Gottheit und Schreine des Tenjin-Glaubens

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Bernhard Scheid, „Gottheit und Schreine des Tenjin-Glaubens.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Schreine/Tenjin?oldid=67265
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Sitzportrait des Tenjin (Tenjin zazō)

Skulptur, shinzō (Holz, bemalt). Kamakura-Zeit, 1259; im Besitz des Yoki Tenman Schreins, Nara; Höhe: 94,9 cm
Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Äußerlich gleicht diese Darstellung des Tenjin dem konventionellen Bild eines höfischen Staatsmannes, die extrem strengen Gesichtszüge deuten jedoch göttliche Autorität an.

. 1 Tenjin, der vergöttlichte Totengeist des Sugawara Michizane (1259)

Im shintōistischen Pantheon zählt Tenman Tenjin Tenman Tenjin 天満天神 Shintō-Gott, Apotheose des Sugawara no Michizanesiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine , die Hauptgottheit der weit verbreiteten Tenjin Tenjin 天神 wtl. „Himmelsgott“, s.a. Tenman Tenjinsiehe auch Bekannte Schreine → Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Geister→ Mythen/Symboltiere Schreine, zu den wechsel­vollsten Per­sönlich­keiten. Tenman Tenjin geht auf den Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -zeitlichen Gelehrten Sugawara no Michizane Sugawara no Michizane 菅原道真 845–903, Heian-zeitl. Staatsmann und Gelehrter; posthum als Tenman Tenjin vergöttlicht, heute Gott der Gelehrsamkeitsiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Geister→ Geschichte/Staatsshinto (845—903) zurück. Michizane stammte aus einer höfischen Gelehrten­dynastie und machte auch als Dichter auf sich aufmerksam. Anderer­seits engagierte er sich als höfischer Beamter in der Politik des Kaiser­hofs und zählte in seiner Doppel­rolle als Gelehrter und Staats­mann zu den bekanntesten und einfluss­reichsten Figuren seiner Zeit, bevor er schließlich einer Verleumdung zum Opfer fiel. Heute gilt er im All­ge­meinen als Gott der Bildung, die ur­sprüng­liche Mo­tiva­tion, ihn als Gott zu verehren, rührte allerdings von der Furcht vor seiner schreck­lichen Rache, nachdem er zu Unrecht in Ungnade gefallen war.

Michizanes voller Götter­name lautet Tenman Daijizai Tenjin („Himmels­füllender, großer, nach Belieben wal­ten­der Himmels­gott“), die geläufigste volks­tüm­liche Be­zeich­nung ist Tenjin-sama. Die Namen seiner Schreine sind meist aus Teilen dieser Namen abgeleitet.

Hauptschreine

Kitano Tenman-gū, Kyōto

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Zeremonienhalle des Kitano Schreins

Schreinhalle, gongen-zukuri (Holz). 1607; „Nationalschatz“; Kitano Tenmangū, Kyōto
Bild © Chris Gladis, Flickr, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Zeremonienhalle (und Hauptfront) des Kitano Tenman-gū mit blühendem Pflaumenbaum im Vordergrund.

. 2 Zeremonienhalle (haiden) im Kitano Schrein, Kyōto
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Hauptgebäude des Kitano Tenman-gū

Schreinhalle, haiden (Holz). 1587; Kintano Schrein, Kyoto
Bild © Kitaoka A., 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Zeremonienhalle (haiden) des Kitano Tenman-gū. Die eigentliche Haupthalle (honden) ist baulich mit der Zeremonienhalle verschmolzen und befindet sich, für normale Besucher unzugänglich, in deren hinterem Teil. Der Schrein wurde zwar bereits 947 errichtet, die ursprüngliche Form ist allerdings nicht genau bekannt. Die heutige Form erhielt der Schrein unter Toyotomi Hideyori, einem Sohn des Toyotomi Hideyoshi.

. 3 Haiden
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Tor der Drei Lichter (sankō-mon)

Schreintor. 1607; „Nationalschatz“
Bild © Apricot Cafe, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Eingang des Kitano Tenman-gū zur Zeit der Pflaumenblüte. Auch auf einem der Lampions neben dem Eingang ist das fünfblättrige Pflaumenemblem, das Wappenzeichen des Schreins, zu sehen.

. 4 Eingangstor

Der Kitano Tenman-gū Kitano Tenman-gū 北野天満宮 Kitano Tenman Schrein (Kyōto); einer der beiden Hauptschreine des Sugawara no Michizane, gegr. 947siehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine→ Mythen/Geister→ Karte in Kyōto wurde im Jahr 947 gegründet (s.u.) und mehrfach ausgebaut. Das heutige Hauptgebäude aus der frühen Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit ist im sogenannten gongen-Stil (gongen-zukuri gongen-zukuri 権現造 Architekturstil des Tōshō Schreins, abgeleitet von Tōshō Dai-Gongen, dem vergöttlichten Tokugawa Ieyasusiehe auch Nikko ) gehalten, bei dem die eigentliche Haupthalle auf komplexe Weise mit der Zeremonienhalle (haiden haiden 拝殿 Zeremonienhalle eines Schreinssiehe auch Schreine → Bauten/Bekannte Schreine ) verschachtelt und meist gar nicht zugänglich ist. Der Schrein ist heute vor allem unter Schülern und Studenten populär, die Tenjin-sama, den höfischen Gelehrten, um Erfolg im Studium bitten.

Dazaifu Tenman-gū, Kyūshū

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Haupthalle des Dazaifu Tenman-gū

Schreinhalle, honden (Holz); Fukuoka-ken, Kyūshū
Bild © Tomo Yun. (Letzter Zugriff: 2011/12/18)

Auf der rechten Seite der Haupthalle (honden) des Dazaifu Tenman-gū ist der legendenumwobene Pflaumenbaum zu sehen.

. 5 Haupthalle des Dazaifu Tenman-gū
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Haupteingang

Schreingebäude (Holz); Fukuoka, Kyūshū
Bild © Tomo Yun. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Haupteingang des Dazaifu Tenman-gū

. 6 Eingang
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Glücksbringer-Verkauf im Dazaifu Tenman-gū

Schrein; Fukuoka-ken, Kyūshū
Bild © Teasmartgarden, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die im Dazaifu Tenman-gū verkauften Glücksbringer (o-mamori, o-fuda) richten sich speziell an Schüler und Studenten. Ihnen gewährt Tenjin-sama besonderen Schutz.

. 7 Glücksbringer-Verkauf

Der Dazaifu Tenman-gū Dazaifu Tenman-gū 大宰府天満宮 Dazaifu Tenman Schrein (Kyūshū), einer der beiden Hauptschreine für Sugawara no Michizane, gegr. 919siehe auch Bekannte Schreine → Karte ist die eigentliche Gedenkstätte des Sugwara no Michizane, wurde vor dem Kitano Schrein errichtet und bildet mit diesem zusammen die Spitze des über 10.000 Schreine umfassenden Netzwerks von Tenjin Schreinen. Obwohl die Fassade der Haupthalle dem Kitano Schrein in Kyōto durchaus ähnelt, handelt es sich streng genommen um einen anderen Baustil — nagare-zukuri nagare-zukuri 流造 wtl. fließender Stil; Baustil von Schreinhallen, charakterisiert durch ein weit nach vor gezogenes Dach an der Vorderfront; seit der Edo-Zeit gängister Schreinstil, charakterisiert durch ein weit nach vorgezogenes Vordach —, denn es gibt keine Verschachtelung von Zeremonien- und Haupthalle.

Schreingeschichte

Michizanes Karriere bei Hof

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Laterne des Kitano Schreins

Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/08/18)

Die Laterne trägt das Zeichen oni (Dämon) und erinnert vielleicht an die Figur des Tenjin als dämonischer Donnergott.

. 8 Laterne des Kitano Schreins

Infolge seiner Talente war es Michizane möglich, den Posten des „Staats­kanzlers zur Rechten“ zu erringen und er wäre vielleicht sogar „Groß­kanzler“ geworden, hätte der eifer­süchtige Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr Klan dies nicht zu ver­hindern gewusst. Die führenden Ämter des Hofes wurden nämlich in der Heian-Zeit von den Fujiwara mono­polisiert. Michizane war seit Generationen der erste, der die politische Hegemonie dieser Adels­familie, deren Töchter gewohn­heits­mäßig mit dem Tennō ver­heiratet wurden, gefährdete. Sein Gegen­spieler, Fujiwara no Tokihira Fujiwara no Tokihira 藤原 時平 871–909; japanischer Staatsman, Hofbeamter und Politiker der Heian-Zeit bezichtigte ihn daher, ein Komplott gegen den re­gie­renden Tennō Daigo Daigo Tennō 醍醐天皇 60. Kaiser Japans, 885–930, r. 897–930.siehe auch→ Alltag/Moenche angezettelt zu haben. Michizane wurde daraufhin aus der Haupt­stadt entfernt, indem man ihn zum Vize-Gouverneur von Kyū­shū degradierte. Es war dies eine bewährte Art, hoch­rangige Hof­beamte in den vorzeitigen Ruhe­stand zu schicken, und bedeutete das Ende von Michizanes Absicht, das Monopol der Fujiwara zu brechen und den alten Prin­zi­pien der Meri­to­kratie (Amt aufgrund von Leistung, nicht aufgrund von Herkunft) wieder zum Durch­bruch zu verhelfen. Er selbst starb kurze Zeit später im 58. Lebens­jahr in Dazaifu, damals das politische Zentrum Kyūshūs (heute Teil der Stadt Fukuoka).

Michizanes Rache

Nach dem Tod Michizanes häuften sich in der Haupt­stadt Natur­kata­strophen und Un­glücks­fälle. Die Kinder des Tennō starben eines nach dem anderen und ein Blitz, der in den Kaiser­palast einschlug, tötete zahl­reiche Höflinge. Schließlich starb auch Michizanes Gegen­spieler nach einer nicht un­erfolg­reichen politischen Karriere vorzeitig im Alter von 39 Jahren. Man ahnte, dass dies dem zürnenden Toten­geist Michizanes zuzu­schreiben sei, brachte ihm Opfer dar und holte seine Söhne aus der Ver­bannung zurück. Tennō Daigo trat in den Mönchs­stand ein. Als dies nichts half, beförderte man Michizane posthum zum „Kanzler zur Linken vom Wirklichen Zweiten Rang“ (913). 947 er­rich­tete man schließlich in Kitano, im Norden der Haupt­stadt einen Schrein, nachdem Michizane einen ent­sprech­enden Wunsch durch ein Medium kund­getan hatte. Ein Neffe Fujiwara Tokihiras stiftete dabei sogar aus eigenen Mitteln die Schrein­ge­bäude. Noch immer kam es jedoch zu Kata­stro­phen, die Michizane zuge­schrie­ben wurden. 993 (90 Jahre nach seinem Tod) erhielt er schließlich den „Wirk­lichen Ersten Rang“ und das Amt des Groß­kanzlers! Das scheint seinem Zorn schließlich ein Ende bereitet zu haben.

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Chronik des Kitano Tenjin Schreins (Kitano tenjin engi)

Querbildrolle, tenbu, Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; 29,8 x 863 cm
Bild © Metropolitan Museum of Art, New York. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Fletcher Fund, 1925

Sugawara no Michizanes Geist in Gestalt eines zürnenden Donnergottes (Raijin).

. 9 Sugawara no Michizanes Geist in Gestalt eines zürnenden Donnergottes

Dass zu Un­recht zu Tode ge­kommene Personen als zürnende Totengeister (goryō goryō 御霊 „erhabener“ [Rache]Geistsiehe auch Geister → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Geschichte/Kamakura/Verwuenschungen oder onryō onryō 怨霊 Rachegeistsiehe auch Geister → Geschichte/Staatsshinto/Yasukuni→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e ) die Lebenden heim­suchen würden, war eine weit ver­brei­tete Vor­stellung in der Heian-Zeit. Im Falle Michizanes stellte man sich die Gottheit Tenjin spätestens seit dem Blitz­schlag im Kaiser­palast als Donnergott vor. Trotz oder gerade wegen der all­ge­meinen Furcht vor Tenjin schuf man auf­wendige Riten und bunte Schreinfeste (Kitano Matsuri, ab 987), um den Zorn dieses Gottes zu besänftigen. Erst viel später erinnerte man sich der Talente des Michizane und funktionierte ihn zum Gott der Gelehr­sam­keit und der Bildung um, als der er noch heute allgemein verehrt wird. Ein Zweig der Familie Sugawara war von der Gründung des Schreins an bis in die Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Jahr → mehr -Zeit als Schrein­priester tätig, un­ter­stand dabei allerdings immer der Ober­hoheit des Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr Buddhismus.

Der Kitano Schrein wurde ab dem elften Jahr­hun­dert in die Riege der vom Tennō persönlich ver­ehrten Schreine und schließlich in die Liste der 22 Staats­schreine auf­ge­nom­men (die Ende der Heian-Zeit obsolet wurde). Die Legende Michizanes wurde 1194 auf­ge­schrieben, kurze Zeit später illustriert und in Form des Kitano Tenjin engi emaki („Illustrierte Legenden des Kitano Tenjin Schreins“) mehrfach kopiert. Im Gegen­satz zu anderen kai­ser­lichen Schreinen blieb die Erinnerung an Michizane also auch im japanischen Mittel­alter lebendig. Im Jahr 1578 veranstaltete Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch Christentum → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Symboltiere → mehr im Kitano Schrein seine berühmte Massen-Tee­zeremonie, für die er sich eigens ein goldenes Tee­haus errichten ließ. Sein Nachfolger Hideyori errichtete die heutige Schrein­anlage. Auch unter den Tokugawa Tokugawa 徳川 Kriegerdynastie, die während der Edo- oder Tokugawa-Zeit (1603–1867) das Amt des Militärmachthabers (Shōgun) inne hatte.siehe auch Reichseinigung → Grundbegriffe/Stereotype→ Geschichtsperioden→ Geschichte/Bakumatsu→ Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri wurde der Schrein gefördert.

Michizanes Ochse

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Begräbnis des Michizane

Querbildrolle (Papier, Farbe). Kamakura-Zeit, 15. Jh.; aus der Serie Kitano tenjin engi, Rolle b; 28,8 x 763 cm
Bild © Metropolitan Museum of Art. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Ein Ochs entscheidet die Stelle, wo Michizane begraben werden soll.

. 10 Begräbnis des Michizane

Der zweite Hauptschrein des Tenjin-Glaubens, der Dazaifu Tenman-gū Dazaifu Tenman-gū 大宰府天満宮 Dazaifu Tenman Schrein (Kyūshū), einer der beiden Hauptschreine für Sugawara no Michizane, gegr. 919siehe auch Bekannte Schreine → Karte in Kyūshū, leitet sich auf eine Legende im Zu­sammen­hang mit Michizanes Ableben zurück. Als er im Jahr 903 starb, sollte sein Leichnam zunächst in die Haupt­stadt zurück­gebracht werden. Kaum hatte sich der Trauer­zug aber in Bewegung gesetzt, blieb der Ochse, der den Sarg transportierte, unversehens stehen und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Man nahm dies als Zeichen Michizanes und errichtete an dieser Stelle ein Grab, das 905 zum Mausoleum und 919 schließlich zum Schrein ausgebaut wurde. Der Schrein in Dazaifu (Kyūshū) ist somit der eigentliche Ahnen­schrein des Michizane, ohne das schlechte Gewissen der Höflinge in Kyōto und den daraus re­sul­tie­ren­den Kitano Schrein wäre er aber wohl nicht zu landes­weiter Bedeutung auf­ge­stie­gen.

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Statue eines Ochsen

Fukuoka, Kyūshū
Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Einer der zahlreichen Ochsen des Kitano Tenman-gū, festlich geschmückt

. 11 Ochse in Kitano
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Ochsenstatue

Statue; Fukuoka, Kyūshū
Bild © Chris Gladis, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Einer der zahlreichen Ochsen des Dazaifu Tenman-gū.

. 12 Ochse in Dazaifu

Michizanes Pflaumenblüten

Michizanes Schmerz über den er­zwun­genen Abschied von der Haupt­stadt ist der Nach­welt in einem berühmten Gedicht er­hal­ten geblieben, das er an die Pflaumen­blüten in seinem Garten richtete:

Wenn der Ostwind weht, gebt ihm euren Duft mit, ihr Pflaumen­blüten
Auch wenn der Haus­herr fort ist, vergesst nicht auf den Frühling

kochi fukaba/ nioi okoseyo/ ume no hana 東風吹かば にほひおこせよ 梅の花
aruji nashi tote/ haru na wasure zo 主なしとて 春な忘れそ

Ume.gif

Einer der Pflaumenbäume im heutigen Dazaifu Tenman-gū Schrein, soll dem Haus­herren tatsächlich nach Kyūshū nach­geflogen sein. In allen großen Tenman/Tenjin Schreinen sind heute Pflaumen­bäume (ume ume Pflaumenbaum, Pflaumenblüte) zu finden, die etwas früher blühen als die berühmten Sakura. Die einfache, fünf­blättrige Grund­struktur der Blüte ziert auch das Pflaumen-Emblem, das von vielen Tenjin Schreinen als eine Art Logo verwendet wird.

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Pflaumenblüten des Kitano Schreins

Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Pflaumenblüte (ume) soll vom Dichter und Gelehrten Sugawara no Michizane besonders geschätzt worden sein.

. 13 Pflaumenblüten in Kitano
  tobiume.jpg

Der fliegende Pflaumenbaum (tobiume)

Schreinanlage; Dazaifu Tenman-gū, Fukuoka, Kyūshū
Bildquelle: David Chart, Wikimedia Commons, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Dies ist der Pflaumenbaum (ume), der Michizane aus Kyōto nachgeflogen sein soll.

. 14 „Fliegender Pflaumenbaum“

Verweise

Verwandte Themen

Bilderläuterungen

  1. Tenjin.jpg

    Sitzportrait des Tenjin (Tenjin zazō)

    Skulptur, shinzō (Holz, bemalt). Kamakura-Zeit, 1259; im Besitz des Yoki Tenman Schreins, Nara; Höhe: 94,9 cm
    Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Äußerlich gleicht diese Darstellung des Tenjin dem konventionellen Bild eines höfischen Staatsmannes, die extrem strengen Gesichtszüge deuten jedoch göttliche Autorität an.

  2. Kitano haiden.jpg

    Zeremonienhalle des Kitano Schreins

    Schreinhalle, gongen-zukuri (Holz). 1607; „Nationalschatz“; Kitano Tenmangū, Kyōto
    Bild © Chris Gladis, Flickr, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Zeremonienhalle (und Hauptfront) des Kitano Tenman-gū mit blühendem Pflaumenbaum im Vordergrund.

  3. Kitano1.jpg

    Hauptgebäude des Kitano Tenman-gū

    Schreinhalle, haiden (Holz). 1587; Kintano Schrein, Kyoto
    Bild © Kitaoka A., 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Zeremonienhalle (haiden) des Kitano Tenman-gū. Die eigentliche Haupthalle (honden) ist baulich mit der Zeremonienhalle verschmolzen und befindet sich, für normale Besucher unzugänglich, in deren hinterem Teil. Der Schrein wurde zwar bereits 947 errichtet, die ursprüngliche Form ist allerdings nicht genau bekannt. Die heutige Form erhielt der Schrein unter Toyotomi Hideyori, einem Sohn des Toyotomi Hideyoshi.

  4. Kitano2.jpg

    Tor der Drei Lichter (sankō-mon)

    Schreintor. 1607; „Nationalschatz“
    Bild © Apricot Cafe, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Eingang des Kitano Tenman-gū zur Zeit der Pflaumenblüte. Auch auf einem der Lampions neben dem Eingang ist das fünfblättrige Pflaumenemblem, das Wappenzeichen des Schreins, zu sehen.

  5. Dazaifu tenmangu.jpg

    Haupthalle des Dazaifu Tenman-gū

    Schreinhalle, honden (Holz); Fukuoka-ken, Kyūshū
    Bild © Tomo Yun. (Letzter Zugriff: 2011/12/18)

    Auf der rechten Seite der Haupthalle (honden) des Dazaifu Tenman-gū ist der legendenumwobene Pflaumenbaum zu sehen.

  6. Dazaifu tenmangu2.jpg

    Haupteingang

    Schreingebäude (Holz); Fukuoka, Kyūshū
    Bild © Tomo Yun. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Haupteingang des Dazaifu Tenman-gū

  7. Dazaifu tenmangu mamori.jpg

    Glücksbringer-Verkauf im Dazaifu Tenman-gū

    Schrein; Fukuoka-ken, Kyūshū
    Bild © Teasmartgarden, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Die im Dazaifu Tenman-gū verkauften Glücksbringer (o-mamori, o-fuda) richten sich speziell an Schüler und Studenten. Ihnen gewährt Tenjin-sama besonderen Schutz.

  8. Kitano lantern.jpg

    Laterne des Kitano Schreins

    Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/08/18)

    Die Laterne trägt das Zeichen oni (Dämon) und erinnert vielleicht an die Figur des Tenjin als dämonischer Donnergott.

  9. Kitanotenjin engi metny.jpg

    Chronik des Kitano Tenjin Schreins (Kitano tenjin engi)

    Querbildrolle, tenbu, Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; 29,8 x 863 cm
    Bild © Metropolitan Museum of Art, New York. (Letzter Zugriff: 2011/7)
    Fletcher Fund, 1925

    Sugawara no Michizanes Geist in Gestalt eines zürnenden Donnergottes (Raijin).

  10. Michizane funeral.jpg

    Begräbnis des Michizane

    Querbildrolle (Papier, Farbe). Kamakura-Zeit, 15. Jh.; aus der Serie Kitano tenjin engi, Rolle b; 28,8 x 763 cm
    Bild © Metropolitan Museum of Art. (Letzter Zugriff: 2011/8)

    Ein Ochs entscheidet die Stelle, wo Michizane begraben werden soll.

  11. Kitano ushi.jpg

    Statue eines Ochsen

    Fukuoka, Kyūshū
    Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Einer der zahlreichen Ochsen des Kitano Tenman-gū, festlich geschmückt

  12. Tenmangu stier.jpg

    Ochsenstatue

    Statue; Fukuoka, Kyūshū
    Bild © Chris Gladis, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Einer der zahlreichen Ochsen des Dazaifu Tenman-gū.

  13. Kitano ume.jpg

    Pflaumenblüten des Kitano Schreins

    Bild © Chris Gladis, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Die Pflaumenblüte (ume) soll vom Dichter und Gelehrten Sugawara no Michizane besonders geschätzt worden sein.

  14. Tobiume.jpg

    Der fliegende Pflaumenbaum (tobiume)

    Schreinanlage; Dazaifu Tenman-gū, Fukuoka, Kyūshū
    Bildquelle: David Chart, Wikimedia Commons, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Dies ist der Pflaumenbaum (ume), der Michizane aus Kyōto nachgeflogen sein soll.

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