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3 Die Diskurstheorie von Jürgen Habermas

In seinem Buch "Faktizität und Geltung. Beiträge zu einer Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates" (1992) intendiert Jürgen Habermas die Grundannahmen seiner Theorie des kommunikativen Handelns im Bereich der Rechtsbegründung und -entwicklung einzulösen. Dafür bedarf es eines methodenpluralistischen Vorgehens. Das bedeutet den Rückgriff auf die Perspektiven der Rechtstheorie, der Rechtssoziologie und -geschichte, der Moral- und der Gesellschaftstheorie. Darin soll sich auch die laut Habermas oft verkannte pluralistische Anlage der Theorie des kommunikativen Handelns deutlich machen lassen. Die theoretischen Grundannahmen müssen sich danach in den verschiedenen Diskursuniversen innerhalb der vorgefundenen Argumentationskontexte bewähren (ebd.: 9).

Frau vor ANC-Graffitis, Südafrika 2005Foto: Eine junge Frau vor ANC-Graffitis in Mbekweni bei Paarl, Südafrika 2005, Matthäus Rest

Das moralisch-praktische Selbstverständnis der Moderne artikuliert sich in den (neuzeitlichen) Kontroversen über die rechtliche Verfassung des politischen Gemeinwesens; es äußert sich ebenso im universalistischen Moralbewusstsein wie in den freiheitlichen Institutionen des demokratischen Rechtsstaates. Mit der Diskurstheorie versucht Habermas, dieses Selbstverständnis so zu rekonstruieren, dass es einen Eigensinn sowohl gegenüber den systemtheoretischen und anderen szientistischen Positionen (z.B. Luhmann 1992) als auch gegenüber der postmodernen Auflösung in "ästhetischen Assimilationen" (z.B. Derrida 1991) behaupten kann. Obwohl die letzten Reste von essentialistischem Vernunftvertrauen an den Schrecken existierender Unvernunft (z.B. Nationalsozialismus) aufgerieben wurden, bleibt das Projekt jeglicher Kritik auf die Vernunft angewiesen. Habermas hat eine gegen sich selbst prozessierende Vernunft vor Augen: die Kritik der Vernunft ist deren eigenes Werk, denn es gibt weder Höheres noch Tieferes, an das wir appellieren könnten (Habermas 1992: 11).

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