Mythen/Symboltiere/Drei Affen: Unterschied zwischen den Versionen

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(Shōmen Kongō)
 
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{{titel | Affen, Würmer und durchwachte Nächte}}
=Der Kōshin-Glaube: Affen, Würmer <span class="bottom"> <span class="bottom">und warum man alle 60 Tage eine Nacht durchmachen muss</span></span>=
 
  
{{glossar:Nikkou}} zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Japans und die Drei Weisen Affen zählen zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Nikkō. Warum aber halten die drei Affen Augen, Mund und Ohren zu? Und wieso fanden sie Eingang in das Mausoleum eines der mächigsten Herrscher der gesamten japanischen Geschichte? Und warum findet man die Drei Affen bei aufmerksamer Betrachtung auch an zahlreichen Steinmonumenten, die kaum beachtet in den Arealen von Tempeln und Schreinen, am Rande von Friedhöfen oder in der freien Natur zu finden sind. Der Grund dafür dürfte mit einem Kult in Verbindung stehen, der heute kaum mehr bekannt ist, in der {{Glossar:Edo}}-Zeit jedoch jedem geläufig war: der {{Glossar:Koushinshinkou | Kōshin}}-Glaube.
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|Die Drei Weisen Affen. Nikkō, Tōshōgū, 17. Jh.
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{{fl|N}}ikkō, der Schrein in dem Shōgun {{glossar:Tokugawaieyasu}} ver·göttlicht wurde,  zählt zu den berühm·testen Sehens·würdig·keiten Japans und die Drei Weisen Affen zählen zu den be·rühm·testen Sehens·würdig·keiten von {{g|Nikkou}}. Wie aber fanden diese Affen Eingang in das Mauso·leum eines der mäch·tigsten Herr·scher der gesam·ten japa·nischen Ge·schichte? Und aus welchem Grund halten sie sich Augen, Mund und Ohren zu? Und wieso findet man man die Drei Affen bei auf·merk·samer Be·trach·tung auch an zahl·rei·chen volks·tüm·lichen Stein·monu·menten, die kaum beachtet in den Area·len von Tem·peln und Schreinen, am Rande von Fried·höfen oder in der freien Natur an·zu·tref·fen sind? Die Ant·wort auf der·ar·tige Fragen dürfte in einem eigen·arti·gen Kult zu finden sein, der heute selbst in Japan kaum mehr be·kannt ist, in der {{Glossar:Edo}}-Zeit je·doch jedem geläufig war: der {{Glossar:Koushinshinkou | ''kōshin''}}-Glaube. Um diesen Glauben zu erklären, ist ein kurzer Exkurs in die tra·ditio·nelle Medizin- und Kalender·kunde not·wendig.
  
<div class="bildtext">{{Dia|affen_nikko.jpg|w=450|rahmen_w=450|rahmen_h=200|top=-30}}<div> Die Drei Weisen Affen. Nikkō, Tōshōgū, 17. Jh.<br /> Bild:[http://www.digital-images.net/Gallery/Japan/Shrines/shrines.html  Ron Reznik] 2004 (2007/01)</div></div>
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==Die Drei Würmer==
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Gemäß der traditio·nellen chine·si·schen Me·di·zin, die bis zum Be·ginn der Mo·der·ne auch in Japan all·ge·mein prak·ti·ziert wurde, wird der mensch·liche Kör·per von einer Un·zahl an Geis·tern oder „Seelen“ be·völ·kert, die gute oder schlech·te Ein·flüs·se auf das kör·per·liche Befin·den haben. In man·chen Fäl·len schei·nen die·se Geis·ter oder See·len durch·aus eine ei·gen·stän·dige physi·sche Exis·tenz zu ha·ben und sind in·so·fer·ne weni·ger mit trans·zen·den·ten We·sen als zum Bei·spiel mit Bak·te·rien zu ver·glei·chen.  Zu die·sen Bak·te·rien-ähn·li·chen Geis·ter·we·sen zäh·len die so·ge·nann·ten „Drei Wür·mer“. Sie ha·ben einen di·rek·ten Ein·fluss auf die dem Men·schen zuge·dachte Le·bens·spanne.
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===Sanshi===
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„Drei Würmer“ ist die in der west·lichen Lite·ratur gän·gige Über·set·zung für  jap. {{Glossar:Sanshi}}. Der Zei·chen·be·deu·tung nach han·delt es sich je·doch um drei Leich·name 尸 oder um drei Leich·nams-Wür·mer (''san·shi no mu·shi''), wobei {{g|mushi}} so·wohl Kriech·tiere als auch In·sek·ten be·zeich·net und daher nicht un·be·dingt „Wurm“,  son·dern eher „Ge·würm“ oder „Getier“ be·deu·tet. Die ent·spre·chen·den Geist·we·sen ha·ben aber, so sie über·haupt näher be·schrie·ben wer·den, ganz ei·gen·artige Ge·stal·ten, näm·lich die eines dao·is·ti·schen Wei·sen („Ober·wurm“, sitzt im Kopf), eines Löwen („Mittel·wurm“, im Brust·raum) und eines mensch·li·chen Beins mit Rin·der·kopf („Unter·wurm“, im Unter·leib). Alle drei ha·ben außer·dem je·weils eine Schrift·rolle bei sich, was ihre Funk·tion als Pro·to·koll·füh·rer unter·streicht.
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Nach ursprüng·licher chinesi·scher Auf·fas·sung ver·hal·ten sich die Drei Würmer wie Para·siten, die den Kör·per schwä·chen und so sein Leben ver·kür·zen.
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Frühe Dao·isten entwickelten auf der Grundlage dieser Vorstellung aske·tische Diäten, mit·tels derer sie die Drei Wür·mer in ihrem Kör·per aus·hun·gern wollten, und hofften so, dem Ge·heim·nis des ewi·gen Lebens auf die Spur zu kommen.  
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Spätere, eher ethisch-mora·lisch aus·ge·rich·tete Theo·rien er·klär·ten die Wir·kungs·weise der Drei Wür·mer hin·gegen fol·gen·der·maßen: Nachts, wenn der Mensch schläft, stei·gen die Drei Würmer zur Gott·heit des [[Texte/Himmelskunde/Astrologie |Polar·sterns]] (jap. {{Glossar:Tentei}}, wtl. „Him·mels·herr·scher“) empor und be·rich·ten ihm die bösen Taten ihres „Wirts“. Tentei bestraft dann den betref·fen·den Men·schen, und zwar vor·wie·gend mit Krank·heit oder frühem Tod. Die Würmer verlas·sen den Körper ihres Wirts aller·dings (aus mir unbe·kann·ten Gründen) nur einmal in sechzig Tagen, ge·nauer am 57. Tag des tradi·tionel·len [[Texte/Yin und Yang/Tierkreis |Sech·ziger Zyk·lus]] der chine·si·schen Kalen·der·kunde. Die·sem Tag sind die [[Texte/Yin_und_Yang |Wand·lungs·phase]] „Metall“ und das [[Texte/Yin und Yang/Tierkreis |Tier·kreis·zeichen]] „Affe“ zuge·ordnet. Auf Japa·nisch heißt die·ser Tag {{glossar:koushin}}, „Metall-Affe“. Auf·grund der ver·mute·ten Tätig·kei·ten der Drei Würmer wurde nun diesem ''kōshin''-Tag, oder besser, der ''kōshin''-Nacht, eine ganz be·son·dere Auf·merk·sam·keit zuteil.
  
In der traditionellen chinesischen, bzw. daoistischen Medizin wird der menschliche Körper von einer Unzahl an Geistern oder „Seelen“ bevölkert, die gute oder schlechte Einflüsse auf das körperliche Befinden haben. Sie lassen sich durchaus mit Bakterien aus Sicht der modernen Medizin vergleichen. Manche dieser Geister oder Seelen haben aber auch Auswirkungen auf das Schicksal, bzw. die dem Menschen zugedachte Lebensspanne. Dazu zählen z.B. die sogenannten „Drei Würmer“ (jap. {{Glossar:Sanshi}}).
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=== Die ''kōshin'' Nacht ===
  
Die Drei Würmer hausen im menschlichen Körper und verhalten sich nach ursprünglicher chinesischer Auffassung wie Parasiten, die den Körper schwächen und so sein Leben verkürzen. Einer späteren, etwas ausgefeilteren Erklärung zufolge geschieht dies folgendermaßen: Nachts, wenn der Mensch schläft, steigen die Drei Würmer zur Gottheit des [[Texte:Himmelskunde/Astrologie | Polarsterns]] (jap. {{Glossar:Tentei}}, wtl. „Himmelsherrscher“) empor und berichten ihm die bösen Taten ihres „Wirts“. Tentei bestraft dann den betreffenden Menschen, und zwar vorwiegend mit Krankheit oder frühem Tod. Die Würmer verlassen den Körper ihres Wirts allerdings (aus mir unerfindlichen Gründen) nur einmal in 60 Tagen, genauer am 57. Tag des traditionellen [[Mythen:Affen/Tierkreis | 60er Zyklus]] der chinesischen Kalenderkunde. Diesem Tag sind die [[Texte:Yin_und_Yang | Wandlungsphase]] „Metall“ und das [[Mythen:Affen/Tierkreis | Tierkreiszeichen]] „Affe“ zugeordnet.
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Bereits die Adeligen der {{Glossar:Heian}}-Zeit  waren der Über·zeu·gung, dass es mög·lich sei, die Spionage der Wür·mer zu unter·binden, wenn man die ent·spre·chende Nacht durch·wachte und die Würmer so am Ver·las·sen des Kör·pers hin·derte. Aus diesem Grund or·gani·sierten sie in den ''kōshin''-Näch·ten ein gesel·liges Zusam·men·seins und hiel·ten sich mit allerlei Spielen bis zum frühen Morgen wach. Daraus ent·wickelte sich der Brauch der ''kōshin''-Wache ({{glossar:koushinmachi}}), die bis zum Beginn des zwan·zigsten Jahr·hunderts in verschie·denen Formen in immer breiteren Schichten der Bevöl·kerung durch·geführt wurde.
  
Auf Japanisch heißt der Tag, an dem die Würmer den Körper verlassen können, ''kōshin'' 庚申. Seine besondere Bedeutung für die Länge des Lebens scheint auch unter den Adeligen der {{Glossar:Heian}}-Zeit bekannt gewesen zu sein. Zugleich waren sie der Überzeugung, dass es möglich sei, die Spionage der Würmer zu unterbinden, wenn man die entsprechende Nacht durchwachte und die Würmer so am Verlassen des Körpers hinderte. Dementsprechend organisierten sie in den Kōshin-Nächten ein geselliges Zusammenseins und hielten sich mit allerlei Spielen bis zum frühen Morgen wach. Daraus entwickelte sich der Brauch der Kōshin-Wache (''kōshin-machi ''庚申待), die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Formen in immer breiteren Schichten der Bevölkerung durchgeführt wurde.
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===Shōmen Kongō===
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Shōmen Kongō und die Drei Affen. <br /> Statue des Shingon Tempels Saishōin, <br/>Hirosaki, Aomori-ken. Frühe Edo-Zeit. <br /> Bild: [http://www15.plala.or.jp/SAISYOU/index.html Saishoin] (2009/9)
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Während die Heian-zeitlichen Adeligen eine eher sekuläre Form der Würmerkur pflegten, griff auch der japanische Buddhismus den Kōshin-Glauben auf und integrierte ihn in das [[Grundbegriffe:Buddhismus Lehre|Karma-Konzept]]. Die drei Würmer wurden so zu missgünstigen Spionen im Dienste der karmischen Vergeltung. Der daoistische Polarsterngott Tentei wurde mit Indra (jap. {{Glossar:Taishakuten}}), der obersten buddhistischen Beschützergottheit ([[Ikonographie:Wächtergötter | Deva]]), später aber auch mit [[Mythen:Jenseits | Enma]], dem obersten Richter des Karma-Gesetzes, gleichgesetzt. Nach und nach geriet eine dämonische Gottheit namens {{Glossar:Shoumenkongou}} (wtl. grüngesichtiger Vajra) — urspünglich ein Diener des Indra, der äußerlich den esoterischen Mantra-Königen ([[Ikonographie:Myoo | Myōō]]) nachempfunden ist — ins Zentrum des Kōshin-Glaubens. Zu Shōmen Kongō beteten die Gläubigen um Beistand, wenn sie das Tun der Würmer unterbinden und auf diese Weise ihr Leben verlängern wollten.
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Während die Heian-zeitlichen Adeligen eine eher säku·läre Form der Wür·mer·kur pfleg·ten, indem sie sich an schnöden Gesellschaftsspielen oder Gelagen ergötzten, griff auch der japa·nische Buddhis·mus den ''kōshin''-Glau·ben auf. Die Buddhisten erklärten die drei Würmer zu miss·güns·tigen Spio·nen im Dienste der {{skt:Karma|kar·mischen}} Ver·gel·tung. Als strafende Instanz wurde der daoisti·sche Polar·stern·gott Tentei nach und nach von stärker buddhistisch kon·notierten Gestalten abgelöst, u.a. von {{skt:Indra}} (jap. {{Glossar:Taishakuten}}), der ober·sten buddhis·tischen Wächter·gott·heit, später aber auch von {{glossar:enma}}, dem obersten Rich·ter der Toten·welt. Schließlich geriet eine bedroh·liche Gott·heit namens {{Glossar:Shoumenkongou}} (wtl. grün·ge·sich·tiger {{skt:Vajra}}) — urspüng·lich ein Diener des Indra, der äußer·lich den eso·teri·schen {{skt:Mantra}}-Köni·gen ({{g|Myouou}}) nach·empfun·den ist — ins Zentrum des ''kōshin''-Glau·bens. Zu Shōmen Kongō bete·ten die Gläu·bi·gen um Beistand, wenn sie das Tun der Würmer unter·binden und auf diese Weise ihr Leben ver·län·gern wollten.
  
Shōmen Kongō erscheint auf bildlichen Darstellungen oft in Begleitung der Drei Affen. Die Assoziation entstand möglicherweise daraus, dass der Tag, bzw. die Nacht, in der die Drei Würmer den Körper verlassen, mit dem Tierkreiszeichen des Affen zu tun hat. In einem weiteren Assoziationsschritt wurde der Affe mit dem verbunden, was die Drei Würmer NICHT tun sollen: nichts sehen, nichts hören, und vor allem nichts ausplaudern. Auf Japanisch ist diese Verbindung leicht herzustellen, da ''saru'' („Affe“) zu ''-zaru'' („nicht“) umgeformt werden kann: „nichts sehen“, „nichts sagen“, „nichts hören“ (''mizaru'', ''iwazaru'', ''kikazaru'') kann also auch als „Seh-Affe“, „Sprech-Affe“, und „Hör-Affe“ verstanden werden.
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==Die Drei Affen==
  
Das Drei Affen-Motiv verdankt seine Beliebtheit in Japan also nicht der Tatsache, dass die Affen sich von allem Bösen fernhalten wollen, wie heute gerne angenommen wird. Sie stehen im Gegenteil für den Wunsch, dass die Drei Würmer, die jeder in sich trägt, von ihrer verräterischen Aufgabe abgehalten werden sollen und der Mensch selbst weiter seinen Lastern frönen kann, ohne sich dabei vor einem frühen Tod fürchten zu müssen. Obwohl dieses Vorhaben auf den ersten Blick gegen buddhistische Moralvorstellungen gerichtet zu sein scheint, widersprach es nicht der landläufigen buddhistischen Praxis. Diese war stets bemüht, Schlupflöcher im Gesetz des Karma ausfindig zu machen, und versprach den Gläubigen, mit dem geringsten möglichen Aufwand ein Maximum an gutem Karma zu erwirtschaften. Daher wurde der Kōshin-Glauben vom Buddhismus gefördert, ja, es entstanden sogar eigene Tempel für Shōmen Kongō, die Hauptgottheit des Kōshin-Glaubens. Der älteste Tempel dieser Art befindet sich im Gebäudekomplex des {{Glossar:Shitennouji}} in Osaka und wurde bereits um das Jahr 700 errichtet.
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Auf bildlichen Darstel·lungen wird Shōmen Kongō  zumeist in Beglei·tung der Drei Affen dargestellt. Die Asso·zia·tion entstand mög·licher·weise daraus, dass der Tag bzw. die Nacht, in der die Drei Würmer den Körper ver·lassen, mit dem Tier·kreis·zei·chen des Affen zu tun hat. In einem wei·teren Asso·zia·tions·schritt wurde der Affe mit dem ver·bun·den, was die Drei Würmer NICHT tun sollen: nichts sehen, nichts hören, und vor allem nichts aus·plau·dern. Auf Japa·nisch ist diese Ver·bin·dung leicht her·zustel·len, da {{g|saru}} („Affe“) zu ''-zaru'' („nicht“) umge·formt werden kann: „nichts sehen“, „nichts sagen“, „nichts hören“ ({{g|mizaruiwazarukikazaru}}) kann also auch als „Seh-Affe“, „Sprech-Affe“, und „Hör-Affe“ ver·stan·den werden.
{{Float|left|bild=koshinto.gif|style=width:300px; margin-left:-2em|class=bildtext |caption=Schematische Darstellung eines<br/> Kōshin- Gedenksteins aus der Edo-Zeit<br /> Bildquelle: [http://www.geocities.jp/mitaka_makita/kaisetu/kosin.html Makita Hidenosuke] (2009/9)}}
 
Im späten Mittelalter bildeten sich schließlich Gruppen von Laien-Anhängern des Kōshin-Glaubens, die sogenannten Kōshin-Fraternitäten ({{Glossar:koushinkou}}). Gemeinsam bemühten sie sich, eine bestimmte Anzahl von Kōshin-Nächten zu durchwachen. Wenn es ihnen auf diese Weise gelang, drei Jahre lang die Drei Würmer von ihrem Rapport abzuhalten, errichteten sie Gedenksteine oder Kōshin-Stupas ({{glossar:koushintou}}). Typische Beispiele solcher Kōshin-Gedenksteine stellen die Drei Affen zu Füßen des Shōmen Kongō dar. Oft sind sie auch mit den Symbolen von Sonne und Mond versehen, die hier für die Urkräfte des Universums, [[Texte:Yin_und_Yang | Yin und Yang]], stehen. Allerdings scheint das Drei-Affen-Motiv erst in der frühen Edo-Zeit Eingang in die Kōshin-Ikonographie gefunden zu haben.
 
  
Stilistisch haben diese einfachen Steinskulpturen Ähnlichkeiten mit den volkstümlichen Statuen des [[Ikonographie:Jizo | Jizō]], die in Japan fast überall zu finden sind, oder mit den [[Alltag:Matsuri/Phalluskulte | Wegegöttern]]. Andere Verwandte sind [[Ikonographie:Kannon/Bato_Kannon | Kannon mit dem Pferdekopf]], die [[Ikonographie:Wächtergötter/Komainu | Komainu]] oder die [[Ikonographie:Wächtergötter/Nio | Torwächter]], die oft von Laien in sehr individueller Art in Stein gehauen wurden. Sie alle stehen für eine volkstümliche Laien-Religiosität, die unvoreingenommen von sämtlichen Traditionen Gebrauch macht. Obwohl die Wurzeln des Kōshin-Glaubens aus einer Mischung von Buddhismus und Daoismus entstanden sind, zeigen Beispiele aus der Edo-Zeit, dass Shōmen Kongō durchaus auch mit Shinto-Riten verehrt wurde. Der Kōshin-Glauben stellt insofern ein typisches Beispiel für die untrennbare Verflechtung von Buddhismus und Shinto in der vormodernen Zeit dar.
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Das Drei Affen-Motiv verdankt seine Beliebt·heit in Japan also nicht der Tat·sache, dass die Affen sich von allem Bösen fern·hal·ten wollen, wie heute gerne ange·nom·men wird.<!--
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In der Tat gibt es ein Zitat aus den Analekten des Konfuzius, das  besagt:
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Nichts ansehen, was nicht sittlich ist, nichts hören, was nicht sittlich ist, nichts sagen, was nicht sittlich ist, nichts tun, was nicht sittlich ist.<br>
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非禮勿視、非禮勿聽、非禮勿言、非禮勿動
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Wahrscheinlich hat dieses Zitat bei der Benennung der Drei Affen eine Rolle gespielt, doch die Beliebt·heit des Drei-Affen-Motivs lässt sich wohl  nicht allein auf konfuzianische Vorstellungen zurückführen.
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Sie stehen im Gegen·teil für den Wunsch, dass die Drei Würmer, die jeder in sich trägt, von ihrer ver·räte·rischen Auf·gabe abge·hal·ten werden sollen und der Mensch selbst weiter seinen Lastern frönen kann, ohne sich dabei vor einem frühen Tod fürchten zu müssen. Obwohl dieses Vor·haben auf den ersten Blick gegen buddhis·tische Moral·vorstel·lungen gerich·tet zu sein scheint, wider·sprach es nicht der land·läu·figen buddhis·tischen Praxis. Diese war stets bemüht, Schlupf·lö·cher im Gesetz des Karma aus·findig zu machen, und versprach den Gläu·bigen, mit dem gering·sten mög·lichen Auf·wand ein Maxi·mum an gutem Karma zu er·wirt·schaf·ten. Daher wurde der ''kōshin''-Glauben vom Buddhis·mus geför·dert, ja, es entstan·den sogar eigene Tempel für Shōmen Kongō, die Haupt·gott·heit des ''kōshin''-Glau·bens. Der älteste Tempel dieser Art befin·det sich im Gebäude·kom·plex des {{Glossar:Shitennouji}} in Ōsaka und wurde bereits um das Jahr 700 errichtet.
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| Drei Lebenslustige Affen, Chichibu Schrein
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=== Drei Affen Gedenksteine ===
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Das erwähnte Ensemble von Shōmen Kongō und den Drei Affen ist aller·dings erst seit der frühen {{glossar:edo}}-Zeit belegt. Es entstand wahr·schein·lich Hand in Hand mit dem Auf·kom·men der so·genann·ten ''kōshin''-Fra·ter·ni·tä·ten ({{Glossar:koushinkou}}) im japa·ni·schen Spät·mittel·alter.
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Dabei handelt es sich um gut organisierte Gruppen von Laien·an·hän·gern ({{g|kou2}}) des ''kōshin''-Glaubens, die sich gemein·sam bemüh·ten, eine fest·ge·setzte Anzahl von ''kōshin''-Näch·ten zu durch·wa·chen. Wenn es ihnen bei·spiels·weise gelang, die Drei Würmer drei Jahre lang von ihrem Rapport abzu·hal·ten, errich·te·ten sie Ge·denk·steine oder ''kōshin''-{{skt:Stupa|''stupas''}} ({{glossar:koushintou}}). Typische Bei·spiele sol·cher ''kōshin''-Ge·denk·steine stellen die Drei Affen zu Füßen des Shōmen Kongō dar. Oft sind sie auch mit den Sym·bo·len von Sonne und Mond ver·se·hen, die hier für die Urkräfte des Uni·ver·sums, [[Texte/Yin_und_Yang | Yin und Yang]], stehen.
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Stilistisch haben diese einfachen Steins·kulp·tu·ren Ähnlich·kei·ten mit den volks·tüm·lichen Statuen des {{g|Jizou}}, die in Japan fast übe·rall zu finden sind, oder mit den Wegegöttern ({{g|dousojin}}). Andere Ver·wandte sind Kannon mit dem Pferde·kopf ({{glossar:batoukannon}}), die {{glossar:Komainu}} oder die bud·dhis·tischen Tor·wächter ({{glossar:niou}}), die oft von Laien in sehr indi·vi·duel·ler Art in Stein ge·hauen wurden. Sie alle stehen für eine volks·tüm·liche Laien·reli·gio·sität, die un·vor·ein·ge·nom·men von sämt·lichen Tradi·tio·nen Gebrauch macht. Obwohl die Wur·zeln des ''kōshin''-Glau·bens aus einer Mischung von Buddhis·mus und Daois·mus entstan·den sind, zeigen Beispiele aus der Edo-Zeit, dass Shōmen Kongō auch mit Shintō-Riten verehrt wurde. Der ''kōshin''-Glau·ben stellt inso·fern ein typi·sches Beispiel für die untrenn·bare Ver·flech·tung von Buddhis·mus und Shintō in der vor·mo·der·nen Zeit dar.
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''Kōshin''-Gedenksteine mit der oben beschriebenen Figur des Shōmen Kongō und/oder den Drei Affen finden sich besonders häufig entlang des Tōkaidō, der alten Überlandroute von Kyōto nach Tōkyō (bzw. {{g|Edo}}). Aber auch in anderen Landesteilen Japans sind einfache Steinskulpturen mit den Drei Affen anzutreffen.
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 +
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 +
| Kamakura
 +
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}}
 +
{{w503b
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| Yokohama
 +
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 +
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 +
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 +
}}
 +
 
 +
Motive aus dem ''kōshin''-Glauben finden sich z.B. auch ganz im Westen Japans, im {{g|Ondakejinja}} auf der Insel Iki. In diesem Schrein wird allerdings nicht Shōmen Kongō, sondern der mythologische Gott {{g|Sarutahiko}} verehrt. Dieser ansonsten eher {{g|tengu}}-artige Gott kann aufgrund seines namens („Affen-Feld-Prinz“) auch mit Affendarstellungen verknüpft sein.
 +
 +
{{w500
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 +
| Ondake Jinja, Iki, Kyūshū
 +
| ref= 1
 +
}}
 +
 
 +
{{Verweise
 +
| links=
 
* [http://www.three-monkeys.info/ The Three Monkeys Worldwide], Emil Schuttenhelm (dt., en.)<br/>Ausführliche Informationen und Sammelobjekte zu den Drei Affen.
 
* [http://www.three-monkeys.info/ The Three Monkeys Worldwide], Emil Schuttenhelm (dt., en.)<br/>Ausführliche Informationen und Sammelobjekte zu den Drei Affen.
|update= Aug. 2010|
+
|update= Sept. 2016
 
}}
 
}}
 
{{ThisWay}}
 
{{ThisWay}}
 +
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Aktuelle Version vom 27. August 2018, 23:25 Uhr

Affen, Würmer und durchwachte Nächte
Die Drei Weisen Affen, Nikkō // Halbrelief, saru (Holz). 17. Jh.; Tōshō-gū in Nikkō, Tochigi-ken // Bild © Ron Reznick, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9) // Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru).
. 1 Die Drei Weisen Affen. Nikkō, Tōshōgū, 17. Jh.

Nikkō, der Schrein in dem Shōgun Tokugawa IeyasuTokugawa Ieyasu 徳川家康 1543–1616; 1. Tokugawa Shōgun; Reichseiniger Bekannte SchreineHachimanNikkoBekannte TempelAsakusa... mehr ver­göttlicht wurde, zählt zu den berühm­testen Sehens­würdig­keiten Japans und die Drei Weisen Affen zählen zu den be­rühm­testen Sehens­würdig­keiten von NikkōNikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein Symboltiere. Wie aber fanden diese Affen Eingang in das Mauso­leum eines der mäch­tigsten Herr­scher der gesam­ten japa­nischen Ge­schichte? Und aus welchem Grund halten sie sich Augen, Mund und Ohren zu? Und wieso findet man man die Drei Affen bei auf­merk­samer Be­trach­tung auch an zahl­rei­chen volks­tüm­lichen Stein­monu­menten, die kaum beachtet in den Area­len von Tem­peln und Schreinen, am Rande von Fried­höfen oder in der freien Natur an­zu­tref­fen sind? Die Ant­wort auf der­ar­tige Fragen dürfte in einem eigen­arti­gen Kult zu finden sein, der heute selbst in Japan kaum mehr be­kannt ist, in der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit je­doch jedem geläufig war: der kōshinkōshin shinkō 庚申信仰 Kōshin-Glauben, ein ursprünglich aus dem Daoismus stammender Kult zur Verlängerung des Lebens EnmaSymboltiere-Glaube. Um diesen Glauben zu erklären, ist ein kurzer Exkurs in die tra­ditio­nelle Medizin- und Kalender­kunde not­wendig.

Die Drei Würmer

Gemäß der traditio­nellen chine­si­schen Me­di­zin, die bis zum Be­ginn der Mo­der­ne auch in Japan all­ge­mein prak­ti­ziert wurde, wird der mensch­liche Kör­per von einer Un­zahl an Geis­tern oder „Seelen“ be­völ­kert, die gute oder schlech­te Ein­flüs­se auf das kör­per­liche Befin­den haben. In man­chen Fäl­len schei­nen die­se Geis­ter oder See­len durch­aus eine ei­gen­stän­dige physi­sche Exis­tenz zu ha­ben und sind in­so­fer­ne weni­ger mit trans­zen­den­ten We­sen als zum Bei­spiel mit Bak­te­rien zu ver­glei­chen. Zu die­sen Bak­te­rien-ähn­li­chen Geis­ter­we­sen zäh­len die so­ge­nann­ten „Drei Wür­mer“. Sie ha­ben einen di­rek­ten Ein­fluss auf die dem Men­schen zuge­dachte Le­bens­spanne.

Sanshi

Drei Leichenwürmer (sanshi) // Sanshi // Bildquelle: Nihon kokugo daijiten (Shogakukan 1974), Band 9, S. 237 // Darstellung der Drei Würmer (sanshi)

„Drei Würmer“ ist die in der west­lichen Lite­ratur gän­gige Über­set­zung für jap. sanshisanshi 三尸/三蟲 wtl. „Drei Leichname“ oder „Drei Würmer“; auch als „Drei Leichenwürmer“ (sanshichū 三尸虫) bezeichnet; verräterische Seelengeister daoistischen Ursprungs . Der Zei­chen­be­deu­tung nach han­delt es sich je­doch um drei Leich­name 尸 oder um drei Leich­nams-Wür­mer (san­shi no mu­shi), wobei mushimushi Insekt, Wurm, Gewürm so­wohl Kriech­tiere als auch In­sek­ten be­zeich­net und daher nicht un­be­dingt „Wurm“, son­dern eher „Ge­würm“ oder „Getier“ be­deu­tet. Die ent­spre­chen­den Geist­we­sen ha­ben aber, so sie über­haupt näher be­schrie­ben wer­den, ganz ei­gen­artige Ge­stal­ten, näm­lich die eines dao­is­ti­schen Wei­sen („Ober­wurm“, sitzt im Kopf), eines Löwen („Mittel­wurm“, im Brust­raum) und eines mensch­li­chen Beins mit Rin­der­kopf („Unter­wurm“, im Unter­leib). Alle drei ha­ben außer­dem je­weils eine Schrift­rolle bei sich, was ihre Funk­tion als Pro­to­koll­füh­rer unter­streicht.

Nach ursprüng­licher chinesi­scher Auf­fas­sung ver­hal­ten sich die Drei Würmer wie Para­siten, die den Kör­per schwä­chen und so sein Leben ver­kür­zen. Frühe Dao­isten entwickelten auf der Grundlage dieser Vorstellung aske­tische Diäten, mit­tels derer sie die Drei Wür­mer in ihrem Kör­per aus­hun­gern wollten, und hofften so, dem Ge­heim­nis des ewi­gen Lebens auf die Spur zu kommen. Spätere, eher ethisch-mora­lisch aus­ge­rich­tete Theo­rien er­klär­ten die Wir­kungs­weise der Drei Wür­mer hin­gegen fol­gen­der­maßen: Nachts, wenn der Mensch schläft, stei­gen die Drei Würmer zur Gott­heit des Polar­sterns (jap. TenteiTentei 天帝 Daoist. Gottheit des Polarsterns, wtl. Himmelsherrscher , wtl. „Him­mels­herr­scher“) empor und be­rich­ten ihm die bösen Taten ihres „Wirts“. Tentei bestraft dann den betref­fen­den Men­schen, und zwar vor­wie­gend mit Krank­heit oder frühem Tod. Die Würmer verlas­sen den Körper ihres Wirts aller­dings (aus mir unbe­kann­ten Gründen) nur einmal in sechzig Tagen, ge­nauer am 57. Tag des tradi­tionel­len Sech­ziger Zyk­lus der chine­si­schen Kalen­der­kunde. Die­sem Tag sind die Wand­lungs­phase „Metall“ und das Tier­kreis­zeichen „Affe“ zuge­ordnet. Auf Japa­nisch heißt die­ser Tag kōshinkōshin 庚申 Kalendereinheit; Kombination von Metall und Affe im 60er Zyklus Nikko, „Metall-Affe“. Auf­grund der ver­mute­ten Tätig­kei­ten der Drei Würmer wurde nun diesem kōshin-Tag, oder besser, der kōshin-Nacht, eine ganz be­son­dere Auf­merk­sam­keit zuteil.

Die kōshin Nacht

Bereits die Adeligen der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit waren der Über­zeu­gung, dass es mög­lich sei, die Spionage der Wür­mer zu unter­binden, wenn man die ent­spre­chende Nacht durch­wachte und die Würmer so am Ver­las­sen des Kör­pers hin­derte. Aus diesem Grund or­gani­sierten sie in den kōshin-Näch­ten ein gesel­liges Zusam­men­seins und hiel­ten sich mit allerlei Spielen bis zum frühen Morgen wach. Daraus ent­wickelte sich der Brauch der kōshin-Wache (kōshin machikōshin machi 庚申待 kōshin-Wache, Durchwachen der kōshin-Nacht ), die bis zum Beginn des zwan­zigsten Jahr­hunderts in verschie­denen Formen in immer breiteren Schichten der Bevöl­kerung durch­geführt wurde.

Shōmen Kongō

Shōmen Kongō und die Drei Affen // Statue. Frühe Edo-Zeit; im Besitz des Shingon Tempels Saishōin, Hirosaki, Präfektur Aomori // Bild © Saishoin (letzter Zugriff: 2009/9) // Shōmen Kongō und die Drei Affen, welche nach dem mizaru, iwazaru, kikazaru-Prinzip dargestellt sind.
Kōshin Shōmen Kongō // Hängerollbild (Tusche und Farben auf Papier, Druck). 19. Jh.; Völkerkundemuseum Zürich (Inv.-Nr. 19462); 58 x 21 cm // Bild © Tomoe Steineck, Martina Wernsdörfer, Raji Steineck, WegZeichen: Japanische Kult- und Pilgerbilder. Die Sammlung Wilfried Spinner (1854–1918). Zürich: VMZ (Ausstellungskatalog), Abb. 74 // Abermals eine Darstellung von Shōmen Kongō und den Drei Affen, wieder als mizaru, iwazaru, kikazaru.
. 2. 3 Shōmen Kongō und die Drei Affen

Während die Heian-zeitlichen Adeligen eine eher säku­läre Form der Wür­mer­kur pfleg­ten, indem sie sich an schnöden Gesellschaftsspielen oder Gelagen ergötzten, griff auch der japa­nische Buddhis­mus den kōshin-Glau­ben auf. Die Buddhisten erklärten die drei Würmer zu miss­güns­tigen Spio­nen im Dienste der kar­mischenKarma कर्म „Tat“, auch „konsequente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen, jap. Gō 業 OpfergabenPilgerschaftStupaHeian ZeitHonji suijaku... mehr Ver­gel­tung. Als strafende Instanz wurde der daoisti­sche Polar­stern­gott Tentei nach und nach von stärker buddhistisch kon­notierten Gestalten abgelöst, u.a. von IndraIndra इन्द्र hohe indische Gottheit, vergleichbar mit Zeus/Jupiter, jap. Taishaku-ten 帝釋天 Bishamon-tenVajrapaniAshura (jap. Taishaku-tenTaishaku-ten 帝釈天 skt. Indra, eine der wichtigsten Gottheiten der indischen Mythologie. In Japan meist mit Brahma (jap. Bonten) in einem Atemzug genannt Ashura), der ober­sten buddhis­tischen Wächter­gott­heit, später aber auch von EnmaEnma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochen Heian ZeitIkonographieJizoMyooWaechtergoetter... mehr, dem obersten Rich­ter der Toten­welt. Schließlich geriet eine bedroh­liche Gott­heit namens Shōmen KongōShōmen Kongō 青面金剛 wtl. „grüngesichtiger Vajra“, dämonische Gottheit (wtl. grün­ge­sich­tiger vajravajra वज्र „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus, jap. kongō 金剛 Berg KoyaVajrapaniKukaiKukais InitiationBuddhismus... mehr) — urspüng­lich ein Diener des Indra, der äußer­lich den eso­teri­schen mantramantra मन्त्र Gebetsformel, jap. shingon 真言 KukaiShinto MittelalterBuddhismus LehreIkonographieGluecksgoetter... mehr-Köni­gen (myōōmyōō 明王 wtl. Licht-König, auch „Mantra-König“ oder „Weisheits-König“; meist zornvoll dargestellte Schutzgottheit; skt. Vidyaraja Arhats) nach­empfun­den ist — ins Zentrum des kōshin-Glau­bens. Zu Shōmen Kongō bete­ten die Gläu­bi­gen um Beistand, wenn sie das Tun der Würmer unter­binden und auf diese Weise ihr Leben ver­län­gern wollten.

Die Drei Affen

Auf bildlichen Darstel­lungen wird Shōmen Kongō zumeist in Beglei­tung der Drei Affen dargestellt. Die Asso­zia­tion entstand mög­licher­weise daraus, dass der Tag bzw. die Nacht, in der die Drei Würmer den Körper ver­lassen, mit dem Tier­kreis­zei­chen des Affen zu tun hat. In einem wei­teren Asso­zia­tions­schritt wurde der Affe mit dem ver­bun­den, was die Drei Würmer NICHT tun sollen: nichts sehen, nichts hören, und vor allem nichts aus­plau­dern. Auf Japa­nisch ist diese Ver­bin­dung leicht her­zustel­len, da sarusaru Affe; gehört auch zu den zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) (verwendet in dem Fall das Kanji 申) UzumeSymboltiereJunishi („Affe“) zu -zaru („nicht“) umge­formt werden kann: „nichts sehen“, „nichts sagen“, „nichts hören“ (mizaru, iwazaru, kikazarumizaru, iwazaru, kikazaru 見ざる、言わざる、聞かざる „nichts sehen, nichts sagen, nichts hören“ ) kann also auch als „Seh-Affe“, „Sprech-Affe“, und „Hör-Affe“ ver­stan­den werden.

Drei Affen // Statue (Stein); Ondake Jinja, Iki, Kyūshū // Bild © kaze ni fukarete, 2015 (letzter Zugriff: 2016/7/9) // Drei Affen, die sich bei ihren Abstinenzen (mizaru, iwazaru, kikazaru) assistieren, im Ondake Jinja, einem Affenschrein auf der Insel Iki.
. 4 Drei Affen, sich gegenseitig assistierend

Das Drei Affen-Motiv verdankt seine Beliebt­heit in Japan also nicht der Tat­sache, dass die Affen sich von allem Bösen fern­hal­ten wollen, wie heute gerne ange­nom­men wird.1 Sie stehen im Gegen­teil für den Wunsch, dass die Drei Würmer, die jeder in sich trägt, von ihrer ver­räte­rischen Auf­gabe abge­hal­ten werden sollen und der Mensch selbst weiter seinen Lastern frönen kann, ohne sich dabei vor einem frühen Tod fürchten zu müssen. Obwohl dieses Vor­haben auf den ersten Blick gegen buddhis­tische Moral­vorstel­lungen gerich­tet zu sein scheint, wider­sprach es nicht der land­läu­figen buddhis­tischen Praxis. Diese war stets bemüht, Schlupf­lö­cher im Gesetz des Karma aus­findig zu machen, und versprach den Gläu­bigen, mit dem gering­sten mög­lichen Auf­wand ein Maxi­mum an gutem Karma zu er­wirt­schaf­ten. Daher wurde der kōshin-Glauben vom Buddhis­mus geför­dert, ja, es entstan­den sogar eigene Tempel für Shōmen Kongō, die Haupt­gott­heit des kōshin-Glau­bens. Der älteste Tempel dieser Art befin­det sich im Gebäude­kom­plex des Shitennō-jiShitennō-ji 四天王寺 buddh. Tempel im heutigen Ōsaka; zählt zusammen mit dem Asuka-dera zu den beiden ältesten Tempeln Japans (Gründung 593) ToriiBishamon-tenShotoku TaishiShintoWaechtergoetter... mehr in Ōsaka und wurde bereits um das Jahr 700 errichtet.

Drei lebenslustige Affen (Ogenki sanzaru) // Schnitzwerk, saru (Holz, Lack). Frühe Edo-Zeit; Chichibu Schrein, Saitama-ken // Bild © Keihin Nike, Wikipedia (jp.) (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Der Chichibu Schrein stammt aus derselben Zeit wie der berühmte Tōshō-gū Schrein, wo die Drei Affen, die nichts sehen, nicht hören und nichts ausplaudern, zu sehen sind. Die Drei Affen des Chichibu Schreins scheinen wie ein ironischer Kommentar zu dieser Gruppe, indem sie ganz offensichtlich neugierig schauen, hören und den Mund weit aufreißen. Sie werden daher auch als die „lebenslustigen Drei Affen“ bezeichnet. Das Motiv findet sich auch auf den Votivbildern des Schreins.
. 5 Drei Lebenslustige Affen, Chichibu Schrein

Drei Affen Gedenksteine

Kōshin-Gedenkstein // Skizze, kōshin-tō. Edo-Zeit // Bild © Makita Hidenosuke (letzter Zugriff: 2016/8) // Schematische Darstellung.
Schematische Darstellung eines
kōshin-Gedenksteins aus der Edo-Zeit

Das erwähnte Ensemble von Shōmen Kongō und den Drei Affen ist aller­dings erst seit der frühen EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit belegt. Es entstand wahr­schein­lich Hand in Hand mit dem Auf­kom­men der so­genann­ten kōshin-Fra­ter­ni­tä­ten (kōshin-kōkōshin-kō 庚申講 Bruderschaft des Kōshin-Glaubens ) im japa­ni­schen Spät­mittel­alter. Dabei handelt es sich um gut organisierte Gruppen von Laien­an­hän­gern ( Bruderschaft; Bez. f. verschiedenste Arten von religiösen Gruppierungen, bes. in der Edo-Zeit; urspr. buddh. Studiengruppe Pilgerschaft) des kōshin-Glaubens, die sich gemein­sam bemüh­ten, eine fest­ge­setzte Anzahl von kōshin-Näch­ten zu durch­wa­chen. Wenn es ihnen bei­spiels­weise gelang, die Drei Würmer drei Jahre lang von ihrem Rapport abzu­hal­ten, errich­te­ten sie Ge­denk­steine oder kōshin-stupasstūpa स्तूप „Hügel“, Grabmonument, jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆 FriedhofGorintoNikkoPagodenStupa... mehr (kōshin-tōkōshin-tō 庚申塔 wtl. kōshin-Stupa; kōshin-Gedenkstein ). Typische Bei­spiele sol­cher kōshin-Ge­denk­steine stellen die Drei Affen zu Füßen des Shōmen Kongō dar. Oft sind sie auch mit den Sym­bo­len von Sonne und Mond ver­se­hen, die hier für die Urkräfte des Uni­ver­sums, Yin und Yang, stehen.

Stilistisch haben diese einfachen Steins­kulp­tu­ren Ähnlich­kei­ten mit den volks­tüm­lichen Statuen des JizōJizō 地蔵 wtl. Schatzhaus/Mutterleib der Erde; skr. Kṣitigarbha; populäre Bodhisattva Figur Enma, die in Japan fast übe­rall zu finden sind, oder mit den Wegegöttern (dōsojindōsojin 道祖神 Wegegott, auch sae no kami; volksrel. Figuren, manchmal in phallischer Form PhalluskulteToriiTengu). Andere Ver­wandte sind Kannon mit dem Pferde­kopf (Batō KannonBatō Kannon 馬頭観音 Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannons NikkoKannonBato KannonMyoo), die komainukomainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden NikkoSchreineNioImaginaere TiereKomainu... mehr oder die bud­dhis­tischen Tor­wächter (niōniō 仁王 Wächterfigur, Torwächter BautenNikkoTempelTempeltoreVajrapani... mehr), die oft von Laien in sehr indi­vi­duel­ler Art in Stein ge­hauen wurden. Sie alle stehen für eine volks­tüm­liche Laien­reli­gio­sität, die un­vor­ein­ge­nom­men von sämt­lichen Tradi­tio­nen Gebrauch macht. Obwohl die Wur­zeln des kōshin-Glau­bens aus einer Mischung von Buddhis­mus und Daois­mus entstan­den sind, zeigen Beispiele aus der Edo-Zeit, dass Shōmen Kongō auch mit Shintō-Riten verehrt wurde. Der kōshin-Glau­ben stellt inso­fern ein typi­sches Beispiel für die untrenn­bare Ver­flech­tung von Buddhis­mus und Shintō in der vor­mo­der­nen Zeit dar.

Kōshin-Gedenksteine mit der oben beschriebenen Figur des Shōmen Kongō und/oder den Drei Affen finden sich besonders häufig entlang des Tōkaidō, der alten Überlandroute von Kyōto nach Tōkyō (bzw. EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); PilgerschaftTenjinToriiHorrorklassikerOkuninushi... mehr). Aber auch in anderen Landesteilen Japans sind einfache Steinskulpturen mit den Drei Affen anzutreffen.

Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) // Skulptur, saru (Stein). Edo-Zeit?; Park in Fuchū, Tōkyō // Bild © Noda Kazuo, 2009 (letzter Zugriff: 2009/9) // Kōshin-Stein (kōshin-tō) mit dem Motiv der Drei Affen (saru) mizaru, iwazaru, kikazaru.
. 6 Fuchū, Tōkyō
Kōshin-Gedenkstein // Statue, kōshin-tō; Friedhof in Komagome, Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Ein kōshin-tō mit dem Motiv der Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru, umgeben von Jizō-Statuen.
. 7 Komagome, Tōkyō
Kōshin-Gedenkstein // Statue, kōshin-tō; Halbinsel Kunisaki, Kyūshū // // Die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru sind recht klein im unteren Feld des Reliefs zu sehen. Darüber Shōmen Kongō und zwei Begleiter. Die Vögel (Hühner) zu Füßen der Gottheit sind ebenfalls ein häufiges Motiv auf Kōshin-Steinen (kōshin-tō). Sie haben möglicherweise damit zu tun, dass auf den Tag des Affen der Tag des Hahns folgt und somit der Hahn dem Kōshin-Spuk ein Ende bereitet.
Die Halbinsel Kunisaki ist auch für andere eindrucksvolle Steinmonumente, z.B. Wächterstatuen (Niō) bekannt.
. 8 Kunisaki, Kyūshū
Kōshin-Gedenkstein // Statue (Stein); Kakizawa, Präfektur Nagano // Bild © Nakasendō nisshi, 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) mit Shōmen Kongō mit vier Armen, flankiert von Sonne und Mond sowie Hahn und Henne. Darunter die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru.
. 9 Kakizawa, Nagano
Kōshin-Gedenkstein // Saitama // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Shōmen Kongō steht hier auf einem Affen-Dämon, darunter die Drei Affen.
. 10 Saitama-ken
Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Ōmiya, nōrdl. von Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Hier scheint es sich um eine Kombination aus Kōshin- und Wegegottheit (dōsojin) zu handeln.
. 11 Ōmiya, Saitama
Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Shinjuku, Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Zwei Affen (saru) sowie Hahn und Henne sind auf diesem kōshin-tō abgebildet.
. 12 Shinjuku, Tōkyō
Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Karuizawa, Präfektur Nagano // Bild © Nakasendō nisshi, 2001 (letzter Zugriff: 2016/8) // Wieder sind Shōmen Kongō, die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru und etwas undeutlich auch Hahn und Henne zu erkennen. Der Stein ist hier mit einem shintōistischen Strohseil (shimenawa) als numinoses Objekt gekennzeichnet.
. 13 Karuizawa
Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō. 1676; Kamakura // Bild © Kamakura no kōshin-tō (letzter Zugriff: 2016/8) // Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru und einer Amida-artigen Buddhafigur.
. 14 Kamakura
Kōshin-Gedenkstein // Statue (Stein). Edo-Zeit, 1695; Totsuka-ku, Yokohama // Bild © only tanuki, flickr 2009 (letzter Zugriff: 2016/7/9) // Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) mit Shōmen Kongō mit vier Armen, flankiert von Sonne und Mond . Darunter die Drei Affen (saru) mit Hahn und Henne. Datierung Genroku 8 (1695)/11/2 — ein kōshin-Tag.
. 15 Yokohama
Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō. 1695; Kamakura // Bild © Kamakura no kōshin-tō (letzter Zugriff: 2016/8) // Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaruund dem Sanskrit-Zeichen des Amida-Buddha, Sonne und Mond, sowie - nur schwer erkennbar - zwei Vögeln.
Im untersten Feld sind die Namen der Spender verzeichnet.
. 16 Kamakura
Kōshin-Affe // Statue, saru (Stein); Sarutahiko Schrein, Sugamo, Tōkyō // // Rot eingekleideter kōshin-Affe (saru) mit zusätzlichem Drei-Affen-Motiv (mizaru, iwazaru, kikazaru).
Dieser Schrein entwickelte sich in der Edo Zeit zu einem Zentrum des Kōshin-Glaubens.
. 17 Sugamo, Tōkyō

Motive aus dem kōshin-Glauben finden sich z.B. auch ganz im Westen Japans, im Ondake JinjaOndake Jinja 男岳神社  Schrein auf der Insel Iki, Kyūshū auf der Insel Iki. In diesem Schrein wird allerdings nicht Shōmen Kongō, sondern der mythologische Gott SarutahikoSarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in tengu-ähnlicher Gestalt verehrt. Dieser ansonsten eher tengutengu 天狗 wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen PhalluskulteYamabushiBishamon-tenShinto MittelalterGoetter der Erde... mehr-artige Gott kann aufgrund seines namens („Affen-Feld-Prinz“) auch mit Affendarstellungen verknüpft sein.

Affen // Statuen, saru (Stein); Ondake Schrein, Insel Iki (in der Meerenge zwischen Kyūshū und Korea) // Bild © Kaze ni fukarete, 2015 (letzter Zugriff: 2016/9/6) // Der Ondake Schrein auf der Insel Iki besitzt die vielleicht größte Ansammlung von Affenstatuen in Japan. Er ist dem Gott Sarutahiko geweiht, der seinerseits manchmal als Affe (saru) erscheint und die Gottheit Shōmen Kongō substituiert. Die über 200 Statuen stammen von Gläubigen, die erfolgreich zu Sarutahiko gebetet haben.
. 18 Ondake Jinja, Iki, Kyūshū

Verweise

Fußnoten

  1. In der Tat gibt es ein Zitat aus den Analekten des Konfuzius, das besagt:

    Nichts ansehen, was nicht sittlich ist, nichts hören, was nicht sittlich ist, nichts sagen, was nicht sittlich ist, nichts tun, was nicht sittlich ist.
    非禮勿視、非禮勿聽、非禮勿言、非禮勿動

    The Analects, Yan Yuan

    Wahrscheinlich hat dieses Zitat bei der Benennung der Drei Affen eine Rolle gespielt, doch die Beliebt­heit des Drei-Affen-Motivs lässt sich wohl nicht allein auf konfuzianische Vorstellungen zurückführen.

Bilderläuterungen

  1. Affen nikko.jpg
    Die Drei Weisen Affen, Nikkō // Halbrelief, saru (Holz). 17. Jh.; Tōshō-gū in Nikkō, Tochigi-ken // Bild © Ron Reznick, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9) // Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru).
  2. Shomenkongo saishoin.jpg
    Shōmen Kongō und die Drei Affen // Statue. Frühe Edo-Zeit; im Besitz des Shingon Tempels Saishōin, Hirosaki, Präfektur Aomori // Bild © Saishoin (letzter Zugriff: 2009/9) // Shōmen Kongō und die Drei Affen, welche nach dem mizaru, iwazaru, kikazaru-Prinzip dargestellt sind.
  3. Shomen kongo spinner.jpg
    Kōshin Shōmen Kongō // Hängerollbild (Tusche und Farben auf Papier, Druck). 19. Jh.; Völkerkundemuseum Zürich (Inv.-Nr. 19462); 58 x 21 cm // Bild © Tomoe Steineck, Martina Wernsdörfer, Raji Steineck, WegZeichen: Japanische Kult- und Pilgerbilder. Die Sammlung Wilfried Spinner (1854–1918). Zürich: VMZ (Ausstellungskatalog), Abb. 74 // Abermals eine Darstellung von Shōmen Kongō und den Drei Affen, wieder als mizaru, iwazaru, kikazaru.
  4. Ondake affen.jpg
    Drei Affen // Statue (Stein); Ondake Jinja, Iki, Kyūshū // Bild © kaze ni fukarete, 2015 (letzter Zugriff: 2016/7/9) // Drei Affen, die sich bei ihren Abstinenzen (mizaru, iwazaru, kikazaru) assistieren, im Ondake Jinja, einem Affenschrein auf der Insel Iki.
  5. Drei affen chichibu.jpg
    Drei lebenslustige Affen (Ogenki sanzaru) // Schnitzwerk, saru (Holz, Lack). Frühe Edo-Zeit; Chichibu Schrein, Saitama-ken // Bild © Keihin Nike, Wikipedia (jp.) (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Der Chichibu Schrein stammt aus derselben Zeit wie der berühmte Tōshō-gū Schrein, wo die Drei Affen, die nichts sehen, nicht hören und nichts ausplaudern, zu sehen sind. Die Drei Affen des Chichibu Schreins scheinen wie ein ironischer Kommentar zu dieser Gruppe, indem sie ganz offensichtlich neugierig schauen, hören und den Mund weit aufreißen. Sie werden daher auch als die „lebenslustigen Drei Affen“ bezeichnet. Das Motiv findet sich auch auf den Votivbildern des Schreins.
  6. Koshinto fuchu.jpg
    Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) // Skulptur, saru (Stein). Edo-Zeit?; Park in Fuchū, Tōkyō // Bild © Noda Kazuo, 2009 (letzter Zugriff: 2009/9) // Kōshin-Stein (kōshin-tō) mit dem Motiv der Drei Affen (saru) mizaru, iwazaru, kikazaru.
  7. Koshinto komagome.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Statue, kōshin-tō; Friedhof in Komagome, Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Ein kōshin-tō mit dem Motiv der Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru, umgeben von Jizō-Statuen.
  8. Koshinto kunisaki2.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Statue, kōshin-tō; Halbinsel Kunisaki, Kyūshū // // Die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru sind recht klein im unteren Feld des Reliefs zu sehen. Darüber Shōmen Kongō und zwei Begleiter. Die Vögel (Hühner) zu Füßen der Gottheit sind ebenfalls ein häufiges Motiv auf Kōshin-Steinen (kōshin-tō). Sie haben möglicherweise damit zu tun, dass auf den Tag des Affen der Tag des Hahns folgt und somit der Hahn dem Kōshin-Spuk ein Ende bereitet.

    Die Halbinsel Kunisaki ist auch für andere eindrucksvolle Steinmonumente, z.B. Wächterstatuen (Niō) bekannt.

  9. Koshinto kakizawa.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Statue (Stein); Kakizawa, Präfektur Nagano // Bild © Nakasendō nisshi, 2007 (letzter Zugriff: 2016/8) // Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) mit Shōmen Kongō mit vier Armen, flankiert von Sonne und Mond sowie Hahn und Henne. Darunter die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru.
  10. Koshinto saitama.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Saitama // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Shōmen Kongō steht hier auf einem Affen-Dämon, darunter die Drei Affen.
  11. Koshinto omiya.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Ōmiya, nōrdl. von Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Hier scheint es sich um eine Kombination aus Kōshin- und Wegegottheit (dōsojin) zu handeln.
  12. Koshinto kitashinjuku.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Shinjuku, Tōkyō // Bild © Nakasendō nisshi, 2000 (letzter Zugriff: 2016/8) // Zwei Affen (saru) sowie Hahn und Henne sind auf diesem kōshin-tō abgebildet.
  13. Koshinto karuizawa nagano.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō; Karuizawa, Präfektur Nagano // Bild © Nakasendō nisshi, 2001 (letzter Zugriff: 2016/8) // Wieder sind Shōmen Kongō, die Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru und etwas undeutlich auch Hahn und Henne zu erkennen. Der Stein ist hier mit einem shintōistischen Strohseil (shimenawa) als numinoses Objekt gekennzeichnet.
  14. Koshinto amida.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō. 1676; Kamakura // Bild © Kamakura no kōshin-tō (letzter Zugriff: 2016/8) // Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaru und einer Amida-artigen Buddhafigur.
  15. Koshinto totsukajuku.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Statue (Stein). Edo-Zeit, 1695; Totsuka-ku, Yokohama // Bild © only tanuki, flickr 2009 (letzter Zugriff: 2016/7/9) // Kōshin-Gedenkstein (kōshin-tō) mit Shōmen Kongō mit vier Armen, flankiert von Sonne und Mond . Darunter die Drei Affen (saru) mit Hahn und Henne. Datierung Genroku 8 (1695)/11/2 — ein kōshin-Tag.
  16. Koshinto kamakura.jpg
    Kōshin-Gedenkstein // Kōshin-tō. 1695; Kamakura // Bild © Kamakura no kōshin-tō (letzter Zugriff: 2016/8) // Drei Affen (saru) als mizaru, iwazaru, kikazaruund dem Sanskrit-Zeichen des Amida-Buddha, Sonne und Mond, sowie - nur schwer erkennbar - zwei Vögeln.
    Im untersten Feld sind die Namen der Spender verzeichnet.
  17. Koshin affen.jpg
    Kōshin-Affe // Statue, saru (Stein); Sarutahiko Schrein, Sugamo, Tōkyō // // Rot eingekleideter kōshin-Affe (saru) mit zusätzlichem Drei-Affen-Motiv (mizaru, iwazaru, kikazaru).
    Dieser Schrein entwickelte sich in der Edo Zeit zu einem Zentrum des Kōshin-Glaubens.
  18. Odakejinja.jpg
    Affen // Statuen, saru (Stein); Ondake Schrein, Insel Iki (in der Meerenge zwischen Kyūshū und Korea) // Bild © Kaze ni fukarete, 2015 (letzter Zugriff: 2016/9/6) // Der Ondake Schrein auf der Insel Iki besitzt die vielleicht größte Ansammlung von Affenstatuen in Japan. Er ist dem Gott Sarutahiko geweiht, der seinerseits manchmal als Affe (saru) erscheint und die Gottheit Shōmen Kongō substituiert. Die über 200 Statuen stammen von Gläubigen, die erfolgreich zu Sarutahiko gebetet haben.

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Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016
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Ikonographie 
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„Affen, Würmer und durchwachte Nächte.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 27.8.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Symboltiere/Drei_Affen?oldid=70695