Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin

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Gottheit und Schreine des Tenjin-Glaubens

michizane
Michizane als Gott der Bildung
Holzschnitt von Kawanabe Kyōsai, um 1860.

Die Hauptgottheit der Tenman/Tenjin Tenman Tenjin 天満天神 Shintō-Gott, Apotheose des Sugawara no Michizanesiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine Schreine zählt zu den wechselvollsten Persönlichkeiten im shintoistischen Pantheon. Sie geht auf den Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -zeitlichen Gelehrten Sugawara no Michizane Sugawara no Michizane 菅原道真 845–903, Heian-zeitl. Staatsmann und Gelehrter; posthum als Tenman Tenjin vergöttlicht, heute Gott der Gelehrsamkeitsiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Geister→ Geschichte/Staatsshinto (845—903) zurück. Michizane stammte aus einer höfischen Gelehrtendynastie und machte auch als Dichter auf sich aufmerksam. Andererseits engagierte er sich als höfischen Beamter in der Politik des Kaiserhofs und zählte in seiner Doppelrolle als Gelehrter und Staatsmann zu den bekanntesten und einflussreichsten Figuren seiner Zeit.

Dazaifu tenmangu2.jpg

Haupteingang

Schreingebäude (Holz); Fukuoka, Kyūshū
Bild © Tomo Yun. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Haupteingang des Dazaifu Tenman-gū

Tobiume.jpg

Der fliegende Pflaumenbaum (tobiume)

Schreinanlage; Dazaifu Tenman-gū, Fukuoka, Kyūshū
Bildquelle: David Chart, Wikimedia Commons, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Dies ist der Pflaumenbaum (ume), der Michizane aus Kyōto nachgeflogen sein soll.

Tenmangu stier.jpg

Ochsenstatue

Statue; Fukuoka, Kyūshū
Bild © Chris Gladis, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Einer der zahlreichen Ochsen des Dazaifu Tenman-gū.

Dazaifu tenmangu mamori.jpg

Glücksbringer-Verkauf im Dazaifu Tenman-gū

Schrein; Fukuoka-ken, Kyūshū
Bild © Teasmartgarden, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die im Dazaifu Tenman-gū verkauften Glücksbringer (o-mamori, o-fuda) richten sich speziell an Schüler und Studenten. Ihnen gewährt Tenjin-sama besonderen Schutz.

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Hauptgebäude des Kitano Tenman-gū

Schreinhalle, haiden (Holz). 1587; Kintano Schrein, Kyoto
Bild © Kitaoka A., 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Zeremonienhalle (haiden) des Kitano Tenman-gū. Die eigentliche Haupthalle (honden) ist baulich mit der Zeremonienhalle verschmolzen und befindet sich, für normale Besucher unzugänglich, in deren hinterem Teil. Der Schrein wurde zwar bereits 947 errichtet, die ursprüngliche Form ist allerdings nicht genau bekannt. Die heutige Form erhielt der Schrein unter Toyotomi Hideyori, einem Sohn des Toyotomi Hideyoshi.

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Tor der Drei Lichter (sankō-mon)

Schreintor. 1607; „Nationalschatz“
Bild © Apricot Cafe, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Eingang des Kitano Tenman-gū zur Zeit der Pflaumenblüte. Auch auf einem der Lampions neben dem Eingang ist das fünfblättrige Pflaumenemblem, das Wappenzeichen des Schreins, zu sehen.

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Pflaumenblüten des Kitano Schreins

Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Pflaumenblüte (ume) soll vom Dichter und Gelehrten Sugawara no Michizane besonders geschätzt worden sein.

Kitano lantern.jpg

Laterne des Kitano Schreins

Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/08/18)

Die Laterne trägt das Zeichen oni (Dämon) und erinnert vielleicht an die Figur des Tenjin als dämonischer Donnergott.

Kitano ushi.jpg

Statue eines Ochsen

Fukuoka, Kyūshū
Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Einer der zahlreichen Ochsen des Kitano Tenman-gū, festlich geschmückt

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Die obigen Bilder zeigen die Hauptschreine der in Japan weit verbreiteten Tenjin Schreine, in denen Michizane verehrt wird. Heute gilt er im allgemeinen als Gott der Bildung, die ursprüngliche Motivation, ihn als Gott zu verehren, rührte allerdings von der Furcht vor seiner schrecklichen Rache, nachdem er zu Unrecht in Ungnade gefallen war.

Michizanes Karriere bei Hof

Infolge seiner Talente war es Michizane möglich, den Posten des „Staatskanzlers zur Rechten“ zu erringen und er wäre vielleicht sogar „Großkanzler“ geworden, hätte der eifersüchtige Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr Clan dies nicht zu verhindern gewusst. Die führenden Ämter des Hofes wurden nämlich in der Heian Zeit von den Fujiwara monopolisiert. Michizane war seit Generationen der erste, der die politische Hegemonie dieser Adelsfamilie, deren Töchter gewohnheitsmäßig mit dem Tenno verheiratet wurden, gefährdete. Sein Gegenspieler, Fujiwara no Tokihira (871—909) bezichtigte ihn daher, ein Komplott gegen den regierenden Tenno Daigo Daigo Tennō 醍醐天皇 60. Kaiser Japans, 885–930, r. 897–930.siehe auch→ Alltag/Moenche (885—930, r. 897—930) angezettelt zu haben. Michizane wurde daraufhin aus der Hauptstadt entfernt, indem man ihn zum Vize-Gouverneur von Kyushu degradierte. Es war dies eine bewährte Art, hochrangige Hofbeamte in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken, und bedeutete das Ende von Michizanes Absicht, das Monopol der Fujiwara zu brechen und den alten Prinzipien der Meritokratie (Amt aufgrund von Leistung, nicht aufgrund von Herkunft) wieder zum Durchbruch zu verhelfen. Er selbst starb kurze Zeit später im 58. Lebensjahr in Dazaifu, damals das politische Zentrum Kyushus (heute Teil der Stadt Fukuoka).

Michizanes Rache

Nach dem Tod Michizanes häuften sich in der Hauptstadt Naturkatstrophen und Unglücksfälle. Die Kinder des Tenno starben eines nach dem anderen und ein Blitz, der in den Kaiserpalast einschlug, tötete zahlreiche Höflinge. Schließlich starb auch Michizanes Gegenspieler nach einer nicht unerfolgreichen politischen Karriere vorzeitig im Alter von 39 Jahren. Man ahnte, dass dies dem zürnenden Totengeist Michizanes zuzuschreiben sei, brachte ihm Opfer dar und holte seine Söhne aus der Verbannung zurück. Tenno Daigo trat in den Mönchsstand ein. Als dies nichts half, beförderte man Michizane posthum zum Kanzler zur Linken vom Wirklichen Zweiten Rang (913). 947 errichtete man schließlich in Kitano, im Norden der Hauptstsadt einen Schrein, nachdem Michizane einen entsprechenden Wunsch durch ein Medium kundgetan hatte. Ein Neffe Fujiwara Tokihiras stiftete dabei sogar aus eigenen Mitteln die Schreingebäude. Noch immer kam es jedoch zu Katastrophen, die Michizane zugeschrieben wurden. 993 ( 90 Jahre nach seinem Tod) erhielt er schließlich den Wirklichen Ersten Rang und das Amt des Großkanzlers! Das scheint seinem Zorn schließlich ein Ende bereitet zu haben.

kitanotenjin_engi_metny.jpg

Chronik des Kitano Tenjin Schreins (Kitano tenjin engi)

Querbildrolle, tenbu, Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; 29,8 x 863 cm
Bild © Metropolitan Museum of Art, New York. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Fletcher Fund, 1925

Sugawara no Michizanes Geist in Gestalt eines zürnenden Donnergottes (Raijin).

Sugawara no Michizanes Geist in Gestalt eines zürnenden Donnergottes

Tenjin-sama

Michizanes voller Götternname lautet Tenman Daijizai Tenjin (Himmelsfüllender, großer, nach Belieben waltender Himmelsgott), die geläufigste volktümliche Bezeichnung ist Tenjin-sama. Die Namen seiner Schreine sind meist aus Teilen dieser Namen abgeleitet. Dass zu Unrecht zu Tode gekommene Personen als zürnende Totengeister (goryō goryō 御霊 „erhabener“ [Rache]Geistsiehe auch Geister → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Geschichte/Kamakura/Verwuenschungen oder onryō onryō 怨霊 Rachegeistsiehe auch Geister → Geschichte/Staatsshinto/Yasukuni→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e ) die Lebenden heimsuchen würden, war eine weit verbreitete Vorstellung in der Heian Zeit. Im Falle Michizanes stellte man sich die Gottheit Tenjin spätestens seit dem Blitzschlag im Kaiserpalast als Donnergott vor. Trotz oder gerade wegen der allgemeinen Furcht vor Tenjin schuf man aufwendige Riten und bunte Schreinfeste (Kitano Matsuri, ab 987), um den Zorn dieses Gottes zu besänftigen. Erst viel später erinnerte man sich der Talente des Michizane und funktionierte ihn zum Gott der Gelehrsamkeit und der Bildung um, als der er noch heute allgemein verehrt wird. Ein Zweig der Familie Sugawara war von der Gründung des Schreins an bis in die Meiji Zeit als Schreinpriester tätig, unterstand dabei allerdings immer der Oberhoheit des Tendai Buddhismus.

Der Kitano Schrein wurde ab dem 11. Jh. in die Riege der vom Tenno persönlich verehrten Schreine und schließlich in die Liste der 22 Staatsschreine aufgenommen (die Ende der Heian Zeit obsolet wurde). Die Legende Michizanes wurde 1194 aufgeschrieben, kurze Zeit später illustriert und in Form des Kitano Tenjin engi emaki (Illustrierte Legenden des Kitano Tenjin Schreins) mehrfach kopiert. Im Gegensatz zu anderen kaiserlichen Schreinen blieb die Erinnerung an Michizane also auch im japanischen Mittelalter lebendig. Im Jahr 1578 veranstaltete Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch Christentum → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Symboltiere → mehr im Kitano Schrein seine berühmte Massen-Teezeremonie, für die er sich eigens ein goldenes Teehaus errichten ließ. Sein Nachfolger Hideyori errichtete die heutige Schreinanlage. Auch unter den Tokugawa wurde der Schrein gefördert.

Michizanes Ochse

Der zweite Hauptschrein des Tenjin Glaubens, der Dazaifu Tenman-gū Dazaifu Tenman-gū 大宰府天満宮 Dazaifu Tenman Schrein (Kyūshū), einer der beiden Hauptschreine für Sugawara no Michizane, gegr. 919siehe auch Bekannte Schreine → Karte in Kyushu, leitet sich auf eine Legende im Zusammenhang mit Michizanes Ableben zurück. Als er im Jahr 903 starb, sollte sein Leichnam zunächst in die Hauptstadt zurückgebracht werden. Kaum hatte sich der Trauerzug aber in Bewegung gesetzt, blieb der Ochse, der den Sarg transportierte, unversehens stehen und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Man nahm dies als Zeichen Michizanes und errichtete an dieser Stelle ein Grab, das 905 zum Mausoleum und 919 schließlich zum Schrein ausgebaut wurde.

Michizane funeral.jpg
Begräbnis des Michizane
Bildquelle: The Kitano Tenjin Engi (Metropolitain Museum) [2010/8]

Der Schrein in Dazaifu/Kyushu ist somit der eigentliche Ahnenschrein des Michizane, ohne das schlechte Gewissen der Höflinge in Kyoto und den daraus resultierenden Kitano Schrein wäre er aber wohl nicht zu landesweiter Bedeutung aufgestiegen.

Michizanes Pflaumenblüten

Michizanes Schmerz über den erzwungenen Abschied von der Hauptstadt ist der Nachwelt in einem berühmten Gedicht erhalten geblieben, das er an die Pflaumenblüten in seinem Garten richtete:

Wenn der Ostwind weht, gebt ihm euren Duft mit, ihr Pflaumenblüten
Auch wenn der Hausherr fort ist, vergesst nicht auf den Frühling

kochi fukaba/ nioi okoseyo/ ume no hana 東風吹かば にほひおこせよ 梅の花
aruji nashi tote/ haru na wasure zo 主なしとて 春な忘れそ

Ume.gif

Einer der Pflaumenbäume im heutigen Dazaifu Tenmangū Schrein, soll dem Hausherren tatsächlich nach Kyushu nachgeflogen sein. In allen großen Tenman/Tenjin Schreinen sind heute Pflaumenbäume (Ume) zu finden, die etwas früher blühen als die berühmten Sakura. Die einfache, fünfblättrige Grundstruktur der Blüte ziert auch das Pflaumen-Emblem, das von vielen Tenjin Schreinen als eine Art Logo verwendet wird.

Siehe auch: Gespenster und Totengeister

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Ikonographie
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„Tenjin.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 3.9.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Schreine/Tenjin?oldid=12984