Religion und Brauchtum im Jahreszyklus

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Bernhard Scheid, „Religion und Brauchtum im Jahreszyklus.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.10.2017). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Jahr?oldid=68094

Das Jahr ist in Japan seit jeher durch bestimmte Feiertage strukturiert, die stets auch eine religiöse Bewandtnis haben. Viele Feste hatten ur­sprüng­lich mit der Land­wirtschaft (Beginn der Aussaat, Ernte, etc.), bzw. mit dem Kalender (Tag- und Nacht­gleiche, Sonnen­wende) zu tun. Daher gibt es beinahe jeden Monat ein landes­weites tra­di­tio­nelles Fest, das Anlass für einen Tempel- oder Schrein­besuch bietet. Wie in anderen modernen Ge­sell­schaften auch nimmt die Be­deutung dieser traditionellen Fest­lich­keiten in Japan langsam ab. Für die meisten Japaner sind jedoch mindestens zwei Feier­tage Anlass für traditionelle Feiern: Neujahr (O-shōgatsu Shōgatsu 正月 Neujahr, Neujahrsfest; in der Alltagssprache meist O-shōgatsusiehe auch→ Alltag/Gluecksbringer/Omikuji→ Alltag/Jahr/Shogatsu ) und das Bon-Fest (O-bon Bon Bon-Fest (Ahnenfest); in der Alltagssprache meist O-bon).

In gewisser Hinsicht sind diese Feiern mit Weih­nachten und Ostern vergleichbar. Auch sie ranken sich um die zwei großen religiös be­setz­ten Themen Geburt und Tod. Der japanische Jahres­beginn hat zwar auf den ersten Blick nicht soviel mit Geburt zu tun wie das christliche Weih­nachts­fest, doch als Beginn des Jahres symbolisiert er — stärker als im Westen — einen Neu­anfang. In früherer Zeit zählten die Menschen ihre Le­bens­zeit danach, wie viele Neu­jahrs­tage sie bereits erlebt hatten, und noch heute feiert man in Japan das erste Neu­jahr eines Babys ähnlich wie im Westen die Taufe. Das Bon-Fest, das gefeiert wird, wenn der Sommer zu Ende geht, dient der Erinnerung an die Ahnen und wirft damit ähnliche Fragen auf wie die christlichen Oster­feiern: Tod, Ver­gäng­lich­keit, Erinnerung, Leben nach dem Tod. Allerdings sind die religiösen Antworten sowohl auf theologischem als auch auf rituellem Gebiet ganz andere.

O-shōgatsu — Neujahr

Traditionelle Federballschläger

Hagoita
Bild © Anchoco, flickr 2006. (Letzter Zugriff: retrieved, 2016/9/18)

Da diese Federballschläger (hagoita) als Geschenk für Mädchen gedacht sind, herrschen Geisha-Motive vor.

Der Beginn des Neuen Jahres ist tra­di­tio­nel­ler­wei­se einem Schrein­besuch reserviert. Diesen Schrein­besuch nennt man hatsumōde hatsumōde 初詣 Schrein-Neujahrsbesuchsiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine→ Alltag/Jahr/Shogatsu→ Alltag/Familie → mehr , „Erstes Aufsuchen [der Götter]“. Die meisten Japaner befolgen diesen Brauch, unabhängig davon, ob sie überzeugte Shintōisten, Bud­dhis­ten, Christen oder A­gnos­ti­ker sind. Berühmte Schreine ziehen daher zu Neu­jahr unglaubliche Menschen­massen an. Am populärsten in dieser Hinsicht ist der Meiji Schrein Meiji Jingū 明治神宮 Schrein des Meiji Tennō in Tōkyō, err. 1920siehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Alltag/Jahr/Shogatsu→ Geschichte/Staatsshinto→ Karte in Tōkyō; wo jedes Jahr mehrere Millionen Menschen ihre erste Neujahrs-Schrein­andacht begehen. Aber auch der Asakusa Tempel Sensō-ji 浅草寺 Tempel in Tōkyō; auch: Asakusa-derasiehe auch Asakusa → Alltag/Jahr/Shogatsu→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Karte in Tōkyō wird zu Neujahr Ziel von Millionen Besuchern, obwohl er eigentlich ein bud­dhis­tischer Tempel ist. Viele Japaner gehen aber auch einfach zum nächsten größeren Schrein oder Tempel.

Spezielle Glücksbringer

Hamaya2.jpg

Die hatsumōde ist nichts anderes als ein normaler Schrein­besuch (o-mairi (o)mairi (お)参り Schrein- oder Tempelbesuchsiehe auch Omairi → Alltag/Ahnenkult ) mit dem einzigen Unter­schied, dass man sich an diesem Tag erst einmal lange anstel­len muss, bevor man eine kurze Andacht vor der Gott­heit ab­hal­ten kann. Außer­dem kleiden sich viele Besuche dem Anlass ent­spre­chend, oft in tra­di­tionel­len Kimonos. Auch gibt es zu Neu­jahr spezielle Glück­bringer zu kaufen: hamaya hamaya 破魔矢 Glückspfeil, wtl. Dämonentöter-Pfeilsiehe auch→ Alltag/Familie (wtl. „Dämo­nen­töter“), weiß gefie­derte Pfeile, die man sich nach Hause mit nimmt. Es sind Waffen gegen böse Geister.

Hagoita2.gif

Etwas teurer und nicht überall zu finden sind hagoita hagoita 羽子板 Federball-Schlägersiehe auch→ Alltag/Jahr/Shogatsu→ Alltag/Familie : das sind eigentlich Schläger für das traditionelle Feder­ball­spiel, das heute nur noch selten gespielt wird. Dafür sind die Schläger umso dekorativer und dienen als Zier­gegen­stände. Die be­rühm­testen Sou­venir­läden für hagoita gibt es rund um den Asakusa Tempel in Tōkyō. Vor allem für neu­ge­borene Mädchen kauft man zu Neu­jahr einen solchen ver­zierten Feder­ball­schläger. Weniger luxu­riös, dafür ­aber an jeder Ecke zu finden ist Neu­jahrs­schmuck für die Ein­gangs­türe des Hauses oder der Wohnung (kadomatsu kadomatsu 門松 Neujahrsschmucksiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu ). Dieser Schmuck ist fast aus­schließ­lich aus natür­lichen Mate­rialien hergestellt, die eine glücks­ver­heißende Symbolik besitzen: Die wich­tig­sten Elemente sind Pinien­zweige (Sinn­bild des langen Lebens) und Bambus (Sinnbild der Jugend).

O-bon, das Fest der Ahnen

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Mädchen beim Bon-Tanz

Religiöses Fest
Bild © Hihōdō. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Mädchen im Sommerkimono (yukata) beim Bon-Tanz

Bon odori

Mitte August wird das Bon Bon Bon-Fest (Ahnenfest); in der Alltagssprache meist O-bon-Fest gefeiert. In dieser Zeit kommen die Geister der Ahnen aus dem Jenseits auf Besuch. Es ist also eine Zeit, in der man sich auf die Familie, bzw. die Groß­familie inklusive der bereits ver­stor­be­nen Ge­ne­ra­tio­nen besinnt. Ebenso wie Neu­jahr hat O-bon eine öffent­liche und eine private Seite. Die öffentliche Seite macht sich in der modernen Stadt­land­schaft vorwiegend dadurch bemerk­bar, dass gegen Abend von überall her Trommel­klänge und traditionelle japanische Musik erklingen. Viele Leute sind im leichten Sommer-Kimono (yukata yukata 浴衣 Sommer-Kimono, welcher nach dem Baden in einem Hotel oder zu Sommer-matsuri getragen wird; wtl. Badegewand) unterwegs, um an Volks­tänzen teil­zu­nehmen, die in diesem Falle meist von den bud­dhis­tischen Tempeln ver­anstaltet werden. Das sind die berühmten bon odori bon'odori 盆踊 Bon-Tänze, Bon-Tänze, die zumeist kaum einen religiösen Bezug erkennen lassen, aber wohl dadurch gerecht­fertigt sind, dass man den Ahnen Freude bereiten will (Tanz, Gesang und Theater sind tra­di­tio­neller­weise ein sehr wichtiger Be­stand­teil japanischer Rituale, Spaß ist nicht verboten).

Privat spielt der buddhistische Hausaltar (butsudan butsudan 仏壇 buddh. Hausaltarsiehe auch Ahnenkult → Grundbegriffe→ Alltag/Totenriten→ Alltag/Kamidana→ Mythen/Geister/Kaidan ) die zentrale Rolle, denn hier sind die Ahnen ja auch sonst das ganze Jahr über präsent. Alle Opfer für die Ahnen (meist Nahrung) werden daher vor dem besonders festlich her­ge­richteten Haus­altar auf­gestellt. Viele besuchen auch das Fa­mi­lien­grab auf dem Fried­hof und hängen dort Papier­laternen auf. Auf diese Weise werden die Ahnen will­kom­men geheißen (das Entzünden der Laternen heißt mukaebi mukaebi 迎え火 Begrüßungslicht (für die Geister der Ahnen), „Be­grüßungs­licht“). Da man zu diesem Zweck den Haupt­sitz der Familie aufsuchen muss, viele aber in Klein­familien weit entfernt in der Stadt wohnen, ist O-bon die ge­fürch­tetste Reise­zeit inner­halb Japans.

Obon laternen.jpg
Fest der Lichter

O-bon

Laternen, matsuri

Zu O-bon werden die Ahnenseelen durch Lichter am Friedhof (mukaebi) zum Kommen eingeladen.

In darstellerischer Hinsicht sind Feuer und Licht die essenziell­sten Elemente der Bon-Feiern. Das reicht von kleinen de­ko­rati­ven Feuer­werks­körpern (hanabi hanabi 花火 Feuerwerk; wtl. Feuer-Blumen), die die Kinder überall entzünden, bis zu riesigen öf­fent­lichen Feuer­werken, die gerne zu dieser Zeit ver­an­staltet werden. Und schließ­lich gibt es stets eine un­über­seh­bare Anzahl von Lampions, bzw. Papier­laternen. So ist es zum Beispiel in vielen Orten Brauch, am letzten Abend der Bon-Feiern an­ge­zün­dete Papier­laternen in kleinen Booten zu Hunderten die Flüsse hin­unter­fahren zu lassen (tōrō nagashi tōrō nagashi 灯篭流し Laternenflotte). Dies symbolisiert die Verab­schiedung der Ahnen, die nun durch ein „Ver­ab­schie­dungs­licht“ (okuribi okuribi 送り火 Verabschiedungs-Licht (für die Geister der Ahnen)) wieder ins Jenseits zurück geleitet werden sollen. Die spektakulärste Verab­schiedung der Ahnen findet in Kyōto statt. Dort werden am letzten Bon-Feiertag an fünf Berg­hängen, die die Stadt umgeben, riesige Schrift­zeichen entzündet, um die Seelen ins Jenseits zu geleiten. Am deutlichsten ist das über­dimensionale Schrift­zeichen für „groß“ (dai-monji dai-monji 大文字 Das Zeichen „Groß“, das beim Bon-Fest in Kyōto mit Feuer gebildet wird) am östlichen Stadt­rand zu erkennen.

Zu den Ursprüngen des Bon Fests siehe Kapitel Mythen, Hungergeister.

Andere jahreszeitliche Feiertage

Setsubun

 hokusai setsubun.jpg

Dämonenaustreibung

Buchillustration (Papier, Tusche) von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 4
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/8/16)

Illustration des Brauchs, Dämonen (oni) am Jahresende mit getrockneten Bohnen zu verjagen. Dabei wird traditionellerweise gerufen: „Rein mit dem Glück, raus mit den Oni (fuku wa uchi, oni wa soto)!“

. 1 „Onis raus...“

Ähnlich wie in Europa gibt es auch in Japan ver­schie­denste Bräuche der Winter­aus­treibung, bei denen dämo­nische Masken, die den Winter ver­körpern, zunächst ihr Un­we­sen treiben und dann vertrieben werden. Von derar­tigen Aus­trei­bungen hat sich in der städti­schen Ge­sell­schaft der Brauch erhalten, böse Geister (oni oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geistersiehe auch Oni und Kappa → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Geister→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr ) mit getrock­neten Soja­bohnen aus dem Haus zu treiben. Vor allem Kinder dürfen an diesem Tag hem­mungs­los mit diesen leichten und durchaus wohl­schme­cken­den Wurf­ge­schoßen um sich werfen, wes­we­gen sich der Brauch auch heute noch großer Be­liebt­heit erfreut. Dieser Tag heißt setsubun setsubun 節分 „Trennung der Jahreszeiten“; trad. letzter Tag einer der vier Jahreszeiten; heute meist letzter Tag des Winters (3. Februar)siehe auch Oni und Kappa → Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga und markiert den letzten Tag des Winters nach dem tradi­tionellen Kalender (heute der 3. oder 4. Februar).1 Warum die Dämonen aus­gerechnet an diesem Tag von Bohnen in die Flucht ge­schlagen werden können, konnte mir jedoch bislang niemand erklären. (Sie dazu auch Oni und Kappa.)

Higan

Higan higan 彼岸 „jenseitiges Ufer“; Jenseits; buddhistischer Name für die Woche der Tag-und-Nacht-Gleiche bezeichnet die Feiern zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling und im Herbst, die früher auf­wän­diger begangen wurden als die Son­nen­wen­den im Sommer und im Winter. Da der traditionelle Mondkalender immer wieder Schalt­mo­nate nötig machte, damit die zwölf Mond-Monate einigermaßen mit dem Sonnenjahr übereinstimmten, und ein Monatsdatum somit nicht zweifelsfrei auf den Son­nen­stand schließen ließ, dienten diese Feiern wohl in erster Linie der Orientierung im Ablauf der Jahreszeiten. Zugleich wurde die Tag-und-Nacht-Gleiche aber auch zum Anlass besonderer bud­dhis­tischer Feiern genommen. Higan bezeichnet wörtlich das Jenseits oder die Erleuchtung. Einen buddhistischen Feiertag (oder eigentlich eine Feierwoche) dieses Namens kennt man allerdings nur in Japan. Dies wird meist mit dem Glauben an das Reine Land des Buddha Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala → mehr , das sich ja im Westen befindet, erklärt. O-higan ist demnach wahrscheinlich eine Erfindung des japanischen Jōdo Jōdo-shū 浄土宗 Schule des Amida-Buddhismussiehe auch Amidismus → Grundbegriffe/Stereotype→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Mythen/Hoellen→ Geschichte/Heian Zeit → mehr Buddhismus, die aber auf eine ältere sym­bo­lische Betonung der Ost-West-Achse zurückgeht. In der modernen Gesellschaft wird o-higan in erster Linie als eine Zeit der Friedhofsbesuche genützt, gläubige Buddhisten nehmen auch an speziellen Feiern in buddhistischen Tempeln teil.

Ungerade Tage

Ungerade Zahlen sind mit dem Yang Yin Yang (chin.) 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophiesiehe auch Yin und Yang → Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara → mehr , der „männlichen“ Urkraft, verbunden und daher im patriarchalen sino-japanischen Brauchtum gegenüber den geraden Zahlen (Yin, „weiblich“) privilegiert. Besonders glücks­ver­heißend waren nach dieser Auffassung ungerade Tage, die mit dem ungeraden Monat übereinstimmten, also der 1.1., 3.3., usw. Tatsächlich fallen die wichtigsten jahreszeitlichen Feste zumeist auf solche Tage.

Neben dem Neujahrsfest am 1.1. feiert man in Japan am 3.3. tra­di­tio­neller­weise das Puppenfest (hina matsuri Hina Matsuri 雛祭 „Puppenfest“; jahreszeitliches Fest am 3.3.siehe auch→ Alltag/Familie/Shichigosan ), am 5.5. das Knaben­fest (kodomo no hi Kodomo no hi 子供の日 Kinder- bzw. Knabenfest am 5.5.siehe auch→ Alltag/Familie/Shichigosan→ Mythen/Imaginaere Tiere ), und am 7.7. das Tanabata Tanabata 七夕 Tanabata-Fest-Fest. Früher gab es auch Feste am 9.9. und am 11.11. Die gegen­wärtigen Formen dieser Feiern stammen im all­gemeinen aus der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr -­Zeit, doch gibt es eine Reihe von Vor­läufern, die auf die jah­res­zeit­lichen Zeremonien (nenjū gyōji nenjū gyōji 年中行事 Jahresfestesiehe auch→ Alltag/Matsuri ) am Hof des Tennō zur Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit zurück­gehen. Diese wiederum orientierten sich nicht nur an ein­hei­mi­schen Vor­stel­lun­gen, sondern auch am chinesischen Hof­ritual (s. Kami-Kulte im Altertum). Die Assoziationen der traditionellen Feier­tage mit den Hofriten des Tennō oder gar der antiken chinesischen Kaiser sind im heutigen Japan zwar kaum noch präsent, doch zumindest zu Neu­jahr zieht es Millionen Menschen zum Meiji Schrein, in dem der zum Gott erklärte Meiji Tennō Meiji Tennō 明治天皇 1852–1912; 122. japanischer Kaiser (r. 1867–1912); Namensgeber und politische Symbolfigur der Meiji-Zeit; Eigenname: Mutsuhitosiehe auch Staatsshinto → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bauten/Bekannte Schreine→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Geschichte/Bakumatsu verehrt wird.

Verweise

Fußnoten

  1. Dieser Tag wurde auch im tra­di­tio­nellen Kalender­system nach der Sonne berechnet und liegt genau zwischen der Winter­sonnen­wende (21. Dezember) und der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling (21. März). Das tra­di­tio­nelle Neujahr wurde da­gegen nach dem Mond bestimmt und fiel auf einen Neu­mond unmit­telbar vor oder nach dem setsubun-Tag. Siehe dazu Kalender in Japan (Bernhard Peter).

Bilderläuterungen

  1. Hokusai setsubun.jpg

    Dämonenaustreibung

    Buchillustration (Papier, Tusche) von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 4
    Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/8/16)

    Illustration des Brauchs, Dämonen (oni) am Jahresende mit getrockneten Bohnen zu verjagen. Dabei wird traditionellerweise gerufen: „Rein mit dem Glück, raus mit den Oni (fuku wa uchi, oni wa soto)!“

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