Niō-Wächterstatuen

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Niō-Wächterstatuen
Torwächter // Statuen, niō (Ton, bemalt). 711; Hōryū-ji, Nara; Höhe: ca. 380 cm // Bild © Ron Reznick, 2008 (letzter Zugriff: 2016/8) // Darstellung der Wächterfiguren (niō) des Hōryū-ji in Nara.
Torwächter des Hōryū-ji, Nara

Die beiden niōniō 仁王 Wächterfigur, Torwächter BautenNikkoTempelTempeltoreVajrapani... mehr des Hōryū-jiHōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ BautenTempelTempeltoreFruehzeitShotoku Taishi... mehr sind die ältesten buddhis­tischen Tor­wächter­skulp­turen Japans aus dem Jahr 711. Sie sind in unter­schied­lichen Farben gehalten (rot und blau/grün), was sich auch in spä­teren Bei­spielen oft findet. Der aktivere A-gyōA-gyō 阿形 Bez. für einen Typ von Wächtergottheit (niō) mit geöffnetem Mund; wtl. „A-Form“ (Figur, die ein „A“ ausspricht); Gegenstück von UN-gyō WaechtergoetterImaginaere Tiere (rechts), der seinen Arm zum Angriff erhebt, ist üblicher­weise rot, der kontrol­liertere UN-gyōUN-gyō 吽形 wtl. „HUM-Form“; Figur, die das Sanskritzeichen „HUM“, jap. un, ausspricht, und daher mit geschlossenem Mund dargestellt wird; Gegenstück von A-gyō (offener Mund); s.a. niō WaechtergoetterImaginaere Tiere (links) ist blau, was natür­lich auch einen Yin YangYin Yang 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie -Aspekt vermuten lässt. Der Un-gyō des Hōryū-ji trägt übrigens eine Art Band, das seinen Mund verschließt.

Tōdaiji: Unkeis Wächter

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Westlicher Torwächter des Tōdaiji (A-gyō) // Statue, niō (Holz, urspr. bemalt) von Unkei, Kaikei, u.a.. Kamakura-Zeit, 1203; „Nationalschatz“; Nandaimon, Tōdaiji, Nara; Höhe: 8,36 m // // Wächterfigur (niō) des Typs A-gyō am Nandaimon. Photo vor 1988.
Kongorikishi todaiji2.jpg
Östlicher Torwächter des Tōdaiji (Un-gyō) // Statue, niō (Holz, urspr. bemalt) von Jōkaku, Tankei u.a.. Kamakura-Zeit, 1203; „Nationalschatz“; Nandaimon, Tōdaiji, Nara; Höhe: 8,43 m // // Wächterfigur (niō) des Typs UN-gyō am Nandaimon. Photo vor 1988. Aus der Perspektive dieser Photographie wirkt der Kopf etwas zu groß. Dies wurde jedoch mit Absicht so ausgeführt, da die über acht Meter große Statue auf diese Weise von unten — also vom üblichen Blickpunkt aus — natürlicher wirkt. Man nennt diese Technik Anamorphose. Sie wurde in Japan bei vielen überdimensionalen Statuen angewendet, die für die Betrachtung aus einem nahen, tiefer gelegenen Winkel bestimmt waren. (S. z.B. den Kamakura Daibutsu.)
Torwächter des Südlichen Haupttores ( Nandaimon) des Tōdaiji, Nara

Die beiden Wächter des TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel SogiyaBekannte SchreineHachimanKasugaBekannte Tempel... mehr, die den DaibutsuDaibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statue von Nara bewachen, sind mit etwa 8,5m Höhe die größten hölzer­nen niō in Japan. Sie stammen aus der Werk­statt des berühmten Bild­hauer­meisters UnkeiUnkei 運慶 ca.1150–1223; berühmtester Bildhauer-Mönch der sog. Kei-Schule (Kei-ha), bekannt für einen besonders realistischen und zugleich dynamischen Stil Heilige und wurden 1203 in nur 69 Tagen fertig gestellt. Die ganze Tempel­anlage war 1181 im Zuge des GenpeiGenpei Gassen 源平合戦 Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185 HachimanItsukushimaShimenawaTempeltoreDaibutsu Statuen... mehr-Krieges abge­brannt. Die beiden Statuen ent­standen also im Zuge von Reno­vierungs­arbeiten an der Halle des Großen Buddha. Beide sind aus extrem vielen Holz­teilen zu­sammen­gesetzt, da große Holz­blöcke zu dieser Zeit rar waren.

Weitere Beispiele

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Niō, Berg Kōya // Statue, niō (Holz, bemalt); Berg Kōya // Bild © Reggie Thomson, 2002 (letzter Zugriff: 2016/8) // Effektvoll beleuchteter niō auf dem Kōya-san.
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Niō // Statue, niō; Omote-mon, Nikkō // Bild © Ron Reznick, 2008 (letzter Zugriff: 2010/9) // Beide niō sind ganz in rot.
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Niō // Statue, niō; Taiyū-in, Teil der Schreinanlage von Nikkō // Bildquelle: TOKYO VIEWS, (Matsui Fumio) flickr 2010 (letzter Zugriff: 2016/8) // Niō Wächterfiguren in rot.
Nikko ngyo.jpg
Niō // Statue, niō; Tōshō-gū, Nikkō // Bild © Nihon no bi (letzter Zugriff: 2016/8) // Niō des Typs UN-gyō in der Schreinanlage von Nikkō, rot bemalt (obwohl dieser Typus oft eine grünlich-bläuliche Hautfarbe hat).
Nio shitennoji.jpg
Niō // Statue, niō; Shitennō-ji, Osaka // Bildquelle: automatography, flickr 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Niō-Wächterstatuen. An diesen vergleichsweise jungen Beispielen, kann man die unterschiedliche Bemalung (Agyō — rot, Ungyō — blau) gut erkennen.
Nio sanboin.jpg
Niō // Statue, niō; Sanbōin, Daigo-ji, Kyōto // Bild © Foundation J.-E. Berger (letzter Zugriff: 2011/7) // Niō-Wächterstatuen.
Nio tenshoji niigata.jpg
Niō // Statue, niō; Tenshō-ji, Minami Uonomiya, Präfektur Niigata // Bild © Ichinohe Shinya, 2007 (letzter Zugriff: 2007/5) // Wie hier gut zu erkennen ist, sind die meisten Torwächter (niō) durch dünne Gitternetze geschützt, was leider oft ihre Sichtbarkeit reduziert.
Nio zenkoji.jpg
Niō-Wächter, Zenkō-ji // Statue, niō (Holz) von Takamura Kōun und Yonehara Unkai. 1918; Zenkō-ji, Nagano, Nagano-ken // Bildquelle: Yokohamanote (letzter Zugriff: 2016/8) // Niō-Paar des Zenkō-ji, des wichtigsten Tempels der Stadt Nagano. Trotz Beibehaltung der traditionellen Ikonographie sind hier die Einflüsse einer westlich-naturalistischen Körperdarstellung gut zu erkennen.
Nio jinguji.jpg
Niō // Statue, niō; Wakasa Jingū-ji, Obama, Präfektur Fukui // Bild © 663highland, Wikimedia Commons (jap.), 2010 (letzter Zugriff: 2016/8) // Hier ist die Körpersprache der beiden Wächterfiguren (niō) — UN-gyō (geschlossener Mund) beruhigend, A-gyō (offener Mund) aufbrausend — besonders gut zu erkennen.
Nio sokenji.jpg
Niō // Statue, niō (Holz, bemalt). Muromachi-Zeit, 1467; Sōken-ji, Shiga-ken; Höhe: ca. 212cm --> // Bild © Shinbutsu imasu Ōmi (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Niō mit besonders kräftigen Oberarmen.
Nio shokoji kunisaki kaze.jpg
Tempelwächter // Statuen, niō (Stein); Shōkō-ji, Halbinsel Kunisaki, Kyūshū // Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind (letzter Zugriff: 2016/8) // Rezente Plastiken von Tempelwächter (niō) aus dem Gebiet von Kunisaki, Kyūshū, ein Gebiet, das für seine zahlreichen buddhistischen Steinskulpturen bekannt ist.
Nio ninnaji.jpg
Niō des Ninna-ji // Statue, niō (Holz, bemalt). Frühe Edo-Zeit, 1637–46; Ninna-ji, Kyōto // Bild © 663highland, Wikimedia Commons, 2010 (bearbeitet) (letzter Zugriff: 2016/9) // Die niō sind von Zaunpfählen umgeben, die die Form eines einzackigen vajra — ein häufiges Attribut der niō — haben.
Nio ryuunji.jpg
Niō // Statue, niō (Stein); Ryūun-ji, Bungo Takada-shi, Kunisaki, Kyūshū // Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind, 2012 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Diese beiden Torwächter (niō) scheinen per Handy miteinander zu kommunizieren.
Nio shirahige kunisaki kaze.jpg
Niō // Statue, niō (Stein); Shirahige Jinja, Halbinsel Kunisaki, Kyūshū // Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Weitere Beispiele von Wächterstatuen (niō) aus dem Gebiet von Kunisaki in Kyūshū. Diese beiden bewachen ausnahmesweise einen Shintō-Schrein, keinen buddhistischen Tempel. Trotz ihres eher schlichten Stils kann man erkennen, dass sich die essenziellen ikonographischen Details (Mund, Handgeste, Frisur, Schal) seit der Nara-Zeit bis auf den heutigen Tag gehalten haben. Nur die Waffe der niō, der einspießige Vajra, scheint in diesem Fall der Korrosion zum Opfer gefallen zu sein.
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Geschichtliches

Die Grundform der niō — einmal mit offenem, einmal mit geschlossenem Mund; einmal zum Angriff ansetzend, einmal abwehrend — ist in Japan über viele Jahrhunderte dieselbe geblieben und hat sich sogar auf andere Figurenpaare, etwa die komainukomainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden NikkoSchreineImaginaere TiereKomainu... mehr übertragen. In China und Korea scheint sie hingegen nicht auf den entsprechenden Figuren auf. Es liegt also nahe, hier eine japanische Stilvariante anzunehmen. In den Tausend-Budda-Höhlen von DunhuangDunhuang 敦煌 Oasenstadt an der Seidenstraße zwischen dem Tarim-Becken und China; zumeist von China, aber zeitweise auch von Tibet beherrschtes Handelszentrum; buddhistisches Zentrum mit ausgedehnten Höhlentempeln Bishamon-tenShotoku TaishiBuddhas Leben, die über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten waren und den Stand des chinesischen Buddhismus aus der TangTang chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 TempelBishamon-tenBuddhas LebenJenseits... mehr und SongSong chin. Herrschaftsdynastie, 960–1279 ArhatsBishamon-tenKamikaze-Zeit bewahrt haben, sind allerdings doch vergleichbare Beispiele zu finden, bemerkenswerterweise sogar auf Papier:

Wächterstatuen, Dunhuang // Skizze, niō (Papier, Tusche). Vor ca. 1000 u.Z.; Mogao Höhlen, Dunhuang, China; 29,5 x 42cm // Bild © British Library, (IDP, International Dunhuang Project) (letzter Zugriff: 2015/9/1) // Zwei Wächterfiguren (jap. niō) in den heute noch in Japan klassischen Posen.
Niō aus Dunhuang

Diese Skizze ist wahrscheinlich jünger als die beiden oben gezeigten Torwächter des Hōryū-ji, sie beweist aber, dass es auch in Dunhang, dem chinesischen Tor zur Seidenstraße im äußersten Westen des chinesischen Einflussgebietes, die gleiche niō-Ikonographie gab wie in Japan.

Es ist im übrigen möglich, dass sich die ansons­ten in Ost­asien unüb­liche Betonung des musku­lösen Körpers, der in der niō-Ikono­graphie so stark zum Ausdruck kommt, auf die Figur des Herakles zurück­führen lässt, mit der der frühe Buddhis­mus auf seinem Weg durch Zentral­asien zusam­mentraf. Siehe dazu die Spezialseite Vajrapani.

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Ikonographie 
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Niō-Wächterstatuen.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.8.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Waechtergoetter/Nio?oldid=70184