Ikonographie/Shinto-Goetter: Unterschied zwischen den Versionen

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(Amaterasu)
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In der japanischen Mythologie fällt auf, dass weiblichen Figuren eine wichtige, manch·mal sogar führende Rolle zukommt. Prominentestes Bei·spiel ist natürlich die Sonnen·gott·heit {{glossar:Amaterasu}}, aber auch die mythische Kaiserin {{Glossar:Jinguukougou | Jingū}} führt zu ihrer Zeit das Zepter über eine ganze Nation. Zur Zeit der Ab·fassung der Mythen waren weibliche Tenno tat·säch·lich keine Selten·heit. Im Laufe des japanischen Alter·tums scheint die Stellung der Frau jedoch schwächer ge·worden zu sein. Das wirkte sich auch in der Welt der Götter aus. Offen·bar tat man sich immer schwerer damit, die wichtigste Ahnen·gott·heit des Tenno in weiblicher Gestalt zu ver·ehren. Auf den seltenen Dar·stel·lungen aus dem Mittel·alter erscheint Amaterasu daher meist als Mann. Noch in der frühen {{glossar:edo}}-Zeit herrschte die Dar·stel·lung von Amaterasu als Jüngling vor. In dieser Zeit wurde der Name Amaterasu Ōmikami im übrigen sino-japanisch {{glossar:Tenshoudaijin}} aus·ge·sprochen. Erst später, als unter dem Einfluss der {{glossar:Kokugaku}}-Gelehrten der einheimische Mythos wieder deutlicher ins all·gemeine Bewusst·sein trat, etablierte sich die heute gängige Form, wie sie etwa auf dem Holz·schnitt rechts zu sehen ist.
 
In der japanischen Mythologie fällt auf, dass weiblichen Figuren eine wichtige, manch·mal sogar führende Rolle zukommt. Prominentestes Bei·spiel ist natürlich die Sonnen·gott·heit {{glossar:Amaterasu}}, aber auch die mythische Kaiserin {{Glossar:Jinguukougou | Jingū}} führt zu ihrer Zeit das Zepter über eine ganze Nation. Zur Zeit der Ab·fassung der Mythen waren weibliche Tenno tat·säch·lich keine Selten·heit. Im Laufe des japanischen Alter·tums scheint die Stellung der Frau jedoch schwächer ge·worden zu sein. Das wirkte sich auch in der Welt der Götter aus. Offen·bar tat man sich immer schwerer damit, die wichtigste Ahnen·gott·heit des Tenno in weiblicher Gestalt zu ver·ehren. Auf den seltenen Dar·stel·lungen aus dem Mittel·alter erscheint Amaterasu daher meist als Mann. Noch in der frühen {{glossar:edo}}-Zeit herrschte die Dar·stel·lung von Amaterasu als Jüngling vor. In dieser Zeit wurde der Name Amaterasu Ōmikami im übrigen sino-japanisch {{glossar:Tenshoudaijin}} aus·ge·sprochen. Erst später, als unter dem Einfluss der {{glossar:Kokugaku}}-Gelehrten der einheimische Mythos wieder deutlicher ins all·gemeine Bewusst·sein trat, etablierte sich die heute gängige Form, wie sie etwa auf dem Holz·schnitt rechts zu sehen ist.
  
Ganz allgemein kann man aus diesen Beispielen schließen, dass die persönliche Identität einer Schrein·gott·heit wesentlich variabler ist als man aus der Sicht einer mono·theistischen Religion vermuten würde. In vielen Fällen werden Schreine daher mit ihrem Ortsnamen identifiziert. Selbst der Haupt·schrein von Amaterasu, der Ahnen·schrein des Tenno in {{glossar: Ise}} wird nicht als „Amatersu Schrein“ sondern als „Götter·palast von Ise“ ({{glossar:isejinguu}}) bezeichnet. Dass die verehrte Gottheit Amaterasu heißt, mag in diesem Fall noch all·ge·mein bekannt sein. Aber welche Gott·heit ihren Sitz im eben·so populären {{Glossar:Izumotaisha| Izumo Schrein}} hat, ist selbst in Japan weithin unbekannt. Man besucht die be·rühmten Schreine von {{Glossar:Nikkou}} oder {{Glossar:Miyajima}} und bringt ihren Gott·heiten den ge·bührenden Respekt ent·gegen, aber man spricht immer nur vom Orts·namen dieser Schreine, kaum je von der dort ver·ehrten Gott·heit. Aus·nahmen stellen {{glossar:hachiman}}-, {{glossar:inari}}- und {{glossar:tenjin}}-Schreine (s. [[Bauten:Bekannte_Schreine | Bekannte Schreine]]) dar. Interessanter·weise sind all dies Gott·heiten, die erst in historischer Zeit und unter bud·dhis·tischem Einfluss entstanden sind.
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Ganz allgemein kann man aus diesen Beispielen schließen, dass die persönliche Identität einer Schrein·gott·heit wesentlich variabler ist als man aus der Sicht einer mono·theistischen Religion vermuten würde. In vielen Fällen werden Schreine daher mit ihrem Ortsnamen identifiziert. Selbst der Haupt·schrein von Amaterasu, der Ahnen·schrein des Tenno in {{glossar: Ise}} wird nicht als „Amaterasu Schrein“ sondern als „Götter·palast von Ise“ ({{glossar:isejinguu}}) bezeichnet. Dass die verehrte Gottheit Amaterasu heißt, mag in diesem Fall noch all·ge·mein bekannt sein. Aber welche Gott·heit ihren Sitz im eben·so populären {{Glossar:Izumotaisha| Izumo Schrein}} hat, ist selbst in Japan weithin unbekannt. Man besucht die be·rühmten Schreine von {{Glossar:Nikkou}} oder {{Glossar:Miyajima}} und bringt ihren Gott·heiten den ge·bührenden Respekt ent·gegen, aber man spricht immer nur vom Orts·namen dieser Schreine, kaum je von der dort ver·ehrten Gott·heit. Aus·nahmen stellen {{glossar:hachiman}}-, {{glossar:inari}}- und {{glossar:tenjin}}-Schreine (s. [[Bauten:Bekannte_Schreine | Bekannte Schreine]]) dar. Interessanter·weise sind all dies Gott·heiten, die erst in historischer Zeit und unter bud·dhis·tischem Einfluss entstanden sind.
  
 
==Buddhistische Kami==
 
==Buddhistische Kami==

Version vom 12. Oktober 2010, 15:10 Uhr

Darstellungen der Kami

Seit jeher nennt man die einheimischen Götter in Japan kamikami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr. Doch was kami bewirken, wo sie sich auf­halten und wie sie aus­sehen, darüber lassen sich im Unter­schied zu bud­dhis­tischen Gestalten kaum ver­bindliche Aus­sagen fest­machen. Die Zahl der kami ist per definitionem un­be­grenzt: die Mythen sprechen etwa von der Zahl yaoyorozu, wtl. acht Millionen, was aber genauso als „un­endlich viel“ auf­ge­fasst werden kann. Tatsächlich können neue kami jeder­zeit ent­stehen, ebenso wie alte in Ver­gessen­heit geraten. Obwohl in den Mythen der Unter­schied zwischen Göttern und Menschen fließend ist, sind bildliche kami-Dar­stel­lungen in realistisch-mensch­licher Gestalt aus alter Zeit kaum bekannt. Erst der Ein­fluss der buddhistischen Kunst brachte es mit sich, dass kami in menschlicher Form dar­ge­stellt wurden, aller­dings gab und gibt es viel weniger Bilder von kamis als von Buddhas.

Frühe Darstellungen

Einige ur- und frühgeschichtliche Grabbeigaben (so z.B. einige haniwahaniwa 埴輪 frühgeschichtliche Grabbeigaben aus Ton, meist in Form einfacher Skulpturen Ise IzumoOpfer Tonfiguren der Kofun-Zeit, 3.–6.Jh.) können als Götter­dar­stel­lungen gedeutet werden, doch scheint diese altertümliche Ikonographie mit dem Aufkommen des Buddhismus so voll­kommen ab­ge­schafft worden zu sein, dass heute nur noch spekulative Interpretationen über die Ver­bindung von haniwa und kami möglich sind. Das einzige, was sich in Ver­bindung mit Götter­dar­stel­lungen aus vor-buddhistischer Zeit bis heute er­halten hat, sind spezifisch ge­formte shintaishintai 神体 heiliges Objekt eines Shintō-Schreins; wtl. „Gottkörper“ MatsuriBekannte SchreineIse IzumoSchreinanlage IseSchreine... mehr (Gottkörper). Shintai stellen die Haupt­heilig­tümer shintoistischer Schreine dar. Sie repräsentieren jedoch streng ge­nommen nicht die Gott­heit selbst, sondern stellen ihren Aufenthaltsort in dem jeweiligen Schrein dar.

Shintai

Typische shintai sind Spiegel, Schwert und Krummjuwelen (magatamamagatama 勾玉 Krummjuwelen; archaischer Schmuck, Teil der Insignien des Tennō Goetter des Himmels). Sie bilden auch die „drei göttlichen Schätze“, die — vor allem in früheren Zeiten — als Insignien der kaiserlichen Macht galten und so den Herr­schafts­an­spruch des TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr legitimierten. Shintai können aber auch ganz andere Formen an­nehmen, z.B. Papier­opfer­gaben (goheigohei 御幣 Papieropfergabe, Zickzack-Papier KamidanaOpfergabenSchreineRegenmachen) oder figurative Dar­stellungen. Doch auch in diesem Fall handelt es sich streng ge­nommen nicht um die tat­säch­liche Gestalt der kami sondern um ihren Wohnort.

  • matsunoo_josei.jpg
    Weibliche Gottheit // Statue, shinzō. Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // Bildquelle: galleryhip.com (letzter Zugriff: 2015/10) // Weibliche Gottheit des Matsunoo Taisha. Zählt zu den ältesten kami-Skulpturen Japans. Möglicherweise identisch mit den Gottheiten von Munakata Taisha und Itsukushima.
  • matsunoo_dansei.jpg
    Männliche Gottheit von Matsunoo // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // // Gottheit des Matsunoo Taisha. Die für kami-Darstellungen typische Haltung deutet an, dass dieser Gott ursprünglich ein shaku-Zepter in den Händen hielt. Dieses Szepter zeichnet auch weltliche Herrscher aus und symbolisiert sakrale ebenso wie politische Autorität.

Wenn shintai in menschlicher Form dargestellt werden, so sind sie zumeist wie Hofadelige ge­kleidet. Das trifft schon auf die archaisch wirkenden Gott­heiten des Matsunoo SchreinsMatsunoo Taisha 松尾大社 Matsunoo Schrein (auch: Matsuo Schrein), Kyoto; Hauptgottheiten: Ōyamakui und Nakatsushima-hime zu, die als die ältesten Beispiele figurativer kami-Dar­stel­lungen gelten. Die männliche Figur (u.r.) hält eine Art Szepter (shakushaku Zeremonielles Zepter der Schreinpriester; trad. Emblem von Herrschern und Götterstatuen Schreinpriester) in der Hand, das noch heute in Shinto Zeremonien zum Einsatz kommt, ursprünglich aber ein Insignium weltlicher Herrscher war.

Multiple Identitäten

Was die kami-Ikonographie verwirrend macht, ist unter anderem die Tatsache, dass es oft gar nicht leicht zu er­kennen ist, welcher Gott in einem bestimmten Schrein verehrt wird. Größere Schrein­an­lagen bestehen immer aus mehreren Einzel­schreinen, die ver­schiedenen Gott­heiten geweiht sind. Selbst in der Haupthalle eines Schrein können mehrere Gott­heiten zu Hause sein oder es existieren mehrere gleich­rangige Haupt­hallen neben einander. Dies ist wohl mit ein Grund, warum Schreine in Japan häufig unter ihrem Ort­namen, nicht unter dem Namen ihrer Gott­heit bekannt sind. In früherer Zeit wurde dieser Orts­namen sogar mit eigenen Gottes-Titeln versehen. Die ver­schiedenen Gott­heiten eines Schreins wurden also auch als eine einzige multiple Gottheit aufgefasst.

Beispiel Kasuga

Der KasugaKasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwara Bekannte SchreineItsukushimaKasugaBekannte TempelOkuninushi... mehr Schrein in NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr ist ein besonders an­schau­liches Beispiel für multiple Gott­heiten. Er wurde als Ahnen­schrein der mächtigen Adels­familie FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum Bekannte SchreineKasugaTenjinBekannte TempelOkuninushi... mehr gegründet und birgt vier Haupt­gott­heiten, die von den Fujiwara als ihre Vor­fahren erachtet wurden. Im Mittel­alter taucht neben den vier einzelnen Namen aber auch die Gott­heit Kasuga DaimyōjinDaimyōjin 大明神 kami-Titel, wtl. Große Leuchtende Gottheit auf. Kasuga Daimyōjin wird zwar als Einzel­gott­heit verstanden und sogar ab­gebildet, ersetzt die ein­zelnen kami in Kasuga aber nicht rest­los, sondern fasst sie zu einer Art kollektiven Supergottheit zusammen.

Es gibt darüber hinaus auch einige namhafte Zweigschreine des Kasuga Schreins, etwa den Yoshida SchreinYoshida Jinja 吉田神社 Yoshida Schrein, Kyōto; 859 als Zweigschrein des Kasuga Taisha gegründet; ursprünglich Ahnenschrein der Fujiwara; später Zentrum des Yoshida Shintō in Kyoto. Auch er war ur­sprüng­lich ein Ahnen­schrein der Fujiwara und diente der Ver­ehrung des gleichen Ensembles von vier Göttern. Später wurden auch diese Gott­heiten zu einer einzigen ver­schmolzen, die diesmal den Namen Yoshida Daimyōjin erhielt. Die einzelnen Ahnen­götter waren zwar die gleichen wie im Kasuga Schrein, als Ensemble an einem anderen Ort bildeten sie aber eine neue Gottheit.

Der mühelose Wechsel von Einzahl und Mehrzahl und das Ver­schmelzen von mehreren Einzel­figuren zu einer einzigen wird wahr­schein­lich jedem, der mit japanischen Manga vertraut ist, bekannt vor­kommen. Auch hier vereinigen sich Einzel­figuren zu einem Superhelden, um sich nach ge­mein­samen Kampf wieder zu individualisieren. Kann es sein, dass dieser fließende Über­gang von einzel­per­sön­lichen und kollektiven Identitäten etwas mit der Bedeutung der Gruppe in der japanischen Ge­sell­schaft zu tun hat? Oder erleichtert die Tatsache, dass es im Japanischen keinen grammatikalischen Unter­schied zwischen Singular und Plural gibt, derartige Vorstellungen?

Amaterasu

In der japanischen Mythologie fällt auf, dass weiblichen Figuren eine wichtige, manch­mal sogar führende Rolle zukommt. Prominentestes Bei­spiel ist natürlich die Sonnen­gott­heit AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr, aber auch die mythische Kaiserin Jingū KōgōJingū Kōgō 神功皇后 mytholog. Herrscherin; Witwe des 14. Tennō, Chūai, und Mutter des Ōjin Tennō TaubenDainihonshiPraehistorieHimiko... mehr führt zu ihrer Zeit das Zepter über eine ganze Nation. Zur Zeit der Ab­fassung der Mythen waren weibliche Tenno tat­säch­lich keine Selten­heit. Im Laufe des japanischen Alter­tums scheint die Stellung der Frau jedoch schwächer ge­worden zu sein. Das wirkte sich auch in der Welt der Götter aus. Offen­bar tat man sich immer schwerer damit, die wichtigste Ahnen­gott­heit des Tenno in weiblicher Gestalt zu ver­ehren. Auf den seltenen Dar­stel­lungen aus dem Mittel­alter erscheint Amaterasu daher meist als Mann. Noch in der frühen EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit herrschte die Dar­stel­lung von Amaterasu als Jüngling vor. In dieser Zeit wurde der Name Amaterasu Ōmikami im übrigen sino-japanisch Tenshō DaijinTenshō Daijin 天照大神 sinojap. Lesung von Amaterasu Ōmikami aus­ge­sprochen. Erst später, als unter dem Einfluss der kokugakukokugaku 国学 „Lehre des Landes“, Nationale Schule, Nativismus; in der Edo-Zeit entstandene Gelehrtentradtion, die ihren Fokus auf das nationale Erbe Japans richtete OkuninushiBakumatsuKokugakuShinto MittelalterStaatsshinto... mehr-Gelehrten der einheimische Mythos wieder deutlicher ins all­gemeine Bewusst­sein trat, etablierte sich die heute gängige Form, wie sie etwa auf dem Holz­schnitt rechts zu sehen ist.

Ganz allgemein kann man aus diesen Beispielen schließen, dass die persönliche Identität einer Schrein­gott­heit wesentlich variabler ist als man aus der Sicht einer mono­theistischen Religion vermuten würde. In vielen Fällen werden Schreine daher mit ihrem Ortsnamen identifiziert. Selbst der Haupt­schrein von Amaterasu, der Ahnen­schrein des Tenno in IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū) KamidanaPilgerschaftBautenHachimanKasuga... mehr wird nicht als „Amaterasu Schrein“ sondern als „Götter­palast von Ise“ (Ise JingūIse Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie Ise IzumoSchreinanlage IseTaubenKami KulteNara... mehr) bezeichnet. Dass die verehrte Gottheit Amaterasu heißt, mag in diesem Fall noch all­ge­mein bekannt sein. Aber welche Gott­heit ihren Sitz im eben­so populären Izumo SchreinIzumo Taisha 出雲大社 Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane) PhalluskulteIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiEbisu... mehr hat, ist selbst in Japan weithin unbekannt. Man besucht die be­rühmten Schreine von NikkōNikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein Bekannte SchreineNikkoBerg KoyaSchreinanlage IseReichseinigung... mehr oder MiyajimaMiyajima 宮島 Schreininsel nahe Hiroshima; s.a. Itsukushima Schrein Bekannte SchreineItsukushimaTorii und bringt ihren Gott­heiten den ge­bührenden Respekt ent­gegen, aber man spricht immer nur vom Orts­namen dieser Schreine, kaum je von der dort ver­ehrten Gott­heit. Aus­nahmen stellen HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr-, InariInari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewacht Bekannte SchreineFushimiBerg KoyaImaginaere Tiere... mehr- und TenjinTenjin 天神 wtl. „Himmelsgott“, s.a. Tenman Tenjin Bekannte SchreineTenjinGeisterSymboltiere-Schreine (s. Bekannte Schreine) dar. Interessanter­weise sind all dies Gott­heiten, die erst in historischer Zeit und unter bud­dhis­tischem Einfluss entstanden sind.

Buddhistische Kami

Obwohl wie ein buddhistischer Mönch gekleidet, ist auch die Figur rechts ein kami. Es ist HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr, ein Gott, der ur­sprüng­lich von der West­insel Kyushu stammt aber bereits seit der NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr Zeit (710–784) landes­weit ver­ehrt wurde. Der Hachiman Glaube wurde be­sonders vom Buddhismus gefördert, denn Hachiman wurde als einer der ersten kami in das buddhistische Pantheon integriert und als zum Bud­dhis­mus bekehrte Gott­heit angesehen. 781 erhielt er vom Tenno (!) den Titel bosatsubosatsu 菩薩 Bodhisattva, buddhistische Heilsgestalt IkonographieKannon (Bodhisattva) und wurde ab da meist in Mönchs­tracht dar­ge­stellt. In späterer Zeit wurde Hachiman aber auch als Schutz­patron des Krieger­standes verehrt. In dieser Funktion wird er nicht als Mönch dar­ge­stellt. Somit wurde Hachiman rück­wirkend wieder in den Laien­stand ver­setzt. Noch heute ist er einer der populärsten kami Japans. (Siehe auch: Bekannte Schreine)

Hachiman war jedoch nicht der einzige einheimische Gott, der im Laufe der japanischen Religions­ge­schichte in den Dienst des Bud­dhis­mus trat. Viel­mehr wurden im Grund sämt­liche kami früher oder später in das bud­dhis­tische Pantheon integriert und als Schutz­gott­heit, bzw. als Inkarnation einzelner Buddhas oder Bodhisattvas dar­ge­stellt. (Mehr dazu im Kapitel „Geschichte“, Honji-suijaku.) Besonders deutlich ist dies auf den Mandalas von kami-Schreinen zu erkennen.

Schrein Mandalas

Ab der KamakuraKamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) HachimanItsukushimaKasugaBerg KoyaDaibutsu Statuen... mehr Zeit (13. Jh.) findet man japanische Gott­heiten auch auf sog. Mandalas (jp. mandaramandara 曼荼羅 Repräsentation eines religiösen Kosmos; japanische Aussprache von skt. mandala MandalaAstrologie) dar­ge­stellt. Es handelt sich dabei aber meist nicht um die abstrakten geo­metrischen Strukturen, die wir von den klassischen Mandalas des Buddhismus kennen. Vielmehr scheinen die ver­gleichs­weise freien Dar­stel­lungen buddhistischer Paradiese, die ebenfalls als Mandalas be­zeichnet wurden, für die Schrein Mandalas Pate gestanden zu haben.

Auf den Mandalas berühmter Schreine sieht man kami häufig paarweise mit Buddhas abgebildet. Diese Dar­stel­lung ist Aus­druck einer be­stimmten Auf­fassung vom Ver­hältnis zwischen Buddhas und kami, die von der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit bis zum Beginn der MeijiMeiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt FamilieGorintoJahrKamidanaMatsuri... mehr-Zeit gängig war: Buddhas wurden als „Urform“ (jap. honjihonji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku KasugaNikkoShotoku TaishiHonji suijakuShinto Mittelalter... mehr), kami als deren „Spur“ (suijakusuijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami KasugaHonji suijakuShinto Mittelalter), d.h. als sekundäre Er­scheinungs­form angesehen. Jede einzelne Gott­heit war demnach die Inkarnation eines bestimmten Buddhas. Diese Ver­mischung von bud­dhis­tischer und ein­heimischer Ikono­graphie stellte bis zur Meiji-Zeit kaum ein Problem dar. Man war lediglich unter­schied­licher An­sicht, welcher kami zu welchem Buddha ge­hörte. Die Schrein Mandalas dienten u.a. dazu, die spezifische Inter­pre­ta­tion bestimmter kami und ihrer Urformen zu illustrierten.

Ende des Kapitels „Ikonographie“

Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Die Ikonographie der kami.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.10.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Shinto-Goetter?oldid=17038