Das Muezzin-Experiment

Eine mutige Oberbürgermeisterin wagt einen Vorstoß, und halb Europa ist in Aufruhr.

Der Kommentar ist mit anderem Untertitel in der Wiener Zeitung am 3. 5. 2022 erschienen.

Allfreitäglich dürfte nun in Köln der Muezzin erschallen, dessen Aufgabe es ist, die Gläubigen in die Moschee zu rufen. Natürlich ist die Initiative mit allerhand Einschränkungen und Auflagen versehen, etwa was Zeitraum, Dauer und Lautstärke betrifft. Auch ist sie auf zwei Jahre befristet. Danach soll evaluiert werden. Aber sogleich ist grenzüberschreitend eine Debatte entbrannt. So manche Schweizer frohlocken, weil sie vor Jahren schon Minarette verboten haben, offenbar einer verqueren Logik folgend: wo keine Minarette, da kein Muezzin, da keine Agitation … Gewiss wird das neue antimuslimische Getöse über kurz oder lang auch nach Österreich überschwappen. weiterlesen »

Gute und schlechte Flüchtlinge

Ukraine und die EU: Über Diskriminierungen, Doppelmoral und Sippenhaftung für Tote

Der Kommentar ist in der Wiener Zeitung am 22. 3. 2022 erschienen.

Es ist erfreulich, dass die EU und Österreich nicht zögern, Flüchtlinge aus Ukraine aufzunehmen, dass die bürokratischen Hürden unverzüglich durch entsprechende Verordnungen aus dem Weg geräumt wurden, dass Hilfe rasch und effizient möglich ist.

Weniger erfreulich ist die Ungleichbehandlung, die Geflüchteten zuteilwird. Drittstaatsangehörigen, Gastarbeitern etwa und Studenten, die in Ukraine zwar einen Aufenthaltstitel besitzen, aber keine Staatsbürgerschaft, die keine Ehepartner oder andere familiäre Verbindungen haben, sind zwar genauso gefährdet an Leib und Leben durch die Kriegshandlungen. Jedoch sind sie weit strengeren Bestimmungen unterworfen. Österreich ist hier ebenso restriktiv wie die Visegrád-Staaten – wieder einmal – und dies bei grüner Regierungsbeteiligung. weiterlesen »

Tugendbesoffenheit, ein Rausch ohne Kater

Der Kommentar ist in Der Standard vom 19. 2. 2022, S. 47 erschienen.

Das heuchlerische Besserwissen hat Dimensionen angenommen, die bisher unvorstellbar waren. Wieviel an moralinsauren Ausstößen verträgt das soziale Klima noch?

Ein bis vor Kurzem wenig geläufiger Begriff tummelt sich vermehrt in den deutschsprachigen Medienlandschaften: Die Tugendbesoffenheit. Genaugenommen ist sie bloß alter Wein in neuem Schlauch, eine originelle Bezeichnung halt für ein banales Phänomen, das überbordende Moralisieren. weiterlesen »

Ein bewusst (?) missverstandener Protest

Kritisches Hinterfragen ist auch in Zeiten von Corona angebracht.

Der Kommentar ist in der Wiener Zeitung am 14. 5. 2021, S. 21 erschienen.

Zahlreiche namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler verspürten in der jüngster Zeit offenbar das Bedürfnis, sich zu den Corona-Maßnahmen in Deutschland und Österreich kritisch zu äußern, und produzierten kurze ironisch-satirische Videos, publiziert auf der Seite www.allesdichtmachen.de. Keine 24 Stunden später war ein Shitstorm im Gange, auf den auch viele heimische Medien, allen voran der ORF, aufsprangen. Sofort wurde diese Kampagne als “missglückt” beschrieben, sobald es Kritik daran gab. Dies stellt eine Wertung dar, die so journalistisch vorschnell ist. Die Adjektive “umstritten” oder “viel diskutiert” wären auch zutreffend gewesen, ob sie wirklich “missglückt” war, kommt darauf an, was sie bezwecken wollte. Ein Hauptpunkt der Kampagne ist jedenfalls auch die mediale Berichterstattung über die Pandemie, unter anderem die ständige Angstmache.

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Corona und Islam

Aus verschiedenen Gründen bietet Covid-19 wieder Anlass für Hetze.

Der Kommentar ist unter anderem Titel in der Wiener Zeitung am 6. 5. 2021, S. 22 erschienen.

Zu Beginn der Vireninvasion hat es eine Weile lang so ausgesehen, als ob Zugewanderte, ihre Nachkommen und Musliminnen für einmal in Ruhe gelassen werden, weil das Aufbauen neuer Feindbilder für die professionellen Aufwiegler attraktiver war. weiterlesen »

“Kein Recht auf Aufenthalt”

Leserbrief zum Artikel von Christina Traar in der “Kleinen Zeitung” vom 3.2.2021

Sehr geehrte Redaktionsmitglieder der Kleinen Zeitung!

Mit zunehmender Verwunderung musste ich den gestrigen Artikel zu den Abschiebungen der Kinder vergangene Woche nach Georgien lesen. Dieser sollte wohl den Versuch darstellen, eine neutrale Sicht auf den Fall zu präsentieren, las sich aber leider wie eine Werbeeinschaltung für das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (unterstützt durch das Foto). weiterlesen »

Täter und Täterinnen

Über Gewalt gegen Frauen und ihre Ursachen

Der Kommentar ist am 16. 12. 2020 in der Wiener Zeitung erschienen.

Anlässlich der internationalen Aktionstage im November und Dezember veröffentlichte der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) die Broschüre „Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Handlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen. Ein Leitfaden für Multiplikator/innen“.

Die Vorstellung dieses Produktes lieferte der Integrationsministerin einen Anlass für einen ihrer bekannt integrationsfeindlichen Auftritte, in denen eine bestimmte Menschengruppe pauschal an den Pranger gestellt wird. Die meisten Medien übernahmen dann die Agenturmeldung mehr oder weniger wörtlich. weiterlesen »

Wenn es kracht in Favoriten …

Der Kommentar ist am 15.7. 2020 in der Wiener Zeitung erschienen.

Wer trägt die Verantwortung für die gewalttätigen Übergriffe bei friedlichen Demonstrationen?

Wenn manche Politiker und manche Kommentatoren behaupten, die Ausschreitungen seien ein importierter ethnischer Konflikt zwischen Türken und Kurden, der sich in Europa fortsetze, dann ist das eine sehr verkürzte Darstellung, die die komplexen Ursachen nicht erkennen will. Bei den Angriffen von Randalierern mit niedrigem Durchschnittsalter auf Demonstrantinnen und Demonstranten, die gegen das Morden in Nordsyrien und für Frauenrechte auf die Straße gingen, prallen mehrere Gegensatzpaare aufeinander: Rechts und Links, Konservativ und Liberal, Mann und Frau, Nationalismus und Weltoffenheit. weiterlesen »

Leserbrief zu „Die den Karren ziehen“ von Barbara Coudenhove-Kalergi

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Freude haben wir den Beitrag „Die den Karren ziehen“ von Barbara Coudenhove-Kalergi vom 15.04.2020 gelesen.
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Sie betont darin mit zahlreichen anschaulichen Beispielen welch positiven Wirken und welche Notwendigkeit die Zuwanderung für Österreich hat.
Damit holt sie medial und sozial viel zu oft benachteiligte Bevölkerungsgruppen vor den Vorhang.

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Achtung: Enkel nicht streicheln!

Viele Ältere haben es satt, im Namen der Heiligen Corona als hilfsbedürftige Alte stigmatisiert zu werden.

Der Kommentar ist leicht geändert in Die Presse vom 3. 4. 2020, S. 26 erschienen.

Die Einführung unbequemer Maßnahmen – deren Notwendigkeit hier nicht in Zweifel gezogen wird – erfolgt in zermürbender Regelmäßigkeit mit Verweis auf Alte und Kranke. 20- und 30-Jährige fühlen sich berechtigt und sogar verpflichtet, ihre Eltern und Großeltern zu ermahnen und zu maßregeln, was sie nun zu tun und zu lassen haben. Aber dieses „Wir müssen unsere Senioren schützen“ – viele der Generation 65plus können es nicht mehr hören. weiterlesen »