Mythen/Verwandlungskuenstler/Tanuki: Unterschied zwischen den Versionen

Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 2: Zeile 2:
  
 
{{w500
 
{{w500
|tanuki13.jpg
+
| tanuki13.jpg
 
| ''Tanuki''
 
| ''Tanuki''
|ref=1
+
| rh = 350
 +
| ref=1
 
}}
 
}}
 
{{fl|D}}ie niedlich-humor·volle Gestalt des {{g|tanuki}} ist eine moderne Erfindung.  
 
{{fl|D}}ie niedlich-humor·volle Gestalt des {{g|tanuki}} ist eine moderne Erfindung.  
Zeile 52: Zeile 53:
 
}}  
 
}}  
  
 +
Selten aber doch entstanden in der Shigaraki-Werkstatt auch weibliche ''tanuki''.
 +
{{w500
 +
| Tanuki_w.jpg
 +
| ''Tanuki'' Pinupgirl
 +
| rw= 500 | rh= 300 | w= 500
 +
| top= -70 | left= 0 
 +
| hell= hell
 +
| ref= 1<!-- 1 (Bildtext als Fußnote) -->
 +
}}
 +
 
Dass ''tanuki'' gerne tanzen und singen war schon in der Edo-Zeit bekannt und wurde in einem modernen Anime neuerlich bekräftigt:  
 
Dass ''tanuki'' gerne tanzen und singen war schon in der Edo-Zeit bekannt und wurde in einem modernen Anime neuerlich bekräftigt:  
 
{{w502
 
{{w502

Version vom 20. Februar 2018, 11:48 Uhr

Tanuki-Bilder
Tanuki-Portrait.
Statue, tanuki (Keramik, bemalt), Detail
Bild © H. Minagawa, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7).

Niedlicher tanuki, wie er sich im heutigen Japan als Standarddarstellung eingebürgert hat.

. 1 Tanuki

Die niedlich-humor­volle Gestalt des tanukitanuki Tanuki; Marderhund Shinto MittelalterNamazu-eTenguVerwandlungskuenstler ist eine moderne Erfindung.

Die heutige Standard-Figur des tanuki wurde von dem Töpfer­meister Fujiwara TetsuzōFujiwara Tetsuzō 藤原銕造 1876–1966; Töpfermeister in Shigaraki (1877–1967) ent­wickelt. Seine Werk­statt in Shigaraki, einem be­rühmten Zentrum für kerami­sches Kunst­hand­werk un­weit von Kyōto, stellt auch heute noch die meisten tanuki-Figuren her.

Tanuki.
Statue, tanuki
Bild © Subrime, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Tanuki mit Sakeflasche und Schuldschein

Männlicher tanuki mit Sakeflasche.
Statue, tanuki (Keramik). 20. Jh.; Kyōto
Bild © skasuga, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

Tanuki als harmloser Säufer vor einem japanischen Souvenirladen. Einzig seine übergroßen Hoden (kintama) widersprechen dem niedlichen Bild, das diese Figur vermittelt.

. 2. 3 Niedliche tanuki
Tanuki.
Statuen, tanuki
Bild © H. Minagawa, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/8).

Tanuki im Dress der Baseball-Mannschaft Hanshin Tigers

Tanukis.
Statuen, tanuki
Bild © akaitori, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

Die meisten modernen tanuki entstammen dem Töpferei-Zentrum Shigaraki unweit von Kyōto.

. 4. 5 Varianten der shigaraki tanuki

In alten Legen­den, etwa in der Ge­schich­ten-Samm­lung Konjaku monogatariKonjaku monogatari 今昔物語 „Geschichten aus alter und neuer Zeit“ (12. Jh.); umfangreiche Sammlung von Geschichten und Anekdoten, meist aus einem buddhistischen Kontext HorrorklassikerJindo und ShintoOpferHeian ZeitKamakura... mehr aus der späten HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit, werden die tanuki haupt­säch­lich böse, ge­fähr­lich und un­heim­lich dar­ge­stellt. Einen tanuki zu er­legen stellt eine Helden­tat dar, da dieser mit über­na­tür­li­chen Kräften aus­ge­stat­tet ist.

Tanuki.
Buchillustration, tanuki (Papier, Farbe). Edo-Zeit, 1882; aus Kaibutsu gahon (Gespenster Bilderbuch)
Bildquelle: Emakimono database. (Letzter Zugriff: 2007/1).

Tanuki und Mond

Takeda Katsuchiyomaru und ein tanuki.
Farbholzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). 1825–30; 39 x 26,3 cm
Bild © Freer/Sackler, The Smithonian Museums of Art. (Letzter Zugriff: 2018/2/19)
Anne van Biema Collection.

Der jugendliche Takeda Shingen (1521–1573; Kindheitsnamen: Katsuchiyomaru), einer der berühmtesten japanischen Feldherren, erprobt seine Kräfte in einem Kampf mit einem feindseligen tanuki.

. 6. 7 Gespenstische tanuki

Erst später ent­standen positivere tanuki-Bilder etwa in der be­kann­ten Legende vom Tee­kessel (Bunbuku chagamaBunbuku chagama 分福茶釜 Märchen über einen tanuki der die Gestalt eines Teekessels annimmt, um sich von seinem Retter aus Dank verkaufen zu lassen ), der eigent­lich ein ver­wan­delter tanuki ist. Der tanuki hat die Gestalt dieses Tee­kes­sels aus Dank­bar­keit oder Mit­leid für einen armen alten Mann an­ge­nommen, damit dieser den Kessel ver­kaufen kann. Er muss aber jedes­mal Qualen er­leiden, wenn der Kessel zum Tee­kochen ver­wendet wird. Das Bild des gut­mütigen, glücks­brin­gen­den tanuki scheint von dieser Ge­schichte ihren Aus­gangs­punkt zu nehmen.

Tanuki mit Teekessel (Morin-ji no bunpuku chagama).
Farbholzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892); aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–1892
Bild © National Diet Library, Tōkyō. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

Yoshitoshis Illustration einer berühmten tanuki-Legende.

Tanuki.
Illustration, tanuki (Papier, Tusche, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849).

Tanuki mit Teekessel. Illustration zum Märchen Bunbuku chagama.

. 8. 9 Tanuki mit Teekessel

Etwas älter scheint die Idee zu sein, dass tanuki 1) besonders große Hoden (kintamakintama 金玉 wtl. Goldbälle; Hoden ) besitzen und 2) diese Hoden vergrößern und zu allerlei Werkzeugen umfunk­tionieren können.

Tanuki.
Statue, tanuki (Stein)
Bild © mumblemurmur, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

Statue eines tanuki aus Stein

Tanuki.
Statue, tanuki (Stein)
Bild © manganite, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

Der „Marderhund“ tanuki hier in einem japanischen Vorgarten mit einem Schild „Irasshaimase!“ (Willkommen).

. 10. 11 Prominente Hoden, ein Glückssymbol
Tanuki gegen fahrende Händler.
Holzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). 1881, Tōkyō kaika kyōga meisho (Berühmte Orte der Modernisierung Tokyos in satirischen Bildern)
Bildquelle: Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2018/2).

Tanuki kämpfen mit ihren Hoden (kintama) gegen die Modernisierung der Meiji-Zeit. Der eingeschriebene Text lautet: „Asabu Hiroo-no-hara: Senkintan erschrecken vor großen Hoden 千金丹 大きん玉に おどろく.“ Senkintan waren um 1880 in Mode gekommene Arzneien bzw. fahrende Apotheker aus Shikoku. Die westlichen Schirme mit der Aufschrift „Senkintan“ waren ihre Markenzeichen. Der Bildwitz beruht auf einem Wortspiel von (Sen)kintan und kintama („Goldbälle“ = Hoden). Die Szene spielt in Hiroo-no-hara in der Gegend des heutigen Shibuya, also am Rande der Großstadt.

. 12 Hoden als Waffe
Tanuki.
Farbholzschnitt, tanuki giga (Papier, Farbe) von Kuniyoshi. 1843–44
Bildquelle: Museum of Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6).

Hodenkranker tanuki mit Arzt und Pflegerin.

. 13 Hoden-Hypertrophie

Selten aber doch entstanden in der Shigaraki-Werkstatt auch weibliche tanuki.

Tanuki-Pinupgirl.
Okimono (Keramik) von Fujiwara Tetsuzō (Rian) (1876–1966). Frühes 20. Jh.; ca. 37 x 19 x 19cm
Bild © tatami-antiques.com. (Letzter Zugriff: 2018/2/20).

Shigaraki-Keramik einer weiblichen tanuki in lasziv-entspannter Pose.

. 14 Tanuki Pinupgirl

Dass tanuki gerne tanzen und singen war schon in der Edo-Zeit bekannt und wurde in einem modernen Anime neuerlich bekräftigt:

Tanuki-Dichterfürsten.
Holzschnitt, tanuki, Karikatur (giga) von Kuniyoshi. 1846
Bildquelle: Ukiyoe-Karikaturen, Japanologie Wien. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Tanuki in Gestalt von sechs unsterblichen Dichtern der Heian-Zeit

Tanuki, mangaisiert.
Filmszene, tanuki von Isao Takahata. 1994.

Tanuki im Anime-Film Die Schlacht der Tanuki in der Ära Heisei (Heisei tanuki gassen ponpoko).

. 15. 16 Vergnügte tanuki

Hier die originalen Tiere:

Tanuki.
Tanuki
Bild © 663highland, Wikimedia Commons 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Originale tanuki, sie werden auch als „Marderhunde“ bezeichnet.

. 17 Reale tanuki

Verweise

Verwandte Themen

Bilderläuterungen

  1. Tanuki13.jpg
    Tanuki-Portrait.
    Statue, tanuki (Keramik, bemalt), Detail
    Bild © H. Minagawa, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7).

    Niedlicher tanuki, wie er sich im heutigen Japan als Standarddarstellung eingebürgert hat.

  2. Tanuki14.jpg
    Tanuki.
    Statue, tanuki
    Bild © Subrime, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/8).

    Tanuki mit Sakeflasche und Schuldschein

  3. Tanuki.jpg
    Männlicher tanuki mit Sakeflasche.
    Statue, tanuki (Keramik). 20. Jh.; Kyōto
    Bild © skasuga, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

    Tanuki als harmloser Säufer vor einem japanischen Souvenirladen. Einzig seine übergroßen Hoden (kintama) widersprechen dem niedlichen Bild, das diese Figur vermittelt.

  4. Tanuki tigers.jpg
    Tanuki.
    Statuen, tanuki
    Bild © H. Minagawa, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/8).

    Tanuki im Dress der Baseball-Mannschaft Hanshin Tigers

  5. Tanuki shigaraki.jpg
    Tanukis.
    Statuen, tanuki
    Bild © akaitori, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

    Die meisten modernen tanuki entstammen dem Töpferei-Zentrum Shigaraki unweit von Kyōto.

  6. Tanuki kaibutsugahon.jpg
    Tanuki.
    Buchillustration, tanuki (Papier, Farbe). Edo-Zeit, 1882; aus Kaibutsu gahon (Gespenster Bilderbuch)
    Bildquelle: Emakimono database. (Letzter Zugriff: 2007/1).

    Tanuki und Mond

  7. Tanuki takeda kuniyoshi.jpg
    Takeda Katsuchiyomaru und ein tanuki.
    Farbholzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). 1825–30; 39 x 26,3 cm
    Bild © Freer/Sackler, The Smithonian Museums of Art. (Letzter Zugriff: 2018/2/19)
    Anne van Biema Collection.

    Der jugendliche Takeda Shingen (1521–1573; Kindheitsnamen: Katsuchiyomaru), einer der berühmtesten japanischen Feldherren, erprobt seine Kräfte in einem Kampf mit einem feindseligen tanuki.

  8. Tanuki yoshitoshi2.jpg
    Tanuki mit Teekessel (Morin-ji no bunpuku chagama).
    Farbholzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892); aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–1892
    Bild © National Diet Library, Tōkyō. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

    Yoshitoshis Illustration einer berühmten tanuki-Legende.

  9. Tanuki hokusai.jpg
    Tanuki.
    Illustration, tanuki (Papier, Tusche, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849).

    Tanuki mit Teekessel. Illustration zum Märchen Bunbuku chagama.

  10. Tanuki15.jpg
    Tanuki.
    Statue, tanuki (Stein)
    Bild © mumblemurmur, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

    Statue eines tanuki aus Stein

  11. Tanuki nagano.jpg
    Tanuki.
    Statue, tanuki (Stein)
    Bild © manganite, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

    Der „Marderhund“ tanuki hier in einem japanischen Vorgarten mit einem Schild „Irasshaimase!“ (Willkommen).

  12. Tanuki yoshitoshi.jpg
    Tanuki gegen fahrende Händler.
    Holzschnitt, tanuki (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). 1881, Tōkyō kaika kyōga meisho (Berühmte Orte der Modernisierung Tokyos in satirischen Bildern)
    Bildquelle: Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2018/2).

    Tanuki kämpfen mit ihren Hoden (kintama) gegen die Modernisierung der Meiji-Zeit. Der eingeschriebene Text lautet: „Asabu Hiroo-no-hara: Senkintan erschrecken vor großen Hoden 千金丹 大きん玉に おどろく.“ Senkintan waren um 1880 in Mode gekommene Arzneien bzw. fahrende Apotheker aus Shikoku. Die westlichen Schirme mit der Aufschrift „Senkintan“ waren ihre Markenzeichen. Der Bildwitz beruht auf einem Wortspiel von (Sen)kintan und kintama („Goldbälle“ = Hoden). Die Szene spielt in Hiroo-no-hara in der Gegend des heutigen Shibuya, also am Rande der Großstadt.

  13. Tanuki kuniyoshi1.jpg
    Tanuki.
    Farbholzschnitt, tanuki giga (Papier, Farbe) von Kuniyoshi. 1843–44
    Bildquelle: Museum of Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6).

    Hodenkranker tanuki mit Arzt und Pflegerin.

  14. Tanuki w.jpg
    Tanuki-Pinupgirl.
    Okimono (Keramik) von Fujiwara Tetsuzō (Rian) (1876–1966). Frühes 20. Jh.; ca. 37 x 19 x 19cm
    Bild © tatami-antiques.com. (Letzter Zugriff: 2018/2/20).

    Shigaraki-Keramik einer weiblichen tanuki in lasziv-entspannter Pose.

  15. Tanuki kuniyoshi giga.jpg
    Tanuki-Dichterfürsten.
    Holzschnitt, tanuki, Karikatur (giga) von Kuniyoshi. 1846
    Bildquelle: Ukiyoe-Karikaturen, Japanologie Wien. (Letzter Zugriff: 2016/8).

    Tanuki in Gestalt von sechs unsterblichen Dichtern der Heian-Zeit

  16. Tanuki ghibli.jpg
    Tanuki, mangaisiert.
    Filmszene, tanuki von Isao Takahata. 1994.

    Tanuki im Anime-Film Die Schlacht der Tanuki in der Ära Heisei (Heisei tanuki gassen ponpoko).

  17. Tanuki original.jpg
    Tanuki.
    Tanuki
    Bild © 663highland, Wikimedia Commons 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8).

    Originale tanuki, sie werden auch als „Marderhunde“ bezeichnet.

Mythen/Verwandlungskuenstler (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie 
Diese Seite zitieren
Tanuki-Morphologie.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.2.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Verwandlungskuenstler/Tanuki?oldid=68311