Über uns

Das Tandem – eine Erfolgsgeschichte

Das Tandem“ – darunter verstehen viele Menschen in Russland und Österreich das vom BMWFW geförderte Sommerkolleg, das die Universität Wien seit 2001 gemeinsam mit einer Partneruniversität in Nischnij Nowgorod (zu Sowjetzeiten hieß es Gorkij) durchführt. Bis 2019 arbeiteten wir mit der Linguistischen Dobroljubow-Universität zusammen. Seit 2020 ist die Pädagogische Minin-Universität unsere Partnerin, und wir hoffen, sie nach dem Ende der Corona-Pandemie auch persönlich besuchen zu dürfen.

Der Name „Tandem“ ist Programm. Nicht nur im Studentenheim und beim Freizeitprogramm wird darauf geachtet, dass sich die Studierenden der beiden Kulturen gut mischen, auch der Unterricht findet in gemischten Gruppen statt. So bilden sich idealerweise so genannte Tandempaare, bestehend aus einem Russen/einer Russin und einem Österreicher/einer Österreicherin, die sich gegenseitig helfen, die jeweils andere Sprache und Kultur besser kennen zu lernen und zu verstehen. Wenn die Paare keine Paare, sondern Gruppen sind – auch recht. Bei je 40 TeilnehmerInnen aus jedem Land ist es leicht, Gleichgesinnte zu finden, zumal man schon ab April über die Broschüre „Die Teilnehmerinnen stellen sich vor“ etwas über die anderen erfahren und vorab Kontakt aufnehmen kann.

Die Aufgabe der Lehrenden im Unterricht besteht hauptsächlich darin, die Studierenden zum Austausch zu animieren und dafür möglichst viele verschiedene Zugänge anzubieten. Das Tandemprinzip ist dabei nicht nur im Unterricht präsent, sondern durchzieht das gesamte Programm. Nicht umsonst betont die russische Organisatorin immer wieder, dass es sich beim „Tandem“ um eine 24-Stunden-Veranstaltung – pro Tag – handelt. Viele Studierende nehmen das erstaunlich ernst.

Bei nächtlichen Gesprächen, bei der gemeinsamen Schiffsreise auf der Wolga, aber auch beim Sport oder beim gemeinsamen Kochen und natürlich auch während Unterricht und Kulturprogramm entstehen jedes Jahr Freundschaften, die zum Teil viele Jahre lang halten. Man besucht später die Freundinnen und Freunde im anderen Land, entwickelt ein echtes Interesse für Sprache und Kultur, baut Vorurteile ab, kauft Musik und Filme aus dem anderen Land…

Das Organisationsteam hat sich im Laufe der Jahre etwas geändert. Die Organisation auf österreichischer Seite haben Johanna Petters, Christiane Neglyad und Isabella Temper von den Gründerinnen Gudrun Buschbacher und Edith Lampl übernommen. Doch rund um Fixstern Natalija Dmitrenko – die Gründerin auf russischer Seite – ist hier nach wie vor eine Gruppe von EnthusiastInnen am Werk, die die gemeinsame Arbeit über viele Jahre in herzlicher Freundschaft zusammengeschweißt hat. Krisenmanagement war immer wieder gefragt. Doch die bisher größte Herausforderung für dieses Team waren sicher die schweren Waldbrände im Jahr 2010, die just am ersten Tag des Sommerkollegs in der Region Nischnij Nowgorod ausbrachen und der Stadt neben 40 Grad Hitze auch beißenden Rauch bescherten. Die eine Hälfte der österreichischen Studierenden reiste ab, die andere wollte unbedingt bleiben. So wurde das Sommerkolleg schließlich mit einem großen Überhang an Russinnen und Russen – sie konnten nirgendwohin abreisen – doch noch zu Ende gebracht und alle waren zufrieden.

Die enge Zusammenarbeit und Freundschaft unter den Lehrern – auch sie ist eine erfolgreiche Tandemgeschichte, die unter anderem im so genannten „Lehrertandem“ ihren Ausdruck findet – war der Grund für einen ersten Österreich-Besuch der russischen bei den österreichischen OrganisatorInnen. Mittlerweile sind diese Besuche zur lieben Tradition geworden, wobei  sich Russland und Österreich als Austragungsorte abwechseln.

Das Lehrertandem ist nur ein Beispiel dafür, was neben drei intensiven Wochen für alle Beteiligten noch alles aus dem Projekt entstanden ist. Das Tandem präsentiert sich offiziell auf einer – mittlerweile ziemlich professionellen – Homepage (www.univie.ac.at/tandem) und ist äußerst präsent in den sozialen Netzwerken Facebook und vkontakte (dem russischen Facebook-Äquivalent). Jedes Jahr wird ein Film gedreht – als Erinnerung für die TeilnehmerInnen des Vorjahres und als „Appetizer“ für die neuen KandidatInnen.

Bei so viel Öffentlichkeitsarbeit (zusätzlich zur positiven Mundpropaganda) ist es nicht verwunderlich, dass in Russland die BewerberInnen aus immer weiter entfernten Regionen kommen – etwas aus dem Altai im fernen russischen Osten – und an die 90 Bewerbungen auf russischer Seite keine Seltenheit sind. Letztes Jahr wurde mit 100 Bewerbungen ein neuer Rekord erreicht.

Doch auch auf das Konto der Studierenden geht einiges an Output rund ums Tandem: Neben diversen Blogs und Fotoseiten hatte das Tandem bereits mehrere Auftritte in russischen und österreichischen Medien. Die Ergebnisse eines österreichisch-russischen Studentenprojektes zusammen mit den Salzburger Nachrichten etwa sind im Internet unter „mein.salzburg.com/russland“ zu finden.

Diplomarbeiten (Gudrun Buschbacher: Interkulturelles Lernen auf Sommerkollegs am Beispiel des Sommerkollegs in Nižnij Novgorod und Gudrun Müller: Die Geldbörse Russlands : Nižnij Novgorod in Reiseberichten des 17. bis 20. Jahrhunderts) , aber auch Partnerschaften und zumindest drei Kinder gingen aus dem Tandem hervor. Und 2011 gab es eine eigene Tandem-Schokolade.

Tandem-Schokolade