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2.5 Falsifikation

In den Sozialwissenschaften wird nicht nur gefordert, dass Theorien in sich widerspruchsfrei sein müssen; sie sollen vielmehr auch mit der empirischen Wirklichkeit übereinstimmen. Um die wissenschaftlichen Aussagen einer empirischen bzw. faktischen Kritik unterziehen zu können, ist es Praxis, diese in einer Art und Weise zu formulieren und auf den von ihr dargestellten Gegenstand zu beziehen, dass sie gegebenenfalls widerlegt, d.h. falsifiziert werden können.

Falsifikation gilt als besonderes Verfahren zur Feststellung, dass eine Aussage nicht zutreffend ist. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass im Zuge der empirischen Überprüfung von Theorien bzw. Hypothesen niemals sichergestellt werden kann, dass alle potentiell verfügbaren Informationen bekannt sind, um die theoretischen Annahmen tatsächlich und endgültig zu verifizieren. Auch wenn theoretische Aussagen wiederholt durch Beobachtungen bestätigt werden, lässt sich die Existenz von gegenteiligen Beobachtungen nicht zwingend ausschließen. Allerdings können Aussagen gezielt so formuliert werden, dass sie sich als falsch erweisen. Mit dieser Vorgangsweise (Prinzip des Ausschlusses von falschen Annahmen) soll eine schrittweise Annäherung an eine tatsächlich wahre Theorie erreicht werden. Durch die Empirie nicht widerlegte theoretische Annahmen bezeichnet Karl Popper, der in seinem Werk Logik der Forschung (1935) das Prinzip der Falsifikation formuliert, als bewährt. In der Eliminierung von an Tatsachen gescheiterten Hypothesen manifestiert sich nach Popper der Fortschritt der Wissenschaft.

Gegen die These von Popper wurden vielfältige Einwände vorgebracht, unter anderem das Argument, dass der Erkenntnisgewinn in den Wissenschaften nicht durch die Prüfung und Falsifizierung von Hypothesen, die durch neue Hypothesen, die ebenfalls zu testen und zu falsifizieren sind, ersetzt werden, zustande kommt, sondern durch wissenschaftliche Umbrüche bzw. Paradigmenwechsel.

Literatur:

Popper, Karl. 1935. Logik der Forschung. Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft. Wien: Springer.

(ChR)

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