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Als wieder fried·lichere Zeiten an·brachen, gerieten die meisten eso·teri·schen Schutz·gott·heiten (mit Aus·nahme Fudōs) weit·gehend in Ver·gessen·heit oder wurden in ihrem Wirkungs·bereich ein·ge·schränkt und um·gedeutet. Die heutigen [[Ikonographie/Gluecksgoetter | Glücksgötter]] ({{g|shichifukujin}}) {{glossar:benzaiten|Benzai-ten}}, {{glossar:bishamonten}} und {{glossar:daikoku|Daikoku-ten}} können bei·spiels·weise auf eine Karriere als furcht·erregende Schutz·gotten zurück·blicken. Be·son·ders interes·sant ist der Fall des Daikoku, der einst·mals auch unter dem Namen {{glossar:makakaraten}} (skt. {{skt:Mahakala}}, wtl. „Großer Schwar·zer“) in einer Gestalt verehrt wurde, die direkt aus dem tibeti·schen Buddhis·mus über·nommen zu sein scheint. Im Laufe der Edo Zeit gewannen seine Eigen·schaf·ten als Gott des Reich·tums aber die Ober·hand über seine seine schau·rigen Attri·bute. In manchen älteren Dar·stel·lungen noch seinem Namen gemäß schwarz und düster, ist er heute nur noch als ewig lächelnder Glücksgott bekannt. (S. dazu auch den Essay [[Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku | Meta·morpho·sen des Daikoku]].)
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Als wieder fried·lichere Zeiten an·brachen, gerieten die meisten eso·teri·schen Schutz·gott·heiten (mit Aus·nahme Fudōs) weit·gehend in Ver·gessen·heit oder wurden in ihrem Wirkungs·bereich ein·ge·schränkt und um·gedeutet. Die heutigen Glücksgötter ({{g|shichifukujin}}) {{glossar:benzaiten|Benzai-ten}}, {{glossar:bishamonten}} und {{glossar:daikoku|Daikoku-ten}} können bei·spiels·weise auf eine Karriere als furcht·erregende Schutz·gotten zurück·blicken. Be·son·ders interes·sant ist der Fall des Daikoku, der einst·mals auch unter dem Namen {{glossar:makakaraten}} (skt. {{skt:Mahakala}}, wtl. „Großer Schwar·zer“) in einer Gestalt verehrt wurde, die direkt aus dem tibeti·schen Buddhis·mus über·nommen zu sein scheint. Im Laufe der Edo Zeit gewannen seine Eigen·schaf·ten als Gott des Reich·tums aber die Ober·hand über seine seine schau·rigen Attri·bute. In manchen älteren Dar·stel·lungen noch seinem Namen gemäß schwarz und düster, ist er heute nur noch als ewig lächelnder Glücksgott bekannt. (S. dazu auch den Essay [[Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku | Meta·morpho·sen des Daikoku]].)
  
 
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Version vom 26. Juli 2015, 16:57 Uhr

Fudō Myōō &Co
Daiitoku myoo.jpg
Daiitoku (skt.Yamantaka).
Statue, myōō (Holz), Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; 137 x 64 x 92 cm
Bild © Ruth and Sherman Lee Institute. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Daiitoku (skt. Yamantaka), ein myōō mit sechs Köpfen, sechs Beinen und sechs Armen.

Aizen 1256.jpg
Aizen Myōō.
Statue, myōō (Holz) von Kaijō (oder Kaisei), Detail. Kamakura-Zeit, 1256; Nara National Museum; Höhe: 26,2cm
Bild © e-Museum. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Aizen Myōō (skr. Rāgarāja), der Mantrakönig (myōō) der Liebe, mit feuerroter Haut, zu Berge flammendem Haar, Raubtierzähnen, einem dritten Auge und einer Kappe mit Löwenkopf. Die Statue enthält eine Inschrift, laut der der Bildhauer Kaijō die Figur aus einem halbverbrannten Holzpfeiler schnitzte, der ehemals Teil der Halle des Großen Buddha des Tōdai-ji (zerstört 1180, wiedererrichtet ab 1195) gewesen war.

Gosanze myoo.jpg
Bezwinger der drei Welten (Gōsanze Myōō).
Statue, myōō. 14. Jh.; Mudō-ji, Berg Hiei; Holz
Bild © Kyōto National Museum, Saichō and Treasures of Tendai (Ausstellungskatalog) 2005, S. 165.

Gōzanze Myōō (skt. Trailokyavijaya) mit der charakteristischen mudra der Dämonenabwehr (Gōsanze-in).

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Das Aussehen eines myōōmyōō 明王 wtl. Licht-König, auch „Mantra-König“ oder „Weisheits-König“; meist zornvoll dargestellte Schutzgottheit; skt. Vidyaraja KamakuraIkonographieDaikokuKannonBato Kannon... mehr (skt. VidyārājaVidyārāja विद्याराज „Mantra-König, Weisheits-König“, jap. Myōō 明王 KukaiIkonographie, „Mantra-König“) ist zwei­fel­los nicht mit der ent­spannten Schön­heit eines BuddhasBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr oder BodhisattvasBodhisattva बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“, jap. bosatsu 菩薩 ShichigosanPhalluskulteMoencheBekannte SchreineKasuga... mehr zu ver­gleichen. Er hat zorn­verzerrte Gesichts­züge, Raub­tier­zähne und oft ein drittes Auge auf der Stirn. Seine Haut ist rot oder schwarz, in den Händen hält er ge­fähr­liche Waffen. Meist umgibt ihn eine Aureole von fla­ckern­den Flammen. Den­noch wird die Macht eines Myōō nicht als feind­lich auf­ge­fasst, sondern man trachtet danach, ihn als Ver­bün­deten gegen böse Kräfte zu gewinnen. Der bei weitem popu­lärste Mantra-König Japans ist FudōFudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ FeuergangYamabushiEn no GyojaVajrapaniKukai... mehr, „der Unbewegliche“ oder „Standfeste“. Er ist, wie die anderen Myōō, mit dem eso­teri­schen Buddhis­mus nach Japan gekommen, genießt aber auch außer­halb der eso­teri­schen Rich­tungen (v.a im ShingonShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan ShikokuReichseinigungFudo und z.T. im TendaiTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai TenjinOkuninushiKukai) ganz beson­dere Ver­ehrung.

Fudō, der Unbewegliche

Fudō Myōō.
Statue, myōō (Holz, Farbe). Heian-Zeit, 12. Jh.; Kongōbu-ji, Berg Kōya
Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 96, Abb. 38.

Fudō Myōō (skt. Acala) auf einem stilisierten, sanduhrförmigen Felsen sitzend. Rote Haare, schwarzblaue Haut. Schwert und Seil. Im Flammennimbus deuten sich Vogelköpfe an. Frühes Beispiel des „assymetrischen Typs“ mit schiefem Mund, assymmtrischen Eckzähnen und einem halb geschlossenen Auge. Gemessen an anderen Beispielen milder Gesichtsausdruck.

Fudō Myōō

Fudō begegnet uns bereits im in­di­schen Buddhis­mus (unter dem Namen AcalaAcala अचल „Unbeweglich“, Beinamen des in Japan wichtigsten Mantra-Königs, jap. Fudō 不動 VajrapaniKukaiFudo, was auch auf Sanskrit „unbeweglich“ bedeutet). Ikono­graphisch taucht er aber in Indien und China nur sehr selten auf. In Japan, wo er zu­sammen mit den meisten anderen Myōō erst­mals durch KūkaiKūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishi FeuergangShikokuBekannte SchreineFushimiBekannte Tempel... mehr (774–835), den Be­grün­der des eso­teri­schen Buddhis­mus, bekannt gemacht worden sein soll, erlangte er nicht nur eine größere Be­liebt­heit als in an­deren asia­ti­schen Ländern, auch inner­halb der japa­nischen Myōō ist kein anderer ähn­lich populär wie er. Feuer und Schwert sind seine typi­schen Attri­bute, oft hält er auch ein Seil in seiner Linken zum Ein­fangen von Dämonen. Seine Haut ist zumeist schwarz oder blau.

Wenn Fudō rituell an­ge­spro­chen wird, so meist im Zu­sammen­hang mit den Feuer-Riten (goma gyōjigoma gyōji 護摩行事 buddh. Feuerritus, skt. Homa Feuergang) des eso­teri­schen Buddhis­mus. Diese werden auch heute noch häufig praktiziert. Große Tempel haben oft Seiten­altäre, manchmal auch Seiten­gebäude, die Fudō geweiht sind und wo goma-Zere­monien ab­gehal­ten werden. Kleine Fudō Tempel findet man ver­einzelt in gebir­gigen Regio­nen, wo sie mit den Kulten der Berg­asketen (yamabushiyamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft; Praktikant des Shugendō MatsuriFeuergangMoencheMoenchstrachtPilgerschaft... mehr) in Ver­bin­dung stehen. Auch ent­lang der Route der 88 Pilger­tempel von Shikoku stößt man immer wieder auf Fudō-Kulte der yamabushi, die in Ver­bin­dung mit dem Feuer stehen (s. dazu den Gastartikel Fire Walk at Saba Daishi).

Aizen, Mantra-König der Liebe

Aizen Myōō.
Hängerollbild, myōō (Seide, Farbe). Kamakura-Zeit; Tōkyō; 123,8cm x 95,0 cm
Bild © Nezu Museum. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Drei Augen, sechs Arme, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, thront Aizen Myōō hier auf einer Lotosblüte, umrahmt von einer roten Mondscheibe. Die Ikonographie beruht auf dem Yugi-kyō, einem wahrscheinlich in China entstandenen Sutra des esoterischen Buddhismus, das Aizen ein eigenes Kapitel widmet.

Aizen Myōō

Aizen MyōōAizen Myōō 愛染明王 wtl. Mantra-König der Liebe; einer der bekanntesten myōō Japans Ikonographie wird oft schrecken­er­regender als Fudō dar­gestellt. Er­kenn­bar an seiner feuer­roten Haut­farbe und an Pfeil und Bogen (neben anderen Waffen) kann er bis zu sechs Arme und Beine besitzen. Auch er erfuhr vor allem im eso­teri­schen Bud­dhis­mus große Ver­ehrung. Sein Name bedeutet zwar wörtlich „Mantra-König der Liebe“, doch bedeutet das lediglich, dass er die irdischen Leiden­schaften der Menschen in die rechten Gefühle eines bosatsubosatsu 菩薩 Bodhisattva, buddhistische Heilsgestalt verwandelt — und das mit seinen Methoden. Wie die meisten anderen Myōōs (außer Fudō) dürfte Aizen mit dem Rück­gang des eso­teri­schen Buddhis­mus in der EdoEdo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyō ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit an Bedeu­tung verloren haben und ist daher heute ver­hältnis­mäßig wenig bekannt. Doch noch in der Edo-Zeit fühlten sich Liebende — oder die, die mit der Liebe handelten — zu ihm hinge­zogen. Er galt zu dieser Zeit als der Be­schützer der Geishas in YoshiwaraYoshiwara 吉原 Freudenviertel des Edo-zeitlichen Tōkyō Namazu-e, dem Freuden­viertel von Edo.

Die Fünf Großen Myōō

Neben Fudō und Aizen stößt man ver­einzelt auch auf die Gruppe der Fünf Großen Myōō (Godai MyōōGodai Myōō 五大明王 die Fünf Großen Myōō ), in deren Zen­trum wiederum Fudō steht, während vier weitere Myōō nach den Himmels­richtun­gen um ihn gruppiert sind. Laut Shingon-Tradi­tion ver­körpern sie die zorn­vollen Er­scheinungs­formen der fünf Haupt­buddhas im Vajra-Welt-Mandala und setzen sich fol­gen­der­maßen zu­sam­men:

  1. Fudō, Mitte (Erschei­nungs­form des Dainichi NyoraiDainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ Schreinanlage IseVajrapaniShotoku TaishiKukaiShinto Mittelalter... mehr). Mit lediglich zwei Armen, zwei Augen, etc. unter den Fünf Myōō der men­schen­­ähn­lichste.
  2. Gōzanze MyōōGōzanze Myōō 降三世明王 skt. Trailokyavijaya, einer der Fünf Großen Myōō VajrapaniMudra, skt. TrailokyavijayaTrailokyavijaya त्रैलोक्यविजय „Bezwinger der drei Welten“, einer der Fünf Großen Myōō, jap. Gōzanze 降三世 Vajrapani („Bezwinger der drei Welten“), Osten (Ashuku Nyorai). Steht auf zwei mensch­lichen Figuren, die Shiva und seine Gespielin reprä­sen­tieren.
  3. Gundari MyōōGundari Myōō 軍荼利明王 skt. Kundali, einer der Fünf Großen Myōō , skt. KundaliKuṇḍali कुण्डलि „Geringelt, schlangenhaft“, Beinamen eines der Fünf Großen Myōō, jap. Gundari 軍荼利 , Süden (Hōshō Nyorai).
  4. Daiitoku MyōōDaiitoku Myōō 大威徳明王 skt. Yamantaka, einer der Fünf Großen Myōō Enma, skt. YamantakaYamāntaka यमान्तक „Bezwinger des Todes (Yama)“, einer der Fünf Großen Myōō, jap. Daiitoku Myōō 大威徳明王 Enma („der Überwinder des YamaYama यमराज Gottheit der Unterwelt und des Todes, jap. Enma 閻魔 Bishamon-tenHeian ZeitWaechtergoetterJenseits... mehr“), Westen (Amida NyoraiAmida Nyorai 阿弥陀如来 Amida Buddha; skt. Buddha Amitabha KannonHoellenbilder). Seinem Namen ent­sprech­end über­windet er den König der Unter­welt (Yama, jap. EnmaEnma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochen Heian ZeitIkonographieJizoWaechtergoetter... mehr), bzw. den Tod. Cha­rak­te­ris­ti­scher­weise reitet Yamantaka auf dem Büffel des Yama (bzw. hat in man­chen tibe­tischen Dar­stel­lungen auch den Kopf eines Büffels).
  5. Kongōyasha MyōōKongōyasha Myōō 金剛夜叉 skt. Vajrayaksha, einer der Fünf Großen Myōō , skt. VajrayaksaVajrayakṣa वज्रयक्ष „Vajra General“, einer der Fünf Großen Myōō, jap. Kongōyasha 金剛夜叉 („Vajravajra वज्र „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus, jap. kongō 金剛 Berg KoyaVajrapaniKukaiKukais InitiationBuddhismus... mehr-General“), Norden (Fukūjōja Nyorai). Besitzt ein Gesicht mit fünf Augen.
godai myoo
Die Godai Myoo des Toji, Kyoto, aus dem Jahr 839

Die älteste und be­rühm­teste Dar­stel­lung dieser Gruppe stammt aus dem Jahr 839 und befindet sich im TōjiTōji 東寺 Ost-Tempel in Kyōto, eig. Kyōō Gokoku-ji (Tempel des Königs der Lehre zum Schutz des Landes) FushimiBerg KoyaBishamon-tenHonji suijaku... mehr, einem der Haupt­tempel des ShingonShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan AhnenkultMoencheYamabushiBekannte TempelBerg Koya... mehr Buddhis­mus. Die Statuen wurden von KūkaiKūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishi FeuergangShikokuBekannte SchreineFushimiBekannte Tempel... mehr in Auftrag gegeben, der diese Ge­stal­ten in Japan bekannt machte. Sie re­präsen­tieren somit den Aus­gangs­punkt der japa­nischen Myōō-Ikono­graphie. Allerdings setzte sich das En­semble der Fünf nicht auf Dauer durch: Ge­stal­ten wie Aizen oder der pferde­köpfige Batō Myōō (auch Batō KannonBatō Kannon 馬頭観音 Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannons NikkoKannonBato KannonDrei Affen) über­flügelten die Gruppe an Be­deu­tung. Ledig­lich der von Kūkai besonders verehrte Fudō fand in Japan so etwas wie seine wahre Heimat.

Wortbedeutung

Der Titel myōōmyōō 明王 wtl. Licht-König, auch „Mantra-König“ oder „Weisheits-König“; meist zornvoll dargestellte Schutzgottheit; skt. Vidyaraja KamakuraIkonographieDaikokuKannonBato Kannon... mehr ist aus den Zeichen für „hell“ und „König“ zu­sammen­gesetzt. „König“ (ō; skt. rajarāja राज „König“, jap. ō ) wird im Bud­dhis­mus häufig im Sinne von Herr­scher, Herr oder auch Be­schützer ver­wendet. Das Zeichen „hell“ steht hier für Sanskrit vidyavidyā विद्या „Wissen“, jap. myō , was u.a. „Weis­heit“ bedeutet. „Weis­heits­könig“ oder „wisdom king“ ist daher eine ge­läufige Über­setzung von „Myōō“. Laut dem japa­nischen Standard­wörter­buch des eso­teri­schen Buddhis­mus (Mikkyō jiten) kann myō (skt: vidya) im eso­teri­schen Buddhis­mus aber auch „durch magische Formeln erlangte Weis­heit“ und davon abgeleitet „magische Formel“ bzw. Mantramantra मन्त्र Gebetsformel, jap. shingon 真言 KukaiShinto MittelalterBuddhismus LehreIkonographieGluecksgoetter... mehr bedeuten. Dem­ent­sprechend be­vor­zuge ich die Über­setzung „Mantra-König“. Myōō sind dem­nach die Könige bzw. Herren oder Be­schützer, die über die Mantren herrschen, oder aber durch Mantren ange­rufen bzw. akti­viert werden können.

Die kriegerischen Züge der Myōō

Myōō sind ebenso wie die meisten anderen Wächter­gott­heiten (tenbutenbu 天部 Gruppe der indischen bzw. aus Indien übernommene Gottheiten (skt. Deva) Bishamon-tenKamakuraIkonographieGluecksgoetterKannon... mehr) mit dem eso­teri­schen Buddhis­mus (Tantrismustantra तन्त्र „Gewebe“, Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt) VajrapaniBuddhismusBuddhismus LehreIkonographieDainichi... mehr, VajrayanaVajrayāna वज्रयन „Vajra-Fahrzeug“, Tantrismus, esoterischer Buddhismus, jap. Mikkyō 密教 oder Kongō-jō 金剛乗 VajrapaniKukaiBuddhismusBuddhismus LehreKannon... mehr) in Japan ver­breitet worden. Obwohl die Ikono­graphie der japa­nischen Myōō sich bis zu Kūkai, also bis ins 9. Jahr­hundert zurück­verfolgen lässt, war ihre große Zeit das japa­nische Mittel­alter (12.–16. Jh.), als eso­teri­sche Riten in fast allen großen Tempeln, vor allem aber in Shingon- und Tendai-Klöstern prakti­ziert wurden. Es hat den Anschein, als ob diese Be­liebt­heit furcht­er­regender Figuren, auch wenn sie noch so symbo­lisch gedeutet werden mögen, in un­ruhigen, kriege­rischen Zeiten beson­ders aus­geprägt war. Dies lässt sich bereits in Indien nach­weisen, wo in den ersten Jahr­hunder­ten unserer Zeit mit der Figur des „Vajraträgers“ (skt. VajrapaniVajrapāṇi वज्रपाणि „Vajrahand“, Vajraträger, jap. Kongōshu 金剛手 VajrapaniWaechtergoetter, jap. kongōshukongōshu 金剛手 Vajra-Hand, skt. Vajrapani; s.a. Niō VajrapaniWaechtergoetter) ein Proto­typ für alle weiteren zorn­vollen Gestalten entsteht. Der Buddhis­mus hatte in dieser Zeit zunehmend mit der Kon­kurrenz shivaitischer und vishnuitischer Glaubens­formen zu kämpfen, in denen die jeweiligen Haupt­götter (ShivaŚiva शिव „Glückverheißender“, indische Göttheit, auch Maheshvara oder Ishvara, jap. Daijizai-ten 大自在天 Vajrapani und VishnuViṣṇu विष्णु indische (vedische) Gottheit; gilt im Vishnuismus als Manifestation des höchsten Seins ) als sieg­reiche Kriegs­herren dargestellt wurden, und über­nahm dabei deren Umgang mit krieger­ischen Symbolen. Zu diesen zählt auch der vajravajra वज्र „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus, jap. kongō 金剛 Berg KoyaVajrapaniKukaiKukais InitiationBuddhismus... mehr (jap. kongōkongō 金剛 skt. Vajra; „Diamant“, magische Waffe, Donnerkeil KukaiWaechtergoetter), der u.a. dem „dia­man­tenen Fahr­zeug“ — Vajra­yana, Synonym des eso­teri­schen Buddhis­mus — seinen Namen gab: ur­sprüng­lich handelte es sich dabei um eine Waffe oder ein Insignium der Herr­schaft. Viele eso­terisch-buddhis­tische Wächter­götter scheinen also zunächst als Ver­teidi­ger des Buddhis­mus gegen Feinde aus dem „hinduis­tischen Lager“ auf­getreten zu sein und machten sich dabei die Attri­bute ihrer Gegner zu eigen.

Sobald sich im Buddhis­mus die Auf­fassung durch­gesetzt hatte, dass der DharmaDharma धर्म Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha), jap. Hō 法 NichirenShakaGoldglanz SutraHannya shingyo nicht allein durch Mild­tätig­keit und Welt­ent­sagung, sondern auch durch den (symbolischen?) Einsatz kriege­rischer Mittel be­schützt, bzw. ver­breitet werden konnte, ent­standen also parallel zu Buddhas und Bodhi­sattvas neue Klassen von furcht­ein­flößenden Erschei­nungen, die zunächst entweder als zum Bud­dhis­mus bekehrte, ehe­mals feind­liche Gott­heiten, mit zu­nehmen­der Beliebt­heit aber auch als „zorn­volle Erschei­nungsform“ eines Buddhas oder Bodhi­sattvas inter­pretiert wurden. Zur letzteren Gruppe zählen in Japan die Myōō, die unter den zornigen Gott­heiten somit eine Art Aristo­kratie dar­stellen. Sie genos­sen zusammen mit den nieder­rangigeren Deva-Gottheitendeva देव „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter, jap. ten 天 oder tenbu 天部 Bishamon-tenBuddhismusIkonographieGluecksgoetterBenzaiten... mehr (tenbu) vor allem im von Bürger­kriegen gezeich­neten japa­nischen Mittel­alter große Ver­ehrung.

Mahakala (Makakara).
Mandara. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“), Yamamoto Hiroko; Chōrin-ji, Präfektur Kagawa.

Makakara (oder auch Daikoku, skt. Mahakala) hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandala (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt eines Buches zu diesem Thema.

Esoterischer Mahakala/Daikoku
Daikoku.
Statue, fukujin (Keramik, Farbe). 20. Jh..

Daikoku, wie er als einer der sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin) in modernen Souvenierläden zu finden ist.

Daikoku heute

Als wieder fried­lichere Zeiten an­brachen, gerieten die meisten eso­teri­schen Schutz­gott­heiten (mit Aus­nahme Fudōs) weit­gehend in Ver­gessen­heit oder wurden in ihrem Wirkungs­bereich ein­ge­schränkt und um­gedeutet. Die heutigen Glücksgötter (Shichi FukujinShichi Fukujin 七福神 Die Sieben Glücksgötter Bishamon-tenBodhidharmaGluecksgoetterEbisuHotei... mehr) Benzai-tenBenzaiten 弁才天/弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten Hadaka matsuriBekannte SchreineItsukushimaToriiBishamon-ten... mehr, Bishamon-tenBishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgott; abgeleitet von einem indischen Gott des Reichtums, Vaishravana Bishamon-tenVajrapaniGluecksgoetterDaikokuEbisu... mehr und Daikoku-tenDaikoku 大黒 Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-ten AsakusaIzumo SchreinBishamon-tenOkuninushiGluecksgoetter... mehr können bei­spiels­weise auf eine Karriere als furcht­erregende Schutz­gotten zurück­blicken. Be­son­ders interes­sant ist der Fall des Daikoku, der einst­mals auch unter dem Namen Makakara-tenMakakara-ten 摩訶迦羅天 Synonym von Daikoku-ten, skt. Mahakara (skt. MahakalaMahākāla महाकाल „Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit, jap. Makakara 摩訶迦羅 oder Daikoku 大黒 Bishamon-tenOkuninushiVajrapaniGluecksgoetterDaikoku... mehr, wtl. „Großer Schwar­zer“) in einer Gestalt verehrt wurde, die direkt aus dem tibeti­schen Buddhis­mus über­nommen zu sein scheint. Im Laufe der Edo Zeit gewannen seine Eigen­schaf­ten als Gott des Reich­tums aber die Ober­hand über seine seine schau­rigen Attri­bute. In manchen älteren Dar­stel­lungen noch seinem Namen gemäß schwarz und düster, ist er heute nur noch als ewig lächelnder Glücksgott bekannt. (S. dazu auch den Essay Meta­morpho­sen des Daikoku.)

Ikonographie 
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„Fudō Myōō &Co.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 26.7.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Myoo?oldid=51812