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2.22 Theorie

Kaum ein Begriff ist so schillernd und missverständlich wie jener der Theorie. In der Umgangssprache gelten Anschauungen, Mutmaßungen, aber auch allgemeine Ansichten und Behauptungen als Theorien. Im wissenschaftlichen Gebrauch bezieht sich Theorie hingegen auf präzis formulierte und in sich konsistente Formen der Darstellung und Erklärung von empirischer Wirklichkeit.

Sozialwissenschaftliche Theorien müssen mehrere Anforderungen erfüllen:

  • Sie sind bedeutungsvoll, d.h. sie verfügen über eine genau definierte Begrifflichkeit, die sich auf einen bestimmten Gegenstandsbereich bezieht, und sie sind in sich logisch widerspruchsfrei konstruiert;
  • Theorien sind zudem in ihrer Geltung raum-zeitlich festgelegt und empirisch verankert, d.h. sie sollten der empirischen Wirklichkeit möglichst nahe kommen und auch praktisch von Nutzen sein. Gute Theorien sind insofern nicht nur deskriptiv, sondern auch analytisch, sie besitzen also einen Erklärungswert und ermöglichen Voraussagen.

Theorien, die diese Voraussetzungen erfüllen, werden mitunter Theorien mittlerer Reichweite genannt. Dieser Ausdruck, der auf Robert K. Merton (1962) zurückgeht, umreißt den spezifischen Charakter sozialwissenschaftlicher Theorien zwischen aus unmittelbarer Anschauung gewonnene ad-hoc-Annahmen einerseits und hochabstrakten, ganzheitlichen Universaltheorien andererseits. Ad-hoc- Hypothesen werden abgelehnt, da sie oft dazu verwendet werden, Fakten, die im Widerspruch zur eigenen Theorie stehen, wegzuerklären. Universaltheorien erweisen sich meist als unbrauchbar: Im Unterschied zu den Naturwissenschaften streben sozialwissenschaftliche Theorien nicht nach der Formulierung universeller Gesetze, die für alle Gesellschaften und Kulturen gültig sind, sondern nach empirisch überprüfbaren Erklärungsansätzen in bestimmten Raum-Zeitbezügen.

Literatur:

Merton, Robert K. 1995. Soziologische Theorie und soziale Struktur. Hrsg. und eingel. von Volker Meja. Berlin: de Gruyter.

(ChR)

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