Shichigosan — der Kinder-Segen

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Bernhard Scheid, „Shichigosan — der Kinder-Segen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Familie/Shichigosan?oldid=67166
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Shichigosan-Poster

Kushida Jinja, Fukuoka (Hakata), Kyūshū 
Bild © Jean, trip-advisor 2010. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Plakat eines Schreins, der den ganzen November hindurch Shichigosan-Feiern veranstaltet.

Shichigosan Plakat

Das Shichigosan Shichigosan 七五三 Shichigosan-Fest für Kinder von drei, fünf, und sieben Jahrensiehe auch→ Alltag/Familie -Fest besteht heutzutage aus einem fei­er­lichen Schrein­besuch rund um den 15. November, bei dem kleine Kinder tra­di­tio­nelle Kimonos anlegen, ganz bestimmte Süßig­keiten („Tausend-Jahr-Bonbons“ chitose-ame) geschenkt be­kom­men und von ihren stolzen Eltern pausen­los fotografiert werden. Shichigosan bedeutet nichts anderes als „sieben, fünf, drei“. Der Schrein­be­such im Kimono ist nämlich nur für drei- oder fünf­jährige Buben bzw. drei- oder sieben­jährige Mädchen vor­ge­sehen.

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Schreinbesuch zu Shichigosan

Schreinfest; Meiji Schrein, Tōkyō
Bild © sambird, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Besucher des Shichigosan-Festes

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Shichigosan in Kamakura

Schreinfest; Tsurugaoka Hachiman Schrein, Kamakura
Bild © Takaku Masayuki, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Hier sieht man den besonderen Andrang beim Shichigosan-Fest, der an diesem Tag im Tsurugaoka Hachiman-gū von Kamakura herrscht.

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Shichigosan

Schreinfest; Tsurugaoka Hachiman Schrein, Kamakura
Bild © Takaku Masayuki, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Kleine Buben bessern ihre Performance beim Shichigosan-Fest, wie hier im Tsurugaoka Hachiman-gū, gerne mit Ultraman Masken auf ...

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Shichigosan-Fest

Schreinfest; Tsurugaoka Hachiman Schrein, Kamakura, Kanagawa-ken
Bild © Shige's Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die Hauptrolle beim Shichigosan-Fest spielen eindeutig Mädchen in ihren farbenprächtigen Kimonos.

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Shichigosan

Schreinfest
Bild © Amy G., flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Shichigosan-Prinzessin

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Shichigosan-Prinz

Schreinfest; Meiji Schrein, Tōkyō
Bild © Einharch, flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Ein Shichigosan-Prinz beim Fotographieren...

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Shichigosan-Prinzessin in Gelb

Gokoku Jinja, Sendai
Bild © jpellgen, Flickr, 2009. (Letzter Zugriff: 2016/2/3)

Dreijähriges Mädchen beim Shichigosan-Fest in Sendai. Im Hintergrund ein Gestell für Glückslose (o-mikuji).

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Verkauf von Kimonos

Shichigosan-Kimonos im Schaufenster

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Shichigosan

Schreinfest
Bild © Norman Lee, flickr 2001. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Betendes Mädchen im festlichen Kimono bei der Shichigosan-Feier.

Das Shichigosan-Fest entstand aus drei ur­sprüng­lich un­ab­hän­gigen Zeremonien für kleine Kinder, die wahr­schein­lich alle auf Zeremonien des antiken Kaiser­hofs zurück­gehen, im Laufe des Mittel­alters dann vom Krieger­adel (Samurai) adaptiert wurden und in der Edo-Zeit schließ­lich zu einer Einheit ver­schmol­zen.

  • Die erste dieser Ze­re­mo­nien hieß kamioki („Haare [wachsen] lassen“) und markierte den Zeit­punkt, ab dem Klein­kindern der Kopf nicht mehr geschoren wurde. Diese Zeremonie wurde in Samurai­familien für Kinder im dritten Lebens­jahr am 15. des Elften Monats durch­geführt und war mit Bitten um ein langes Leben für das Kind verbunden.
  • Die zweite Ze­re­mo­nie hieß hakamagi („Anlegen von Hakama“). Kinder zwischen dem dritten und siebenten Lebensjahr durften zu diesem Anlass erstmals die traditionellen Pluder­hosen (Hakama) anlegen. Erst durch diesen Ritus wurde das Kind formal als Fa­mi­lien­mit­glied anerkannt.
  • Die dritte Ze­re­mo­nie hieß himotoki oder obihajime („Lösen der Schnur“ bzw. „erster Gürtel“) und richtete sich an Kinder im siebenten Le­bens­jahr. Wie diese Namen ver­raten, erhielten die Kinder dabei einen Gürtel (obi) anstelle einer einfachen Schnur zum Zusammen­binden des Kimonos.
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Shichigosan-Zeremonie

Schreinfest

Segnung (harae) beim Shichigosan-Fest der Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren durch einen Shintō-Priester (kannushi).

Segnung der Kinder

Die Zu­sam­men­le­gung dieser Riten soll auf Shōgun Tokugawa Tsunayoshi Tokugawa Tsunayoshi 1646–1709; fünfter Shōgun der Tokugawa Dynastie, wegen seiner Tierliebe auch als dog shōgun bezeichnet (1646–1709) zurückgehen. Die Verbindung mit einem Schrein­besuch scheint erst gegen Ende der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit zum Standard geworden zu sein. In der Kansai Region (rund um Kyōto) gab es beispiels­weise ehemals das sogenannte Jūsan-mairi („Andachtsbesuch mit dreizehn“), bei dem drei­zehn­jährige Kinder einen Tempel des Bodhisattva बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr Kokuzō aufsuchten. Erst Anfang des zwanzigsten Jahr­hunderts wurde das Shichigosan Fest zu einem allgemeinen Brauch, der heute von großen Teilen der Bevölkerung voll­zo­gen wird.

Ähnliches gilt für das „Puppenfest“ (Hina Matsuri Hina Matsuri 雛祭 „Puppenfest“; jahreszeitliches Fest am 3.3.siehe auch Jahr ) am 3. 3., auf das sich die Mädchen besonders freuen, und das „Knabenfest“ (Kodomo no hi Kodomo no hi 子供の日 Kinder- bzw. Knabenfest am 5.5.siehe auch Jahr → Mythen/Imaginaere Tiere ) am 5.5., bei dem Wimpel in Karpfen-Form aufgehängt werden. Auch sie gehen auf höfische Bräuche aus der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit zurück, wurden aber erst zu Beginn des zwanzigsten Jahr­hunderts standardisiert und stellen heute in erster Linie einen Anlass dar, sich ganz dem Zauber der traditionellen Kultur hinzugeben.

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