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up 4 Forschungsansatz III: Diskurstheorien und Poststrukturalismus

4.4 Michel Foucaults Diskurstheorie und Diskursanalyse

Viele aktuelle sozialwissenschaftliche Theorien und Debatten knüpfen an den Diskursbegriff des französischen Historikers und Philosophen Michel Foucault (1926–1984) an. Dieses "Anknüpfen" kann von der Entlehnung einzelner Begriffe (die dabei oft stark verändert werden) bis zu einer direkten Übernahme des theoretischen Ansatzes von Foucault reichen. Foucaults Texte wurden und werden dabei äußerst unterschiedlich eingeschätzt: Er sei Strukturalist, Poststrukturalist, Neokonservativer, Anarchist, bedeutender Historiker, Geschichts- und Subjektverleugner etc.

Das Normative und Kritische an Foucaults Theorien zu Diskurs, Macht und Gouvernementalität besteht in der Hinterfragung von Naturalisierungen: Indem aufgezeigt wird, dass Macht, Herrschaft und Wissen(schaft) in ihrer Verknüpfung stets etwas raum-zeitlich Produziertes sind, können sie nicht als selbstverständlich oder natürlich gegeben angenommen werden. Da das jeweils Aktuelle produziert worden ist (durch bestimmte Kräfte, Strategien, Taktiken), müssen die sozialen Verhältnisse (Ausbeutungsverhältnisse, Herrschaftsverhältnisse, Subjektivierungsweisen etc.) nicht so bleiben, sondern können verändert werden.

Michel FoucaultMichel Foucault in seiner Pariser Wohnung 1975, Bild und Copyright: Bruce Jackson

Foucault argumentierte gegen verschiedene Reduktionismen, da sie alle (auf unterschiedliche Weise) die relative Autonomie, Eigenlogik und Eigengesetzlichkeit von Diskursen und Institutionen ausblenden oder verleugnen:

  • Reduktionismus a: Der Intentionalismus geht davon aus, dass bestimmte Diskurse, Theorien, Analysen, Wissenschaften und Institutionen von autonomen Subjekten alleine aufgrund ihrer Intentionen und ihres Willens produziert werden und der Logik dieser Intentionen folgen.
  • Reduktionismus b: Der Ökonomismus behauptet, dass bestimmte Diskurse alleine von ökonomischen (Kräfte-)Verhältnissen produziert und determiniert werden. Politische und ideologische Verhältnisse seien dabei bloßer Ausdruck des Ökonomischen.
  • Reduktionismus c: Der Strukturalismus geht davon aus, dass bestimmte Diskurse, Theorien etc. von anonymen Strukturen produziert werden. Die geschichtliche Gewordenheit, die Machtverhältnisse und Auseinandersetzungen, die zu bestimmten Strukturen führen, bleiben dabei ausgeblendet.

Biographisches: Foucault engagierte sich persönlich in politischen Gruppen und sozialen Bewegungen (Antirassismus, Situation in Gefängnissen etc.); überdies leistete er auch einen wichtigen Beitrag zur Selbstreflexion intellektueller Arbeit, indem er die politische Bedeutung von Produktion, Organisation und Verteilung des Wissens thematisierte (Lemke 1997, 11f.; Veyne 2009).

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