Universitätsbibliothek Wien

Sammlung Tanzenberg

Universität Wien

Kurzeinführung

An der Universitätsbibliothek Wien finden sich Bücher, die an der Rückseite der Haupttitelseite einen handschriftlichen oder gestempelten Hinweis auf eine gewisse „Sammlung Tanzenberg 1951“ besitzen.
Unter einer Sammlung versteht man in der Regel eine Einheit an Objekten, die durch bewuütes Auswählen nach bestimmten Kriterien zustande gekommen ist. Dies trifft jedoch nicht auf die Bücher der „Sammlung Tanzenberg“ zu. Vielmehr verweist der Name „Sammlung Tanzenberg“ auf das Schloß Tanzenberg in Kärnten, welches ehemals ein Kloster der Olivetaner und heute ein Bundesgymnasium beherbergt. Von September 1944 bis Mai 1945 wurde in diesem Schloß die ausgelagerte Zentralbibliothek der „Hohen Schule“, die als Parteihochschule der NSDAP konzipiert war, aufbewahrt. Die dort bei Kriegsende aufgefundenen, aus ganz Europa geraubten und konfiszierten Bücherkonvolute wurden von der britischen Besatzung bis 1948 systematisch an die rechtmäßigen Besitzer – oder deren Erben – zurückgestellt.
Am 1. Dezember 1949 führte diese Funktion die Büchersortierungsstelle fort. Diese Einrichtung bearbeitete jedoch nicht nur den Restbestand aus Tanzenberg, sondern auch Bücher der Wiener Gestapo-Bibliothek, des Dorotheums und der Nationalbibliothek. Die Büchersortierungsstelle beendete ihre Tätigkeit 1951 und die nicht restituierbaren Buchbestünde wurden an verschiedene Institutionen abgegeben. Der UB Wien wurde ein beträchtlicher Anteil dieser Bücher treuhändig übergeben. Damit übernahm die UB Wien Bücher aus den ehemaligen Beständen von Tanzenberg, dem Dorotheum, der Gestapo und der Nationalbibliothek. Erst in der internen Bezeichnung der UB Wien wird der Begriff „Sammlung Tanzenberg 1951“ – mißverständlich – zum Synonym für den von der Büchersortierungsstelle übernommenen Buchbestand, unabhängig von ihrer tatsächlichen Herkunft.

Das vorliegende Projekt versteht sich als Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der problematischen, auch aus Raubgut bestehenden „Sammlung Tanzenberg 1951“.

Mehr Informationen zur Sammlung Tanzenberg und den bereits ausgewerteten Daten finden Sie auf der Projekt-Website.

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