Mythen/Goetter der Erde: Unterschied zwischen den Versionen

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(Susanoo und Ōkuninushi)
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Nachdem {{glossar:amaterasu}} dank des Zusammenwirkens der gesamten Götter·schar wieder aus ihrer Höhle heraus·gelockt worden ist, wird {{glossar:susanoo}} einer Reihe von Strafen und Foltern unterworfen und schließlich endgültig in die Unter·welt verbannt. Als erzieherische Maßnahme hat die Ver·bannung offen·sicht·lich Erfolg. Auf dem Weg in die Unterwelt kommt Susanoo auch auf die Erde (genauer: in das Land [[Bauten:Ise_Izumo | Izumo]]) und nimmt dort, ganz der [[Mythen:Götter_des_Himmels/Trickster | Trickster-Definition]] von Eliade folgend, die Rolle eines Kulturheroen an. So rettet er etwa ein Mädchen vor der acht·köpfigen Schlange {{glossar:yamatanoorochi}}, welche die Menschen terrorisiert. Der Mythos erwähnt aber auch, dass aus seinen Haaren nützliche Bäume ent·stehen und bringt ihn außer·dem mit der Erfindung des Sake in Verbindung.
 
Nachdem {{glossar:amaterasu}} dank des Zusammenwirkens der gesamten Götter·schar wieder aus ihrer Höhle heraus·gelockt worden ist, wird {{glossar:susanoo}} einer Reihe von Strafen und Foltern unterworfen und schließlich endgültig in die Unter·welt verbannt. Als erzieherische Maßnahme hat die Ver·bannung offen·sicht·lich Erfolg. Auf dem Weg in die Unterwelt kommt Susanoo auch auf die Erde (genauer: in das Land [[Bauten:Ise_Izumo | Izumo]]) und nimmt dort, ganz der [[Mythen:Götter_des_Himmels/Trickster | Trickster-Definition]] von Eliade folgend, die Rolle eines Kulturheroen an. So rettet er etwa ein Mädchen vor der acht·köpfigen Schlange {{glossar:yamatanoorochi}}, welche die Menschen terrorisiert. Der Mythos erwähnt aber auch, dass aus seinen Haaren nützliche Bäume ent·stehen und bringt ihn außer·dem mit der Erfindung des Sake in Verbindung.
  
Mit dem geretteten Mädchen, der Prinzessin Kushinada-hime, zeugt Susanoo eine neue Herrscher·dynastie auf Erden. Die Geschichten dieser Nachkommen sind vor allem im {{Glossar:Kojiki}} zu finden. Vieles deutet daraufhin, dass sie einem eigenen Mythen·kreis ent·stammen und in den Erzählungen rund um die Sonnen·gott·heit ursprünglich gar nicht vorkamen. Denn in gewisser Weise wird die Welt durch diese Nachkommen des Susanoo ein weiteres Mal neu geschaffen. Die Hauptgötter dieser Episode werden vor allem im Groß·schrein von {{glossar:izumotaisha|Izumo}} verehrt und sind auch in den Mythen eng mit dieser Region nordwestlich von Kyoto verbunden. Man kann daher an·nehmen, dass es in Izumo ur·sprüng·lich einen eigenen Sagen·kreis gab, der in ''Kojiki'' und {{Glossar:Nihonshoki}} nur notdürftig mit dem Amaterasu-Sagen·kreis ver·bunden wurde. Susanoo stellt sozusagen das Binde·glied zwischen diesen Erzählungen dar.
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Mit dem geretteten Mädchen, der {{glossar:kushinadahime|Prinzessin Kushinada-hime}}, zeugt Susanoo eine neue Herrscher·dynastie auf Erden. Die Geschichten dieser Nachkommen sind vor allem im {{Glossar:Kojiki}} zu finden. Vieles deutet daraufhin, dass sie einem eigenen Mythen·kreis ent·stammen und in den Erzählungen rund um die Sonnen·gott·heit ursprünglich gar nicht vorkamen. Denn in gewisser Weise wird die Welt durch diese Nachkommen des Susanoo ein weiteres Mal neu geschaffen. Die Hauptgötter dieser Episode werden vor allem im Groß·schrein von {{glossar:izumotaisha|Izumo}} verehrt und sind auch in den Mythen eng mit dieser Region nordwestlich von Kyoto verbunden. Man kann daher an·nehmen, dass es in Izumo ur·sprüng·lich einen eigenen Sagen·kreis gab, der in ''Kojiki'' und {{Glossar:Nihonshoki}} nur notdürftig mit dem Amaterasu-Sagen·kreis ver·bunden wurde. Susanoo stellt sozusagen das Binde·glied zwischen diesen Erzählungen dar.
  
 
Der Hauptheld des Izumo Sagenkreises heißt aller·dings nicht Susanoo, sondern {{glossar:ookuninushi}} — der „Große Landesherr“. Er ist der Sohn des Susanoo (nach einer anderen Version ein Ab·kömmling in der fünften oder sechsten Generation) und muss — selbst eine Art Trickster Gott·heit — erst eine Reihe von Qualen und Demütigungen durch·stehen, bevor er schließlich Herr des Landes wird und zusammen mit einer weiteren Schöpfergottheit, dem winzigen {{Glossar:Sukonabikona | Sukunabikona}}, die Erde in ihren nun·mehrigen Zustand bringt. Wie auf der [[Mythen:Götter_der_Erde/Okuninushi | Sidepage]] zu Ōkuninushi genauer be·schrieben, steht Ōkuninushi stellvertretend für eine ganze Reihe von Territorial·gott·heiten, die noch in den späteren Er·zählungen einzelner Tenno immer wieder auftauchen und die Geschicke des Landes maßgeblich mitgestalten.
 
Der Hauptheld des Izumo Sagenkreises heißt aller·dings nicht Susanoo, sondern {{glossar:ookuninushi}} — der „Große Landesherr“. Er ist der Sohn des Susanoo (nach einer anderen Version ein Ab·kömmling in der fünften oder sechsten Generation) und muss — selbst eine Art Trickster Gott·heit — erst eine Reihe von Qualen und Demütigungen durch·stehen, bevor er schließlich Herr des Landes wird und zusammen mit einer weiteren Schöpfergottheit, dem winzigen {{Glossar:Sukonabikona | Sukunabikona}}, die Erde in ihren nun·mehrigen Zustand bringt. Wie auf der [[Mythen:Götter_der_Erde/Okuninushi | Sidepage]] zu Ōkuninushi genauer be·schrieben, steht Ōkuninushi stellvertretend für eine ganze Reihe von Territorial·gott·heiten, die noch in den späteren Er·zählungen einzelner Tenno immer wieder auftauchen und die Geschicke des Landes maßgeblich mitgestalten.

Version vom 12. Oktober 2010, 16:29 Uhr

Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde

Die Begriffe Götter des Himmels und Götter der Erde (ama-tsu-kamiama-tsu-kami 天津神 Götter des Himmels OkuninushiEbisu, bzw. kuni-tsu-kamikuni-tsu-kami 国津神 Götter der Erde Okuninushi) spielten zur Zeit der schrift­lichen Fixierung der Mythen (um 700) offenbar eine wichtige Rolle. Im all­gemeinen vers­tehen die frühen Chroniken darunter einer­seits die gött­lichen Vor­fahren des TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr und seiner un­mittel­baren Vasallen, die im Himmel (Takama no haraTakama no Hara/ Takamagahara 高天原 wtl. „Die himmlischen Gefilde“, mythol. Bez. für das Reich der Himmlischen Götter EbisuGoetter des Himmels) residieren, andererseits die göttlichen Vor­fahren der meisten anderen territorialen Klans der Frühzeit. Die Mythen von den Göttern der Erde schildern (und begründen), wie die Hierachie zwischen diesen Gruppen zu­stande kommt, und be­handeln damit letzlich nichts anderes als das Zu­stande­kommen des frühen japanischen Staates.

Susanoo und Ōkuninushi

Nachdem AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr dank des Zusammenwirkens der gesamten Götter­schar wieder aus ihrer Höhle heraus­gelockt worden ist, wird SusanooSusanoo 須佐之男 mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott MatsuriItsukushimaShimenawaOkuninushiOpfer... mehr einer Reihe von Strafen und Foltern unterworfen und schließlich endgültig in die Unter­welt verbannt. Als erzieherische Maßnahme hat die Ver­bannung offen­sicht­lich Erfolg. Auf dem Weg in die Unterwelt kommt Susanoo auch auf die Erde (genauer: in das Land Izumo) und nimmt dort, ganz der Trickster-Definition von Eliade folgend, die Rolle eines Kulturheroen an. So rettet er etwa ein Mädchen vor der acht­köpfigen Schlange Yamata no OrochiYamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfen; wtl. „achtfach gegabelte Schlange“; wird von Susanoo besiegt RegenmachenTricksterUzumeImaginaere Tiere... mehr, welche die Menschen terrorisiert. Der Mythos erwähnt aber auch, dass aus seinen Haaren nützliche Bäume ent­stehen und bringt ihn außer­dem mit der Erfindung des Sake in Verbindung.

Mit dem geretteten Mädchen, der Prinzessin Kushinada-himeKushinada-hime 奇稲田姫 Ehefrau Susanoos, Mutter bzw. Ahnin Ōkuninushis , zeugt Susanoo eine neue Herrscher­dynastie auf Erden. Die Geschichten dieser Nachkommen sind vor allem im KojikiKojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiOkuninushi... mehr zu finden. Vieles deutet daraufhin, dass sie einem eigenen Mythen­kreis ent­stammen und in den Erzählungen rund um die Sonnen­gott­heit ursprünglich gar nicht vorkamen. Denn in gewisser Weise wird die Welt durch diese Nachkommen des Susanoo ein weiteres Mal neu geschaffen. Die Hauptgötter dieser Episode werden vor allem im Groß­schrein von IzumoIzumo Taisha 出雲大社 Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane) PhalluskulteIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiEbisu... mehr verehrt und sind auch in den Mythen eng mit dieser Region nordwestlich von Kyoto verbunden. Man kann daher an­nehmen, dass es in Izumo ur­sprüng­lich einen eigenen Sagen­kreis gab, der in Kojiki und Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr nur notdürftig mit dem Amaterasu-Sagen­kreis ver­bunden wurde. Susanoo stellt sozusagen das Binde­glied zwischen diesen Erzählungen dar.

Der Hauptheld des Izumo Sagenkreises heißt aller­dings nicht Susanoo, sondern ŌkuninushiŌkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes Bekannte TempelIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiGluecksgoetter... mehr — der „Große Landesherr“. Er ist der Sohn des Susanoo (nach einer anderen Version ein Ab­kömmling in der fünften oder sechsten Generation) und muss — selbst eine Art Trickster Gott­heit — erst eine Reihe von Qualen und Demütigungen durch­stehen, bevor er schließlich Herr des Landes wird und zusammen mit einer weiteren Schöpfergottheit, dem winzigen Glossar:Sukonabikona, die Erde in ihren nun­mehrigen Zustand bringt. Wie auf der Sidepage zu Ōkuninushi genauer be­schrieben, steht Ōkuninushi stellvertretend für eine ganze Reihe von Territorial­gott­heiten, die noch in den späteren Er­zählungen einzelner Tenno immer wieder auftauchen und die Geschicke des Landes maßgeblich mitgestalten.

Die Entmachtung des Ōkuninushi

Die Verbindung zwischen den Mythen der „Himmlischen Götter“ und den Erzählungen von Ōkuninushis Gestaltung der Welt stellt die Episode von Ōkuninushis Ent­machtung dar. Es ist die Geschichte einer Kolonisation, die den Chroniken zufolge lediglich mit sanfter Gewalt durch­geführt wird: Zunächst entsenden die Himmli­schen Götter Boten aus ihren eigenen Reihen, die Ōkuninushi über­zeugen sollen, dass es das beste für ihn sei, den Nach­kommen der Sonnen­gottheit kampflos die Herr­schaft zu über­lassen. Ōkuninushi gelingt es zwar, die ersten Boten von ihrer Mission abzubringen, indem er sie mit Luxus über­häuft und zum Bleiben überredet, doch schließlich sendet der Himmel seine bewähr­testen Haudegen, TakemikazuchiTakemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrt KasugaOkuninushiWind und DonnerNamazu-e und FutsunushiFutsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgott KasugaOkuninushi. (Die beiden sind aus Feuer und Schwert her­vor­ge­gan­gen und zwar in genau jener Epi­sode, als Göttervater IzanagiIzanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) Hadaka matsuriOkuninushiGluecksgoetterEbisuMythen... mehr das Feuerkind in Stücke schlug, das den Tod der Göttermutter IzanamiIzanami 伊耶那美/伊奘冉 Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung) OkuninushiGluecksgoetterEbisuWind und DonnerMythen... mehr ver­ur­sacht hatte.) Als diese beiden „Feuer-Schwert-Götter“ dem Ōkuninushi ihre Schwert­künste demon­strieren, ist er schließ­lich bereit ab­zu­dan­ken und zieht sich an einen myste­riösen Ort (die Unterwelt?) zurück. Statt ihm soll nun NinigiNinigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus ItsukushimaSchreinanlage IseOkuninushiShinto-Goetter... mehr, der Enkel der Sonnengottheit, die Welt (bzw. Japan) regieren.

In dieser Episode zeichnet sich ein politischer Gegensatz zwischen einem Herrschergeschlecht in der Gegend des Izumo Schreins (wo Susanoo und Ōkuninushi verehrt werden) und dem Tenno Geschlecht ab. Die Erzählung trägt deutlich pro­pagan­distische Züge, indem sie den Anschluss Izumos an das „Reich der Himmlischen Götter“ als freiwilligen Herrschafts­verzicht einer Lokal­dynastie darstellt und allfällige Gewalt­anwendungen fast vollkommen übergeht. Nur am Rande ist davon die Rede, dass einige aufmüpfige Götter im Gefolge des Ōkuninushi bestraft werden mussten. Ein mehrfach wiederholter Stehsatz lautet, dass Bäume und Gräser, die zur Zeit Ōkuninushis vorlaut durch­ein­ander­quasselten, nun endlich zum Schweigen gebracht wurden. Trotzdem deutet sich an, dass die Ent­machtung Ōkuninushis nicht ganz ohne Widerstand erfolgte. Wie der weitere Verlauf der Erzählung ausführt, ist die Etablierung der Sonnen­dynastie auch mit Ninigi noch lange nicht abgeschlossen. (Siehe dazu auch den Essay zu Ōkuninushi.)

Die Dynastie des „Himmlischen Enkelsohns“

Ninigi, der Himmlische Enkelsohn, wählt als Ort seines Abstiegs interes­santer­weise weder Izumo, noch die zentral­japanische Kansai Region, sondern das von zahl­reichen Vulkanen zerklüftete Hochland Takachiho im Zentrum der Insel Kyushu. Auf diese Weise bezieht die mythische Erzählung von der Staats­gründung Japans eine weitere Groß­landschaft mit ein, nämlich Kyushu, das seit altersher eine Brücke zwischen der Hauptinsel Honshu und der koreanischen Halbinsel bildet.

Der ideologische Charakter der Ninigi-Episode äußert sich meines Erachtens u.a. darin, dass seine Figur merk­würd flach und farblos bleibt. Die einzigen Gestalten, die bei seinem Abstieg augen­fällig in Erscheinung treten, sind ein langnasiger Berggott namens SarutahikoSarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in tengu-ähnlicher Gestalt Schreinanlage IseUzumeSymboltiereTengu... mehr, eine Art tengutengu 天狗 wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen PhalluskulteYamabushiBishamon-tenShinto Mittelalter... mehr, der den himmlischen Göttern mit zweifelhaften Drohgebärden entgegen tritt, und die bereits erwähnte temperament­volle Ame no UzumeAme no Uzume 天鈿女/天宇受賣 mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters SchreinpriesterSchreinanlage IseGluecksgoetterGoetter des Himmels... mehr. Diese Ahn­herrin des japanischen Theaters entblößt ein weiteres Mal ihre Brüste und drängt damit den un­heim­lichen Sarutahiko in die Defensive, sodass er sich bereit erklärt, Ninigi sicher zur Erde zu geleiten. Ame no Uzume und Sarutahiko werden schließlich ein Paar.

Von Ninigi wird nur noch berichtet, dass er mit der Tochter eines lokalen Gottes drei Söhne zeugt, die myste­riöser­weise nach eintägiger Schwangerschaft zur Welt kommen. Die Geschichte dieser Nach­kommen eröffnet ein weiteres mythologisches Kapitel, das geographisch in Kyushu an­ge­siedelt ist und mit den vor­her­ge­gangen Erzählungen kaum etwas gemein hat. Es beginnt mit einer Art Kain-und-Abel Geschichte von der Konkurrenz zweier Brüder (der dritte fällt unter den Tisch). Der gute jüngere wird vom bösen älteren Bruder gezwungen, einen ver­lorenen Angelhaken zu suchen, gerät dabei zum Palast des Meeresgottes, der in Gestalt eines Drachens am Grunde des Meeres residiert, und ver­mählt sich mit seiner Tochter. Mit Hilfe seines mächtigen Schwieger­vaters gelingt es dem jüngeren Bruder letztlich, den bösen älteren Bruder zu besiegen.

Ein Urenkel Ninigis und zugleich Urenkel des Drachen/ Meeresgottes ist Jinmu TennōJinmu Tennō 神武天皇 wtl. „göttlicher Krieger“; gemäß den japanischen Mythen der erste menschliche Herrscher (Tennō) Japans OkuninushiDainihonshiStaatsshintoKyoiku chokugo... mehr, der den Chroniken zufolge der erste menschliche Herrscher des Sonnen­geschlechts ist und daher als der erste Tenno ge­handelt wird. Worin er sich konkret von den Göttern unter­scheidet, bleibt aller­dings weit­gehend unklar. Jinmu Tenno steht aber auch insofern an der Schwelle von Mythos und Geschichte, als er als sieg­reicher Anführer eines historisch bis zu einem gewissen Grad nach­voll­zieh­baren Feldzugs ge­schildert wird. Von Kyushu aus erobert er die zentral­japanischen Provinzen der Kansai Region, die mit den späteren Haupt­städten NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr und Kyoto zum Ausgangs­punkt eines zentralisierten landes­weiten Staats­gebildes werden. Es ist dieser Feldzug, von dem die Tenno-Dynastie ihren Macht­anspruch über ganz Japan ableitet.

Mit Jinmu Tenno endet das Zeitalter der Götter. In den beiden ältesten Chroniken KojikiKojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiOkuninushi... mehr und Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr folgt nun eine Chronologie der nach­folgenden Tenno, die immer stärker die Züge einer historio­graphischen Aufzeichnung annimmt. Dennoch ist heute offen­kundig, dass die Rekonstruktion der Tenno-Genealogie ein Werk des siebenten Jahr­hunderts ist und trotz einiger historisch ernst zu nehmender Details auch viele nach­trägliche Geschichts­mani­pula­tionen be­inhaltet. Neben trocken-sachlichen Aufzählungen von Namen und Daten ent­halten auch die Chroniken der späteren Tenno viele mythologische Episoden. Die viel­leicht inte­res­san­teste Erzählung handelt vom Eroberungs­feldzug der Kaiserin Jingū KōgōJingū Kōgō 神功皇后 mytholog. Herrscherin; Witwe des 14. Tennō, Chūai, und Mutter des Ōjin Tennō TaubenDainihonshiPraehistorieHimikoShinto-Goetter... mehr nach Korea. Nachdem sie für die Dauer der Schlacht ihre Schwangerschaft hinaus­gezögert hat, bringt die Kaiserin schließlich einen Sohn zur Welt, den späteren Ōjin TennōŌjin Tennō 応神天皇 auch Homuda Wake 誉田別; mytholog. Herrscher, offiziell der 15. Tennō; trad. Lebensdaten: 200–310, r. 270–310 HachimanTaubenHonji suijakuShinto-Goetter, der sich in einem anderen Sagen­kreis als der Gott HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr reinkarniert und neben Amaterasu zum wichtigsten Ahnengott des Tenno-Hauses avanciert.

Mythologische Motive in Märchen und Legenden

Urashima tr2.gif

Neben den hier geschilderten „offiziellen Mythen“ gibt es noch eine Vielzahl von Märchen und Legenden, die ebenfalls mythische Züge tragen und in zahl­rei­chen Varianten erzählt werden. Am bekann­testen ist vielleicht die Geschichte von Urashima TarōUrashima Tarō 浦島太郎 Held einer berühmten Sage; heiratet eine Meeresprinzessin, verbringt mit ihr drei Jahre im Meerespalast, kehrt nach Hause zurück und stellt fest, dass nicht drei, sondern dreihundert Jahre seit seinem Fortgang vergangen sind. EbisuSymboltiere, dem Fischer, der eine Schildkröte rettet, dafür die Tochter des Drachen­königs am Grunde des Meeres heiratet, schließlich aber aus Sehn­sucht zurück in sein Heimat­dorf will. Dort an­ge­kommen stellt er fest, dass während seines Auf­ent­halts im Drachen­palast viele hundert Jahre vergangen sind. Als er in seiner Ver­zweiflung das Schatz­käst­chen öffnet, das ihm seine Frau mit­ge­geben hat, verliert er auch noch die Gabe der ewigen Jugend und stirbt.

Dem Drachenkönig am Grunde des Meeres begegnet man also bereits in den ältesten Mythen. Dieses Motiv ist in ganz Asien ver­breitet und auch in buddhistischen Legenden präsent. Aus diesen gemein­sa­men Motiven in Mythen und Legenden lässt sich ermessen, wie groß die Einflüsse des Fest­lands auf die japanische Kultur schon vor der Über­nahme der chinesi­schen Schrift­kultur gewesen sein müssen. (S.a. Drachenbilder)

Weiter zu Mythen: Jenseits
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.10.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Goetter_der_Erde?oldid=17047