Grundbegriffe/Shinto: Unterschied zwischen den Versionen

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-->Das Wort {{glossar:shintou}} bedeutet wörtlich „Weg der Götter“ und wird land·läufig als Selbst·bezeichnung der ein·heimischen Religion Japans angegeben. Auf den ersten Blick scheint diese Definition un·prob·lematisch. Was einen ein wenig stutzig machen könnte, ist lediglich, dass „''shintō''“ offenbar ein Wort chinesischen Ur·sprungs ist und dass es sich keines·wegs um ein häufig ge·brauchtes Vokabel handelt. Wer ein modernes japanisches Text·ver·arbeitungs·programm benützt und die Silben „shin-tou“ eintippt, erhält als Kanji-Schreibung meist homophone Begriffe wie „{{glossar:shintou2}}, Neue Partei“ oder „{{glossar:shintou3}}, Osmose“ vor·ge·schlagen, bevor die Zeichen 神 (Gott·heit) und 道 (Weg) erscheinen. ''Shintō'' im religiösen Sinn ist tatsächlich im Alltags·japanisch kaum ge·bräuchlich. Selbst hin·sichtlich der Aus·sprache (''shintō'' oder ''shindō'') sind sich moderne Japaner nicht immer sicher. Woher kommt diese erstaunliche Zurück·haltung gegenüber einem Wort, das mitunter als In·begriff des Japanischen schlechthin dargestellt wird?
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{{fl|D}}as Wort {{glossar:shintou|''shintō''}} bedeutet wörtlich „Weg der Götter“ und wird land·läufig als Selbst·bezeichnung der ein·heimischen Religion Japans angegeben. Auf den ersten Blick scheint diese Definition un·prob·lematisch. Was einen ein wenig stutzig machen könnte, ist lediglich, dass „''shintō''“ offenbar ein Wort chinesischen Ur·sprungs ist und dass es sich keines·wegs um ein häufig ge·brauchtes Vokabel handelt. Wer ein modernes japanisches Text·ver·arbeitungs·programm benützt und die Silben „shin-tou“ eintippt, erhält als Kanji-Schreibung meist homophone Begriffe wie „{{glossar:shintou2}}, Neue Partei“ oder „{{glossar:shintou3}}, Osmose“ vor·ge·schlagen, bevor die Zeichen 神 (Gott·heit) und 道 (Weg) erscheinen. ''Shintō'' im religiösen Sinn ist tatsächlich im Alltags·japanisch kaum ge·bräuchlich. Selbst hin·sichtlich der Aus·sprache (''shintō'' oder ''shindō'') sind sich moderne Japaner nicht immer sicher. Woher kommt diese erstaunliche Zurück·haltung gegenüber einem Wort, das mitunter als In·begriff des Japanischen schlechthin dargestellt wird?
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== Vokabel  ==
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*{{glossar:shintou}} - Shintō-Religion, „Weg der Götter“
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*{{glossar:kami}} - (einheimische) Gottheiten (s.a. [[Ikonographie/Kami|Ikonographie]])
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*{{glossar:jinja}} - shintōistische Kultstätte, „[[Bauten/Schreine|Schrein]]“
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*{{glossar:torii}} - Eingangstor (eines Schreins)
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*{{glossar:kegare}} - rituelle Verunreinigung
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*{{glossar:misogi}} - rituelle Waschung
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*{{glossar:harae}} - Reinigungszeremonie (s.a. [[Alltag/Schreinpriester|Shintō-Priester]])
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==Generelle Merkmale==
 
==Generelle Merkmale==
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Shintō wird in der gängigen Ein·füh·rungs·liter·atur gerne mit der japanischen Ur·religion gleich·gesetzt. Oft wird zu·gleich der Ein·druck ver·mittelt, es handle sich um eine besonders archaische Religion, die in Japan — im Gegen·satz zu anderen modernen Gesell·schaften — auf mirakulöse Weise in die Moderne hinüber ge·rettet worden wäre. Dies verleitet wiederum zu dem Trug·schluss, Shintō habe in vor·bud·dhis·tischer Zeit bereits genau so aus·gesehen wie heute. Bei näherer Be·trachtung stößt man aller·dings rasch auf Widersprüche in diesem Modell und es stellt sich heraus, dass vieles, was uns heute als typisch shin·tō·is·tisch erscheint, eigentlich bud·dhis·tische Wurzeln hat. In anderen Fällen kann man daoistische Einflüsse vermuten.
  
Shinto wird in der gängigen Ein·führ·ungs·liter·atur gerne mit der japanischen Ur·religion gleich·gesetzt. Oft wird zu·gleich der Ein·druck ver·mittelt, es handle sich um eine besonders archaische Religion, die in Japan — im Gegen·satz zu anderen modernen Gesell·schaften — auf mirakulöse Weise in die Moderne hinüber ge·rettet worden wäre. Dies verleitet wiederum zu dem Trug·schluss, Shinto habe in vor·bud·dhis·tischer Zeit bereits genau so aus·gesehen wie heute. Bei näherer Be·trachtung stößt man aller·dings rasch auf Ein·wände gegen diese Konzeption und es stellt sich heraus, dass vieles, was uns heute als typisch shin·to·is·tisch erscheint, eigentlich bud·dhis·tische Wurzeln hat. In anderen Fällen kann man daoistische Einflüsse vermuten.
 
  
===Torii===
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=== Schreine (''jinja'') ===
{{Sidebox|torii_katsuura_chiba.jpg|w=140|caption=Shinto ''torii''}}
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Frei stehende symbolische Durchgänge ({{glossar:torii|''torii''}}) bestehend aus zwei einfachen Pfosten und zwei Quer·balken sind das markanteste bauliche Merk·mal eines [[Bauten:Schreine|Shinto Schreins]]. Sie sind heute vor allen Schreinen zu finden und eignen sich daher auch als Em·blem der Shinto Religion all·gemein. Ob dies aller·dings schon in vor·bud·dhis·tischer Zeit so war oder ob ''torii'' vielleicht erst mit dem Bud·dhis·mus nach Japan kamen, ist fraglich. In früheren Zeiten muss es jedenfalls auch bud·dhis·tische Tempel ge·geben haben, die man durch ''torii'' betrat. Einer der ältesten bud·dhis·tischen Tempel Japans, der {{Glossar:Shitennouji|Shitennō-ji}} in Osaka, zählt heute noch dazu. (Mehr dazu: Sidepage [[Torii]].)
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===Kami===
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Wenn es auch schwierig ist, den religiösen Inhalt von Shintō näher zu umreißen, so hat Shintō doch einen eindeutigen Ort, an dem er praktiziert wird, nämlich den Shintō-Schrein ({{g|jinja}}). Schreine stellen damit die räumliche Basis des Shintō dar. Wie im Kapitel [[Bauten]] genauer erörtert, handelt es sich bei „Schreinen“ um Orte, an denen die dort verehrten Gottheiten gleichsam wohnen. Wenn man einen Schrein aufsucht, begibt man sich also in die unmittelbare Nähe einer Gottheit. Hier richtet man zumeist Gebete und Opfergaben an eine oder mehrere Gottheiten, um im Austausch dafür bestimmte Vorteile zu erhalten. Obwohl die genauen Funktionen von Schreinen verschieden sein können und auch großen historischen Veränderungen unterworfen waren, sind gewissen bauliche Merkmale von Schreinen über lange Zeit erstaunlich konstant geblieben. Es ist diese Konstanz in den äußeren Formen, die den Eindruck erweckt, Shintō sei insgesamt ein unveränderliches, geschichtsloses Phänomen.
  
Schon vor Übernahme des Buddhismus nannten die Japaner ihre Götter und Geister {{Glossar:kami}}. Der Begriff ''kami'' hielt sich durch alle Phasen der japanischen Religions·geschichte, auch wenn sich damit die unter·schied·lichsten religiösen Phänomene bezeichnen lassen.
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===''Torii''===
Die  Mythen sprechen häufig von {{glossar:yaoyorozu}} ''no kami'', wtl. acht Millionen Götter, was aber genauso als Ausdruck einer unvorstellbar großen Zahl auf·ge·fasst wird.
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Laut einer klassischen Definition des Shinto-Gelehrten {{Glossar:Motoorinorinaga}} wurde in alter Zeit alles, was in irgend einer Weise außer·ge·wöhn·lich war, ''kami'' genannt, un·ab·hängig davon, ob es sich um etwas Gutes oder Schlechtes, Er·habenes oder Ab·stoßendes handelte. Neben ein·drucks·vollen Natur·er·scheinungen wie Bergen, Bäumen oder Flüssen konnten auch hoch·gestellte Persön·lichkeiten als ''kami'' be·zeichnet werden. <ref name=kami/> (So gesehen ist auch die Gött·lich·keit des japanischen {{glossar:tennou|Tenno}} nichts weiter Un·ge·wöhnliches.)  
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Die markantesten bauliche Merk·mal eines  Shintō-Schreins sind frei stehende symbolische Durchgänge bestehend aus zwei einfachen Pfosten und zwei Quer·balken, die {{glossar:torii|''torii''}} genannt werden. Sie sind heute vor allen Schreinen zu finden und eignen sich daher auch als Em·blem der Shintō-Religion all·gemein. Ob dies aller·dings schon in vor·bud·dhis·tischer Zeit so war oder ob ''torii'' vielleicht erst mit dem Bud·dhis·mus nach Japan kamen, ist fraglich. In früheren Zeiten muss es jedenfalls auch bud·dhis·tische Tempel ge·geben haben, die man durch ''torii'' betrat. Einer der ältesten bud·dhis·tischen Tempel Japans, der {{Glossar:Shitennouji|Shitennō-ji}} in Osaka, zählt heute noch dazu. Spätestens ab der {{g|Heian}}-Zeit waren aber Schreine anhand von ''torii'' zu identifizieren (mehr dazu im Kapitel Bauten, [[Torii]]).
  
Als allgemeines Cha·rakter·istikum des ''kami''-Begriffs kann ihre zahlen·mäßige Un·begrenzt·heit, ihre  Viel·gestaltigkeit und ihre ambivalente Haltung gegenüber den Menschen festgehalten werden.
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===''Kami''===
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Schon vor Über·nahme des Bud·dhis·mus nannten die Japaner ihre Götter und Geister {{Glossar:kami}}. Der Begriff ''kami'' hielt sich durch alle Phasen der japan·ischen Religions·geschichte, auch wenn sich damit die unter·schied·lichsten religiösen Phäno·mene be·zeich·nen lassen.
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Die  Mythen sprechen häufig von {{glossar:yaoyorozu}} ''no kami'', wtl. acht Millionen Götter, was aber genauso als Ausdruck einer un·vor·stell·bar großen Zahl auf·ge·fasst wird.
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Japanische Shintō-Schreine sind zumeist namentlich bekannten Gott·heiten geweiht, die teils den alten Mythen ent·stammen, oft aber auch durch den Bud·dhis·mus nach Japan kamen oder aus historischen, später ver·göttlichten Persön·lichkeiten ent·standen sind. Das be·kannteste Beispiel einer mythologischen Gott·heit ist  {{glossar:Amaterasu}}  mit dem Haupt·schrein in {{glossar:isejinguu|Ise}}. Die meisten der [[Ikonographie/Gluecksgoetter|Sieben Glücksgötter]] ent·stammen dagegen dem Bud·dhis·mus oder leiten sich von anderen nicht-japanischen Vor·bildern her. Ein berühmtes Bei·spiel für die Ver·gött·lichung einer historischen Per·sön·lich·keit ist {{g|Tokugawaieyasu}}, der im bekannten {{glossar:toushouguu}} Schrein in {{glossar:Nikkou}} verehrt wird.
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Laut einer klassischen Definition des Shintō-Gelehrten {{Glossar:Motoorinorinaga}} kann alles, was in ir·gend einer Weise außer·ge·wöhn·lich und ehrfurchtgebietend ist, ''kami'' genannt werden, un·ab·hängig davon, ob es sich um et·was Gutes oder Schlech·tes, Er·habe·nes oder Ab·sto·ßen·des han·delt. Neben ein·drucks·vol·len Na·tur·er·schei·nun·gen wie Ber·gen, Bäu·men oder Flüs·sen können auch Menschen oder Tiere als ''kami'' be·zeich·net werden.
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Motooris Zitat lautet in wörtlicher Übersetzung:
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Was man unter ''kami'' versteht, sind zum einen die Gottheiten von Himmel und Erde, wie wir sie in den alten Klassikern finden, und zum anderen die Seelen·geister (''mitama''), die in den verschiedenen Schreinen verehrt werden. Ferner können natürlich auch Menschen, ebenso wie Tiere, Pflanzen, das Meer und die Berge als ''kami'' bezeichnet werden, sofern sie eine seltene, ungewöhnliche oder überlegene Kraft besitzen, die Ehrfurcht (''kashikoki'') hervorruft. „Überlegen“ (''suguretaru'') bezieht sich dabei nicht nur auf Vornehmes, Gutes und Tugendhaftes, denn auch ungewöhnlich Böses und Absonderliches kann Ehrfurcht hervorrufen und ''kami'' genannt werden.<!--
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--><ref>Motoori Norinaga, ''Kojikiden'', Bd. 3. Übersetzt nach  Matsumura Kazuo in ''Shintō jiten'' (1994), S. 37; für eine engl. Übersetzung siehe [http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/entry.php?entryID=1 Concepts of Kami: Definitions and Typology] (''Encyclopedia of Shinto'') [2011/10]).
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</ref>
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Norinaga schließt daraus, dass natürlich auch der herrschende {{glossar:tennou|Tennō}} und seine Vorfahren ''kami'' sind. Im Unterschied zu christlichen Gottes·vor·stel·lungen wird diese Gött·lichkeit aber nicht aus einem Prinzip (z.B. Allmacht), sondern aus einer Wirkung (ehrfurchtgebietend) abgeleitet. ''Kami'' werden also gleichsam empirisch begründet, nämlich aufgrund von besonderen – ansonsten unerklärlichen – Effekten auf die konkrete Lebenswelt der Menschen. Norinaga – und mit ihm viele andere Shintōisten – argu·mentiert also nicht, dass man aus diesen oder jenen Gründen an die ''kami'' glauben muss, sondern setzt den Glauben an schicksals·bestim·mende Kräfte als gegeben voraus und nennt diese Kräfte „''kami''“.
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Als allgemeine Cha·rakter·istika des ''kami''-Begriffs können somit ihre zahlen·mäßige Un·begrenzt·heit, ihre  Viel·gestaltigkeit sowie ihr unberechenbarer Einfluss auf das Leben der Menschen fest·gehalten werden.
 
Diese flexible, moralisch un·be·stimmte Auf·fass·ung von Gött·lich·keit hat sich in der japanischen Religion bis heute er·halten. So konnten und können selbst Gegen·stände als Gott·heiten an·ge·sehen und verehrt werden (in erster Linie Schwerter und Spiegel, aber auch un·be·deutende und all·tägliche Dinge). Zu·gleich werden auch aus·länd·ische Götter und der christliche Gott mit dem Begriff ''kami'' be·zeichnet. Da es im Japanischen keinen Plural gibt, ist es ohne Weiteres möglich mono·theistische und poly·theistische Vor·stellungen in einem Begriff zu vereinen. Der Begriff ''kami'' ist also sehr viel weiter als „Gott“ oder „Gottheit“, schließt diese Vor·stellungen aber mit ein.
 
Diese flexible, moralisch un·be·stimmte Auf·fass·ung von Gött·lich·keit hat sich in der japanischen Religion bis heute er·halten. So konnten und können selbst Gegen·stände als Gott·heiten an·ge·sehen und verehrt werden (in erster Linie Schwerter und Spiegel, aber auch un·be·deutende und all·tägliche Dinge). Zu·gleich werden auch aus·länd·ische Götter und der christliche Gott mit dem Begriff ''kami'' be·zeichnet. Da es im Japanischen keinen Plural gibt, ist es ohne Weiteres möglich mono·theistische und poly·theistische Vor·stellungen in einem Begriff zu vereinen. Der Begriff ''kami'' ist also sehr viel weiter als „Gott“ oder „Gottheit“, schließt diese Vor·stellungen aber mit ein.
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==Vokabel==
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Dank seiner Viel·gestaltig·keit ist es also kaum möglich, den Begriff ''kami'' in das Korsett einer be·stimmten kon·fession·ellen Religion zu pressen. Und dennoch ist der ''kami'' Begiff vielleicht das einzige indigene religiöse Konzept, das sich einer voll·kommenen Ver·schmelz·ung mit dem Bud·dhis·mus ent·zogen hat. Selbst bud·dhis·tische Mönche akzep·tierten die ''kami'' stets als natur·gegebene Realität und ver·suchten lediglich, sie aus bud·dhis·tischer Sicht zu erklären. In den meisten religi·ösen Zentren, egal ob ur·sprüng·lich bud·dhis·tisch oder nicht, wurden und werden sowohl Buddhas als auch ''kami'' verehrt, es handelt sich also im Grunde um ge·mischt-religiöse „Tempel-Schrein An·lagen“. Trotz dieser räum·lichen Nähe blieb eine gewisse kul·tische Tren·nung aufrecht, d.h. bud·dhis·tische und ein·heim·ische Gott·heiten wurden mit jeweils eigenen Riten bedacht und oft auch von jeweils eigenen Priestern betreut.
*{{glossar:shintou}} - Shinto Religion, „Weg der Götter“
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*{{glossar:kami}} - (einheimische) Gottheiten (s.a. [[Ikonographie:Kami|Ikonographie]])
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=== ''Shen/shin'' ===
*{{glossar:jinja}} - shintoistische Kultstätte, „[[Bauten:Schreine|Schrein]]“
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*{{glossar:torii}} - Eingangstor (eines Schreins)
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In den meisten Komposita, in denen das Zeichen für ''kami'' 神 vorkommt, wird die sino-japanische Lesung ''shin'' (oder ''jin'') verwendet, etwa in {{g|shintou|''shintō''}} oder {{g|jinja}}.
*{{glossar:kegare}} - rituelle Verunreinigung
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Die chinesischen Konnotationen des Schriftzeichens sind jedoch mit den oben besprochene Bedeutungen von ''kami'' nicht unbedingt identisch und haben wohl ihrerseits dazu beigetragen, den ''kami''-Begriff zu erweitern.
*{{glossar:misogi}} - rituelle Waschung
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*{{glossar:harae}} - Reinigungszeremonie (s.a. [[Alltag:Schreinpriester|Shinto Priester]])
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Im chinesi·schen Kontext lässt sich das Zeichen 神 — auf Chine·sisch {{g|shen}} gelesen — am besten mit „Geist“ über·setzen und besitzt in der Tat einen ähnlich großen Be·deutungs·um·fang wie der deut·sche Begriff. D.h. ''shen'' kann ebenso ein Gespenst bezeich·nen wie den Geist im Unter·schied zum Körper oder zur Materie. Es ist zunächst einmal eine unsichtbare Macht (oder unsichtbare Mächte), die wir sowohl außerhalb von uns als auch in uns selbst am Werke finden. In diesem letztere Sinne lässt sich ''shen'' z.B. heute noch im japanischen Kompositum ''seishin'' 精神 — „Geist“, „Psyche“, wtl. „Fein-Geist“ — wie·der·fin·den. Frühe bud·dhisti·sche Autoren in China verstanden unter dem Begriff ''shen'' hingegen den „reinen Geist“ im Gegen·satz zum Alltags·bewusst·sein ''shi'' 識 (jap. ''shiki'', skt. ''vijñāna'').<!--
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Beispielsweise beim buddhistischen Philosophen Zong Bing 宗炳, 375–444 (–79). Michael Radich schreibt dazu:  
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Zong Bing further explains the relation between ''vijñāna'' [Alltagsbewusstsein, B.S.] and the
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approach to awakening by the old analogy of a mirror obscured by dust,
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where ''vijñāna'' is the dust: just as a mirror can be obscured by a thin or a
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thick layer of dust, so spirit (''shen'' 神) can be obscured by fine or coarse
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''vijñāna'', which “sticks” (''fu'' 附) to spirit and obscures its original nature
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(like the “original brightness” [''benming'' 本明] of the mirror). However,
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practicing (contemplation of) emptiness works to reduce the layer of obscuring
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''vijñāna'', and when it is eliminated entirely, “original spirit” (''benshen''
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本神) is consummated (''qiong'' 窮). The resulting state is ''nirvāṇa''.  
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|quelle= ''Hong ming ji'' 弘明集, nach Radich 2014, S. 476.
 
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Japanische Shinto Schreine sind zumeist namentlich bekannten Gott·heiten geweiht, die teils den alten Mythen ent·stammen, oft aber auch durch den Bud·dhis·mus nach Japan kamen oder aus historischen, später ver·göttlichten Persön·lichkeiten ent·standen sind. Das be·kannteste Beispiel einer mythologischen Gott·heit ist  {{glossar:Amaterasu}}  mit dem Haupt·schrein in {{glossar:isejinguu|Ise}}. Die meisten der [[Ikonographie:Glücksgötter|Sieben Glücksgötter]] ent·stammen dagegen dem Bud·dhis·mus oder leiten sich von anderen nicht-japanischen Vor·bildern her. Ein berühmtes Bei·spiel für die Ver·gött·lichung einer historischen Per·sön·lich·keit ist Tokugawa Ieyasu, der im bekannten {{glossar:toushouguu}} Schrein in {{glossar:Nikkou}} verehrt wird.
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Ähnlich ver·wen·deten auch shintō-bud·dhis·tische Theo·logen des japa·nischen Mittel·alters das Konzept ''shin'' 神 (''kami'') im Sinne von „Geist“, „Bewusst·sein“ und setzten es mit seinem japanischen Homonym ''shin'' 心 („Herz“, „Bewusst·sein“) gleich.  
  
Dank seiner Vielgestaltigkeit ist es also kaum möglich, den Begriff ''kami'' in das Korsett einer be·stimmten kon·fession·ellen Religion zu pressen. Und dennoch ist der ''kami'' Begiff vielleicht das einzige indigene religiöse Konzept, das sich einer voll·kommenen Ver·schmelz·ung mit dem Bud·dhis·mus ent·zogen hat. Selbst bud·dhis·tische Mönche akzeptierten die ''kami'' stets als natur·gegebene Realität und ver·suchten lediglich, sie aus bud·dhis·tischer Sicht zu erklären. Die meisten religiösen Zentren, egal ob ur·sprünglich bud·dhis·tisch oder nicht, wurden und werden mit Kult·stätten sowohl für {{skt:buddha|Buddhas}} als auch für ''kami'' aus·gestattet, es handelt sich also im Grunde um ge·mischt-religiöse „Tempel-Schrein An·lagen“. Trotz dieser räum·lichen Nähe blieb eine gewisse kultische Trennung aufrecht, d.h. bud·dhis·tische und ein·heim·ische Gott·heiten wurden mit jeweils eigenen Riten bedacht und oft auch von jeweils eigenen Priestern betreut.
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''Shen''/''shin'' kann also auch das Göttliche bezeichnen, das jedem indivi·duellen Bewusst·sein inne·wohnt, es stellt sozu·sagen einen Ideal·zustand des Geistes dar, den der Mensch erreichen kann, wenn er alle „Trü·bungen“ seines Bewusst·seins be·seitigt. Dieser Ideal·zustand wurde in China auch durch Kompo·sita wie ''shenming'' 神明 (Geist-hell) oder ''mingshen'' 明神 (hell-Geist), also „er·leuch·tetes Bewusst·sein“, ausge·drückt. Interes·santer·weise wurden diese beiden Begriffe in Japan zu ''kami''-Titeln, wobei {{g|myoujin}} 明神 auf ver·schie·dene Schrein·götter an·ge·wen·det werden kann, wäh·rend {{g|shinmei}} 神明 meist spezi·fisch für {{g|Ise}} steht. Die buddhis·tischen Kon·nota·tionen dieser Begriffe sind in Japan weit·gehend in Ver·gessen·heit geraten, haben aber bei der ur·sprüng·lichen Prägung dieser Götter·titel mit Sicher·heit eine Rolle gespielt. ''Kami'' können daher aus buddhis·tischer Sicht auch den Zustand der bud·dhis·tischen Erleuch·tung reprä·sen·tieren.
  
 
===Kegare===
 
===Kegare===
  
Shinto wird häufig als Religion ohne moralisch verbindliche Vor·schriften charakterisiert. Tat·säch·lich gibt es im Shinto nichts, was etwa den fünf Laien·geboten des [[Grundbegriffe:Buddhismus_Lehre|Buddhismus]], oder den Zehn Geboten der Juden und Christen entspricht. Es gibt jedoch ein Merk·mal, das sich durch alle doku·mentierten Phasen der ''kami'' Religion zieht und das auch heute noch prägend für viele Bereiche der japanischen Gesell·schaft ist, nämlich eine sehr ausgeprägte Vor·stellung von ritueller Rein·heit, bzw. negativ ausgedrückt, die Angst vor ritueller Verun·reinigung ({{glossar:kegare}}). Eine solche Verun·reinigung zieht den Unwillen der ''kami'' nach sich und ist daher die Ur·sache negativer Konsequenzen nicht nur für den einzelnen, sondern für die gesamte Gemeinschaft.
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Shintō wird häufig als Religion ohne moralisch verbindliche Vor·schriften charakterisiert. Tat·säch·lich gibt es im Shintō nichts, was etwa den fünf Laien·geboten des [[Grundbegriffe/Buddhismus_Lehre|Buddhismus]], oder den Zehn Geboten der Juden und Christen entspricht. Es gibt jedoch ein Merk·mal, das sich durch alle doku·mentierten Phasen der ''kami''-Religion zieht und das auch heute noch prägend für viele Bereiche der japa·nischen Gesell·schaft ist, nämlich eine sehr ausgeprägte Vor·stellung von ritueller Rein·heit bzw. negativ ausge·drückt —  die Angst vor ritueller Verun·reini·gung ({{glossar:kegare}}). Eine solche Verun·reini·gung zieht den Un·willen der ''kami'' nach sich und ist daher die Ur·sache negativer Kon·se·quen·zen nicht nur für den einzel·nen, son·dern für die gesamte Gemein·schaft.
  
Der Tod und alles, was damit zu tun hat, wird als Haupt·quelle der Verun·reinigung angesehen. Ein·heimische ''kami'' sollen daher möglichst nicht mit Zeichen des Todes, ebenso wenig aber auch mit Blut und mit Krank·heiten konfrontiert werden. Ein heute noch gängiger Nach·hall dieser alten Auf·fassung besteht im all·ge·meinen Brauch, auf den traditionellen [[Alltag:Jahr|Neujahr]]sbesuch bei einem Shinto-Schrein zu verzichten, wenn im ver·gangenen Jahr ein Todes·fall in der Familie eingetreten ist.
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Der Tod und alles, was damit zu tun hat, wird als Haupt·quelle der Verun·reini·gung angesehen. Ein·heimi·sche ''kami'' sollen daher mög·lichst nicht mit Zeichen des Todes, ebenso wenig aber auch mit Blut und mit Krank·heiten kon·frontiert werden. Ein heute noch gängiger Nach·hall dieser alten Auf·fassung besteht im all·ge·meinen Brauch, auf den traditionellen [[Alltag/Jahr|Neujahr]]sbesuch bei einem Shintō-Schrein zu verzichten, wenn im ver·gange·nen Jahr ein Todes·fall in der Familie eingetreten ist.
  
Interessanterweise sind Shinto-Priester ganz besonders dazu angehalten, Tabu-Regeln zu befolgen und müssen sich daher vor der Ver·un·reinigung durch Krank·heit und Tod besonders in Acht nehmen. Diese Tabu·isierung des Todes kann jedoch meiner Meinung nach nicht von Anfang an Teil des ''kami''-Glaubens gewesen sein. Sie kann erst in Kraft getreten sein, als andere Religionen sich für diesen religiös essenziellen Bereich zuständig fühlten. Tat·sächlich nimmt der japanische Bud·dhis·mus gerade auf dem Gebiet des [[Mythen:Jenseits|Jenseits]]glaubens und des [[Alltag:Totenriten|Begräbniskult]]s eine be·herr·schende Stellung ein. Das Todes·tabu des Shinto ist daher meiner Meinung nach das Produkt einer historischen Arbeits·teilung, nach der Buddhas tendenziell für den Tod und das Jenseits, ''kami'' für das Leben und das Dies·seits zuständig sind.
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Interessanterweise sind Shintō-Priester ganz besonders dazu angehalten, Tabu-Regeln zu befolgen und müssen sich daher vor der Ver·un·reinigung durch Krank·heit und Tod besonders in Acht nehmen. Diese Tabu·isierung des Todes kann jedoch meiner Meinung nach nicht von Anfang an Teil des ''kami''-Glaubens gewesen sein. Sie kann erst in Kraft getreten sein, als andere Religionen sich für diesen religiös essenziellen Bereich zuständig fühlten. Tat·sächlich nimmt der japanische Bud·dhis·mus gerade auf dem Gebiet des [[Mythen/Jenseits|Jenseits]]glaubens und des [[Alltag/Totenriten|Begräbniskult]]s eine be·herr·schende Stellung ein. Das Todes·tabu des Shintō ist daher meiner Meinung nach das Produkt einer historischen Arbeits·teilung, nach der Buddhas ten·den·ziell für den Tod und das Jenseits, ''kami'' für das Leben und das Dies·seits zuständig sind.
  
Was die Vorstellung von ''kegare'' von anderen ethischen Ver·haltens·kodices, etwa der Karma-Lehre unter·scheidet, ist die Tat·sache, dass den ''kami'' kein moralisches Urteils·vermögen, sondern eher eine spontan-natur·gesetzliche Reaktions·weise, eine Art un·will·kürlicher Unmuts·äußerung unterstellt wird, die nicht lange nach den genauen Um·ständen und Ur·sachen fragt. Dabei spielt es nur eine sekundäre Rolle, ob die Verun·reinigung durch willentliche Über·tretung (Ver·letzung religiöser Tabus) oder unwillkürlich (Krank·heit, Tod, Menstruation, Geburt) herbei·geführt wurde. Üblicher·weise können zwar unwillkürliche Ver·letz·ungen des Rein·heits·gebots durch zeit·weilige Tabu-Bestimmungen oder durch bestimmte Reinigungs·zeremonien ({{glossar:misogi}} oder {{glossar:harae|''harae''}}) gesühnt werden, um die Gefahr einer gött·lichen Ver·geltung ab·zu·wehren. In Einzel·fällen genügt dies aber nicht  und somit können  auch un·ab·sicht·liche Tabu·über·tre·tungen als Ursache gött·licher Strafen erkannt und ent·spre·chend geahndet werden (z.B. durch Aus·schluss aus der Gemein·schaft).
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Was die Vorstellung von ''kegare'' von anderen ethischen Ver·haltens·kodices, etwa der {{skt:Karma}}-Lehre unter·scheidet, ist die Tat·sache, dass den ''kami'' kein moralisches Urteils·vermögen, sondern eher eine spontan-natur·gesetzliche Reaktions·weise, eine Art un·will·kürlicher Unmuts·äußerung unterstellt wird, die nicht lange nach den genauen Um·ständen und Ur·sachen fragt. Dabei spielt es nur eine sekundäre Rolle, ob die Verun·reinigung durch willentliche Über·tretung (Ver·letzung religiöser Tabus) oder unwillkürlich (Krank·heit, Tod, Menstruation, Geburt) herbei·geführt wurde. Üblicher·weise können zwar unwillkürliche Ver·letz·ungen des Rein·heits·gebots durch asketische Praktiken (Fasten, sexuelle Enthaltsamkeit, ...) oder durch bestimmte Reinigungs·zeremonien ({{glossar:misogi}} oder {{glossar:harae|''harae''}}) gesühnt werden, um die Gefahr einer gött·lichen Ver·geltung ab·zu·wehren. In Einzel·fällen genügt dies aber nicht  und somit können  auch un·ab·sicht·liche Tabu·über·tre·tungen als Ursache gött·licher Strafen erkannt und ent·spre·chend geahndet werden (z.B. durch Aus·schluss aus der Gemein·schaft).
  
Aus der Sicht einer westlich-aufklärerischen Perspektive wirken viele aus alter Zeit über·lieferten Tabu·regeln ungerecht. Im modernen Japan spielen sie denn auch meist nur noch eine unter·geordnete Rolle. Wenn es aber um den Tod geht, hat man doch den Ein·druck, dass die generelle Scheu vor ''kegare'' nach wie vor zum Tragen kommt.
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Aus der Sicht einer westlich-aufkläre·rischen Perspektive wirken viele aus alter Zeit über·lieferten Tabu·regeln ungerecht. Im modernen Japan spielen sie denn auch meist nur noch eine unter·geord·nete Rolle. Wenn es aber um den Tod geht, hat man doch den Ein·druck, dass die gene·relle Scheu vor ''kegare'' nach wie vor einen wich·tigen Platz in der kultu·rellen Befind·lich·keit Japans ein·nimmt.
  
==Trennung von Shinto und Buddhismus==
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== Trennung von Shintō und Buddhismus ==
{{Sidebox|sidepage=Jindo|shikinensengu.jpg|titel=essay|caption=Shinto und ''jindō''}}
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Shinto und Buddhismus ergänzen sich also, sie stehen in einem arbeitsteiligen Verhältnis zu·einander. Dieses Ver·hältnis ist aber keines·wegs aus·gewogen. Über weite Strecken der japanischen Religions·geschichte scheinen die ''kami'' nicht für viel mehr als für religiöse Hilfs·dienste zuständig gewesen zu sein. Gleichzeitig waren sie der allgemeinen Bevölkerung näher als die Buddhas, ähnlich wie Polizisten der allgemeinen Bevölkerung näher sind als Richter.
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Shinto und Bud·dhis·mus lassen sich daher gar nicht so leicht als gleich·wertige Religionen gegen·über stellen. Nachdem sich der Bud·dhis·mus dank der massiven Förderung durch den antiken japanischen Staat als Quasi-Staats·religion durch·gesetzt hatte, musste der ''kami'' Glauben erst eine Reihe von Trans·formationen durchlaufen, bevor er allgemein als ver·gleich·bar und zugleich als gegen·sätzlich zum Bud·dhis·mus aufgefasst wurde. Erst in diesem Pro·zess beginnen sich die Um·risse von „Shinto“ als eigen·ständiger Religion langsam abzuzeichnen. (S. Sidepage [[Grundbegriffe:Shinto/Jindo|''Shintō'' und ''jindō'']].)
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Shintō und Buddhismus ergänzen sich also, sie stehen in einem arbeit·steiligen Ver·hält·nis zu·einander. Dieses Ver·hält·nis ist aber keines·wegs aus·gewogen. Über weite Strecken der japanischen Religions·geschichte scheinen die ''kami'' nicht für viel mehr als für religiöse Hilfs·dienste zuständig gewesen zu sein. Gleich·zeitig waren sie der allgemeinen Be·völk·erung näher als die Buddhas, ähnlich wie Polizisten der allgemeinen Be·völk·erung näher sind als Richter.
  
Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen nicht weiter als ins japanische Mittel·alter zurück. Im dreizehnten Jahr·hundert ent·standen erste theologische Theorien, die die traditionelle Hierarchie von ''kami'' und Buddhas umkehrten, im fünfzehnten Jahr·hundert gaben sich solche Theologien die Selbst·bezeich·nung „Shinto“ (s. [[Geschichte:Shinto_Mittelalter|Shinto im Mittelalter]]). In der {{glossar:Edo}}-Zeit (1600–1867) gab es die ersten Be·stre·bun·gen, ''kami''-Schreine gegen·über bud·dhis·tischen Tempeln auf·zu·werten und unter In·tel·lek·tu·ellen wurde es all·mählich üblich, „Shinto“ als generelle Be·zeichnung der ein·heimischen Religion zu verwenden. In den allgemeinen Wort·schatz ging dieser Begriff aber erst nach dem politischen Umbruch von 1868 ein, als man versuchte, Shinto als National·religion zu etablieren. Dieses Vorhaben, das von einer Welle anti-buddhistischer Aus·schreitungen begleitet war, markierte auch in rechtlicher Hinsicht einen deutlichen Ein·schnitt gegenüber den syn·kre·tis·tischen Glaubens·formen der Ver·gangen·heit: Bereits 1868 wurde ein Gesetz erlassen, das die allgemeine Praxis, Buddhas und ''kami'' am gleichen Ort zu verehren, verbot ({{glossar:shinbutsubunrirei|''Shinbutsu bunri rei''}}). Viele bud·dhis·tische Tempel aber auch manche Shinto Schreine mussten daher abgerissen werden, viele religiöse Traditionen wurden vollkommen ausgelöscht.
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Shintō und Bud·dhis·mus lassen sich daher gar nicht so leicht als gleich·wertige Religionen gegen·über stellen. Nachdem sich der Bud·dhis·mus dank der massiven Förderung durch den antiken japanischen Staat als Quasi-Staats·religion durch·gesetzt hatte, musste der ''kami''-Glauben erst eine Reihe von Trans·formationen durchlaufen, bevor er allgemein als ver·gleich·bar und zugleich als gegen·sätzlich zum Bud·dhis·mus aufgefasst wurde. Erst in diesem Pro·zess beginnen sich die Um·risse von „Shintō“ als eigen·ständiger Religion langsam abzuzeichnen. (s. Sidepage [[Grundbegriffe/Shinto/Jindo|''Shintō'' und ''jindō'']].)
  
Diese Politik wurde im Zuge einer allgemein anti-buddhistischen Stimmung zunächst von breiten Teilen der Be·völkerung unterstützt, stieß allerdings in der Praxis auf erhebliche Wider·stände. Nach einer kurzen Phase der Be·geist·erung geriet die gewaltsame Trennung von Buddhas und ''kami'' daher ins Stocken und ist bis heute nur un·voll·ständig vollzogen: Noch heute gibt es neben jedem großen bud·dhis·tischen Tempel auch einen kleinen Schrein für den shintoistischen Schutzgott des Tempels und noch heute werden buddhistische Gestalten in Shinto-Schreinen verehrt.
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Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen nicht weiter als ins japanische Mittel·alter zurück. Im dreizehnten Jahr·hundert ent·standen erste theologische Theorien, die die traditionelle Hierarchie von ''kami'' und Buddhas umkehrten, im fünfzehnten Jahr·hundert gaben sich solche Theologien die Selbst·bezeich·nung „Shintō“ (s. [[Geschichte/Shinto_Mittelalter|Shintō im Mittelalter]]). In der {{glossar:Edo}}-Zeit (1600–1867) gab es die ersten Be·stre·bun·gen, ''kami''-Schreine gegen·über bud·dhis·tischen Tempeln auf·zu·werten und unter In·tel·lek·tu·ellen wurde es all·mählich üblich, „Shintō“ als generelle Be·zeichnung der ein·heimischen Religion zu verwenden. In den allgemeinen Wort·schatz ging dieser Begriff aber erst nach dem politischen Umbruch von 1868 ein, als man versuchte, Shintō als National·religion zu etablieren. Dieses Vorhaben, das von einer Welle anti-bud·dhis·tischer Aus·schreitungen begleitet war, markierte auch in rechtlicher Hinsicht einen deutlichen Ein·schnitt gegenüber den syn·kre·tis·tischen Glaubens·formen der Ver·gangen·heit: Bereits 1868 wurde ein Gesetz erlassen, das die allgemeine Praxis, Buddhas und ''kami'' am gleichen Ort zu verehren, verbot ({{glossar:shinbutsubunrirei|''Shinbutsu bunri rei''}}). Viele bud·dhis·tische Tempel aber auch manche Shintō-Schreine mussten daher abgerissen werden, viele religiöse Traditionen wurden vollkommen ausgelöscht.
  
Die Politik der {{glossar:Meiji}}-Zeit hatte aber dennoch zur Folge, dass Shinto in den Brenn·punkt religions·geschichtlicher Debatten rückte. Weite Kreise innerhalb der japanischen Forschung und der frühen westlichen Japanologie tendierten von nun an dazu, Shinto als japanische Ur·religion anzusehen, die allerdings lange Zeit hindurch vom Bud·dhis·mus „überlagert“ gewesen war. Erst in den letzten Jahren hat sich dieses Bild relativiert und man beginnt, in den Formen der Koexistenz von Buddhismus und ''kami''-Glauben eine eigene Form der japanischen Religion zu erkennen, von der sich „Shinto“ erst nach und nach weg ent·wickelte. Eine eindeutige De·finition von „Shinto“ ist aller·dings auch von der neueren Forschung noch nicht entwickelt worden.
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Diese Politik wurde im Zuge einer allgemein anti-bud·dhis·tischen Stimmung zunächst von breiten Teilen der Be·völkerung unterstützt, stieß allerdings in der Praxis auf erhebliche Wider·stände. Nach einer kurzen Phase der Be·geist·erung geriet die gewaltsame Trennung von Buddhas und ''kami'' daher ins Stocken und ist bis heute nur un·voll·ständig vollzogen: Noch heute gibt es neben jedem großen bud·dhis·tischen Tempel auch einen kleinen Schrein für den shintō·istischen Schutz·gott des Tempels und noch heute werden bud·dhis·tische Gestalten in Shintō-Schreinen verehrt.
  
==Shinto und Nationalismus==
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Die Politik der {{glossar:Meiji}}-Zeit hatte aber dennoch zur Folge, dass Shintō in den Brenn·punkt religions·geschichtlicher Debatten rückte. Weite Kreise innerhalb der japanischen Forschung und der frühen westlichen Japanologie tendierten von nun an dazu, Shintō als japanische Ur·religion anzusehen, die allerdings lange Zeit hindurch vom Bud·dhis·mus „überlagert“ gewesen war. Erst in den letzten Jahren hat sich dieses Bild relativiert und man beginnt, in den Formen der Koexistenz von Buddhismus und ''kami''-Glauben eine eigene Form der japanischen Religion zu erkennen, von der sich „Shintō“ erst nach und nach weg ent·wickelte. Eine eindeutige De·finition von „Shintō“ ist aller·dings auch von der neueren Forschung noch nicht entwickelt worden.
  
In den ersten Jahrzehnten nach der Meiji Restauration (1868) durchlief die japanische Religions·politik eine Art ''trial-and-error''-Phase, in der der Shinto — oder besser gesagt die japanischen ''kami''-Schreine —  einmal mehr einmal weniger im Zentrum der politischen Auf·merk·samkeit standen. Institutionen, die als ideologisches Zentrum staatlich organisierter Schrein·kulte fungieren sollten, lösten sich in rascher Folge ab. Mit den ersten militärischen Erfolgen des modernen Japan (insbesondere nach dem Russo-Japanischen Krieg 1904–05) wurde Shinto stärker in den Dienst eines aggressiven National·ismus gestellt, der die Annexion und Kolonialisierung umliegender asiatischer Länder recht·fertigen sollte. Der sich so ent·wickelnde Staatsshinto ({{glossar:kokkashintou}}) kulminierte schließlich in der Zeit des sog. Ultra·nationalismus von den dreißiger Jahren bis zum Zweiten Welt·krieg. Mit der Niederlage Japans verlor dieser Staats·shinto sowohl seine rechtliche Basis als auch seine Glaub·würdigkeit, während der Begriff Shinto als Bezeichnung für die ein·heimische Religion nach wie vor in Ver·wendung blieb. Dies mag ein weiterer Grund für die eingangs erwähnte Tatsache sein, dass dem Begriff ein negativer Bei·geschmack anhaftet und viele Japaner ihn vermeiden. Das gilt natürlich nicht für die Ver·treter des Shinto selbst. Sie sind großteils bemüht, „Shinto“ von der Assoziation mit dem Staatsshinto rein zu waschen. Andererseits spielt die Ideologie des Staats·shinto in rechts·extremen Kreisen nach wie vor eine wichtige Rolle und auch die gemäßigt konservative Liberal Demo·kratische Partei (LDP), die seit dem Zweiten Weltkrieg fast ununterbrochen an der Regierung ist, kann sich nicht zu einer eindeutigen Ablehnung aller Reste des Staats·shinto durchringen. Das Thema Shinto spiegelt daher die Schwierig·keiten wider, die Japan als ganzes mit der Be·wältigung seiner nationalistischen Ver·gang·en·heit hat.
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==Shintō und Nationalismus==
  
Im Westen ist der Begriff Shinto selbst zwar im All·gemeinen nicht mit dem Stigma des National·ismus behaftet (dafür ist der Begriff einfach zu fremd und exotisch), aber die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema hat nach dem 2. Welt·krieg doch spürbar nachgelassen. Shinto wurde zu einer Art Tabuthema. Erst in jüngerer Zeit gibt es wieder Ansätze, sowohl den Staatsshinto als auch die Ursachen seiner Ent·stehung historisch auf·zu·arbeiten und in Relation zur gesamten Religions·geschichte Japans zu stellen.
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In den ersten Jahrzehnten nach der Meiji Restauration (1868) durchlief die japanische Religions·politik eine Art ''trial-and-error''-Phase, in der der Shintō — oder besser gesagt die japanischen ''kami''-Schreine —  einmal mehr einmal weniger im Zentrum der politischen Auf·merk·samkeit standen. Institutionen, die als ideologisches Zentrum staatlich organisierter Schrein·kulte fungieren sollten, lösten sich in rascher Folge ab. Mit den ersten militärischen Erfolgen des modernen Japan (insbesondere nach dem Russo-Japanischen Krieg 1904–05) wurde Shintō stärker in den Dienst eines aggressiven National·ismus gestellt, der die Annexion und Kolo·niali·sierung umliegender asiatischer Länder recht·fertigen sollte. Der sich so ent·wickelnde Staats·shintō ({{glossar:kokkashintou}}) kulminierte schließlich in der Zeit des sog. Ultra·nationalismus von den dreißiger Jahren bis zum Zweiten Welt·krieg. Mit der Niederlage Japans verlor dieser Staats·shintō sowohl seine rechtliche Basis als auch seine Glaub·würdigkeit, während der Begriff Shintō als Bezeichnung für die ein·heimische Religion nach wie vor in Ver·wendung blieb. Dies mag ein weiterer Grund für die eingangs erwähnte Tatsache sein, dass dem Begriff ein negativer Bei·geschmack anhaftet und viele Japaner ihn vermeiden. Das gilt natürlich nicht für die Ver·treter des Shintō selbst. Sie sind großteils bemüht, „Shintō“ von der Asso·ziation mit dem Staats·shintō rein zu waschen. Andererseits spielt die Ideologie des Staats·shintō in rechts·extremen Kreisen nach wie vor eine wichtige Rolle und auch die gemäßigt konservative Liberal Demo·kratische Partei (LDP), die seit dem Zweiten Weltkrieg fast ununterbrochen an der Regierung ist, kann sich nicht zu einer eindeutigen Ablehnung aller Reste des Staats·shintō durchringen. Das Thema Shintō spiegelt daher die Schwierig·keiten wider, die Japan als ganzes mit der Be·wältigung seiner nationalistischen Ver·gang·en·heit hat.
  
==Kategorien von Shinto==
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Im Westen ist der Begriff Shintō selbst zwar im All·gemeinen nicht mit dem Stigma des National·ismus behaftet (dafür ist der Begriff einfach zu fremd und exotisch), aber die wissen·schaft·liche Beschäftigung mit dem Thema hat nach dem 2. Welt·krieg doch spürbar nachgelassen. Shintō wurde zu einer Art Tabuthema. Erst in jüngerer Zeit gibt es wieder Ansätze, sowohl den Staatsshintō als auch die Ursachen seiner Ent·stehung historisch auf·zu·arbeiten und in Relation zur gesamten Religions·geschichte Japans zu stellen.
  
Als sich herausstellte, dass sich die Idee von Shinto als Staats·religion nicht ohne weiteres durch·setzen ließ, rückte die Meiji-Regierung von der Vor·stellung ab, eine Staats·religion nach dem Muster europäisch-christlicher National·staaten zu installieren. Dennoch sollten die all·gemeinen Bürger·pflichten sowie der Respekt gegenüber Staat und Tenno mithilfe des Shinto gefördert werden. Shinto wurde aus diesem Grund offiziell nicht als „Religion“ sondern als „Zere·monial·system“ definiert, das auf die Verehrung des Tenno ausgerichtet war. Alle Shinto Schreine hatten sich diesem Zweck unter·zu·ordnen. Es wurde jedoch anerkannt, dass es auch einzelne Shinto Sekten gab, die „religöse“ Anliegen im Sinne einer trans·zendenten Heils·lehre ähnlich dem Buddhis·mus oder dem Christen·tum propagierten. Aus der Unter·scheidung dieser beiden Arten von Shinto entwickelten sich die Kategorien Schrein Shinto ({{glossar:jinjashintou}}) und Sekten Shinto ({{glossar:kyouhashintou}}), womit im wesent·lichen Shinto Richt·ungen gemeint waren, die zu dieser Zeit (19. Jh.) neu ent·standen waren und heute zu den [[Geschichte:Neue Religionen|Neuen Religionen]] gerechnet werden.
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==Kategorien von Shintō==
  
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Religions·politik, die Shinto zwar nicht als Religion ansah aber sehr wohl in den Dienst national·istischer Pro·paganda stellte, insgesamt als „Staats-Shinto“ ({{glossar:kokkashintou}}) bezeichnet. Zugleich wurde „Schrein Shinto“ sehr wohl als Religion angesehen und aus dem Staats·kult herausgelöst. Diese Tren·nung von Religion und Staat wurde nach einer ent·sprechenden Anweisung seitens der amerikanischen Besatzung sogar verfassungs·mäßig besiegelt. Was unklar blieb und bis heute bleibt, ist die Verbindung des Schrein-Shinto mit dem Tenno. Um hier eine Trenn·linie zu ziehen, wird gelegentlich der sog. „imperiale Shinto“ ({{glossar:koushitsushintou}}) als eigene Kategorie von Shinto definiert, um die traditionellen ''kami''-Kulte des kaiser·lichen Hofes von sonstigen Schrein·riten zu unter·scheiden. Außerdem ist häufig von „Volks·shinto“ ({{glossar:minzokushintou}} = lokales religiöses Brauch·tum) als weiterer Kategorie die Rede.
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Als sich Anfang der Meiji-Zeit herausstellte, dass sich die Idee von Shintō als Staats·religion nicht ohne weiteres durch·setzen ließ, rückte die Meiji-Regierung von der Vor·stellung ab, eine Staats·religion nach dem Muster europäisch-christlicher National·staaten zu installieren. Dennoch sollten die all·gemeinen Bürger·pflichten sowie der Respekt gegenüber Staat und Tennō mithilfe des Shintō gefördert werden. Shintō wurde aus diesem Grund offiziell nicht als „Religion“, sondern als „Zere·monial·system“ definiert. Dieses Zeremonialsystem war in erster Linie die Verehrung des Tennō ausgerichtet, seine Befolgung galt als patriotische Pflicht. Alle Shintō-Schreine hatten sich diesem Zweck unter·zu·ordnen. Es wurde jedoch anerkannt, dass es auch einzelne Shintō-Sekten gab, die „religöse“ Anliegen im Sinne einer trans·zendenten Heils·lehre ähnlich dem Buddhis·mus oder dem Christen·tum propa·gierten. Aus der Unter·scheidung dieser beiden Arten von Shintō entwickelten sich die Kategorien Schrein Shintō ({{glossar:jinjashintou}}) und Sekten-Shintō ({{glossar:kyouhashintou}}), womit im wesent·lichen Shintō-Richt·ungen gemeint waren, die zu dieser Zeit (19. Jh.) neu ent·standen waren und heute zu den [[Geschichte/Neue Religionen|Neuen Religionen]] gerechnet werden.
  
Versucht man, diese Kategorien klar und historisch konsistent von einander abzugrenzen, stößt man auf unüber·windliche Schwierig·keiten. So lässt sich der „imperiale Shinto“ nicht klar vom „Schrein Shinto“ trennen, da er selbst auf den Traditionen einzelner Schreine beruht. Allerdings ordnen sich nicht alle Schreine dem Anspruch des Tenno unter, Ober·haupt der Shinto Religion zu sein. Noch schwieriger wird die Situation beim Begriff „Volks·shinto“: Sucht man in Japan außerhalb der etablierten Schrein·traditionen nach volks·religiösem Brauchtum, findet man beispiels·weise Be·sessen·heits·kulte, in denen Heiler mit der Hilfe von Medien Geister aus dem Jen·seits sprechen lassen (Bsp. {{Glossar:Itako}}). Solche Kulte werden heute aber weder von offiziellen Shinto-Organisationen, noch vom Buddhismus anerkannt. Die Heiler selbst bedienen sich im übrigen sowohl buddhistischer als auch shin·to·is·tischer Konzepte. Es gibt also tatsächlich starke volksreligiöse Traditionen in Japan, aber diese entziehen sich der eindeutigen Zu·ordnung zu Shinto oder Buddhismus. Um die Verwirrung perfekt zu machen, leben viele dieser Traditionen, bei·spiels·weise Be·sessen·heits·kulte, im so·ge·nannten „Sekten Shinto“ weiter fort, der seiner·seits zu den [[Geschichte:Neue_Religionen|Neuen Religionen]] gezählt wird.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Religions·politik, die Shintō zwar nicht als Religion ansah, aber sehr wohl in den Dienst national·istischer Pro·paganda stellte, insgesamt als „Staats-Shintō“ ({{glossar:kokkashintou}}) bezeichnet. Zugleich wurde „Schrein-Shintō“ als Religion angesehen und aus dem Staats·kult herausgelöst. Diese Tren·nung von Religion und Staat wurde nach einer ent·sprechenden Anweisung seitens der ameri·kanischen Besatzung sogar verfassungs·mäßig besiegelt. Was unklar blieb und bis heute bleibt, ist die Verbindung des Schrein-Shintō mit dem Tennō. Um hier eine Trenn·linie zu ziehen, wird gelegentlich der sog. „imperiale Shintō“ ({{glossar:koushitsushintou}}) als eigene Kategorie von Shintō definiert, um die traditionellen ''kami''-Kulte des kaiser·lichen Hofes von sonstigen Schrein·riten zu unter·scheiden. Außerdem ist häufig von „Volks·shintō“ ({{glossar:minzokushintou}} = lokales religiöses Brauch·tum) als weiterer Kategorie die Rede.
  
Die Versuche, Shinto in verschiedene Kategorien zu unterteilen und auf diese Weise schlüssig darzustellen, haben also bisher zu keinen be·friedigend·en Er·geb·nissen, sondern eher zurück in die ideologischen Fall·stricke des Staats·shinto geführt. Moderne Religions·historiker ziehen unter·schiedliche Konsequenzen aus diesem konzeptionellen Wirr·warr. Manche vermeiden den Begriff „Shinto“ überhaupt, zu·mindest wenn es sich um historische Themen handelt. Nelly Naumann, die sich als Expertin der japanischen Mythologie einen Namen gemacht hat, spricht bei·spiels·weise in ihrem Haupt·werk lediglich von der „ein·heimischen Religion Japans“. Ich selbst sympathisiere mit diesem An·satz und verwende am liebsten den Begriff ''kami''-Glaube. Im Rahmen dieser Web·site wird der Begriff „Shinto“ jedoch der all·gemeinen Ver·ständ·lich·keit halber bisweilen auch dort ver·wendet, wo man ihn besser unter geistige An·führungs·striche setzen sollte.
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Versucht man, diese Kategorien klar und historisch konsistent von einander abzu·grenzen, stößt man auf unüber·windliche Schwierig·keiten. So lässt sich der „imperiale Shintō“ nicht klar vom „Schrein-Shintō“ trennen, da er selbst auf den Tradi·tionen einzelner Schreine beruht. Allerdings ordnen sich nicht alle Schreine dem Anspruch des Tennō unter, Ober·haupt der Shintō Religion zu sein. Noch schwieriger wird die Situation beim Begriff „Volks·shintō“: Sucht man in Japan außer·halb der etab·lierten Schrein·tradi·tionen nach volks·religiösem Brauchtum, findet man beispiels·weise Be·sessen·heits·kulte, in denen Heiler mit der Hilfe von Medien Geister aus dem Jen·seits sprechen lassen (Bsp. {{Glossar:Itako}}). Solche Kulte werden heute aber weder von offiziellen Shintō-Orga·nisa·tionen, noch vom Bud·dhis·mus anerkannt. Die Heiler selbst bedienen sich im übrigen sowohl bud·dhis·tischer als auch shin·tō·is·tischer Konzepte. Es gibt also tat·säch·lich starke volks·reli·giöse Traditionen in Japan, aber diese ent·ziehen sich der ein·deu·tigen Zu·ordnung zu Shintō oder Buddhismus. Um die Ver·wirrung perfekt zu machen, leben viele dieser Tradi·tionen, bei·spiels·weise Be·sessen·heits·kulte, im so·ge·nannten „Sekten-Shintō“ weiter fort, der seiner·seits zu den [[Geschichte/Neue_Religionen|Neuen Religionen]] gezählt wird.
==Anmerkungen==
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Die Versuche, Shintō in verschiedene Kategorien zu unterteilen und auf diese Weise schlüssig darzustellen, haben also bisher zu keinen be·friedigend·en Er·geb·nissen, sondern eher zurück in die ideo·logi·schen Fall·stricke des Staats·shintō geführt. Moderne Religions·historiker ziehen unter·schiedliche Kon·sequen·zen aus diesem konzep·tionellen Wirr·warr. Manche vermeiden den Begriff „Shintō“ überhaupt, zu·mindest wenn es sich um histo·rische Themen handelt. {{g|naumannnelly|Nelly Naumann}}, die sich als Expertin der japanischen Mythologie einen Namen gemacht hat, spricht bei·spiels·weise in ihrem Haupt·werk lediglich von der „ein·heimischen Religion Japans“. Ich selbst sympa·thisiere mit diesem An·satz und verwende am liebsten den Begriff ''kami''-Glaube. Im Rahmen dieser Web·site wird der Begriff „Shintō“ jedoch der all·gemeinen Ver·ständ·lich·keit halber bisweilen auch dort ver·wendet, wo man ihn besser unter geistige An·führungs·striche setzen sollte.
<ref name=kami> Motooris Zitat lautet wörtlich:
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{{Verweise
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In general, ''kami'' refers first to the manifold ''kami'' of heaven and earth we see in the ancient classics, and to the spirits (''mitama'') in shrines consecrated to the same. And it further refers to all other aweinspiring things — people of course, but also birds, beasts, grass and trees, even the ocean and mountains — which possess superlative power not normally found in this world. “Superlative” here means not only superlative in nobility, goodness, or virility, since things which are evil and weird as well, if they inspire unusual awe, are also called ''kami''. (Motoori Norinaga, ''Kojikiden'', Bd. 3)
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|quelle=Zitiert nach [http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/entry.php?entryID=1 Concepts of Kami: Definitions and Typology] (Matsumura Kazuo, Encyclopedia of Shinto) [2011/10]
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* [http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/ ''Encyclopedia of Shintō''], Inoue Nobutaka (Hg.)<br/>Englische Online Version des enzyklopädischen Wörterbuchs ''Shintō Jiten ''(1994). Ehr·geizigstes und viel·ver·sprech·endstes Web Projekt der Kokugakuin Daigaku.
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* [http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/ ''Encyclopedia of Shinto''], Inoue Nobutaka (Hg.)<br/>Englische Online Version des enzyklopädischen Wörterbuchs ''Shintō Jiten ''(1994). Ehr·geizigstes und viel·ver·sprech·endstes Web Projekt der Kokugakuin Daigaku.
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* [http://www2.kokugakuin.ac.jp/ijcc/wp/ Web Versions of IJCC Publications], Kokugakuin Daigaku<br/>Online Resources der gleichen Universität, vor allem einzelne Fachartikel in Englisch.
 
* [http://www2.kokugakuin.ac.jp/ijcc/wp/ Web Versions of IJCC Publications], Kokugakuin Daigaku<br/>Online Resources der gleichen Universität, vor allem einzelne Fachartikel in Englisch.
* [http://www.jinjahoncho.or.jp/en/ Jinja Honchō - The Association of Shinto Shrines] (en., jap.)<br/>Offizielle Website der 1946 gegründeten Dachorganisation japanischer Schreine. Vertritt das oben beschriebene, traditionelle Shinto-Bild.
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* [http://www.jinjahoncho.or.jp/en/ Jinja Honchō - The Association of Shintō Shrines] (en., jap.)<br/>Offizielle Website der 1946 gegründeten Dachorganisation japanischer Schreine. Vertritt das oben beschriebene, traditionelle Shintō-Bild.
|update= Aug. 2010|
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|update= Sept. 2016
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Viele Einführungswerke des Shintō vertreten einen Ansatz, der mir aus den oben ge·schilderten Gründen problematisch erscheint, und können daher nicht wirklich empfohlen werden.  
Die meisten Einführungen in die Geschichte des Shinto vertreten einen Ansatz, der mir aus den oben ge·schilderten Gründen problematisch erscheint, und können daher nicht wirklich empfohlen werden. Für den Einstieg empfehlenswert ist das kurz gefasste Buch:
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Es gibt allerdings auch empfehlenswerte neuere Gesamtdarstellungen:  
{{Literatur:Reader_1998}}
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{{Literatur:Inoue, Endo, Mori, Ito 2003}}
Für alle, die es genauer wissen wollen, empfiehlt sich die dreibändige Serie "Die einheimische Religion Japans" im Brill Verlag:
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{{Literatur:Breen,Teeuwen 2010}}
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Etwas ausführlicher und aus dem deutschsprachigen Sprachraum, aber nicht ganz so aktuell, ist die dreibändige Serie "Die einheimische Religion Japans" im Brill Verlag:
 
{{Literatur:naumann 1988}}
 
{{Literatur:naumann 1988}}
 
{{Literatur:naumann 1994}}
 
{{Literatur:naumann 1994}}
 
{{Literatur:antoni 1998}}
 
{{Literatur:antoni 1998}}
Spezifische Werke zur historischen Problematik des Begriffs "Shinto" (alle in Engl.):
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Spezifische Werke zur historischen Problematik des Begriffs „Shintō“ (alle in Engl.):
 
{{Literatur:Breen_Teeuwen_2000}}
 
{{Literatur:Breen_Teeuwen_2000}}
{{Literatur:inoue 2003}} <br/>State of the Art der japanischen Shinto-Forschung in vier chronologisch gereihten Artikeln.
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{{Literatur:Kuroda_1981|Berühmter Artikel eines führenden japanischen Religionshistorikers, der zum Anstoß einer Neuorientierung in der westlichen Shintō-Forschung wurde.}}
{{Literatur:Kuroda_1981}} <br/>Berühmter Artikel eines führenden japanischen Religionshistorikers, der zum Anstoß einer Neuorientierung in der westlichen Shinto-Forschung wurde.
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{{Literatur:Teeuwen_Scheid_2002}}
 
{{Literatur:Teeuwen_Scheid_2002}}
Ausführlich, aber für meinen Geschmack zu "essentialistisch":
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{{Literatur:Scheid_2012}}
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Ausführlich, aber für meinen Geschmack zu „essentialistisch“:
 
{{Literatur:picken 1994}}
 
{{Literatur:picken 1994}}
Nur für überzeugte Shinto-Anhänger empfehlenswert:
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Nur für überzeugte Shintō-Anhänger empfehlenswert:
 
{{Literatur:ono 1962}}
 
{{Literatur:ono 1962}}
 
{{Literatur:yamakage 2007}}
 
{{Literatur:yamakage 2007}}
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Zitierte Literatur:
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{{literatur: Radich 2014}}
 
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{{ThisWay|Grundbegriffe:Stereotype}}
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{{ThisWay|Grundbegriffe/Stereotype}}

Version vom 22. August 2018, 11:19 Uhr

Shintō, Versuch einer Begriffsbestimmung
Torii geku.jpg

Shinmei torii

Schreintor, torii (Holz); Eingang des Äußeren Schreins von Ise (Gekū)
Bild © SBA73, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

Ein Beispiel für ein torii im einfachen, rustikalen shinmei-Stil.

Das Wort shintō Shintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kamisiehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Weltbild→ Grundbegriffe → mehr bedeutet wörtlich „Weg der Götter“ und wird land­läufig als Selbst­bezeichnung der ein­heimischen Religion Japans angegeben. Auf den ersten Blick scheint diese Definition un­prob­lematisch. Was einen ein wenig stutzig machen könnte, ist lediglich, dass „shintō“ offenbar ein Wort chinesischen Ur­sprungs ist und dass es sich keines­wegs um ein häufig ge­brauchtes Vokabel handelt. Wer ein modernes japanisches Text­ver­arbeitungs­programm benützt und die Silben „shin-tou“ eintippt, erhält als Kanji-Schreibung meist homophone Begriffe wie „shintō shintō 新党 Neue Partei (Homonym von Shinto), Neue Partei“ oder „shintō shintō 浸透 Osmose (Homonym von Shinto), Osmose“ vor­ge­schlagen, bevor die Zeichen 神 (Gott­heit) und 道 (Weg) erscheinen. Shintō im religiösen Sinn ist tatsächlich im Alltags­japanisch kaum ge­bräuchlich. Selbst hin­sichtlich der Aus­sprache (shintō oder shindō) sind sich moderne Japaner nicht immer sicher. Woher kommt diese erstaunliche Zurück­haltung gegenüber einem Wort, das mitunter als In­begriff des Japanischen schlechthin dargestellt wird?

Vokabel

Generelle Merkmale

Shintō wird in der gängigen Ein­füh­rungs­liter­atur gerne mit der japanischen Ur­religion gleich­gesetzt. Oft wird zu­gleich der Ein­druck ver­mittelt, es handle sich um eine besonders archaische Religion, die in Japan — im Gegen­satz zu anderen modernen Gesell­schaften — auf mirakulöse Weise in die Moderne hinüber ge­rettet worden wäre. Dies verleitet wiederum zu dem Trug­schluss, Shintō habe in vor­bud­dhis­tischer Zeit bereits genau so aus­gesehen wie heute. Bei näherer Be­trachtung stößt man aller­dings rasch auf Widersprüche in diesem Modell und es stellt sich heraus, dass vieles, was uns heute als typisch shin­tō­is­tisch erscheint, eigentlich bud­dhis­tische Wurzeln hat. In anderen Fällen kann man daoistische Einflüsse vermuten.


Schreine (jinja)

Wenn es auch schwierig ist, den religiösen Inhalt von Shintō näher zu umreißen, so hat Shintō doch einen eindeutigen Ort, an dem er praktiziert wird, nämlich den Shintō-Schrein (jinja jinja 神社 Shintō-Schreinsiehe auch Schreine ). Schreine stellen damit die räumliche Basis des Shintō dar. Wie im Kapitel Bauten genauer erörtert, handelt es sich bei „Schreinen“ um Orte, an denen die dort verehrten Gottheiten gleichsam wohnen. Wenn man einen Schrein aufsucht, begibt man sich also in die unmittelbare Nähe einer Gottheit. Hier richtet man zumeist Gebete und Opfergaben an eine oder mehrere Gottheiten, um im Austausch dafür bestimmte Vorteile zu erhalten. Obwohl die genauen Funktionen von Schreinen verschieden sein können und auch großen historischen Veränderungen unterworfen waren, sind gewissen bauliche Merkmale von Schreinen über lange Zeit erstaunlich konstant geblieben. Es ist diese Konstanz in den äußeren Formen, die den Eindruck erweckt, Shintō sei insgesamt ein unveränderliches, geschichtsloses Phänomen.

Torii

Die markantesten bauliche Merk­mal eines Shintō-Schreins sind frei stehende symbolische Durchgänge bestehend aus zwei einfachen Pfosten und zwei Quer­balken, die torii torii 鳥居 Torii, Schreintor; wtl. „Vogelsitz“siehe auch Torii → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Schreine→ Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Schreine/Schreinbilder → mehr genannt werden. Sie sind heute vor allen Schreinen zu finden und eignen sich daher auch als Em­blem der Shintō-Religion all­gemein. Ob dies aller­dings schon in vor­bud­dhis­tischer Zeit so war oder ob torii vielleicht erst mit dem Bud­dhis­mus nach Japan kamen, ist fraglich. In früheren Zeiten muss es jedenfalls auch bud­dhis­tische Tempel ge­geben haben, die man durch torii betrat. Einer der ältesten bud­dhis­tischen Tempel Japans, der Shitennō-ji Shitennō-ji 四天王寺 buddh. Tempel im heutigen Ōsaka; zählt zusammen mit dem Asuka-dera zu den beiden ältesten Tempeln Japans (Gründung 593)siehe auch Torii → Ikonographie/Waechtergoetter→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Essays/Bishamon-ten → mehr in Osaka, zählt heute noch dazu. Spätestens ab der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit waren aber Schreine anhand von torii zu identifizieren (mehr dazu im Kapitel Bauten, Torii).

Kami

Schon vor Über­nahme des Bud­dhis­mus nannten die Japaner ihre Götter und Geister kami kami japanische Gottheitsiehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr . Der Begriff kami hielt sich durch alle Phasen der japan­ischen Religions­geschichte, auch wenn sich damit die unter­schied­lichsten religiösen Phäno­mene be­zeich­nen lassen. Die Mythen sprechen häufig von yaoyorozu yaoyorozu 八百万 altjap. für „acht Millionen“ bzw. unendlich viele no kami, wtl. acht Millionen Götter, was aber genauso als Ausdruck einer un­vor­stell­bar großen Zahl auf­ge­fasst wird.

Japanische Shintō-Schreine sind zumeist namentlich bekannten Gott­heiten geweiht, die teils den alten Mythen ent­stammen, oft aber auch durch den Bud­dhis­mus nach Japan kamen oder aus historischen, später ver­göttlichten Persön­lichkeiten ent­standen sind. Das be­kannteste Beispiel einer mythologischen Gott­heit ist Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechtssiehe auch Goetter des Himmels → Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Ise Izumo→ Essays/Jindo und Shinto→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise → mehr mit dem Haupt­schrein in Ise Ise Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Miesiehe auch Schreinanlage Ise → Bauten/Ise Izumo→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Symboltiere→ Essays/Tauben → mehr . Die meisten der Sieben Glücksgötter ent­stammen dagegen dem Bud­dhis­mus oder leiten sich von anderen nicht-japanischen Vor­bildern her. Ein berühmtes Bei­spiel für die Ver­gött­lichung einer historischen Per­sön­lich­keit ist Tokugawa Ieyasu Tokugawa Ieyasu 徳川家康 1543–1616; 1. Tokugawa Shōgun; Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr , der im bekannten Tōshō-gū Tōshō-gū 東照宮 Tōshō Schrein, Mausoleum des Tokugawa Ieyasu in Nikkō, Präf. Tochigisiehe auch Nikko → Bauten/Bekannte Schreine→ Karte Schrein in Nikkō Nikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schreinsiehe auch Nikko → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr verehrt wird.

Laut einer klassischen Definition des Shintō-Gelehrten Motoori Norinaga Motoori Norinaga 本居宣長 1730–1801; Shintō-Gelehrter der „nationalen Schule“ (Kokugaku)siehe auch Kokugaku → Mythen/Goetter des Himmels→ Mythen/Jenseits→ Geschichte/Shinto Mittelalter→ Texte/Mythentexte → mehr kann alles, was in ir­gend einer Weise außer­ge­wöhn­lich und ehrfurchtgebietend ist, kami genannt werden, un­ab­hängig davon, ob es sich um et­was Gutes oder Schlech­tes, Er­habe­nes oder Ab­sto­ßen­des han­delt. Neben ein­drucks­vol­len Na­tur­er­schei­nun­gen wie Ber­gen, Bäu­men oder Flüs­sen können auch Menschen oder Tiere als kami be­zeich­net werden. Motooris Zitat lautet in wörtlicher Übersetzung:

Was man unter kami versteht, sind zum einen die Gottheiten von Himmel und Erde, wie wir sie in den alten Klassikern finden, und zum anderen die Seelen­geister (mitama), die in den verschiedenen Schreinen verehrt werden. Ferner können natürlich auch Menschen, ebenso wie Tiere, Pflanzen, das Meer und die Berge als kami bezeichnet werden, sofern sie eine seltene, ungewöhnliche oder überlegene Kraft besitzen, die Ehrfurcht (kashikoki) hervorruft. „Überlegen“ (suguretaru) bezieht sich dabei nicht nur auf Vornehmes, Gutes und Tugendhaftes, denn auch ungewöhnlich Böses und Absonderliches kann Ehrfurcht hervorrufen und kami genannt werden.1

Norinaga schließt daraus, dass natürlich auch der herrschende Tennō Tennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmelssiehe auch Goetter der Erde → Grundbegriffe/Weltbild→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja → mehr und seine Vorfahren kami sind. Im Unterschied zu christlichen Gottes­vor­stel­lungen wird diese Gött­lichkeit aber nicht aus einem Prinzip (z.B. Allmacht), sondern aus einer Wirkung (ehrfurchtgebietend) abgeleitet. Kami werden also gleichsam empirisch begründet, nämlich aufgrund von besonderen – ansonsten unerklärlichen – Effekten auf die konkrete Lebenswelt der Menschen. Norinaga – und mit ihm viele andere Shintōisten – argu­mentiert also nicht, dass man aus diesen oder jenen Gründen an die kami glauben muss, sondern setzt den Glauben an schicksals­bestim­mende Kräfte als gegeben voraus und nennt diese Kräfte „kami“.

Als allgemeine Cha­rakter­istika des kami-Begriffs können somit ihre zahlen­mäßige Un­begrenzt­heit, ihre Viel­gestaltigkeit sowie ihr unberechenbarer Einfluss auf das Leben der Menschen fest­gehalten werden. Diese flexible, moralisch un­be­stimmte Auf­fass­ung von Gött­lich­keit hat sich in der japanischen Religion bis heute er­halten. So konnten und können selbst Gegen­stände als Gott­heiten an­ge­sehen und verehrt werden (in erster Linie Schwerter und Spiegel, aber auch un­be­deutende und all­tägliche Dinge). Zu­gleich werden auch aus­länd­ische Götter und der christliche Gott mit dem Begriff kami be­zeichnet. Da es im Japanischen keinen Plural gibt, ist es ohne Weiteres möglich mono­theistische und poly­theistische Vor­stellungen in einem Begriff zu vereinen. Der Begriff kami ist also sehr viel weiter als „Gott“ oder „Gottheit“, schließt diese Vor­stellungen aber mit ein.

Dank seiner Viel­gestaltig­keit ist es also kaum möglich, den Begriff kami in das Korsett einer be­stimmten kon­fession­ellen Religion zu pressen. Und dennoch ist der kami Begiff vielleicht das einzige indigene religiöse Konzept, das sich einer voll­kommenen Ver­schmelz­ung mit dem Bud­dhis­mus ent­zogen hat. Selbst bud­dhis­tische Mönche akzep­tierten die kami stets als natur­gegebene Realität und ver­suchten lediglich, sie aus bud­dhis­tischer Sicht zu erklären. In den meisten religi­ösen Zentren, egal ob ur­sprüng­lich bud­dhis­tisch oder nicht, wurden und werden sowohl Buddhas als auch kami verehrt, es handelt sich also im Grunde um ge­mischt-religiöse „Tempel-Schrein An­lagen“. Trotz dieser räum­lichen Nähe blieb eine gewisse kul­tische Tren­nung aufrecht, d.h. bud­dhis­tische und ein­heim­ische Gott­heiten wurden mit jeweils eigenen Riten bedacht und oft auch von jeweils eigenen Priestern betreut.

Shen/shin

In den meisten Komposita, in denen das Zeichen für kami 神 vorkommt, wird die sino-japanische Lesung shin (oder jin) verwendet, etwa in shintō Shintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kamisiehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Weltbild→ Grundbegriffe → mehr oder jinja jinja 神社 Shintō-Schreinsiehe auch Schreine . Die chinesischen Konnotationen des Schriftzeichens sind jedoch mit den oben besprochene Bedeutungen von kami nicht unbedingt identisch und haben wohl ihrerseits dazu beigetragen, den kami-Begriff zu erweitern.

Im chinesi­schen Kontext lässt sich das Zeichen 神 — auf Chine­sisch shen shen (chin.)Geist (sowohl im Sinne von „Gespenst” als auch von „geistiger Kraft“); jap. shin oder kami gelesen — am besten mit „Geist“ über­setzen und besitzt in der Tat einen ähnlich großen Be­deutungs­um­fang wie der deut­sche Begriff. D.h. shen kann ebenso ein Gespenst bezeich­nen wie den Geist im Unter­schied zum Körper oder zur Materie. Es ist zunächst einmal eine unsichtbare Macht (oder unsichtbare Mächte), die wir sowohl außerhalb von uns als auch in uns selbst am Werke finden. In diesem letztere Sinne lässt sich shen z.B. heute noch im japanischen Kompositum seishin 精神 — „Geist“, „Psyche“, wtl. „Fein-Geist“ — wie­der­fin­den. Frühe bud­dhisti­sche Autoren in China verstanden unter dem Begriff shen hingegen den „reinen Geist“ im Gegen­satz zum Alltags­bewusst­sein shi 識 (jap. shiki, skt. vijñāna).2 Ähnlich ver­wen­deten auch shintō-bud­dhis­tische Theo­logen des japa­nischen Mittel­alters das Konzept shin 神 (kami) im Sinne von „Geist“, „Bewusst­sein“ und setzten es mit seinem japanischen Homonym shin 心 („Herz“, „Bewusst­sein“) gleich.

Shen/shin kann also auch das Göttliche bezeichnen, das jedem indivi­duellen Bewusst­sein inne­wohnt, es stellt sozu­sagen einen Ideal­zustand des Geistes dar, den der Mensch erreichen kann, wenn er alle „Trü­bungen“ seines Bewusst­seins be­seitigt. Dieser Ideal­zustand wurde in China auch durch Kompo­sita wie shenming 神明 (Geist-hell) oder mingshen 明神 (hell-Geist), also „er­leuch­tetes Bewusst­sein“, ausge­drückt. Interes­santer­weise wurden diese beiden Begriffe in Japan zu kami-Titeln, wobei Myōjin Myōjin 明神 Titel für eine Schreingottheit (kami), z.B. Kanda Myōjin 明神 auf ver­schie­dene Schrein­götter an­ge­wen­det werden kann, wäh­rend shinmei shinmei 神明 generelle Bezeichnung für Schreingottheiten (kami); als Schreinnamen (Shinmei-sha) allerdings nur für Zweigschreine von Ise verwendet; s.a. shinmei-zukurisiehe auch Ise Izumo 神明 meist spezi­fisch für Ise Ise 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)siehe auch Schreinanlage Ise → Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr steht. Die buddhis­tischen Kon­nota­tionen dieser Begriffe sind in Japan weit­gehend in Ver­gessen­heit geraten, haben aber bei der ur­sprüng­lichen Prägung dieser Götter­titel mit Sicher­heit eine Rolle gespielt. Kami können daher aus buddhis­tischer Sicht auch den Zustand der bud­dhis­tischen Erleuch­tung reprä­sen­tieren.

Kegare

Shintō wird häufig als Religion ohne moralisch verbindliche Vor­schriften charakterisiert. Tat­säch­lich gibt es im Shintō nichts, was etwa den fünf Laien­geboten des Buddhismus, oder den Zehn Geboten der Juden und Christen entspricht. Es gibt jedoch ein Merk­mal, das sich durch alle doku­mentierten Phasen der kami-Religion zieht und das auch heute noch prägend für viele Bereiche der japa­nischen Gesell­schaft ist, nämlich eine sehr ausgeprägte Vor­stellung von ritueller Rein­heit bzw. — negativ ausge­drückt — die Angst vor ritueller Verun­reini­gung (kegare kegare 穢れ rituelle Verunreinigung, Befleckung, Schandesiehe auch→ Alltag/Totenriten→ Mythen/Goetter des Himmels→ Essays/Yasukuni ). Eine solche Verun­reini­gung zieht den Un­willen der kami nach sich und ist daher die Ur­sache negativer Kon­se­quen­zen nicht nur für den einzel­nen, son­dern für die gesamte Gemein­schaft.

Der Tod und alles, was damit zu tun hat, wird als Haupt­quelle der Verun­reini­gung angesehen. Ein­heimi­sche kami sollen daher mög­lichst nicht mit Zeichen des Todes, ebenso wenig aber auch mit Blut und mit Krank­heiten kon­frontiert werden. Ein heute noch gängiger Nach­hall dieser alten Auf­fassung besteht im all­ge­meinen Brauch, auf den traditionellen Neujahrsbesuch bei einem Shintō-Schrein zu verzichten, wenn im ver­gange­nen Jahr ein Todes­fall in der Familie eingetreten ist.

Interessanterweise sind Shintō-Priester ganz besonders dazu angehalten, Tabu-Regeln zu befolgen und müssen sich daher vor der Ver­un­reinigung durch Krank­heit und Tod besonders in Acht nehmen. Diese Tabu­isierung des Todes kann jedoch meiner Meinung nach nicht von Anfang an Teil des kami-Glaubens gewesen sein. Sie kann erst in Kraft getreten sein, als andere Religionen sich für diesen religiös essenziellen Bereich zuständig fühlten. Tat­sächlich nimmt der japanische Bud­dhis­mus gerade auf dem Gebiet des Jenseitsglaubens und des Begräbniskults eine be­herr­schende Stellung ein. Das Todes­tabu des Shintō ist daher meiner Meinung nach das Produkt einer historischen Arbeits­teilung, nach der Buddhas ten­den­ziell für den Tod und das Jenseits, kami für das Leben und das Dies­seits zuständig sind.

Was die Vorstellung von kegare von anderen ethischen Ver­haltens­kodices, etwa der Karma कर्म Karma (skt., n.) „Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen; jap. Gō 業siehe auch →  Buddhismus Lehre → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Tempel→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie → mehr -Lehre unter­scheidet, ist die Tat­sache, dass den kami kein moralisches Urteils­vermögen, sondern eher eine spontan-natur­gesetzliche Reaktions­weise, eine Art un­will­kürlicher Unmuts­äußerung unterstellt wird, die nicht lange nach den genauen Um­ständen und Ur­sachen fragt. Dabei spielt es nur eine sekundäre Rolle, ob die Verun­reinigung durch willentliche Über­tretung (Ver­letzung religiöser Tabus) oder unwillkürlich (Krank­heit, Tod, Menstruation, Geburt) herbei­geführt wurde. Üblicher­weise können zwar unwillkürliche Ver­letz­ungen des Rein­heits­gebots durch asketische Praktiken (Fasten, sexuelle Enthaltsamkeit, ...) oder durch bestimmte Reinigungs­zeremonien (misogi misogi Purifikation, Reinigungsritus, rituelle Waschungsiehe auch→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri→ Mythen/Goetter des Himmels oder harae harae Purifikation, Weihezeremonie, Exorzismussiehe auch Schreinpriester → Bauten/Schreine/Shimenawa→ Alltag/Familie ) gesühnt werden, um die Gefahr einer gött­lichen Ver­geltung ab­zu­wehren. In Einzel­fällen genügt dies aber nicht und somit können auch un­ab­sicht­liche Tabu­über­tre­tungen als Ursache gött­licher Strafen erkannt und ent­spre­chend geahndet werden (z.B. durch Aus­schluss aus der Gemein­schaft).

Aus der Sicht einer westlich-aufkläre­rischen Perspektive wirken viele aus alter Zeit über­lieferten Tabu­regeln ungerecht. Im modernen Japan spielen sie denn auch meist nur noch eine unter­geord­nete Rolle. Wenn es aber um den Tod geht, hat man doch den Ein­druck, dass die gene­relle Scheu vor kegare nach wie vor einen wich­tigen Platz in der kultu­rellen Befind­lich­keit Japans ein­nimmt.

Trennung von Shintō und Buddhismus

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Shintō und jindō

Weg einer Gottheit

Querbildrolle. Meiji-Zeit; Schreinanlage von Ise

Anlässlich der periodischen Neuerrichtung der Schreinanlage von Ise, die alle 20 Jahre stattfindet, wird das Hauptheiligtum (go-shintai) des Schreins in einer nächtlichen Prozession zu seinem neuen Bestimmungsort gebracht. Das heilige Objekt ist durch Tücher verhüllt.

Shintō und Buddhismus ergänzen sich also, sie stehen in einem arbeit­steiligen Ver­hält­nis zu­einander. Dieses Ver­hält­nis ist aber keines­wegs aus­gewogen. Über weite Strecken der japanischen Religions­geschichte scheinen die kami nicht für viel mehr als für religiöse Hilfs­dienste zuständig gewesen zu sein. Gleich­zeitig waren sie der allgemeinen Be­völk­erung näher als die Buddhas, ähnlich wie Polizisten der allgemeinen Be­völk­erung näher sind als Richter.

Shintō und Bud­dhis­mus lassen sich daher gar nicht so leicht als gleich­wertige Religionen gegen­über stellen. Nachdem sich der Bud­dhis­mus dank der massiven Förderung durch den antiken japanischen Staat als Quasi-Staats­religion durch­gesetzt hatte, musste der kami-Glauben erst eine Reihe von Trans­formationen durchlaufen, bevor er allgemein als ver­gleich­bar und zugleich als gegen­sätzlich zum Bud­dhis­mus aufgefasst wurde. Erst in diesem Pro­zess beginnen sich die Um­risse von „Shintō“ als eigen­ständiger Religion langsam abzuzeichnen. (s. Sidepage Shintō und jindō.)

Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen nicht weiter als ins japanische Mittel­alter zurück. Im dreizehnten Jahr­hundert ent­standen erste theologische Theorien, die die traditionelle Hierarchie von kami und Buddhas umkehrten, im fünfzehnten Jahr­hundert gaben sich solche Theologien die Selbst­bezeich­nung „Shintō“ (s. Shintō im Mittelalter). In der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit (1600–1867) gab es die ersten Be­stre­bun­gen, kami-Schreine gegen­über bud­dhis­tischen Tempeln auf­zu­werten und unter In­tel­lek­tu­ellen wurde es all­mählich üblich, „Shintō“ als generelle Be­zeichnung der ein­heimischen Religion zu verwenden. In den allgemeinen Wort­schatz ging dieser Begriff aber erst nach dem politischen Umbruch von 1868 ein, als man versuchte, Shintō als National­religion zu etablieren. Dieses Vorhaben, das von einer Welle anti-bud­dhis­tischer Aus­schreitungen begleitet war, markierte auch in rechtlicher Hinsicht einen deutlichen Ein­schnitt gegenüber den syn­kre­tis­tischen Glaubens­formen der Ver­gangen­heit: Bereits 1868 wurde ein Gesetz erlassen, das die allgemeine Praxis, Buddhas und kami am gleichen Ort zu verehren, verbot (Shinbutsu bunri rei shinbutsu bunri rei 神仏分離令 Verordnungen zur Trennung von kami-[Schreinen] und Buddha-[Tempeln] (ab 1868)). Viele bud­dhis­tische Tempel aber auch manche Shintō-Schreine mussten daher abgerissen werden, viele religiöse Traditionen wurden vollkommen ausgelöscht.

Diese Politik wurde im Zuge einer allgemein anti-bud­dhis­tischen Stimmung zunächst von breiten Teilen der Be­völkerung unterstützt, stieß allerdings in der Praxis auf erhebliche Wider­stände. Nach einer kurzen Phase der Be­geist­erung geriet die gewaltsame Trennung von Buddhas und kami daher ins Stocken und ist bis heute nur un­voll­ständig vollzogen: Noch heute gibt es neben jedem großen bud­dhis­tischen Tempel auch einen kleinen Schrein für den shintō­istischen Schutz­gott des Tempels und noch heute werden bud­dhis­tische Gestalten in Shintō-Schreinen verehrt.

Die Politik der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Essays/Jindo und Shinto→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Jahr → mehr -Zeit hatte aber dennoch zur Folge, dass Shintō in den Brenn­punkt religions­geschichtlicher Debatten rückte. Weite Kreise innerhalb der japanischen Forschung und der frühen westlichen Japanologie tendierten von nun an dazu, Shintō als japanische Ur­religion anzusehen, die allerdings lange Zeit hindurch vom Bud­dhis­mus „überlagert“ gewesen war. Erst in den letzten Jahren hat sich dieses Bild relativiert und man beginnt, in den Formen der Koexistenz von Buddhismus und kami-Glauben eine eigene Form der japanischen Religion zu erkennen, von der sich „Shintō“ erst nach und nach weg ent­wickelte. Eine eindeutige De­finition von „Shintō“ ist aller­dings auch von der neueren Forschung noch nicht entwickelt worden.

Shintō und Nationalismus

In den ersten Jahrzehnten nach der Meiji Restauration (1868) durchlief die japanische Religions­politik eine Art trial-and-error-Phase, in der der Shintō — oder besser gesagt die japanischen kami-Schreine — einmal mehr einmal weniger im Zentrum der politischen Auf­merk­samkeit standen. Institutionen, die als ideologisches Zentrum staatlich organisierter Schrein­kulte fungieren sollten, lösten sich in rascher Folge ab. Mit den ersten militärischen Erfolgen des modernen Japan (insbesondere nach dem Russo-Japanischen Krieg 1904–05) wurde Shintō stärker in den Dienst eines aggressiven National­ismus gestellt, der die Annexion und Kolo­niali­sierung umliegender asiatischer Länder recht­fertigen sollte. Der sich so ent­wickelnde Staats­shintō (kokka shintō kokka shintō 国家神道 Staatsshintō, staatliche Ideologie der Moderne vor dem 2. WKsiehe auch Staatsshinto → Geschichte/Nichiren ) kulminierte schließlich in der Zeit des sog. Ultra­nationalismus von den dreißiger Jahren bis zum Zweiten Welt­krieg. Mit der Niederlage Japans verlor dieser Staats­shintō sowohl seine rechtliche Basis als auch seine Glaub­würdigkeit, während der Begriff Shintō als Bezeichnung für die ein­heimische Religion nach wie vor in Ver­wendung blieb. Dies mag ein weiterer Grund für die eingangs erwähnte Tatsache sein, dass dem Begriff ein negativer Bei­geschmack anhaftet und viele Japaner ihn vermeiden. Das gilt natürlich nicht für die Ver­treter des Shintō selbst. Sie sind großteils bemüht, „Shintō“ von der Asso­ziation mit dem Staats­shintō rein zu waschen. Andererseits spielt die Ideologie des Staats­shintō in rechts­extremen Kreisen nach wie vor eine wichtige Rolle und auch die gemäßigt konservative Liberal Demo­kratische Partei (LDP), die seit dem Zweiten Weltkrieg fast ununterbrochen an der Regierung ist, kann sich nicht zu einer eindeutigen Ablehnung aller Reste des Staats­shintō durchringen. Das Thema Shintō spiegelt daher die Schwierig­keiten wider, die Japan als ganzes mit der Be­wältigung seiner nationalistischen Ver­gang­en­heit hat.

Im Westen ist der Begriff Shintō selbst zwar im All­gemeinen nicht mit dem Stigma des National­ismus behaftet (dafür ist der Begriff einfach zu fremd und exotisch), aber die wissen­schaft­liche Beschäftigung mit dem Thema hat nach dem 2. Welt­krieg doch spürbar nachgelassen. Shintō wurde zu einer Art Tabuthema. Erst in jüngerer Zeit gibt es wieder Ansätze, sowohl den Staatsshintō als auch die Ursachen seiner Ent­stehung historisch auf­zu­arbeiten und in Relation zur gesamten Religions­geschichte Japans zu stellen.

Kategorien von Shintō

Als sich Anfang der Meiji-Zeit herausstellte, dass sich die Idee von Shintō als Staats­religion nicht ohne weiteres durch­setzen ließ, rückte die Meiji-Regierung von der Vor­stellung ab, eine Staats­religion nach dem Muster europäisch-christlicher National­staaten zu installieren. Dennoch sollten die all­gemeinen Bürger­pflichten sowie der Respekt gegenüber Staat und Tennō mithilfe des Shintō gefördert werden. Shintō wurde aus diesem Grund offiziell nicht als „Religion“, sondern als „Zere­monial­system“ definiert. Dieses Zeremonialsystem war in erster Linie die Verehrung des Tennō ausgerichtet, seine Befolgung galt als patriotische Pflicht. Alle Shintō-Schreine hatten sich diesem Zweck unter­zu­ordnen. Es wurde jedoch anerkannt, dass es auch einzelne Shintō-Sekten gab, die „religöse“ Anliegen im Sinne einer trans­zendenten Heils­lehre ähnlich dem Buddhis­mus oder dem Christen­tum propa­gierten. Aus der Unter­scheidung dieser beiden Arten von Shintō entwickelten sich die Kategorien Schrein Shintō (jinja shintō jinja shintō 神社神道 Schreinshintō; im Ggs. zu „Sektenshintō“, ...siehe auch→ Geschichte/Staatsshinto ) und Sekten-Shintō (kyōha shintō kyōha shintō 教派神道 Sektenshinto; im Ggs. zu „Schreinshinto“, ...), womit im wesent­lichen Shintō-Richt­ungen gemeint waren, die zu dieser Zeit (19. Jh.) neu ent­standen waren und heute zu den Neuen Religionen gerechnet werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Religions­politik, die Shintō zwar nicht als Religion ansah, aber sehr wohl in den Dienst national­istischer Pro­paganda stellte, insgesamt als „Staats-Shintō“ (kokka shintō kokka shintō 国家神道 Staatsshintō, staatliche Ideologie der Moderne vor dem 2. WKsiehe auch Staatsshinto → Geschichte/Nichiren ) bezeichnet. Zugleich wurde „Schrein-Shintō“ als Religion angesehen und aus dem Staats­kult herausgelöst. Diese Tren­nung von Religion und Staat wurde nach einer ent­sprechenden Anweisung seitens der ameri­kanischen Besatzung sogar verfassungs­mäßig besiegelt. Was unklar blieb und bis heute bleibt, ist die Verbindung des Schrein-Shintō mit dem Tennō. Um hier eine Trenn­linie zu ziehen, wird gelegentlich der sog. „imperiale Shintō“ (kōshitsu shintō kōshitsu shintō 皇室神道 Imperialer Shinto, Shinto des kaiserlichen Hofes) als eigene Kategorie von Shintō definiert, um die traditionellen kami-Kulte des kaiser­lichen Hofes von sonstigen Schrein­riten zu unter­scheiden. Außerdem ist häufig von „Volks­shintō“ (minzoku shintō minzoku shintō 民俗神道 Volksshintō, Shintō als Volksreligion = lokales religiöses Brauch­tum) als weiterer Kategorie die Rede.

Versucht man, diese Kategorien klar und historisch konsistent von einander abzu­grenzen, stößt man auf unüber­windliche Schwierig­keiten. So lässt sich der „imperiale Shintō“ nicht klar vom „Schrein-Shintō“ trennen, da er selbst auf den Tradi­tionen einzelner Schreine beruht. Allerdings ordnen sich nicht alle Schreine dem Anspruch des Tennō unter, Ober­haupt der Shintō Religion zu sein. Noch schwieriger wird die Situation beim Begriff „Volks­shintō“: Sucht man in Japan außer­halb der etab­lierten Schrein­tradi­tionen nach volks­religiösem Brauchtum, findet man beispiels­weise Be­sessen­heits­kulte, in denen Heiler mit der Hilfe von Medien Geister aus dem Jen­seits sprechen lassen (Bsp. itako itako イタコ blinde Priesterin oder Shamanin; früher auch ichiko 市子siehe auch Itako → Alltag/Schreinpriester→ Alltag/Yamabushi→ Mythen/Geister ). Solche Kulte werden heute aber weder von offiziellen Shintō-Orga­nisa­tionen, noch vom Bud­dhis­mus anerkannt. Die Heiler selbst bedienen sich im übrigen sowohl bud­dhis­tischer als auch shin­tō­is­tischer Konzepte. Es gibt also tat­säch­lich starke volks­reli­giöse Traditionen in Japan, aber diese ent­ziehen sich der ein­deu­tigen Zu­ordnung zu Shintō oder Buddhismus. Um die Ver­wirrung perfekt zu machen, leben viele dieser Tradi­tionen, bei­spiels­weise Be­sessen­heits­kulte, im so­ge­nannten „Sekten-Shintō“ weiter fort, der seiner­seits zu den Neuen Religionen gezählt wird.

Die Versuche, Shintō in verschiedene Kategorien zu unterteilen und auf diese Weise schlüssig darzustellen, haben also bisher zu keinen be­friedigend­en Er­geb­nissen, sondern eher zurück in die ideo­logi­schen Fall­stricke des Staats­shintō geführt. Moderne Religions­historiker ziehen unter­schiedliche Kon­sequen­zen aus diesem konzep­tionellen Wirr­warr. Manche vermeiden den Begriff „Shintō“ überhaupt, zu­mindest wenn es sich um histo­rische Themen handelt. Nelly Naumann Nelly Naumann 1922–2000; deutsche Japanologin und Mythenforscherinsiehe auch Mythentexte → Essays/Jindo und Shinto→ Mythen/Goetter des Himmels→ Essays/Regenmachen , die sich als Expertin der japanischen Mythologie einen Namen gemacht hat, spricht bei­spiels­weise in ihrem Haupt­werk lediglich von der „ein­heimischen Religion Japans“. Ich selbst sympa­thisiere mit diesem An­satz und verwende am liebsten den Begriff kami-Glaube. Im Rahmen dieser Web­site wird der Begriff „Shintō“ jedoch der all­gemeinen Ver­ständ­lich­keit halber bisweilen auch dort ver­wendet, wo man ihn besser unter geistige An­führungs­striche setzen sollte.

Verweise

Fußnoten

  1. Motoori Norinaga, Kojikiden, Bd. 3. Übersetzt nach Matsumura Kazuo in Shintō jiten (1994), S. 37; für eine engl. Übersetzung siehe Concepts of Kami: Definitions and Typology (Encyclopedia of Shinto) [2011/10]).
  2. Beispielsweise beim buddhistischen Philosophen Zong Bing 宗炳, 375–444 (–79). Michael Radich schreibt dazu:

    Zong Bing further explains the relation between vijñāna [Alltagsbewusstsein, B.S.] and the approach to awakening by the old analogy of a mirror obscured by dust, where vijñāna is the dust: just as a mirror can be obscured by a thin or a thick layer of dust, so spirit (shen 神) can be obscured by fine or coarse vijñāna, which “sticks” (fu 附) to spirit and obscures its original nature (like the “original brightness” [benming 本明] of the mirror). However, practicing (contemplation of) emptiness works to reduce the layer of obscuring vijñāna, and when it is eliminated entirely, “original spirit” (benshen 本神) is consummated (qiong 窮). The resulting state is nirvāṇa.

    Hong ming ji 弘明集, nach Radich 2014, S. 476.

Links

  • Encyclopedia of Shintō, Inoue Nobutaka (Hg.)
    Englische Online Version des enzyklopädischen Wörterbuchs Shintō Jiten (1994). Ehr­geizigstes und viel­ver­sprech­endstes Web Projekt der Kokugakuin Daigaku.
  • Web Versions of IJCC Publications, Kokugakuin Daigaku
    Online Resources der gleichen Universität, vor allem einzelne Fachartikel in Englisch.
  • Jinja Honchō - The Association of Shintō Shrines (en., jap.)
    Offizielle Website der 1946 gegründeten Dachorganisation japanischer Schreine. Vertritt das oben beschriebene, traditionelle Shintō-Bild.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Viele Einführungswerke des Shintō vertreten einen Ansatz, der mir aus den oben ge­schilderten Gründen problematisch erscheint, und können daher nicht wirklich empfohlen werden. Es gibt allerdings auch empfehlenswerte neuere Gesamtdarstellungen:

Nobutaka Inoue und Endo Jun, Mori Mizue, Ito Satoshi 2003
Shinto: A New History. New York: RoutledgeCurzon 2003. [Originalausgabe 1998; Ü. ins Englische von Mark Teeuwen und John Breen.]
John Breen und Mark Teeuwen 2010
A New History of Shinto. Oxford: Wiley-Blackwell 2010.

Etwas ausführlicher und aus dem deutschsprachigen Sprachraum, aber nicht ganz so aktuell, ist die dreibändige Serie "Die einheimische Religion Japans" im Brill Verlag:

Nelly Naumann 1988
Die einheimische Religion Japans, Teil 1: Bis zum Ende der Heian Zeit. Leiden: Brill 1988.
Nelly Naumann 1994
Die einheimische Religion Japans, Teil 2: Synkretistische Lehren und religiöse Entwicklungen von der Kamakura- bis zum Beginn der Edo-Zeit. Leiden: Brill 1994.
Klaus Antoni 1998
Shintō und die Konzeption des japanischen Staatswesens (kokutai). Leiden: Brill 1998.

Spezifische Werke zur historischen Problematik des Begriffs „Shintō“ (alle in Engl.):

John Breen und Mark Teeuwen (Hg.) 2000
Shinto in History: Ways of the Kami. London: Curzon 2000.
Kuroda Toshio 1981
Shinto in the History of Japanese Religion.“ Journal of Japanese Studies 7:1 (1981), S. 1–22. [Ü. J. Dobbins und S. Gay.]
Berühmter Artikel eines führenden japanischen Religionshistorikers, der zum Anstoß einer Neuorientierung in der westlichen Shintō-Forschung wurde.
Mark Teeuwen und Bernhard Scheid (Hg.) 2002
Tracing Shinto in the History of Kami Worship. Japanese Journal of Religious Studies 29/3–4 2002. [Sondernummer des JJRS.]
Bernhard Scheid 2012
Shinto shrines: Traditions and transformations.“ In: John Nelson, Inken Prohl (Hg.), Handbook of Contemporary Japanese Religions. Leiden: Brill 2012.

Ausführlich, aber für meinen Geschmack zu „essentialistisch“:

Stuart Picken 1994
Essentials of Shinto: An Analytical Guide to Principal Teachings. Westport, UK: Greenwood 1994.

Nur für überzeugte Shintō-Anhänger empfehlenswert:

Ono Sokyo 1962
Shinto: The Kami Way. London: Tuttle 1962.
Yamakage Motohisa 2007
Essence of Shinto: Japans Spiritual Heart. Tokyo: Kodansha International 2007.

Zitierte Literatur:

Michael Radich 2014
„Ideas about “Consciousness” in Fifth and Sixth Century Chinese Buddhist Debates on the Survival of Death by the Spirit, and the Chinese Background to *Amalavijñāna.“ In: Chen-kuo Lin / Michael Radich (Hg.), A Distant Mirror: Articulating Indic Ideas in Sixth and Seventh Century Chinese Buddhism. Hamburg: Hamburg University Press 2014, S. 471–512.
Grundbegriffe
Ikonographie
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„Shinto.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 22.8.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe/Shinto?oldid=70298