerk (geta) zu richten, doch ein Hund ist im Begriff, diese zu stehlen. Yuki-daruma ist noch heute die gängige japanische Bezeichnung für „Schneemann“.
Daruma takayama.jpg
Daruma // Glücksbringer (Papiermaché, Farbe); Takayama // // Daruma-Statue.
Daruma und hokora.jpg
Daruma-Figur // Glücksbringer (Papiermaché, Farbe) // Bild © El-Branden Brazil, flickr 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Eine etwas verwitterte Daruma-Figur neben einem Miniaturschrein (hokora). Die Figur hat nur ein Auge bemalt, was bedeutet, dass der an sie gerichtete Wunsch noch nicht in Erfüllung gegangen ist.
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Daruma-Puppen // Glücksbringer (Papiermaché, Farbe) // Bild © Chowitt, flickr 2005 (letzter Zugriff: 2016/9) // Daruma-Puppen als Glücksbringer.
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Daruma-Puppe // Farbholzschnitt, ukiyoe von David Bull. 1999, Small Print Collection; 11 x 15cm // Bild © David Bull (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Neujahrskarte mit Daruma-Motiv.
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In Japan lässt sich über die Jahr­hunderte eine deutliche Tendenz vom asketisch-strengen Rollen­vor­bild zur Karikatur feststellen. Dies bedeutet aber nicht, dass Bodhi­dharma in blas­phe­mischer Absicht verun­glimpft wurde. Es entspricht vielmehr dem Hang zum Paradox im Zen, dass selbst der ehr­würdige Gründer mit Ironie dargestellt wurde.

Im Zuge dieser Ent­wicklung wurde „Daruma-san“ zu einer Art Glücks­gott, der — ähnlich wie HoteiHotei 布袋 Glücksgott; Manifestation von Bodhisattva Maitreya; chin. Budai ArhatsBishamon-tenGluecksgoetterHotei — nicht mehr das alleinige Eigen­tum der Zen-Schule war, sondern mit allerlei popu­lären Vorstel­lungen in Verbin­dung gebracht und dem­ent­spre­chend umge­staltet wurde. Diese Bilder Bodhi­dharmas ver­festig­ten sich in der darumadaruma だるま Glücksbringer aus Pappmaché, der dem Zen-Patriarchen Daruma (skt. Bodhidharma) nachempfunden ist -Puppe. Wesentliche Charak­teristika dieser Puppe sind die Ab­wesen­heit von Armen und Beinen (wodurch die Puppe auch leicht als Steh­auf­männ­chen gestaltet werden kann) und die rote Farbe, in die diese Puppe aus­nahms­los gekleidet ist. Bernard Faure (2011) sieht darin Hinweise auf einen embryo­nalen Symbo­lismus: Bodhi­dharma als Sinnbild der Ent­stehung neuen Lebens und als „Plazenta-Gottheit“, was natür­lich über die kon­fes­sionel­len Grenzen des Bud­dhis­mus hinausweist.

Weitgehend einig ist sich die Forschung, dass die Popu­larität der daruma-Puppe — wo auch immer ihre Herkunft liegt — mit ihrer Verwen­dung als Seuchen­gott­heit in Ver­bindung steht, im besonderen mit der raschen Genesung von den Pocken. Daruma wurde in der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit unter anderem als hōsōgamihōsōgami 疱瘡神 Pockengottheit; hōsōgami können die Pocken selbst versinnbildlichen, werden aber auch als Wirkmacht gegen die Pocken verehrt, sie besitzen also einen krankmachenden und einen heilenden Aspekt Fushimi, als Pocken­gottheit bezeichnet. So soll die Tatsache, dass die daruma-Puppen zumeist ohne Pupillen, also „blind“, verkauft werden, mit dem negativen Effekt der Pocken auf die Seh­kraft in Verbin­dung stehen. Die Dar­stellung der Gefahr bannt diese. Auch die rote Farbe soll die Pocken darstellen und zugleich ent­kräften. Das daruma-Steh­auf­männ­chen wurde in Zeiten von Pocken-Epidemien zu einem Spielzeug für Kinder, das ihre rasche Genesung vormachen und bewirken sollte. Mit dem Abklingen der Pocken­gefahr weitete sich der Wir­kungs­bereich des Daruma-san auf andere Bereiche aus. Er wurde zum engimonoengimono 縁起物 Glücksbringer Gluecksbringer, zum allgemein glücks­ver­heißen­den Gegenstand.

Die Ikonographie des strengen Asketen ging bei all dem nie ganz verloren, sondern wurde ironisch überhöht. Ähnlich wie bei den Sieben Glückgöttern scheint die kanoni­sierte Komik der Daruma-Darstellung zu besagen, dass es gut und schön ist, diesen Daruma um weltliche Güter zu bitten, dass es aber hinter dieser Funktion noch andere Dimen­sionen gibt. Die Ironie schließt also den ernst­haften Glauben an Bodhi­dharmas aske­tisches Ver­mächtnis nicht aus.

Daruma und Dame

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Daruma und Dame im gleichen Boot // Farbholzschnitt, ukiyoe (Papier, Farbe) von Suzuki Harunobu (1724-1770) // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Daruma und Schöne im gleichen Boot: Daruma rasiert sich mit einer Pinzette und benützt dazu sein Spiegelbild im Wasser. Die junge Frau macht den Fährmann.
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Junge Frau als Daruma // Farbholzschnitt, ukiyoe (Papier gestanzt, Farbe) von Suzuki Harunobu (1724–1770). 1765–1770 // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Eine Schöne in der Pose des Bodhidharma, der einer berühmten Legende zufolge den Fluss Yangtse mit Hilfe eines Schilfhalms überquert haben soll. Obwohl nach der Mode der Edo-Zeit gekleidet, spielen auch die rote Farbe der Kleidung und die Kapuzen-artige Kopfbedeckung auf die Figur des Daruma an.
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Erotische Daruma-Pose // Farbholzschnitt, shunga (Papier, Farbe) von Ippitsusai Bunchō. 18. Jh. // // Dieses „Frühlingsbild“ (shunga) parodiert die Legende, nach der Bodhidharma auf einem Schilfhalm den Yangtse Fluss überquert haben soll. Nicht nur wird der Mönch durch eine junge Dame ersetzt, auch der Grashalm wird zu einem phallusförmigen Pilz.
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Daruma mit Geisha // Farbholzschnitt, bijin-ga (Papier, Farbe) von Suzuki Harunobu (1725–1770). 1765; 26,6 x 19,2 cm // Bildquelle: Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2016/8/31). William S. and John T. Spaulding Collection // Junges Mädchen bietet Daruma eine Pfeife zum Rauchen an.
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Daruma als Geisha // Hängerollbild, shunga (Tusche, Farbe, Papier) von Tsutsumi Tōgetsu (1749-1823). Edo-Zeit, um 1800 // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Daruma im Outfit und der typischen Haltung einer hochrangigen Kurtisane, allerdings mit etwas unsicherem Gesichtsausdruck. Der Kimono ist mit hossu-Wedeln, also buddhistischen Ritualgegenständen, verziert. Das Bild trägt eine Inschrift des Edo-zeitlichen Literaten Ōta Nanpō (1749–1823).
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Daruma und Dame // Hängerollbild von Baiōken Eishun (Takeda Harunobu). Edo-Zeit, frühes 18. Jh. // Bildquelle: Hatena Fotolife. Etsuko and Joe Price Collection // Daruma und Dame mit vertauschten Kleidern.
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Geisha und Daruma // Shunga von Kawanabe Kyōsai. Edo-Zeit // Bild © Muian (letzter Zugriff: 2011/7) // Eine prächtig gekleidete Dame, vielleicht ein Kourtisane, aber mit aufgelöstem Haar, putzt die Ohren des Bodhidharma (in Japan Zeichen zärtlicher Vertrautheit).
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Daruma und Geisha // Farbholzschnitt (Papier Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Meiji-Zeit; 19 × 25 cm // Bild © Waseda University Library (letzter Zugriff: 2016/8) // Originaltitel Kaika no daruma (Daruma während der Öffnung); „Öffnung“ meint die Öffnung Japans gegenüber dem Westen. Daruma studiert in vertrauter Zweisamkeit mit einer jungen Dame eine moderne Zeitung. Er trägt eine braune Mönchskutte, während sich die Frau das rote Gewand übergezogen hat, das üblicherweise mit Daruma assoziiert wird. In diesem Bild schwingt sicher auch die Doppelbedeutung des Begriffs Daruma mit, der in der Edo-Zeit auch eine (billige) Prostituierte bezeichnete. Die melancholische Note des Bildes lässt beide, Daruma und Dame, als „Modernisierungsverlierer“ erscheinen.
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Zu den seltsamsten Formen der japanischen Bodhi­dharma-Ikono­graphie gehört das immer wieder­keh­rende Motiv von Daruma und GeishaGeisha 芸者 japanische Unterhaltungskünstlerin, die traditionelle japanische Künste darbietet; wtl. „Person der Künste“; der Begriff war urspr. geschlechtsneutral, wurde also auch auf Männer angewendet , beson­ders in den ukiyo-eukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeit PhalluskultePilgerschaftAsakusaArhatsHorrorklassiker... mehr der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit. Die beiden tauschen Kleider, Geishas nehmen bekannte Posen des Bodhi­dharma ein und oft entspinnt sich eine zarte erotische Be­ziehung zwischen dem exotischen Asketen und der Schönen. Sogar shungashunga 春画 wtl. „Frühlingsbilder“; Gemälde und Druckwerke mit expliziten sexuellen Darstellungen Hadaka matsuriTengu-Motive mit Daruma und/oder Geisha als Prota­gonisten sind möglich.

Dieses bildliche Motiv kor­res­pon­diert mit der Tatsache, dass Daruma in der Edo-Zeit ein Code-Wort für „Geisha“ bzw. „Freuden­mädchen“ war. Jedes Bild verfügt also über einen Doppel­sinn und ist sowohl bud­dhis­tisch als auch sexuell konnotiert. Eines der obigen Bilder trägt eine Inschrift des Edo-zeit­lichen Literaten Ōta Nanpō (1749-1823), die diesen Doppelsinn in Form einer bud­dhis­tisch ange­hauch­ten Dialektik aus­drückt. Mittels dieser Dialektik konnten die Litera­ten und Intellek­tuellen der Edo-Zeit im Grunde alles in sein Gegen­teil verkehren und bis zur Un­kennt­lichkeit in einem Reigen von An­spie­lungen und Wort­witzen auflösen:

Truth is the skin of lies; lies are the bones of truth. When you are bewildered, lies seem like the truth; when you are enlightened, the truth seems like lies. It is all right to be bewildered, it is all right to be enlightened on Main Street, YoshiwaraYoshiwara 吉原 Freudenviertel des Edo-zeitlichen Tōkyō MyooNamazu-e, amid lies and truth. The pledges of courtesans may be truth or lies and are as myriad as their customers, like grains of sand on a beach.

Übersetzung: The British Museum

Buddhistische Erleuchtung steht hier für sexuelle Erfüllung und umgekehrt. Wie aber konnte es zu diesen Asso­ziationen kommen? Möglicher­weise spielt hierbei eine Rolle, dass in Edo-zeitlichen Städten Freuden­viertel und Tempel­viertel meist unmit­telbar neben einander lagen oder sogar in einander über­gingen. Paradig­matisch für diese Struktur ist das Freuden­viertel Yoshiwara in Edo, das unmit­telbar an den heute noch existie­renden AsakusaAsakusa-dera 浅草寺 Tempel in Tōkyō; offizielle (sino-jap.) Lesung: Sensō-ji Bekannte TempelKannon-Tempel grenzte. Der genaue Grund für diese Verbindung ist mir nicht bekannt, mag aber mit Angebot und Nachfrage zu tun haben. Die ent­sprechen­den ukiyo-e-Motive sind daher wohl als satirischer Kommentar zur Lebens­weise buddhis­tischer Mönche der Edo-Zeit zu verstehen.

Die Nahe­beziehung von Daruma und Geisha ist selbst in der frühen MeijiMeiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt ItakoHachimanNikkoTenjinNara... mehr-Zeit noch zu finden: In der Meiji-zeitlichen Darstel­lung von „Daruma zur Zeit der Landes­öffnung“ manifestiert sich auf an­rüh­rende Weise, dass damals sowohl die buddhistischen Tempel als auch die traditionellen Freuden­viertel zu den „Moderni­sierungs­ver­lierern“ zählten.

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Ikonographie 
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„Bodhidharma, der erste Patriarch des Zen.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 29.9.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Zen/Bodhidharma?oldid=59982