Buddhistische Grundlehren

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Bernhard Scheid, „Buddhistische Grundlehren.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.10.2017). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe/Buddhismus_Lehre?oldid=68090

Im Laufe seiner Verbreitung über ganz Asien machte der Buddhismus zahlreiche Ver­ände­rungen durch, was in einer großen Anzahl regio­naler Aus­formungen resul­tierte. Unabhängig von diesen Unter­schieden gibt es aller­dings gewisse Grund­annahmen, die in allen Rich­tungen Geltung haben. Auf dieser Seite werden zunächst die wich­tigsten Lehrsätze kurz erläutert. Außerdem geht es um das Verhältnis des Bud­dhis­mus zu anderen Reli­gionen. Ab­schließ­end werden die Unter­schiede innerhalb der buddhis­tischen Haupt­strö­mungen thematisiert.

Lehrsätze und Konzepte

Die Vier Wahrheiten

Der Kern der Lehre des Buddha lässt sich in etwa folgender­maßen zusammen­fassen: Alle irdische Existenz ist von Be­gier­den geleitet, die in letzter Kon­se­quenz auf Leiden (skt. duhkha दुःख duḥkha (skt., n.) „Leiden“; jap. ku) hinauslaufen. Was immer man an irdischen Dingen erhofft, wird früher oder später zu Schmerz und Ent­täusch­ung führen. Nur die Ein­sicht in die Wahr­heit des Buddha (skt. prajnaparamita प्रज्ञापारमिता prajñāpāramitā (skt., f.) „Vollkommene Weisheit“; jap. hannyaharamitta 般若波羅蜜多siehe auch →  Sutra , jap. satori satori 悟り Erleuchtungserfahrung (bes. im Zen Buddhismus)siehe auch Zen → Alltag , dt. in etwa „Erleuch­tung“) führt zur Be­frei­ung von Leid. Dieses bud­dhis­tische Grund­dogma wird tradi­tionel­ler­weise in Form der Vier Edlen Wahr­heiten und des Acht­glie­drigen Pfads ausgedrückt. Aus diesem Kern­satz geht hervor, dass das Ziel des Bud­dhis­mus im Erreichen der „Er­leuch­tung“ liegt. (Den genauen Wort­laut dieser Lehr­sätze findet man auf der Side­page Vier Wahr­heiten.) Der Erleuch­tung stehen Begierden oder Leidenschaften (skt. klesha क्लेश kleśa (skt., m.) „Leid“, auch: Leidenschaft, die den Menschen ans Diesseits bindet; jap. bonnō 煩悩siehe auch→ Alltag/Moenche ) gegenüber, die zu­sam­men­gefasst auch als „Un­wissen­heit“ bezeichnet werden. Un­wissen­heit ist somit ein Syno­nym für das gesamte normale Alltags­bewusst­sein. Das Gegen­satz­paar Erleuch­tung und Un­wissen­heit spiegelt sich auch auf anderen Ebenen, etwa im Gegen­satz Nirvana निर्वाण Nirvāṇa (skt., n.) „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid; jap. Nehan 涅槃siehe auch→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Totenriten→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr und Samsara संसार Saṃsāra (skt., m.) „Beständiger Fluss“, Kreislauf der Wieder­gebur­ten, Diesseits; jap. Rinne 輪廻siehe auch→ Ikonographie/Shaka→ Mythen/Jenseits→ Geschichte/Honji suijaku→ Ikonographie/Heilige/16 Arhats (s.u.) wider. Der Buddhismus definiert auf diese Weise — ähnlich wie z.B. auch das Christe­ntum — ein meta­phy­si­sches Ziel außerhalb oder jenseits der sich­tbaren Welt, was es in vielen anderen Religionen — etwa im Shintō Shintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kamisiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Weltbild→ Grundbegriffe → mehr — nicht gibt.

Vergänglichkeit

Eng mit dem Dogma vom irdischen Leiden ver­bunden ist die Er­kennt­nis der End­lich­keit alles Irdi­schen. Endlich bedeutet „vergäng­lich“, „nicht von Dauer“. Da alles Irdische früher oder später zum Untergang verur­teilt ist, ist es in gewisser Weise „nicht real“. Der flüch­tigen Natur des Irdischen steht die ewige Existenz der bud­dhis­tischen Wahr­heit gegenüber. Sie ist unvergänglich und damit „real“, was auch „wahr“ bedeutet. Wer hingegen an irdischen Dingen festhält (sie für das Maß aller Dinge hält, nicht über das dies­sei­tige Leben hinaus denkt), unter­liegt einer „Illusion“ und ist somit „unwissend“. Das Konzept der illuso­rischen Quali­tät des Dies­seits führte inner­halb des Mahayana महायान Mahāyāna (skt., n.) „Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung; jap. Daijō 大乗siehe auch →  Buddhismus → Ikonographie→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr Bud­dhis­mus zur Idee von zwei Ebenen der Realität, einer sicht­baren, aber eben letztlich illuso­rischen, und einer abso­luten, die sich hinter der sicht­baren Welt verbirgt.

Samsara und Nirvana

Unerleuchtete bzw. unwissende Existenzen, die sich den Illusio­nen des irdi­schen Da­seins hingeben, sind im Kreis­lauf der Wieder­geburten (Samsara) gefangen. Die Vor­stellung der Wieder­geburt exis­tierte schon vor dem Bud­dhis­mus und besagt, dass jedes Wesen nach seinem physi­schen Tod in neuer Form wieder­geboren wird. Diese Idee hat im Bud­dhis­mus jedoch nichts Tröst­liches, sondern läuft nur auf eine Fort­setzung von Leid hinaus. Daher strebt der gläubige Buddhist nach einem Austritt aus dem Kreis­lauf der Wieder­geburten. Dieser Aus­tritt beendet das Leid end­gültig. Er ist zu­gleich der Eintritt ins Nirvana, das dem Samsara als absolutes Jenseits gegen­über steht. Dies erklärt, warum Nirvana im Bud­dhis­mus als „Aus­löschung“ und zugleich als oberstes spiri­tu­elles Ziel ver­standen wird.

Karma

Sanskrit Vokabeln

Buddhistische Hauptrichtungen:

Konzepte:

Heilsgestalten:

Technische Begriffe:

Innerhalb des Samsara, der Wieder­geburten, regiert das Gesetz des Karma कर्म Karma (skt., n.) „Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen; jap. Gō 業siehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Tempel→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie → mehr . Karma bezeich­net die schick­sals­haften Konse­quen­zen (Ver­gel­tun­gen), die aus den Hand­lungen aller Wesen, Men­schen eben­so wie Tiere, Geister, Götter, etc., resul­tieren. Die Karma-Lehre (die im übrigen nicht allein auf den Bud­dhis­mus be­schränkt ist) geht hierbei von mora­li­schen Wert­maß­stäben aus: Gute Taten führen über kurz oder lang zu karmi­scher Beloh­nung, schlechte Taten zu karmi­scher Bestra­fung. Ähn­lich den Zehn Gebo­ten in den mono­theisti­schen Reli­gionen, gibt es diverse Listen mit mora­lisch beson­ders hoch­stehen­den bzw. ver­abscheu­ungs­wür­di­gen Ver­hal­tens­wei­sen. Am wich­tigsten sind die fünf Laien­ge­bote (die natür­lich auch von Mön­chen zu be­folgen sind):

  1. nicht töten;
  2. nicht stehlen;
  3. keine [unstatthaften] sexuellen Bezie­hun­gen;
  4. nicht lügen;
  5. keine berauschen­den Substanzen (dies impliziert ein generelles Alkohol­verbot, das allerdings im heutigen Japan selbst von bud­dhisti­schen Mönchen nicht ein­gehalten wird).

Besonders im Mahayana Buddhismus gilt darüber hinaus das „Mitleid mit allen Lebe­wesen“ als die zentrale ethische Maxime. Für Mönche gibt es eine große Zahl weiterer Gebote — im Mahayana spricht man von 250 Mönchs­regeln —, deren Stellen­wert allerdings je nach spezi­fischer Richtung unter­schied­lich aus­gelegt werden kann.

Konsequenzen aus moralischem oder unmora­lischem Ver­halten können sich inner­halb eines Erden­le­bens, oft aber erst im fol­genden Leben aus­wirken (was schein­bare „Unge­rechtig­keiten“, also das Aus­bleiben unmit­tel­barer karmi­scher Vergel­tung erklärt). Das Karma eines einzelnen resul­tiert aus der Summe aller seiner morali­schen und un­morali­schen Verhal­tens­weisen inner­halb einer langen Folge von Exis­tenzen. Bud­dhis­tische Rituale können indivi­duel­les Karma beein­flus­sen, ersetzen also bis zu einem gewis­sen Grade indivi­duel­les morali­sches Verhalten.

Dharma

Das Universum gehorcht keinem einzelnen Gott oder Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr , sondern dem Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch→ Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Myoo → mehr (jap. buddhistischer Dharma, wtl. Gesetz, „Gesetz“). Der Dharma nimmt im Bud­dhis­mus jene Stelle ein, die im Christen­tum „Gott­vater“ bzw. dem Schöpfer­gott zukommt. Der Dharma ist jedoch un­ver­änder­lich und ohne Intention, also nicht strafend oder belohnend wie eine Gott­heit. Er ist lediglich das Regel­werk, nach dem das Universum funk­tioniert. Insofern lässt sich der Bud­dhis­mus auch als „atheis­tische Religion“ be­zeich­nen. Er­leuch­tung wird mit der voll­kom­menen Erkennt­nis des Dharma gleich­gesetzt. Um­ge­kehrt kann „Dharma“ auch die Lehre des Buddha be­zeich­nen, die zur Er­leuch­tung führt.

Buddhas und andere Erleuchtete

Buddhaschaft ist die höchste Da­seins­form im Universum des Bud­dhis­mus. Sie wurde nicht nur vom histori­schen Buddha, sondern auch von zahl­rei­chen Vor­gängern erreicht, die alle als Buddha bezeich­net werden. Ein Buddha tritt nach der ursprünglichen Auffassung nach seinem pysischen Tod ins Nirvana ein. Er steht den Gläubigen nach seinem Tod daher nicht mehr zur Seite. (Spätere Auslegungen, vor allem der Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr → mehr Buddhismus, weichen in diesem Punkt stark von der ursprünglichen Lehre ab.) In den ältesten Schriften des Buddhismus findet man als nächstes die Schüler des Buddha, die aufgrund seiner Lehre erleuchtet wurden. Sie werden u.a. als arhat अर्हत् arhat (skt., m.) höchste Stufe des Menschseins vor dem Austritt aus dem Geburtenkreislauf; jap. rakansiehe auch →  16 Rakan → Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Geschichte/Zen → mehr bezeichnet. Im Mahayana Bud­dhis­mus entwickelte sich zwischen Arhats und Buddhas die Figur des Bodhisattvas बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch→ Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr . Bodhisattvas haben ebenso wie der Buddha aus eigener Kraft zur Erleuchtung gefunden, verzögern aber ihren Eintritt ins Nirvana und verbleiben im Samsara, um andere Wesen zur Er­leuch­tung zu führen. Aus diesem Grunde erschei­nen sie immer wieder in der Welt der Un­erleuch­teten und voll­führen mitunter auch Wunder. Theo­re­tisch sind weder der histo­rische Buddha noch seine Vor­gänger oder Nach­folger mit einem mono­theis­tischen Gott zu ver­gleichen, denn sie sind keine Welten­schöpfer. Buddhas und Bodhi­sattvas sind jedoch über das Karma erhaben und daher ideale Adres­saten, um eine karmische Ver­besse­rung zu erreichen. Insofern genießen sie in der Praxis häufig einen gott­ähn­lichen Status (s.a. Ikonographie).

Drei Schätze oder Drei Juwelen

Sanbo.jpg
Drei Juwelen

Drei Juwelen

Papier, Farbe; Tōkō-ji, Shizuoka-shi
Bild © Shinbei Oshō, (Tempel-Blog). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Stempelbild eines Tempels. Dargestellt sind die Drei Schätze des Buddhismus (triratna) in Form von drei Wunscherfüllungsperlen, umrahmt von einem Flammenkranz und plaziert auf einer Lotosblüte. Ein traditionelles Bild für die Drei Schätze.

Die drei wichtigsten Elemente des Bud­dhis­mus werden als die Drei Schätze, drei Juwelen oder Drei Kleinodien (jap. sanbō sanbō 三宝 Drei Schätze oder Drei Juwelen, skt. triratna: Buddha, Dharma, Sangha; im Kontext des Shinto bezeichnet der Begriff ein Opfertischchen, wird in diesem Fall allerdings meist mit den Zeichen 三方 („drei Richtungen“) geschrieben.siehe auch→ Alltag/Opfergaben ) bezeich­net. Es sind der Buddha, der Dharma, und der sangha संघ saṃgha (skt., m.) „(Mönchs-)Gemeinde“; jap. 僧 oder sōgya 僧伽siehe auch→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi , also die buddhis­tische (Mönchs-) Gemein­schaft. Der Begriff kann auch als Synonym für den Buddhismus insgesamt verwendet werden.

Drei Körbe

Die kanonischen Schriften des Bud­dhis­mus sind in drei Grund­diszi­plinen unter­teilt, die als die Drei Körbe (tripitaka त्रिपिटक tripiṭaka (skt., m.pl.) „Drei Körbe“, kanoni­sche Schriften des Buddhismus; jap. sanzō 三蔵siehe auch→ Mythen/Jenseits/Totenreich ) bezeich­net werden. Es sind (1) die Lehr­reden des Buddha, die Sutren सूत्र sūtra (skt., n.) „Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift; jap. kyō 経 oder kyōten 経典siehe auch →  Sutra → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Tempel→ Alltag/Gluecksbringer→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr ; (2) die monas­tischen Ordens­regeln (vinaya विनय vinaya (skt., m.) „Disziplin“, die monas­tischen Ordens­regeln; jap. ritsusiehe auch→ Geschichte/Saicho→ Geschichte/Fruehzeit/Einfuehrung des Buddhismus ); und (3) die Kom­men­tar­werke (abhidharma अभिधर्म abhidharma (skt., m.) Kom­men­tar­werke des buddh. Kanons; jap. abidatsuma 阿毘達磨). Der Theorie nach ist alles, was in den Drei Körben fest­gelegt ist, für alle bud­dhis­tischen Richt­ungen gültig. In der Praxis unter­scheidet sich der Inhalt der Drei Körbe aber von Epoche zu Epoche, von Region zu Region und von Schule zu Schule. Japanische Buddhologen der Taishō-Zeit (1912–1926) fassten auf der Grundlage chinesischer und koreanischer Vorlagen sämtliche Schriften des ostasiatischen Buddhismus, die im weitesten Sinne zu den Tripitaka gezählt werden können, in einer Werkausgabe zusammen, die als die Taishō-Tripitaka bekannt ist. Die Ausgabe umfasst 85 Bände bestehend aus 5320 Einzeltexten.

Unterschiede zwischen bud­dhis­tischen Rich­tungen

Während etwa die Schulen des Theravada थेरवाद Theravāda (pali, m.) „Schule der Ordensälteren“, buddhistische Richtung (hier in Pali angegeben; skt: Sthaviravada); jap. Jōzabu bukkyō 上座部仏教siehe auch →  Buddhismus → Ikonographie→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Geschichte/Kukai→ Ikonographie/Heilige Bud­dhis­mus die Er­leuch­tung oder den Ein­tritt ins Nirvana निर्वाण Nirvāṇa (skt., n.) „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid; jap. Nehan 涅槃siehe auch→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Totenriten→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr erst nach vielen Wieder­geburten als Mönch für möglich erachten, zeichnen sich die Mahayana-Schulen dadurch aus, dass sie die Buddha­wer­dung (= Erleuch­tung) in diesem Leben anstreben. Die Methoden, dieses Ziel zu erreichen, sind aller­dings sehr verschie­den und machen die Haupt­unter­schiede zwischen den einzelnen Mahayana-Schulen aus. Medi­tation wird zwar allgemein geübt, steht aber vor allem im Zen Buddhismus im Vorder­grund (Zen Zen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismussiehe auch Zen → Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr bedeutet wörtlich „Meditation“). Daneben benutzt der Zen Bud­dhis­mus die Irri­tation durch paradoxe Fragen (kōan kōan 公案 Koan, paradoxes Zen-Rätselsiehe auch Zen → Grundbegriffe/Stereotype→ Geschichte/Zen/Koan ), um konven­tio­nelles Wissen (Alltags­bewusst­sein = „Unwis­senheit“) zum Einsturz zu bringen. Andere Schulen erachten die Rezi­tation von Gebets­texten für ent­schei­dend. Dabei kann es sich entweder um ganze Sutren handeln oder bloß um den Namen eines Sutra oder eines Buddha, etwa im Fall des Amida Buddhis­mus. Im eso­terischen Bud­dhis­mus, der in Japan heute vor allem in Form der Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr -Schule präsent ist, wird der rituellen Praxis beson­deres Gewicht bei­ge­messen, wobei das Ziel ist, durch eine Kom­bination von Gebets­formeln (mantra मन्त्र mantra (skt., n.) Gebets­formel; jap. shingon 真言siehe auch→ Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr ), Hand­zeichen und -gesten (mudra मुद्रा mudrā (skt., f.) „Siegel“, Gebetsgeste; jap. inzō 印相siehe auch →  Mudra → Ikonographie→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka → mehr ) sowie geistiger Kon­zen­tration zur Buddha­schaft zu gelangen. Die genauen Formen dieser verbalen, gesti­schen und imagi­nierten Zeichen sind „geheim“, das heißt, es bedarf eines Meisters, der eine rituelle Initi­ation vornimmt und den Schüler Schritt für Schritt in die Ge­heim­nisse dieser Lehre einführt. Daher die Bezeich­nung „eso­terisch“ bzw. auf Japanisch mikkyō mikkyō 密教 esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyōsiehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Mandala→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Myoo/Fudo→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr , wtl. „geheime Lehre“. (Weitere Unterschiede werden im Kapitel Geschichte eingehender besprochen.)

Buddhismus und andere Religionen

Andere Religionen führen nach buddhistischer Auf­fassung zwar nicht direkt zum Pfad der Erleuch­tung, können aber unter Umständen mit dem Buddhis­mus verein­bare Werte ver­brei­ten. Sie können sogar dem Plan eines Buddha ent­sprechen, um die Un­wissenden schritt­weise an seine Lehre heran­zuführen. Religionen, die den Bud­dhis­mus nicht ihrer­seits ablehnen (also z.B. der Shintō Shintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kamisiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Weltbild→ Grundbegriffe → mehr ), werden daher als Umwege, aber nicht als Irr­wege auf­gefasst.

Ebenso wird die Existenz von Gott­heiten anderer Religionen nicht geleugnet. Aller­dings sind auch die Götter im Gebur­ten­kreis­lauf gefangen. Gott­sein ist also eine mögliche Form der Wieder­geburt. Vor allem indische Götter wurden in dieser Form konzi­piert (sie erhalten oft die Funktion eines Beschüt­zers des Buddhis­mus). Japani­sche Götter (kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr ) gelten hingegen in vielen Rich­tun­gen des japa­nischen Bud­dhis­mus als Mani­festa­tionen von Buddhas. Buddhas bedienen sich demnach der Form von kami, um die Menschen an sich heran zu führen.

In diesen Konzeptionen von nicht-buddhistischen Göttern spiegelt sich ein gemein­sames Grund­muster wider: Außerhalb des Bud­dhis­mus liegende Vor­stell­ungen werden von diesem nicht bekämpft oder negiert, sondern nach Mög­lich­keit inte­griert. Man hat diese Ver­fahrens­weise u.a. auch als „Inklusi­vismus“ bezeich­net. Mono­theis­tische Reli­gionen wie das Christen­tum oder der Islam gehen hier meist einen anderen Weg (Verneinung, Diffa­mierung, Ver­folgung), den man in diesem Zusam­men­hang als „exklusivistisch“ bezeich­nen könnte. Solchen ex­klusi­vis­tischen Religio­nen oder Sekten gegen­über zeigte sich um­ge­kehrt auch der Buddhis­mus von einer intole­ranten Seite und zwar genau dann, wenn diese Religio­nen sich gegen die Verein­nahmung durch den Buddhis­mus zur Wehr setzten oder diese von vorn­he­rein aus­schlos­sen. Christen und andere religiöse Gruppen mit exklu­sivem Absolut­heits­anspruch wurden daher in Japan auch im Namen des japani­schen Bud­dhis­mus auf ähnliche Weise verfolgt wie „Ketzer“ und „Heiden“ in der euro­päischen Reli­gions­ge­schichte (s. Kap. Geschichte, Das christliche Jahrhundert).

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