Grundbegriffe/Buddhismus: Unterschied zwischen den Versionen

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(Tantrismus oder esoterischer Buddhismus)
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Version vom 15. Oktober 2015, 23:03 Uhr

Der Weg des Bud­dhis­mus nach Japan

Die Lehre des Bud­dhis­mus (jap. bukkyōbukkyō 仏教 Lehre des Buddha, Buddhismus Shinbutsu bunriGrundbegriffeImaginaere TiereJenseits) geht auf eine histo­rische Persön­lich­keit zurück, die unter Eigen­namen wie GautamaGautama गौतम Eigennamen des historischen Buddha; Pali: Gotama, jap. Kudon 瞿曇 Buddhas Leben SiddharthaSiddhārtha सिद्धार्थ Eigennamen des historischen Buddha, jap. Shiddatta 悉達多 Buddhas Leben oder ShakyamuniŚākyamuni शाक्यमुनि „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha, jap. Shaka 釈迦 oder Shakamuni 釈迦牟尼 TempelVajrapaniShakaBuddhas Leben... mehr („der Weise des Shakya-Klans“) bekannt ist.

Nach bud­dhis­tischer Auf­fas­sung war er ein BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr, also ein „Erleuch­teter“, weshalb er auch als „der Buddha“ bzw. genauer als der „histo­rische Buddha“ be­zeich­net wird. Nach bud­dhis­tischer Auf­fass­ung exis­tier­ten Buddhas nämlich schon in grauer Vorzeit, und auch die Zukunft wird weitere Buddhas her­vor­bringen. In Japan wird dieser Buddha als Shaka NyoraiShaka Nyorai 釈迦如来 jap. Name des Buddha Shakyamuni Honji suijakuNichirenMudraShaka verehrt.

Man nahm bis vor kurzem allgemein an, dass Shak­ya­muni im sechsten oder fünften Jahr­hundert vor unserer Zeit­rechnung im Norden Indiens tätig war, doch setzen neuere For­schun­gen seine Lebens­zeit hundert Jahre später, etwa 450–370 v.u.Z. an.1 Shakyamuni stammte jedenfalls aus einem nord­indischen König­reich namens MagadhaMagadha मगध Nordostindisches Königreich das im 6. bis 4. Jh. v.u.Z. seine Blütezeit erreichte , wo neben dem Buddhismus auch eine weitere indische Religion, der Jainismus entstand. Beide Religionen lehrten, dass selbst die Götter (devadeva देव „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter, jap. ten 天 oder tenbu 天部 Bishamon-tenIkonographieGluecksgoetterBenzaiten... mehr) der klas­sischen indischen Mythen nur eine relative Bedeutung besaßen und ver­kündeten einen für alle Lebe­wesen gültigen Heils­weg, der im Wesent­lichen auf einer aske­tischen, mönchi­schen Lebens­weise beruhte.

Magadha // Landkarte // Bild © Wikimedia Commons, nach Schwartzberg, J. E. (1992), A Historical Atlas of South Asia: University of Oxford Press (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Ausbreitung des nordindischen Königreichs Magadha.
Magadha, 6.–4. Jh. v.u.Z.

Nach seinem Tod hinter­ließ Shak­ya­muni einen Orden von Mönchen und Nonnen, sowie männ­liche und weib­liche Laien­anhänger. Diese „Vier Ver­samm­lungen“ bildeten die bud­dhis­tische Gemeinde im weiteren Sinne. Eine kodifizierte Lehre existierte zu diesem Zeitpunkt wahr­scheinlich noch nicht. Erst Shak­ya­munis Schüler und Enkel­schüler formu­lierten in soge­nannten „Konzilen“ die ersten schrift­lichen Texte, aus denen sich die ver­schie­denen Fassungen des weit­läufigen bud­dhis­tischen Kanons — die „Drei Körbe“ — ent­wickelten.

Die Ausbreitung des Buddhismus folgte im wesentlichen den großen Handels­routen, die zahl­reiche Höfe von großen und kleineren Reichen mit einander ver­banden. Der Bud­dhis­mus war also — trotz seiner aske­tischen Ideale — beson­ders in seiner Früh­zeit eine Religion für Händler und ihre Kunden, die Könige. Während die Händler exo­tische Güter an den Höfen der Könige feilboten, predigten die Mönche in ihrer Beglei­tung eine neue Religion, die eben jenen Königen über den Tod hinaus „Rettung“ versprach. Diese Beschäf­tigung mit indivi­duellen Schick­salen in einer kommenden Welt war mög­licher­weise eines der Erfolgs­geheim­nisse, das die Lehren des Bud­dhismus ebenso begehrt machte wie mate­rielle Reich­tümer. Bud­dhisten hatten jeden­falls beson­ders an den Königs­höfen Erfolg. Umgekehrt wurden sowohl Händler als auch Könige in den Legenden von Buddha und seinen Schülern generell positiv dar­ge­stellt. Reich­tum und Macht sind im Bud­dhis­mus per se keine Hinder­nisse auf dem Pfad zur Erleuch­tung, sondern im Gegen­teil Zeichen der karmischenKarma कर्म „Tat“, auch „konsequente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen, jap. Gō 業 TempelFruehzeitWeltbild Beloh­nung aus früheren Leben, die es in diesem Leben klug und achtsam zu ver­walten und zu mehren gilt.

Verbreitungsgeschichte

Ausbreitung des Buddhismus // // Bild © Bernhard Scheid, 2011, 2015
Ausbreitung des Buddhismus

Im dritten Jahr­hundert v.u.Z., also etwa hundert Jahre nach Buddhas Tod, erfuhr der Bud­dhis­mus eine massive Förderung durch König AshokaAśoka अशोक „Der Unbesorgte“, 304?–232 v.u.Z., König von Nord-Indien, jap. Muu 無憂 oder Aikuō 阿育王 StupaArhats (304?–232 v.u.Z.), der große Teile Indiens unter seiner Herr­schaft vereinte. Von da an begann der Bud­dhis­mus auch über die Grenzen der indischen Kultur hinaus wirksam zu werden. Es entstanden zwei große Über­liefe­rungs­tradi­tionen („Fahrzeuge“). Die südliche Route verlief zum Großteil über den Seeweg nach Südost­asien und China, die nörd­liche erreichte über die Seiden­straße diverse zentral­asia­tische Reiche und schließ­lich ebenfalls China, Korea und Japan.

Süden: Thera­vada

Die südliche Richtung wird auch als ShravakayanaŚrāvakayāna श्रावकयान „Fahrzeug der Schüler“, Richtung des Buddhismus, jap. Shōmon-jō 声聞乗 Buddhismus LehreHeilige („Fahrzeug der Schüler“) bezeichnet, von ihren zahlreichen Schul­rich­tungen hat allerdings nur der TheravadaTheravāda थेरवाद „Schule der Ordensälteren“, buddhistische Richtung (hier in Pali angegeben; skt: Sthaviravada), jap. Jōzabu bukkyō 上座部仏教 KukaiBuddhismus LehreHeiligeBuddhas Leben („Schule der Ordens­älteren“, jap. jōzabu bukkyōjōzabu bukkyō 上座部仏教 Theravada Buddhismus, wtl. „Lehre der Ordensältesten“ ) bis heute überdauert. Der Thera­vada Bud­dhis­mus gilt im Vergleich zur nördlichen Schul­rich­tung als ortho­doxere oder kon­serva­tivere Form des Bud­dhis­mus. Gegenüber dem Maha­yana konzen­triert er sich stärker auf mön­chische Lebens­führung (das arhatarhat अर्हत् höchste Stufe des Menschseins vor dem Austritt aus dem Geburtenkreislauf, jap. rakan Zen-Ideal) und Askese. Er wird heute vor allem in Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand, Laos und Kam­bodscha prak­tiziert.

Norden: Maha­yana

Die nördliche Richtung ist allgemein als MahayanaMahāyāna महायान „Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung, jap. Daijō 大乗 OpferVajrapaniKukaiSaicho... mehr, „Großes Fahr­zeug“ (jap. daijō bukkyōdaijō bukkyō 大乗仏教 Mahayana Buddhismus, wtl. „Lehre des Großen Fahrzeugs“ ), bekannt. Das Große Fahr­zeug war eine Reform­bewe­gung, die die ur­sprüng­liche, auf eine rein mönch­ische Lebens­führung ausge­richtete Form des Bud­dhis­mus auch für Laien zu­gäng­lich machen wollte. Auch Laien können nach Auf­fassung des Maha­yana er­leuch­tet werden. Im Maha­yana wurden die Lehren und Schriften des ortho­doxen Shravaka­yana Bud­dhis­mus zwar nicht grund­sätzlich abge­lehnt, doch bezeich­nete man diesen Bud­dhismus, ein wenig ver­ächtlich, als HinayanaHīnayāna हीनयान „Kleines Fahrzeug“, buddhistische Richtung, jap. Shōjō 小乗 ArhatsBuddhismus Lehre, „Kleines Fahr­zeug“.

Tantrismus oder esoterischer Buddhismus

Bezwinger der drei Welten (Gōsanze Myōō) // Statue, myōō. 14. Jh.; Mudō-ji, Berg Hiei; Holz // Bild © Kyōto National Museum, Saichō and Treasures of Tendai (Ausstellungskatalog) 2005, S. 165 // Gōzanze Myōō (skt. Trailokyavijaya) mit der charakteristischen mudra der Dämonenabwehr (Gōsanze-in).
Gōsanze Myōō, eine für den esoterischen Buddhismus Japans charakteristische Figur (14. Jh.)

Im fünften und sechsten Jahr­hundert u.Z. kam dann noch eine weitere Reform­bewe­gung dazu, die sich in Indien nicht nur innerhalb des Bud­dhis­mus, sondern auch im Shiva-Śiva शिव „Glückverheißender“, indische Göttheit, auch Maheshvara oder Ishvara, jap. Daijizai-ten 大自在天 und VishnuismusViṣṇu विष्णु indische (vedische) Gottheit; gilt im Vishnuismus als Manifestation des höchsten Seins Bato Kannon (also dem, was letzt­lich zum Hindu­ismus führte) breit machte: der Tan­tris­mus, benannt nach eigenen Lehr­schriften, den Tantrentantra तन्त्र „Gewebe“, Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt) VajrapaniBuddhismus LehreIkonographieDainichi... mehr, in denen vor allem neu­artige Ritual­tech­niken behandelt werden. Der Tan­tris­mus führte von der generell offenen Haltung des Mahayana zurück zu engen, in sich geschlos­senen Zirkeln von Ein­geweih­ten, inner­halb derer die Rituale kursier­ten. Man spricht daher auch vom „eso­terischen Bud­dhis­mus“ (esoterisch im Sinne von „nach innen gewandt“) — jap. mikkyōmikkyō 密教 esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyō VajrapaniKukaiBuddhismus LehreMandala... mehr, wtl. „geheime Lehre“. Ein weiteres Charakteristikum des esoterischen Buddhismus sind kriegerische Figuren mit zornigen Gesichtern, die jedoch keine Feinde des Buddhismus darstellen, sondern Helfer oder Verteidiger. Sie sollen dem Gläubigen helfen, innerer Widerstände oder „Begierden“ auf dem Pfad zur Erleuchtung zu überwinden, doch wandte man sich auch mit handfesteren Anliegen wie z.B. bitte um Schlachtenglück an sie.

Obwohl der esoterische Buddhismus generell als eine Unter­kate­gorie des Mahayana gilt, lässt er sich weder doktrinär noch geo­graphisch ein­deutig zuordnen, da die ein­fluss­reichs­ten esote­rischen Lehrer China offenbar über die Süd­route erreichten.

Für den japanischen Bud­dhis­mus ist jedenfalls vor allem das Maha­yana inklu­sive seiner eso­terischen Spielart von Belang.

Ausbreitung nach Ostasien

Im Norden kam der Bud­dhis­mus zunächst mit dem hellenis­tischen Reich GandharaGandhāra गन्धार Königreich im heutigen Pakistan bzw. gleichnamige Stadt (auch Purushapura, heute Peshavar); nach den griechischen Eroberungen unter Alexander dem Großen unter dem Einfluss der hellenistischen Kultur, später, im 1.–3. Jh. u.Z. Hauptstadt des buddhistischen Kushana Reichs; frühes Zentrum der buddhistischen Kunst VajrapaniIkonographie in Berüh­rung und erfuhr dadurch wichtige Impulse, z.B. auf dem Gebiet der Ikonographie. Dennoch übte China als Ziel der bud­dhis­tischen Mission eine größere Anzie­hungs­kraft aus als der antike Mittel­meer­raum. Um nach China zu gelangen, benutz­ten Händler und Mönche zumeist den Landweg entlang der zentral­asia­tischen Seiden­straße. Doch konnte man China auch per Schiff erreichen, wenn man eine südliche Route wählte. Hier boten die Inseln Sri Lanka, Sumatra und Java sowohl für den Handel als auch für die bud­dhis­tische Mission wichtige Stütz­punkte, wo sich bald frühe buddhis­tische Zentren etablierten. Diese Route wird auch als „maritime Seiden­straße“ bezeichnet.

Erste buddhistische Kontakte mit China reichen bis ins erste Jahr­hundert vor unserer Zeit­rech­nung zurück, aber zu einiger Bedeutung gelangte der chine­sische Bud­dhis­mus erst im zweiten und dritten Jahr­hundert unserer Zeit. Von der nord-west­lichen Einfalls­pforte aus erfolgte die Ver­brei­tung fächer­förmig über den ganzen chine­sischen Sub­kontinent, um schließ­lich im fünften und sechsten Jahr­hundert auch Korea und Japan zu erreichen. Daneben gab es auch über die südliche Route bud­dhis­tische Einflüsse. Da die bud­dhis­tische Mission aber in erster Linie auf die Höfe konzen­triert war, konnte von einer gleich­mäßigen, flächen­deck­enden Verbrei­tung keine Rede sein. Der frühe chine­sische Bud­dhis­mus blühte daher in den urbanen Zentren. Doch errich­teten Bud­dhisten auch Klöster in abge­lege­nen Regionen, vielleicht um sich dadurch eine gewisse Auto­nomie zu sichern.

In der TangTang chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 FruehzeitHeian ZeitKami KulteSaicho... mehr-Zeit erfuhr der chinesische Bud­dhis­mus massive staatliche Förderungen, die nicht nur zu seiner Verbreitung, sondern auch zu einer großen Eigenständigkeit gegenüber dem Ursprungsland Indien führten. Der chine­sische Hof unter­stützte nämlich groß angelegte Über­setzungs­projekte, die es mit sich brachten, dass heute mehr buddhistische Schriften in chinesischer Übersetzung tradiert sind als in Sanskrit oder Pali, den Sprachen der Original­manus­kripte. Die Über­setz­ungen in ein voll­kommen anderes Idiom, in dem weder die grammati­kalischen, noch die philo­sophi­schen Grund­strukturen des indischen buddhis­tischen Kanons vor­handen waren, stellten nicht nur eine gewaltige Heraus­forderung dar, sie führten zwangs­läufig zu einer Sini­sierung des Bud­dhis­mus. Es ist dieser sinisierte Buddhis­mus, der in Ostasien weiter wirkte.

Nicht nur auf der Ebene der Texte, auch in der Ikono­graphie, also der Bilder­sprache, kam es zu neuen, chinesi­schen Stan­dardi­sie­rungen. Die typische, leicht dickliche Buddha-Figur ist beispiels­weise eine chine­sische Ent­wicklung, die vollin­haltlich von Korea und Japan über­nommen wurde. Aller­dings war in ganz Ostasien immer klar, dass der Buddha Inder war und insofern auch exotische Merkmale besaß.

Übernahme des Buddhismus in Japan

Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai) // Skulptur, nyorai (Holz). 9. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Shigon-Tempels Murō-ji bei Nara // Bildquelle: Wakasa Haikai, (Blog) [Scan aus Nara no furudera to butsuzō, Mitsui Memorial Museum, 2010] (letzter Zugriff: 2016/1) // Eine Skulptur des Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) im Lotos-Sitz mit der für ihn typischen mudra „Fürchtet euch nicht“ — semui-in, segan-in.
Buddha Shakyamuni

Im japan­ischen Bud­dhis­mus haben wir es also mit dem Resultat einer langen Über­liefe­rungs­ge­schichte zu tun, im Zuge derer die ur­sprüng­lich indi­sche Religion mit Ele­menten aus Zentral­asien und China ange­reichert wurde. Da China für die japa­nische Kultur das Vorbild schlech­thin dar­stellte, ten­dierte man dazu, den Bud­dhis­mus in seiner chine­sischen Form zu belassen und unter­nahm zunächst nur zag­hafte Versuche der Adap­tion. Die Sutrensūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismusFruehzeit... mehr wurden daher kein weite­res Mal ins Japa­nische über­setzt.

In weiterer Folge nahm die Geschichte des Bud­dhis­mus in Japan jedoch einen anderen Verlauf als in China. Dort erwuchs dem Bud­dhis­mus vor allem in Gestalt des Daois­musDōkyō 道教 Daoismus, wtl. Lehre des Weges, chin. Daojiao; philosophisch-rel. Strömung Chinas; s.a. Jindo und ShintoStereotypeHoteiTotenreich... mehr ein mächtiger Kon­kurrent: Auf Zeiten der staat­lichen Förde­rung folgten Zeiten des Nieder­gangs und sogar der Ver­folgung von Buddhisten. In Japan dagegen gelang es dem Bud­dhis­mus, bereits existie­rende Glau­bens­vor­stel­lungen fast voll­ständig zu absor­bieren. Auch wenn die Blüte­zeit des japa­nischen Bud­dhis­mus mit dem Beginn der Frühen Neuzeit (EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit) zu Ende ging und kon­kur­rierende Vor­stell­ungen in Form des Kon­fuzia­nismusjukyō 儒教 Konfuzianismus, Lehre des Konfuzius (Kongzi oder Kong Fuzi); wtl. Lehre der Gelehrten Neo-KonfuzianismusZenStereotypeWeltbild... mehr und des ShintōShintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kami BautenJindo und ShintoGeschichteStaatsshintoGrundbegriffe... mehr auf­tauchten, wurden Bud­dhisten — von den Anfän­gen im 6. Jh. und einer kurzen anti-bud­dhistischen Phase Ende des 19. Jahr­hun­derts einmal abge­sehen — in Japan nie verfolgt. Japa­nische bud­dhis­tische Tempel wurden im Lauf ihrer Ge­schichte gene­rell nicht von Anders­gläu­bigen, sondern ledig­lich von anderen buddhisti­schen Tempeln bedroht (s. Reli­gions­ge­schichte).

Heute ist der Buddhismus aus seinem ehe­maligen Kern­land Indien fast völlig ver­schwun­den, und auch in seiner „zweiten Heimat“ China stellt er nur eine reli­giöse Rich­tung unter vielen dar. Hin­gegen tritt er uns als Haupt­religion in den ehe­maligen Rand­ge­bie­ten der bud­dhisti­schen Ein­fluss­sphäre, in Süd­ost­asien, Tibet und Japan entgegen.

Anmerkungen

  1. Diese Angabe beruht auf jüngeren For­schungen des Indologen Heinz Bechert. Bechert zufolge starb Buddha hundert Jahre vor der Krönung König Ashokas (ca. 268 v.). Ähnliche Schät­zungen gehen davon aus, dass Buddha 30 bis 50 Jahre vor dem Indienfeldzug Alexanders des Großen (327–325 v.) verstarb. Da die bud­dhis­tische Hagio­graphie Buddha außer­dem einhellig ein Alter von achtzig Jahren zuschreibt, erhält man die Lebens­daten 450–370 v.u.Z. (Michaels 2011, S. 21–22).
Ikonographie 
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„Der Weg des Buddhismus nach Japan.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 15.10.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe/Buddhismus?oldid=60741