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up 3 Soziales Handeln

3.1 Verhalten vs. (soziales) Handeln

Laut Max Weber ist es die Aufgabe der Soziologie soziales Handeln deutend zu verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich zu erklären (Weber 1968 [1920]: 542). Doch was bedeutet „soziales Handeln“ oder besser gesagt: was bedeutet es nicht?

Soziales Handeln meint nicht - wie im Alltag vielleicht gebräuchlich - gutes, nettes oder helfendes Handeln. Es ist ebenso von einem instinktiven Verhalten zu unterscheiden. Zusammenzuzucken, wenn es donnert, ist kein Handeln sondern Verhalten. Handeln nach Weber bedeutet sinnhaftes Handeln. Das bedeutet nicht, dass mein Handeln tatsächlich objektiv sinnvoll ist – es geht um einen subjektiv gemeinten Sinn (im Gegensatz zum Verhalten). Ich meine etwas mit meinem Handeln (Bsp: Ich öffne das Fenster, um zu lüften. Ich gehe spazieren, um ein wenig Bewegung zu machen. Ein Autofahrer fährt langsam über die Schwelle an der Schule vorbei, um sein Auto zu schonen usw.).

Die genaue Definition nach Weber lautet:

«Handeln» soll (...) ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden.(Weber 1968 [1920]: 542)

Handeln bedeutet also auch unterlassenes Handeln.

«Soziales Handeln» aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist(ebd.: 542).

Die Soziologie beschäftigt sich vor allem mit Letzterem: dem sozialem Handeln. Wir beziehen uns in unserem Sinn des Handeln auf andere (Bsp.: Ich drehe das Handy im Kino ab, um die übrigen BesucherInnen nicht zu stören. Ich gehe spazieren, da die Nachbarn laut Musik hören. Der Autofahrer fährt langsam an der Schule vorbei über die Schwelle, um die Kinder nicht zu gefährden. Ich verdrehe die Augen, weil an der Supermarktkasse jemand nur mit Cent-Münzen zahlt. usw.).

Nicht nur wir selbst handeln sinnhaft, wir unterstellen auch anderen Personen, dass sie mit ihrem Handeln etwas Bestimmtes meinen. Weber bringt folgendes Beispiel: Zwei Fahrradfahrer prallen an einer unübersichtlichen Kreuzung zusammen, da sie sich nicht gesehen haben. Es handelt sich hier um ein Ereignis, nicht um eine soziale Handlung. Wenn anschließend einer den anderen schlägt, da er glaubt, der andere hätte ihn absichtlich niedergefahren (er denkt, der andere hätte mit seinem Handeln etwas gemeint, hätte sozial gehandelt), dann ist das eine soziale Handlung.

Für eine soziale Handlung müssen die anderen Personen nicht notwendigerweise anwesend sein: Räume ich ein Holzscheit von der Bundestraße weg, damit der/die nächste AutofahrerIn nicht darüberfährt, ist es eine soziale Handlung, auch wenn diese Person nie davon erfahren wird. Nicht jede soziale Handlung führt also zu einer Interaktion.

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