Mythen/Imaginaere Tiere: Unterschied zwischen den Versionen

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Der Drache ist außer·dem das be·vor·zugte Tier der [[Texte:Yin und Yang/Tierkreis|Zwölf Tierkreiszeichen]] des chinesischen Kalenders (der auch in Japan Geltung hat). Und auch die vier Himmels·richtungen werden nach einer chinesischen Auf·fas·sung von Drachen be·herrscht (nach einer anderen Auf·fas·sung wird allerdings nur der Osten von einem blauen Drachen repräsentiert).
 
Der Drache ist außer·dem das be·vor·zugte Tier der [[Texte:Yin und Yang/Tierkreis|Zwölf Tierkreiszeichen]] des chinesischen Kalenders (der auch in Japan Geltung hat). Und auch die vier Himmels·richtungen werden nach einer chinesischen Auf·fas·sung von Drachen be·herrscht (nach einer anderen Auf·fas·sung wird allerdings nur der Osten von einem blauen Drachen repräsentiert).
  
Auch im Buddhismus ist der Drache als Gottheit aner·kannt. Buddhis·tische Drachen lassen sich zumeist auf die indischen {{skt:naga}}s zurück·führen, schlangen·artige Gottheiten, die neben den [[Ikonographie:Wächtergötter |Deva-Gottheiten]] eine eigene Kategorie von himmlischen Wesen dar·stellen. Der legendäre Begründer des {{skt:Mahayana}} Buddhismus, {{skt:Nagarjuna}} (2. Jh. u.Z.), soll seine neu·artigen {{skt:sutra|Sutren}} von den Nagas er·halten haben und trägt daher auch den Namen Nāga[a]rjuna, „Weißer Naga/Drache“. Auch in Indien sind die Nagas eng mit dem Wasser ver·bunden. Im Unter·schied zu den chinesischen Drachen sind sie jedoch eher niedrige, un·er·leuch·tete Kreaturen. In Japan lässt sich jedoch kaum ein Unter·schied zwischen buddhistischen Nagas und chinesischen Drachen feststellen.
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Auch im Buddhismus ist der Drache als Gottheit aner·kannt. Buddhis·tische Drachen lassen sich zumeist auf die indischen {{skt:naga}}s zurück·führen, schlangen·artige Gottheiten, die neben den [[Ikonographie:Wächtergötter |Deva-Gottheiten]] eine eigene Kategorie von himmlischen Wesen dar·stellen. Der legendäre Begründer des {{skt:Mahayana}} Buddhismus, {{skt:Nagarjuna}} (2. Jh. u.Z.), soll seine neu·artigen {{skt:sutra|Sutren}} von den Nagas er·halten haben und trägt daher auch den Namen Nāga[a]rjuna, „Weißer Naga/Drache“. Auch in Indien sind die Nagas eng mit dem Wasser ver·bunden. Im Unter·schied zu den chinesischen Drachen sind sie eher niedrige, un·er·leuch·tete Kreaturen. In Japan lässt sich jedoch kaum ein Unter·schied zwischen buddhistischen Nagas und chinesischen Drachen feststellen.
  
 
Die Verbundenheit mit dem Wasser äußert sich bei manchen Drachen im Besitz eines Edelsteins, mit dem sie Ebbe und Flut be·herrschen. Dieser Edelstein hat eine enge Ver·wandt·schaft mit dem buddhistischen Wunsch·erfüllungs·juwel ({{glossar:nyoinotama}}), das auch von {{skt:Bodhisattva}}s ge·tragen wird ([[Ikonographie:Kannon|Nyoirin Kannon]]). Schließ·lich werden Drachen auch für den Regen (oder das Ausbleiben des Regens) ver·ant·wort·lich gemacht und stehen daher in vielen asiatischen Ländern im Zentrum von rituellen Bitten und Zeremonien, um Regen herbeizuführen.
 
Die Verbundenheit mit dem Wasser äußert sich bei manchen Drachen im Besitz eines Edelsteins, mit dem sie Ebbe und Flut be·herrschen. Dieser Edelstein hat eine enge Ver·wandt·schaft mit dem buddhistischen Wunsch·erfüllungs·juwel ({{glossar:nyoinotama}}), das auch von {{skt:Bodhisattva}}s ge·tragen wird ([[Ikonographie:Kannon|Nyoirin Kannon]]). Schließ·lich werden Drachen auch für den Regen (oder das Ausbleiben des Regens) ver·ant·wort·lich gemacht und stehen daher in vielen asiatischen Ländern im Zentrum von rituellen Bitten und Zeremonien, um Regen herbeizuführen.

Version vom 28. August 2011, 23:14 Uhr

Tiergötter und Götterboten, Teil 1 Legendäre Tiere

In Japan können Tiere sowohl im Buddhismus als auch im Shinto religiös ver­ehrt werden. Neben den realen Tieren tauchen in der reli­giösen Vor­stel­lungs­welt zahl­reiche mythische oder legen­däre Kreaturen auf. Sie sind zumeist aus ver­schie­denen bekannten Tieren zusam­men­gesetzt und werden aus Sicht der reli­giösen Vor­stel­lungs­welt als ebenso real emp­funden wie diese. Legen­däre Tiere, allen voran die Drachen, sind lediglich „mächtiger“ als die anderen Arten. Umgekehrt werden auch realen Tieren ima­ginäre Eigen­schaf­ten nach­gesagt. So verfügen z.B. Füchse und Tanuki, aber auch Schlagen, Katzen und andere über die Fähigkeit, vorübergehend eine menschliche Gestalt anzunehmen. Schließlich gibt es Mischformen von Tier und Mensch, die als Gespenster oder yōkaiyōkai 妖怪 Fabelwesen, Geisterwesen, Gespenster BodhidharmaGeisterOni und KappaNamazu-e... mehr einzustufen sind und anhand von Tengu und Oni genauer behandelt werden.

Drachen

Drachen kombinieren äußerlich die anatomischen Stärken aller möglichen Tiere: die Schuppen von Fischen und Schlangen, die Klauen und Flügel von Vögeln, die Zähne und Pranken von Tigern, außerdem Hörner, Fühler, usw. Manche Drachen können auch mensch­liche Gestalt annehmen.

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    Wolkendrache (unryū) // Wandschirmmalerei von Kaihō Yūshō (1533–1615), Detail; im Besitz des Zen-Tempels Kennin-ji, Kyōto // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Drache (ryū) mit geschlossenem Maul („UN-Form“; UN-gyō). Das Pendant dieses Drachens ist mit offenem Maul („A-Form“; A-gyō) dargestellt. A steht für den Anfang (des Alphabets), UN für das Ende. Dieses A-UN Schema wird auch bei Torwächtern (Niō), Löwenhunden und anderen paarweise auftretenden Figuren gerne angewendet.
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    Wolkendrache (unryū) // Wandschirmmalerei von Kaihō Yūshō (1533–1615), Detail; im Besitz des Zen-Tempels Kennin-ji, Kyōto // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Drachenkopf mit offenem Maul („A-Form“; A-gyō). Das Pendant dieses Drachens (ryū) ist mit geschlossenem Maul („UN-Form“; UN-gyō) dargestellt. A steht für den Anfang (des Alphabets), UN für das Ende. Dieses A-UN Schema wird auch bei Torwächtern (Niō), Löwenhunden und anderen paarweise auftretenden Figuren gerne angewendet.
Wolkendrachen (unryū)

Auf dem Meeres­boden steht der Palast (RyūgūRyūgū 龍宮 Drachenpalast; mythologischer Ort am Meeresgrund ) des Drachenkönigs. Ein Urenkel der Sonnengottheit suchte einst diesen Drachenpalast auf, verliebte sich in eine Tochter des Drachen­königs, heiratete sie und nahm sie mit auf die Erde. Als er sie aber während der Geburt des ge­mein­samen Kindes in Drachen­gestalt er­blickte, zog sich die Drachen­tochter beschämt und ent­rüstet wieder ins Meer zurück. Ihr Sohn aber blieb auf Erden. Einer seiner Enkel war Jinmu TennōJinmu Tennō 神武天皇 wtl. „göttlicher Krieger“; gemäß den japanischen Mythen der erste menschliche Herrscher (Tennō) Japans OkuninushiDainihonshiStaatsshintoKyoiku chokugoGoetter der Erde... mehr, der erste japa­ni­sche „Kaiser“. Die TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr-Familie zählt somit nicht nur die Son­nen­gott­heit, son­dern auch den Dra­chen­gott zu ihren Ahnen (mehr dazu: Göt­ter­mythen, Teil 2).

Die Blutsverwandtschaft von Kaiserhaus und Drachen ist kein Zufall. Chinesischen Mythen zufolge stellt der Drache seit dem legen­dären Gelben Kaiser (Huang Di, leg.r. 2696–2598 v.u.Z.) das Symbol­tier der kaiser­lichen Herrschaft dar (ähnlich wie in Europa der Adler). Die Legende der drachen­artigen Vor­fahren des Tenno ent­stand also höchst­wahr­schein­lich aus dem Bedürfnis, dieses be­deu­tungs­volle Symbol­tier auch für das japanische Herrscher­haus zu instru­men­tali­sieren.

Der Drache ist außer­dem das be­vor­zugte Tier der Zwölf Tierkreiszeichen des chinesischen Kalenders (der auch in Japan Geltung hat). Und auch die vier Himmels­richtungen werden nach einer chinesischen Auf­fas­sung von Drachen be­herrscht (nach einer anderen Auf­fas­sung wird allerdings nur der Osten von einem blauen Drachen repräsentiert).

Auch im Buddhismus ist der Drache als Gottheit aner­kannt. Buddhis­tische Drachen lassen sich zumeist auf die indischen naganāga नाग „Schlange“, indische Schlangengottheit, jap. naka 那伽 RegenmachenTengus zurück­führen, schlangen­artige Gottheiten, die neben den Deva-Gottheiten eine eigene Kategorie von himmlischen Wesen dar­stellen. Der legendäre Begründer des MahayanaMahāyāna महायान „Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung, jap. Daijō 大乗 OpferVajrapaniKukaiSaichoBuddhismus... mehr Buddhismus, NagarjunaNāgārjuna नागार्जुन legendärer Begründer des Mahāyāna-Buddhismus, jap. Ryūju 龍樹 En no Gyoja (2. Jh. u.Z.), soll seine neu­artigen Sutrensūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismusFruehzeit... mehr von den Nagas er­halten haben und trägt daher auch den Namen Nāga[a]rjuna, „Weißer Naga/Drache“. Auch in Indien sind die Nagas eng mit dem Wasser ver­bunden. Im Unter­schied zu den chinesischen Drachen sind sie eher niedrige, un­er­leuch­tete Kreaturen. In Japan lässt sich jedoch kaum ein Unter­schied zwischen buddhistischen Nagas und chinesischen Drachen feststellen.

Die Verbundenheit mit dem Wasser äußert sich bei manchen Drachen im Besitz eines Edelsteins, mit dem sie Ebbe und Flut be­herrschen. Dieser Edelstein hat eine enge Ver­wandt­schaft mit dem buddhistischen Wunsch­erfüllungs­juwel (nyoi no tamanyoi no tama 如意の玉 Wunschperle, Wunschjuwel Bishamon-tenGluecksgoetterJizo), das auch von BodhisattvaBodhisattva बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“, jap. bosatsu 菩薩 ShichigosanPhalluskulteMoencheBekannte SchreineKasuga... mehrs ge­tragen wird (Nyoirin Kannon). Schließ­lich werden Drachen auch für den Regen (oder das Ausbleiben des Regens) ver­ant­wort­lich gemacht und stehen daher in vielen asiatischen Ländern im Zentrum von rituellen Bitten und Zeremonien, um Regen herbeizuführen.

Wasser und Drachen bilden also eine assoziative Einheit, daher auch die häufigen Drachenfiguren bei Brunnen (temizuyatemizuya 手水舎 Schrein- oder Tempelbrunnen zum Reinigen von Mund und Händen OmairiOmairi Knigge) am Eingang von Tempeln oder Schreinen. Als Herrscher über das lebens­wichtige Element des Wassers können Drachen natürlich auch be­droh­lich sein bzw. die Gefahr von Naturkatastrophen in sich bergen. Grund­sätz­lich besteht zu Drachen aber ein positives, von Respekt geprägtes Verhältnis.

Drachen und Schlangen

Die Grenzen zwischen Schlangen und Drachen sind fließend, aus ikono­gra­phischer Sicht zählen sie zweifellos zur selben Familie. In den klas­sischen japa­nischen Mythen taucht z.B. die acht­köpfige Schlange Yamata no OrochiYamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfen; wtl. „achtfach gegabelte Schlange“; wird von Susanoo besiegt RegenmachenGoetter der ErdeTricksterUzume... mehr auf, ein Unge­heuer von riesigen Aus­maßen, das nur mit List vom Kultur­heroen SusanooSusanoo 須佐之男 mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott MatsuriItsukushimaShimenawaOkuninushiOpfer... mehr be­siegt werden kann. Auf bildlichen Dar­stel­lungen aus späterer Zeit wird diese Schlange stets als Drache abgebildet.

Obwohl dieser Mythos an das negative Bild europäischer Drachen­geschich­ten erinnert, werden Schlangen in Japan, ähnlich wie Drachen, zumeist mit positivem Respekt und Ehrer­bietung angesehen. Der Gott des uralten Miwa SchreinsŌmiwa Jinja 大神神社 Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japans Bekannte SchreineSchreinanlage IseToriiOkuninushi taucht in den Mythen mehrfach auf und erscheint einmal in mensch­licher, einmal in Schlangen­gestalt. Noch heute opfert man dieser Gottheit im Miwa Schrein rohe Eier, da diese für Schlangen eine beson­dere Delikatesse darstellen sollen.

Das Hitachi fudoki, eine alte Chronik der heutigen Präfektur Ibaraki, be­richtet, dass sich in alter Zeit — unweit der Stelle, wo in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts massive Proteste gegen die Errichtung des Flughafens Narita ausgefochten wurden — gehörnte Schlangen gegen die Urbar­machung des Landes zur Wehr setzten und die Menschen attackierten. Nach einigem Hin und Her er­richtete man ihnen einen Schrein und brachte sie damit zur Ruhe. Man tauschte also Landrechte gegen religiöse Verehrung (die Konflikte der 1970er Jahre wurden hingegen vor Gericht entschieden). Aus dieser Er­zählung wird ersichtlich, dass die Schlangen für Gott­heiten ge­halten wurden, denen das Land ursprünglich gehörte.

Spätere Schlangenlegenden erzählen davon, dass sich Schlangen — ähnlich wie Füchse — in Menschen verwandeln können und oft unerkannt an der Seite eines menschlichen Ehepartners leben. Solche Legenden offenbaren meist eine starke erotische Komponente. Umgekehrt führt ent­täuschte Liebe, bzw. Eifersucht, zur Wiedergeburt als Schlange. Von diesem Schicksal sind — buddhistischen Legenden zufolge — vor allem Frauen betroffen. Eine von ihnen, Kiyo-himeKiyo-hime 清姫 Heldin einer berühmten Legende aus der Heian-Zeit (10. Jh.); Sinnbild rasender Eifersucht Horrorklassiker, die unglücklich in einen buddhistischen Mönch verliebt war, verwandelte sich aus Eifersucht in eine Schlange und verfolgte so ihren Geliebten bis in einen Tempel, wo er sich unter einer Tempelglocke versteckt hatte. Sie aber wand sich um die Glocke, brachte sie zum Glühen und tötete den Mönch auf diese Weise (siehe Horrorklassiker).

Schlangen gelten außerdem als die Tiergefährten der Glücksgöttin BenzaitenBenten 弁天 Glücksgöttin; Kurzform von Benzaiten BenzaitenSymboltiere (s.a. Sidepage Benzaiten), die wiederum mit zahl­reichen Drachen­mythen in Ver­bindung steht. Benzeiten war ur­sprüng­lich eine indische Fluss- bzw. Wasser­göttin, daher ihre Assoziation mit Schlangen und Drachen. Auch Benzaiten wird im übrigen für sehr eifer­süchtig gehalten, sodass es Männern und Frauen geraten ist, ihre Schreine nicht gemeinsam aufzusuchen.

In vielen Mythenkreisen der Welt steht der Schlange als Herrscherin des Wassers der Vogel, bzw. der Adler, als Be­herrscher des Himmels oder des Feuers gegen­über. In Indien ist dieser Gegensatz besonders stark aus­geprägt. Hier gibt es den Vogel­menschen GarudaGaruḍa गरुड Vogelmensch, jap. Karura 迦楼羅 Tengu, der den erwähnten Nagas — also den Schlangen­wesen — in ewiger Feind­schaft gegen­über­steht. In China und Japan ist dieser Gegen­satz nicht besonders präsent, vielleicht weil die Figur des Drachens zu über­mächtig ist und selbst viele Eigen­schaften von Vögeln besitzt. Der indische Vogel­mensch Garuda scheint jedoch in der Sagenfigur des japanischen Tengu einen Verwandten zu haben.

Löwen und Löwenhunde

Obwohl Löwen (shishi) im Gegensatz zu Drachen eine real existierende zoolo­gische Spezies darstellen, kann man sie aus Sicht der (traditionellen) religiösen Ikono­graphie Japans zu den legen­dären Tieren zählen, weil sie nicht in Japan heimisch sind und daher nur auf der Grundlage von erzähle­rischen Beschrei­bungen darge­stellt werden konnten. Es ist daher auch kein Wunder, dass ihre Erscheinung oft einem Hund ähnlicher sieht als einer Katze. Löwen kommen zwar selten in Geschichten oder Mythen vor, werden allerdings häufig bildlich dar­gestellt, und zwar als Wächter vor religiösen Gebäuden (komainu) und beim Löwen­tanz (shishimai). Bei genauerer Betrach­tung findet man Löwen aber auch zusammen mit Drachen und Baku (s.u.) im Gebälk von Tempeln, Schreinen und histo­rischen Palästen, wo sie ganz offen­sicht­lich zur allge­meinen Ab­schreckung von Geistern dienen. Die Rolle des Löwen als Palast- und Tempel­wächter hat sich wahr­schein­lich von Vorder­asien nach Indien und von dort, im Zusammen­hang mit dem Buddhis­mus, auch nach Ostasien ausgebreitet.

Komainu

Wo keine menschlichen Wächterfiguren (niōniō 仁王 Wächterfigur, Torwächter BautenNikkoTempelTempeltoreVajrapani... mehr) den Zugang zu einem religiösen Bauwerk bewachen, tun es oft die so­ge­nannten „Löwenhunde“ (komainukomainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden NikkoSchreineNioKomainu... mehr). Allerdings sind sie nicht so im­po­sant und mächtig wie die Niō und haben auch keine besonderen göttlichen Fähig­keiten. Man findet sie heute zumeist vor Shinto Schreinen, sie hatten jedoch ur­sprüng­lich nichts mit shintoistischen kamikami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr zu tun. Ähnlich wie die Niō-Torwächter besitzen auch die japanischen komainu die Besonder­heit, dass sie stets als Paar auftreten, welches sich vornehmlich in einem Punkt unterscheidet: immer hält ein Exemplar den Mund offen (a-gyōA-gyō 阿形 Bez. für einen Typ von Wächtergottheit (niō) mit geöffnetem Mund; wtl. „A-Form“ (Figur, die ein „A“ ausspricht); Gegenstück von UN-gyō WaechtergoetterNio), das andere ge­schlos­sen (un-gyōUN-gyō 吽形 wtl. „HUM-Form“; Figur, die das Sanskritzeichen „HUM“, jap. un, ausspricht, und daher mit geschlossenem Mund dargestellt wird; Gegenstück von A-gyō (offener Mund); s.a. niō WaechtergoetterNio) (s. dazu Wächtergötter). Während ältere komainu durchaus gefährlich aus­sehen, haben rezentere Bei­spiele oft komische Züge. In manchen Schreinen und Tempeln werden sie auch durch andere Tiere ersetzt, v.a. in InariInari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewacht Bekannte SchreineFushimiBerg KoyaShinto-Goetter... mehr Schreinen durch Füchse.

Komainu bedeutet wörtlich „Korea-Hund“, ein anderer Name, karajishikarajishi 唐獅子 wtl. „China-Löwe“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden; Synonym für komainu; auch karashishi Komainu, wäre aber als „chinesischer Löwe“ zu über­setzen. Die beiden Bilder unten zeigen, dass es sich ur­sprüng­lich tat­säch­lich um zwei ver­schie­dene Tiere handelte: Das linke besitzt ein Horn und wurde als „Korea-Hund“ an­ge­sehen. Das rechte hat eine Mähne und sieht eher wie ein Löwe aus. Erst in der späteren Ikono­graphie ver­mischten sich die beiden Typen zu einer ein­heit­lichen Spezies, die man wohl am besten als „Löwenhund“ bezeichnet.

  • koma_kamakura1.jpg
    Löwenhund (komainu) // Statue, komainu (Holz). Kamakura-Zeit; im Besitz des Staatlichen Museums Kyōto // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Mit geschlossenem Maul entspricht dieser Löwenhund der „UN-Form“ (UN-gyō). Während man dieses gehörnte Tier wtl. als „Korea-Hund“ (komainu) bezeichnet, wird sein hornloser Partner „Löwe“ (shishi) genannt. (Bei den meisten rezenten Beispielen gibt es diese Unterscheidung nicht.)
  • koma_kamakura2.jpg
    Löwe (shishi) // Statue, shishi (Holz). Kamakura-Zeit; im Besitz des Staatlichen Museums Kyōto // Bild © Kyōto National Museum (letzter Zugriff: 2011/7) // Mit offenem Maul entspricht dieser Löwenhund der „A-Form“ (A-gyō). Seine Gestalt ist verhältnismäßig realistisch und evoziert den Eindruck eines starken, mächtigen Tieres. Während man seinen gehörnten Partner als „Korea-Hund“ (koma'inu) bezeichnet, wird dieses Exemplar „Löwe“ (shishi) genannt. (Bei den meisten rezenten Beispielen gibt es diese Unterscheidung nicht.)
Löwenhunde, Kamakura Zeit

Wie die Bezeichnungen „Korea-Hund“ und „China-Löwe“ andeuten, gibt es auch in China und Korea ähnliche Statuen vor bud­dhis­tischen Bau­werken. Außer­dem ähneln die komainu den Masken, die man in China und Japan beim „Löwentanz“ (jap. shishimai) einsetzt.

Sonstige legendäre Tiere

Elefanten und Baku

Als ein Tier, das im Leben des historischen Buddha eine gewisse Rolle spielte, ist der Elefant auch in Ostasien schon lange bekannt, ohne dass man seine genaue Gestalt je zu Gesicht bekam. Was man von ihm wusste, wurde wohl mit dem Tapir, einem anderen exotischen Tier, das man kaum kannte, vermischt und zu einem legendären Tier, dem bakubaku Baku, elefantenartiges legendäres Tier, das Träume frisst; auch:Tapir Nikko, neu zusammengesetzt. Bakus erfreuten sich in der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit besonderer Beliebtheit und sind heute noch im Verein mit Drachen und Löwen an den Außenfassaden von Tempeln und Schreinen aus dieser Zeit zu bewundern. Es wird ihnen nachgesagt, dass sie alles verschlucken können — auch und vor allem böse Träume! Das Schriftzeichen baku ziert daher auch manchmal das Schiff der Sieben Glücksgötter, die ja ebenfalls für Träume, vor allem für glücksbringende Träume zu Jahresbeginn, zuständig sind.


Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Tiergötter und Götterboten, Teil 1 Imaginäre Tiere.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 28.8.2011). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Imaginaere_Tiere?oldid=27552