Alltag/Yamabushi/En no Gyoja: Unterschied zwischen den Versionen

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* En lebt auf dem Berg Katsuragi und durchstreift von dort aus das Bergland von Yoshino und Ōmine (die späteren Zentren der ''yamabushi'').  
 
* En lebt auf dem Berg Katsuragi und durchstreift von dort aus das Bergland von Yoshino und Ōmine (die späteren Zentren der ''yamabushi'').  
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Version vom 9. Juni 2018, 22:47 Uhr

Die En no Gyōja Legende
Ennogyoja keishun.jpg

En no Gyōja

Statue (Holz) von Keishun. 1286; im Besitz des Nara National Museums
Bildquelle: Yukawaya. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

En no Gyōja-Statue aus dem 13. Jahrhundert.

. 1 En no Gyōja
Statue von Keishun, 1286

En no OzunoEn no Ozuno 役小角 Asket des Altertums, auch En no Ozunu; besser bekannt als En no Gyōja , der später den Bei­na­men En no GyōjaEn no Gyōja 役行者 Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozuno YamabushiHeilige (En, der Asket) erhielt, galt zu Leb­zeiten (um 700) wohl noch nicht als der über jeden Zweifel erha­bene Heilige und Or­dens­grün­der, als der er später von den Berg­aske­ten (yamabushiyamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft; Praktikant des Shugendō MatsuriFeuergangMoencheMoenchstrachtPilgerschaft... mehr) ver­ehrt wurde. In frühen Berich­ten wird er oft als ubasoku, dh. als nicht offi­ziell ge­weih­ter bzw. selbst­er­nann­ter bud­dhis­tischer Mönch be­zeich­net. Das bedeu­tet, dass er zu Leb­zeiten ledig­lich eine Außen­seiter­posi­tion inner­halb der bud­dhis­tischen Mönchs­schaft inne hatte.1

Eines der weni­gen histo­risch ver­brief­ten Ele­mente aus der Bio­gra­phie des En no Gyōja ist seine Ver­ban­nung. Sie könnte letztlich auf den Um­stand zurück­zu­füh­ren sein, dass man von der­arti­gen selbst­er­nann­ten „heiligen Män­nern“, die sich der Kon­trolle der Obrig­kei­ten ent­zie­hen, un­heil­volle Ein­flüs­se auf die Unter­tanen des jungen TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr-Staates befürchtete.

En taucht erstmals in der zweiten offiziellen Reichs­chronik Shoku NihongiShoku Nihongi 続日本紀 2. offizielle Reichschronik (797), Nachfolger des Nihon shoki (Nihongi), daher der Name „Fortsetzung des Nihongi OpferTaubenGeister (797) auf und wird dort als E no Kimi Ozunu bezeichnet. Er lebt in der Zeit des Monmu TennōMonmu Tennō 文武天皇 683–707; 42. Tennō Japans (r. 697–707), Enkel des Tenmu Tennō Tauben (r. 697–707) als Ein­siedler auf Berg KatsuragiKatsuragi-san 葛城山 Heiliger Berg der yamabushi, südwestl. von Nara; auch Yamato Katsuragi-san im Süd­westen des Nara Beckens und ist für seine magi­schen Fähig­keiten bekannt. Ein Hof­beamter und Mediziner nimmt eine Zeit lang bei ihm Un­ter­richt, schließ­lich klagt er aber seinen Meister an, ver­schwöre­rische Umtriebe zu planen, worauf En in die Ver­ban­nung nach Izu geschickt wird. Soweit die Fakten, die heute als glaub­würdig einge­stuft werden. Das Shoku nihongi fügt aller­dings noch hinzu, dass En Götter und Dämonen durch magi­sche Sprüche dazu brachte, für ihn Wasser und Feuer­holz einzu­holen, und sie durch Bann­sprüche fesselte, wenn sie ihm nicht gehorchten.

Fast zeitgleich mit dem Shoku Nihongi berichtet die bud­dhis­tische Le­gen­den­samm­lung Nihon ryōikiNihon ryōiki 日本霊異記 „Wundersame Begebenheiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.) Berg KoyaOpferRegenmachenHeian Zeit... mehr (frühes 9. Jh.) von E no Ubasoku. Hier wird genauer auf die magischen Fähig­keiten des Asketen einge­gangen, die zwar stark an dao­istische Legen­den erinnern, in diesem Text aber seiner Kenn­tnis bes­timm­ter magischer Formeln aus dem Bud­dhis­mus zuge­schrie­ben werden.2 Aus diesen Anfängen entstand im Laufe der Jahr­hunderte eine kom­plexe Erzäh­lung mit viel­fachen Varianten, die folgende Haupt­motive3 beinhaltet:

  • En lebt auf dem Berg Katsuragi und durchstreift von dort aus das Bergland von Yoshino und Ōmine (die späteren Zentren der yamabushi).

Vorlage:Wmax

  • Auf Berg Katsuragi hat En eine magische Be­geg­nung mit einem Skelett, das einen vajravajra वज्र „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus, jap. kongō 金剛 Verwuenschungen fest umklammert hält und sich als Ens eigener Leich­nam aus einer früheren Existenz heraus­stellt. MirokuMiroku 弥勒 Bodhisattva Maitreya, „Buddha der Zukunft“ HachimanDaibutsu StatuenHonji suijakuGluecksgoetter... mehr (MaitreyaMaitreya मैत्रेय „Der Freundliche, der Liebevolle“, Buddha der Zukunft, jap. Miroku 弥勒 HachimanArhatsDaibutsu StatuenHonji suijaku... mehr), der Buddha der Zukunft, offenbart En das „Mantra des Pfauen-Königs (Kujaku Myōō)“, um den Vajra aus der Um­klamme­rung des Skeletts zu lösen. Neben­bei erlernt En damit auch die Kunst des Fliegens.

Vorlage:Sidebox2

  • En entdeckt den Berg KinpusenKinpusen 金峯山 Heiliger Gipfel in den Bergen von Yoshino, südl. von Nara (Goldgipfel), der eigentlich ein Teil des Geier­berges (GṛdhrakūṭaGṛdhrakūṭa गृध्रकूट „Geiergipfel“, indischer Berg bei Rājagṛha (Rajgir), auf dem Buddha predigte, jap. Ryōjusen 霊鷲山 PilgerschaftFushimi) in Indien ist, wo Buddha ŚākyamuniŚākyamuni शाक्यमुनि „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha, jap. Shaka 釈迦 oder Shakamuni 釈迦牟尼 StupaDaibutsu StatuenAmida einst das Lotos Sutra predigte, der aber im Jahr 552(!) nach Japan geflogen kam. Auf dem Kinpusen offenbart sich En der furcht­ein­flößende Zaō GongenZaō Gongen 蔵王権現 synkretistische Gottheit der yamabushi (neben Fudō MyōōFudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ FeuergangYamabushiVajrapaniKukai... mehr einer der Haupt­gott­heiten des Shugendō), den En als persönlichen Schutz­gott annimmt.
  • En plant mit Hilfe einer lokalen Gott­heit seines Heimat­berges Katsuragi — Hitokoto­nushi (wtl. Herr oder Herrin4 des einen Wortes) — eine Brücke vom Katsuragi-Gipfel zum Kinpusen zu bauen. Die Gottheit verweigert ihm allerdings den Ge­hor­sam, worauf En sie mithilfe magischer Sprüche fesselt und tief in einem Berg­tal ein­kerkert. Es gelingt der Gott­heit aller­dings, En no Gyōja zu verleumden, indem sie sich durch ein Medium am Hof des Tennō Gehör verschafft.
  • En wird daraufhin nach Izu, einer Halb­insel nahe des Berges Fuji, verbannt (nachdem seine Mutter in Geisel­haft genommen wurde, um seiner hab­haft zu werden). Nach einer Reihe von Wundern wird klar, dass die Ver­ban­nung zu Unrecht erfolgte, doch En hat nun mit Japan nichts mehr am Hut und fliegt nach Korea.
  • In Korea gibt sich En einem Mönch, der zu Studien­zwecken nach China reist, zu erkennen, indem er ihn auf Japanisch anspricht.
  • Schließlich erhält En vom großen indischen Mönch NāgārjunaNāgārjuna नागार्जुन legendärer Begründer des Mahāyāna-Buddhismus, jap. Ryūju 龍樹 Imaginaere Tiere das Wasser der Reinen Erkenntnis und ver­wan­delt sich in ein himm­lisches Wesen. Er tritt nur noch vereinzelt in Japan auf, wenn jemand versucht, seinen Ge­gen­spieler Hitokotonushi von den magischen Bann­sprüchen zu befreien, mit denen En ihn fesselte.
Ennogyoja hokusai.jpg
. 2 En no Gyōja auf dem Berg Fuji (Katsushika Hokusai, 1834)

En no Gyōja auf dem Berg Fuji

Buchillustration von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit, 1834; aus der Serie Hundert Ansichten des Fuji, Band 1
Bild © visipix. (Letzter Zugriff: 2011/7)

En no Gyōja auf dem Berg Fuji.

Verweise

Fußnoten

  1. Im übrigen deutet vieles in Ens frühen Hei­li­gen­legenden darauf hin, dass er eher als Heiliger im Sinne eines daoistischen Un­sterb­lichen denn als erleuchteter Buddhist angesehen werden muss.
  2. Für eine genaue Auseinander­setzung mit dieser Geschichte s. Nihon Ryo-Wiki, Erzählung I-28
  3. Zusammengefasst nach En no gyōja Nara ehon in der Übersetzung von Royall Tyler (Tyler 1987)
  4. Laut Kennan (1999, S. 347) wird Hitokotonushi in späteren Legenden als weibliche Gott­heit ausgewiesen. Auch sonst sind japanische Berg­gott­heiten üblicherweise weiblich.

Bilderläuterungen

  1. Ennogyoja keishun.jpg

    En no Gyōja

    Statue (Holz) von Keishun. 1286; im Besitz des Nara National Museums
    Bildquelle: Yukawaya. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    En no Gyōja-Statue aus dem 13. Jahrhundert.

  2. Ennogyoja hokusai.jpg

    En no Gyōja auf dem Berg Fuji

    Buchillustration von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit, 1834; aus der Serie Hundert Ansichten des Fuji, Band 1
    Bild © visipix. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    En no Gyōja auf dem Berg Fuji.

Links

  • Die Pfauenkönigs-Mantra-Weise übend..., Hermann Bohner
    Übersetzung und Materialien der Gyōja-Legende aus dem Nihon Ryōiki, Buch 1, Erzählung 28 (unter Verwendung Bohners Studie aus dem Jahr 1934, für das Internet aufbereitet von Adi Meyerhofer). [Über Internet Archive, 2010/8]
  • Shugendō Mark Schumacher
    Umfangreiche Hintergrundinformationen und Links zu weiteren Quellen.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Royall Tyler (Ü.) 1987
„The wizard in the mountains.“ In: Royall Tyler (Hg.), Japanese Tales. New York: Pantheon Books 1987, S. 127–130.
Linda Klepinger Keenan 1999
„En the Ascetic.“ In: George Tanabe (Hg.), Religions of Japan in Practice. Princeton: Princeton University Press 1999, S. 343–353.
Hartmut O. Rotermund 1965
„Die Legende des Enno-Gyōja.“ Oriens Extremus12/2 (1965), S. 221–241.
Alltag/Yamabushi (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„En no Gyoja.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 9.6.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Yamabushi/En_no_Gyoja?oldid=68805