Mythen/Symboltiere/Junishi: Unterschied zwischen den Versionen

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Ihrer wichtigen Rolle im Zeit- und Kalender·wesen verdanken diese Tiere wohl auch eine besondere Beach·tung in Religion und Kunst.
 
Ihrer wichtigen Rolle im Zeit- und Kalender·wesen verdanken diese Tiere wohl auch eine besondere Beach·tung in Religion und Kunst.

Version vom 7. September 2015, 15:44 Uhr

Tierkreiszeichen in der japanischen Kunst

Wie auf der Seite Kalender­wesen genauer erläutert, teilte man in Ostasien den 24-Stunden-Tag in zwölf Einheiten („Stunden“) auf und ordnete jeder Stunde ein bestimmtes Tier zu. Jedes dieser Tiere repräsen­tiert zugleich die Himmels­richtung, die die Sonne während der ent­sprechen­den Stunde einnimmt. Die Tiere dienen daher gleich­zeitig als Zeit- und als Richtungsmaß, wes­wegen man auch von zwölf Tierkreis­zeichen (jūni shijūni shi 十二支 die Zwölf Erdzweige, auch: Tierkreiszeichen Bishamon-tenImaginaere TiereKalender) spricht. Auch Tage, Monate und Jahre wurden jeweils einem Tierkreis­zeichen zugeordnet. Es handelt sich dabei um folgende Tiere:

Stunde Tier Japanisch Tageszeit Jahreszeit Richtung
1 Ratte/Maus nene Maus/Ratte der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Mitternacht Winter Norden
2 Ochs/Büffel ushiushi Ochs/Büffel der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Winter
3 Tiger toratora Tiger der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Frühling
4 Hase uu Hase der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Morgen Frühling Osten
5 Drache tatsutatsu Drache der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Frühling
6 Schlange mimi Schlange der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Sommer
7 Pferd umauma Pferd der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Mittag Sommer Süden
8 Schaf/Ziege hitsujihitsuji Schaf/Ziege der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Sommer
9 Affe sarusaru Affe; gehört auch zu den zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) (verwendet in dem Fall das Kanji 申) UzumeSymboltiereDrei Affen Herbst
10 Hahn toritori Hahn der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Abend Herbst Westen
11 Hund inuinu Hund der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Herbst
12 Eber ii Eber der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) Winter

Ihrer wichtigen Rolle im Zeit- und Kalender­wesen verdanken diese Tiere wohl auch eine besondere Beach­tung in Religion und Kunst.

Die Tierkreiszeichen als Zwölf Generäle

Ne jionji.jpg
Göttlicher General (Ratte) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Jion-ji, Yamagata-ken // Bild © J-Blog (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Bikara 毘羯羅 (skt. Vikarāla) bezeichnet. Auf seinem Helm ist eine kleine Maus (ne) oder Ratte erkennbar.
Ushi kannami.jpg
Göttlicher General (Ochse) // Statue, tenbu (Holz), Detail. Kamakura-Zeit // Bild © Kannami Buddha Statues Museum (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Shōtora 招杜羅 (skt. Catura) bezeichnet. Auf seinem Kopf trägt er den Kopf eines Rinds (ushi).
Tora tnm.jpg
Göttlicher General (Tiger) // Statue, tenbu (Holz), Detail. Kamakura-Zeit; Tōkyō National Museum (ehemals Sōgen-ji , Kanagawa-ken) // Bild © Kun Inaka (Flickr), 2013 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Shindara 眞達羅 (skt. Kinnara) bezeichnet. Zwischen den zu Berge stehenden Haaren ist ein kleiner Tigerkopf (tora) erkennbar.
U.jpg
Göttlicher General (Hase) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Jion-ji, Yamagata-ken // Bild © J-Blog (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Makora Taishō 摩虎羅大將 bezeichnet. Auf seinem Kopf ist der Kopf eines Hasen (u) erkennbar.
1. Ratte, 2. Ochse, 3. Tiger, 4. Hase
Tatsu tnm.jpg
Göttlicher General (Drache) // Statue, tenbu (Holz, bemalt; Glasaugen) von Kei-Schule, Detail. Kamakura-Zeit; Tokyo National Museum (ehem. Jōruri-ji, Soraku-gun, Kyoto); Körperhöhe 78,2 cm // Bild © eKokuho (letzter Zugriff: 2014/1) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Haira Taishō 波夷羅大將 bezeichnet. Aus seinem zu Berge stehenden Haar ragt ein Drachenkopf (tatsu).
Mi tnm.jpg
Göttlicher General (Schlange) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Tokyo National Museum (ehem. Jōruri-ji, Soraku-gun, Kyoto) // Bild © eKokuho (letzter Zugriff: 2014/1) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Indara Taishō 因達羅大將 bezeichnet. Auf seinem Kopf ringelt sich eine kleine Schlange (mi).
Uma.jpg
Göttlicher General (Pferd) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Kannami Buddha Statue Museum, Shizuoka // Bild © J-Blog (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise Santeira Taishō 珊底羅大將 bezeichnet. Auf seinem Kopf trägt er den Kopf eines Pferdes (uma).
Hitsuji tnm.jpg
Göttlicher General (Ziege) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Tōkyō National Museum (ehem. Sōgen-ji, Kanagawa-ken) // Bild © Now2000 Jewell, (Flickr), 2009 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als A'nira Taishō 頞儞羅大將 bezeichnet. Auf seinem Helm ist eine Ziege (hitsuji) erkennbar.
5. Drache, 6. Schlange, 7. Pferd, 8. Ziege
Saru tnm.jpg
Göttlicher General (Affe) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Tokyo National Museum (ehem. Jōruri-ji, Soraku-gun, Kyōto) // Bild © eKokuho (letzter Zugriff: 2014/1) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Anteira Taishō 安底羅大將 bezeichnet. Unter seiner Kopfbedeckung lugt ein Affe (saru) hervor.
Tori kofukuji.jpg
Göttlicher General (Hahn) // Statue, tenbu (Holz), Detail. Kamakura-Zeit, 1207; „Nationalschatz“; Kōfuku-ji, Nara; ca. 120 cm // // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Mekira Taishō 迷企羅大將 bezeichnet. Trägt einen Hahn (tori) im Haar.
Inu tnm.jpg
Göttlicher General (Hund) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit; Tōkyō National Museum (ehem. Jōruri-ji, Soraku-gun, Kyōto) // Bild © eKokuho (letzter Zugriff: 2014/1) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Basara Taishō 伐折羅大將 bezeichnet. Trägt einen Hund (inu) auf seinem Kopf. Grün bemaltes Gesicht.
I tnm.jpg
Göttlicher General (Eber) // Statue, tenbu (Holz, bemalt), Detail. Kamakura-Zeit, 1207; „Nationalschatz“; Kōfuku-ji, Nara; ca. 120 cm // Bild © Takashi Mibayashi (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Einer von Zwölf Göttlichen Generälen (Jūni Shinshō) des Yakushi Nyorai, üblicherweise als Kubira Taishō 宮毘羅大將 bezeichnet. Auf seinem Helm ist ein Eber (i) bzw. ein Schwein erkennbar.
9. Affe, 10. Hahn, 11. Hund, 12. Eber

Die obigen Bilder stellen die soge­nannten Zwölf Göttli­chen Generäle (Jūni ShinshōJūni Shinshō 十二神将 Die Zwölf Göttlichen Generäle Bishamon-tenWaechtergoetter) dar, die jeweils mit einem der Zwölf Tiere in Beziehung stehen. Die Statuen stammen aus verschie­denen Bildergruppen der Zwölf Generäle ab der späten HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit, doch tragen alle das ihnen ent­sprechende Tier als Kopf­putz (zur Verdeu­tlichung Bilder anklicken). Alle Generäle tragen den Titel -ten-ten wtl. Himmel; Göttertitel für eine eine aus Indien übernommene Gottheit (skt. deva) IkonographieGluecksgoetterDaikokuWaechtergoetter, was sie als indische devadeva देव „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter, jap. ten 天 oder tenbu 天部 Bishamon-tenBuddhismusIkonographieGluecksgoetterBenzaiten... mehr-Gott­heiten und damit als buddhis­tische Gott­heiten ausweist.

Grob ge­sprochen sind die Zwölf Generäle das Ergebnis einer buddhis­tischen Interpre­tation der Zwölf Tier­kreis­zeichen. Ursprünglich handelt es sich bei diesen Figuren jedoch um die Mani­festa­tionen von zwölf Schwüren, die der Buddha der Medizin, Yakushi NyoraiYakushi Nyorai 薬師如来 Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyaguru NikkoTempelDaibutsu StatuenOkuninushiOpfer... mehr, leistete, und die sinn­gemäß alle, die an ihn glauben, zur Erlösung führen. Das Yakushi Sutra1 erklärt dazu, dass jeder der Generäle über ein Gefolge von sieben­tausend kriegeri­schen Dämonen (yashayasha 夜叉 von skt. Yaksha; menschenfressende Götter oder Dämonen des indischen Pantheons, die im Buddhismus zu wehrhaften Schutzgöttern avancieren Vajrapani) verfügt. Dennoch handelt es sich — mit Ausnahme von Kubira-tenKubira-ten 宮毘羅 Anführer der Zwölf Göttlichen Generäle; auch als Konpira 金比羅, Wächtergottheit der Seefahrer und Fischer, bekannt — um ansonsten weit­gehend unbe­kannte Figuren, die meist nur in Verbindung mit Yakushi genannt werden.2

Die Zwölf Generäle standen wohl von Anfang an mit den Zwölf Stunden des Tages in Verbindung, ihre Assoziation mit den Tierkreis­zeichen wird aber aus dem Sutra selbst nicht ersichtlich. Auch die ältesten bildlichen Dar­stellun­gen in Japan aus der frühen Heian Zeit verraten noch nichts von dieser Beziehung.3 Dennoch liegt die Assozia­tion auf der Hand, sobald die Zwölf Stunden fest mit den Tier­kreis­zeichen assoziiert werden. Dank dieser Verbindung werden die Zwölf Generäle heute fast nur noch mit den ent­sprechen­den Namen der Tier­kreis­zeichen ange­sprochen.

Kuniyoshis Serie „Helden als Tierkreiszeichen“

In der zu­nehmend säkulär geprägten EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit wurden die Tier­kreis­zeichen ein beliebtes Motiv der ukiyo-eukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeit PhalluskultePilgerschaftAsakusaArhatsHorrorklassiker... mehr-Künstler, wobei die Tiere zumeist mit bestimmten Geschichten oder Figuren frei assoziiert wurden. Utagawa KuniyoshiUtagawa Kuniyoshi 歌川国芳 1798–1861; Maler und Zeichner. Bekannter Verteter des ukiyo-e-Farbholzschnitts ArhatsKitsune kombinierte sie zum Beispiel mit Helden­portraits, ein Genre in dem er sich besonders auszeichnete. Die Serie bein­haltet zum einen klassische Helden aus dem japani­schen Mittelalter, aber auch Figuren aus den alten Mythen und aus damals auch in Japan populären chinesi­schen Romanen. In den meisten Bildern suggeriert Kuniyoshi eine charakter­liche Ähnlich­keit zwischen dem Tier und dem darge­stellten Helden. (Zur genaueren Erläuterung die Bilder anklicken.)4

01ratte kuniyoshi.jpg
Der Mönch Raigō (Ratte) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein buddhistischer Mönch zerwühlt eine Schriftrolle, deren Schriftzeichen sich in eine Horde von Ratten (ne) verwandeln. Es handelt sich um Raigō (1002–1084) aus dem Tempel Miidera, der die Sutren des Klosterbergs Hiei mithilfe von Ratten vernichtet (nach einer anderen Version verwandelt er sich dabei selbst in eine Ratte), um sich an Kaiser und Konkurrenten zu rächen. Im Vordergrund der Gelehrte Ōe Masafusa. Mehr dazu auf der Seite Rituelle Verwuenschungen.
02ochse kuniyoshi.jpg
Der Bandit Kidō Maru (Ochse) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Eine zwielichtige Gestalt betrachtet selbstzufrieden ihr Spiegelbild in einem nächtlichen Weiher. Es ist der Bandit Kidō Maru, der dem Helden Minamoto Raikō auflauert. Er verbirgt sich dabei unter der Haut eines (hier schwer erkennbaren) Wasserbüffels (ushi), den er zuvor getötet hat. Die Geschichte stammt aus der mittelalterlichen Legendensammlung Kokon chōmonjū.
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Kashiwade no Omi (Tiger) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2016/9/18) // In einer gebirgigen Schneelandschaft kommt es zu einem tödlichen Duell zwischen einem Krieger und einem Tiger (tora). Der Krieger ist Kashiwade no Omi, ein Held aus der mythologischen Chronik Nihon shoki zur Zeit des Kaisers Kinmei (509–571). Auf einer diplomatischen Mission nach Korea wird Kashiwades Sohn von dem Tiger gefressen, worauf er das Tier eigenhändig zur Strecke bringt. Das Motiv wurde von Kuniyoshi mehrfach illustriert.
04hase.jpg
Iga Jutarō (Hase) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein ältlicher Krieger hält einen gehäuteten Hasen (u) in der linken und ein großes Küchenmesser in der rechten Hand. Die Szene findet unter einem Baldachin mit buddhistischer Svastika, also in einem Tempel statt. Das Bild zeigt Iga Jutarō, einen Krieger der späteren Heian Zeit, bei einem Hasenopfer, welches in einem buddhistischen Tempel ein Sakrileg darstellt.
1. Ratte, 2. Ochse, 3. Tiger, 4. Hase
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Susanoo no Mikoto (Drache) // Farbholzschnitt, kami (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) Ein bloßfüßiger Krieger mit offenem Haar und gezücktem Schwert steht nächtens auf einer Klippe und blickt konzentriert in die Wellen des Meeres, wo undeutlich die Gestalt eines Drachens (tatsu) sichtbar wird. Der Krieger ist der mythologische Gott Susanoo, der sich anschickt, die Menschheit vom menschenfressenden Ungeheuer Yamata no Orochi (in den Mythen als „Schlange“ bezeichnet) zu befreien.
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Nitta Shirō (Schlange) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein Krieger stößt im Licht seiner Fackel auf einige Schlangen (mi), während eine weibliche Gottheit, die auf einer Schlange reitet, ihn zu beschützen scheint. Es handelt sich um den Krieger Nitta Tadatsune, einen Vasallen von Minamoto Yoritomo, der eine Höhle des Berges Fuji erkundet. Er trifft auf die Göttin des Bergs (Konohana Sakuya-hime), die hier das Aussehen von Bodhisattva Kannon angenommen hat (Kannon reitet seinerseits bisweilen auf einem Drachen.) Das Motiv von Nittas unerschrockenem Gang durch die Höhle findet sich häufig auf Ukiyoe.
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Soga Gorō (auf Pferd) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein entschlossener Held auf einem kraftvollen, sich aufbäumenden Pferd (uma): Im Wissen um die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens macht sich Soga Gorō, der jüngere der beiden unglücklichen Soga-Brüder, auf, um den Tod seines Vaters zu rächen. Seine Rache gilt dem ersten Minomoto Shōgung Minamoto no Yoritomo (1146–1199) und wird scheitern. Doch selbst Yoritomo ist beeindruckt von der kindlichen Pietät der jugendlichen Helden. Das Motiv hängt eng mit dem vorigen Bild der gleichen Serie zusammen, auf dem Nitta zu sehen ist, der den älteren Soga Bruder im Auftrag Yoritomos zur Strecke brachte.
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Kan'u (Ziege) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // In mondheller Nacht nippt ein imponierender Mann, den man aufgrund seines langen dreigeteilten Bartes als Chinesen identifizieren kann, versonnen aus einem Becher, während eine kleine Ziege (hitsuji) zu seinen Füßen im Gras äst. Guan Yu (jap. Kan'u, gest. 219), ein chinesischer General, war maßgeblich am Aufbau der Sui Dynastie beteiligt. Er wurde Gegenstand zahlreicher Legenden und in China sogar religiös verehrt. Vor allem durch den chinesischen Roman „Geschichte der Drei Reiche“ (Sanguo Yanyi, 16. Jh.) wurde er auch in Japan ein Inbegriff von Kriegskunst, Kaltblütigkeit und Loyalität. Das Motiv mit Becher und Ziege findet sich auch auf einem anderen Druck Kuniyoshis, der Zusammenhang ist mir jedoch unklar.
5. Drache, 6. Schlange, 7. Pferd, 8. Ziege
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Son Gokū (Affe) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein Affe (saru) mit Hosen aus Tigerfell erzeugt eine Armee von Schattenkriegern, die er auf ein Schwein hetzt, das sich mit einem Rechen verteidigt. Son Gokū (chin. Sun Wukong) ist ein legendäre Affe, der zur Strafe für seinen Hochmut an der Seite des buddhistischen Mönchs Xuanzang (602–664) für die Verbreitung des Buddhismus in China sorgen sollte. Das auf dem Bild dargestellte Schwein ist ebenfalls ein Begleiter des Mönchs, mit dem Affen aber in permanentem Clinch. Beide besitzen phantastische magische Kräfte. So jedenfalls erzählt es die „Reise nach Westen“, ein klassischer chinesischer Roman aus dem 16. Jh., der u.a. zur Vorlage der Manga- und Anime-Serie Dragonball Z wurde.
10hahn.jpg
Kaidō Maru (Hahn) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein kerniger nackter Bub betrachtet mit intensiver Neugier den Kampf zwischen einem Hahn (tori) und einem winzigen tengu. Kaidō Maru (Maru, das Gespensterkind), besser bekannt als Kintarō, lebt mit seiner Mutter, der wilden Berggöttin Yamauba, in der freien Natur und vergnügt sich mit den Tieren des Waldes. Später wird er unter dem Namen Sakata Kintoki zu einem der vier Getreuen des Heian-zeitl. Kriegers Minamoto no Yorimitsu werden, über deren Abenteuer u.a. das Konjaku monogatari (späte Heian-Zeit) berichtet. Kintarōs Sagen sind sozusagen das prequel dieser Heldengeschichten und stellen ein beliebtes ukiyoe-Motiv dar.
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Hata Rokurōzaemon (Hund) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // Ein stämmiger Krieger, der neben Schwert und Lanze auch Zimmermannsgeräte mit sich trägt, äugt misstrauisch nach hinten, an der Leine einen Hund (inu), der in die selbe Richtung blickt. Im Hintergrund die Banner eines (feindlichen?) Heeres. Hata Rokurōzaemon (auch Hata Tokoyoshi, ?–1342) war ein General der Nanboku-Zeit und wird im Heldenepos Taiheiki als loyaler Vasall der Ashikaga Shogune geschildert. Auch sein Hund findet dort Erwähnung.
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Yūryaku Tennō (Eber) // Farbholzschnitt, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus der Serie Buyū mitate jūnishi (Die Zwölf Tierkreiszeichen als Helden), 1840 // Bild © Museum of Fine Arts, Boston (letzter Zugriff: 2014/1) // In einer gebirgigen Landschaft versetzt ein Mann in höfischer Tracht einem strauchelnden Eber (i) einen Tritt ins Genick. Es ist ein japanischer Herrscher des 5. Jahrhunderts, Yūryaku Tennō, der auf diese Weise ein Tier zur Strecke bringt, vor dem sein gesamtes Jagdgefolge Reißaus genommen hat. In der Folge droht er seine gesamte Entourage hinrichten zu lassen, doch dank der Fürbitte seiner Gemahlin besinnt er sich eines Besseren. Es ist dies eine der eindrucksvollsten Episoden des Nihon shoki aus der Regierungszeit Yūryakus, in der die brutale Entschlossenheit dieses semi-historischen Herrschers anschaulich zum Ausdruck kommt.
9. Affe, 10. Hahn, 11. Hund, 12. Eber

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Yakushi-kyō, mit vollem Titel Yakushi rurikō nyorai hongan kudoku kyō 薬師瑠璃光如来本願功徳経 (vgl. SAT, T0450), ein relativ kurzes Sutra, das von den Zwölf Schwüren des Yakushi und seinem Reinen Land im Osten handelt. Existiert in der frühesten Fassung als angebliche Über­setzung aus dem Sanskrit durch XuanzangXuanzang 玄奘 602–664; berühmter chin. Pilgermönch und buddh. Gelehrter; Autor eines einflussreichen Reiseberichts, der später als „Reise nach dem Westen“ in einen Roman gefasst wurde StupaArhatsBishamon-tenDaibutsu Statuen... mehr (602–664), doch konnte bisher kein Original­text identi­fiziert werden.
  2. Die Generäle werden im Yakushi Sutra kommen­tarlos in der folgenden Reihen­folge auf­gezählt:
    1. Kubira Taishō 宮毘羅大將 (Eber)
    2. Basara Taishō 伐折羅大將 (Hund)
    3. Mekira Taishō 迷企羅大將 (Hahn)
    4. Anteira Taishō 安底羅大將 (Affe)
    5. A'nira Taishō 頞儞羅大將 (Ziege)
    6. Santeira Taishō 珊底羅大將 (Pferd)
    7. Indara Taishō 因達羅大將 (Schlange)
    8. Haira Taishō 波夷羅大將 (Drache)
    9. Makora Taishō 摩虎羅大將 (Hase)
    10. Shindara Taishō 眞達羅大將 (Tiger)
    11. Shōtora Taishō 招杜羅大將 (Ochs)
    12. Bikara Taishō 毘羯羅大將 (Ratte)
    Bezüglich der japani­schen Lautung, s. Wikipedia (jp.). Die entspre­chenden Sanskrit-Äquivalente sind hier nicht angeführt, da sich dazu unter­schied­liche Inter­preta­tionen finden. Die Tiere werden im Sutra selbst nicht erwähnt und sind hier gemäß der häufigsten japani­schen Konvention in Klammer beigefügt (doch besteht auch hier nicht völlige Überein­stimmung in den Quellen). Der Erst­genannte der Gruppe, Kubira-ten (auch Konpira-ten), dürfte mit dem indischen Gott des Reichtums Kubera in Verbin­dung stehen, der auch als Er­scheinungs­form des Bishamon-tenBishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgott; abgeleitet von einem indischen Gott des Reichtums, Vaishravana Bishamon-tenVajrapaniGluecksgoetterDaikokuEbisu... mehr (Schutzgott des Nordens) gilt. Er wird allerdings auch auf einen Schüler des Buddha namens Kimbila oder auf ein Wesen namens Kumbhīra zurück geführt (vgl. Digital Dictionary of Buddhism, Login: guest).
  3. Die berühm­teste Statuen­gruppe stammt aus der frühen Heian-Zeit und befindet sich im Tempel Shin Yakushi-ji in Nara. Sie sind dort um das Haupt­heilig­tum, eine Statue des sitzenden Yakushi Nyorai, kreisförmig aufgestellt. Während diese Figuren bereits die charakte­ristischen Posen der Zwölf Generäle einnehmen, tragen sie keine Tier­kreis­zeichen als Er­kennungs­merkmale.
  4. Kuniyoshi schuf auch eine parallele Serie zu den Zehn Himmels­stämmen (jikkanjikkan 十干 zehn Himmelsstämme; Kategorie der traditionellen Kalenderkunde Kalender).
Mythen/Symboltiere (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Tierkreiszeichen in der japanischen Kunst.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 7.9.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Symboltiere/Junishi?oldid=59420