Jahresarchiv: 2012

Offener Brief an die „Heute“-Redaktion über die Berichterstattung im Fall des „Kindergarten-Mörders“

Rassistische Berichterstattung ist in österreichischen Medien kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: Sie findet recht häufig statt.
Selbst die „Krone“, über die man per Gerichtsurteil sagen darf, dass sie „antisemitische und rassistische Tendenzen unterstützt“, bewegt sich innerhalb bestimmter Grenzen.

Der Gratis-Ableger der „Krone“, die Tageszeitung „Heute“, hat diese Grenze überschritten.
Der Bericht in „Heute“ über den „Kindergarten-Mord“ ist ein übles Machwerk:
Zum Nachlesen:
http://dastandard.at/1353208508447/Heute-ueberschreitet-Grenzen weiterlesen »

Rassistische Logos und Marken

Negerküsse, Mohr im Hemd, Indianer mit Schlag, Negerbrot, Schwedenbomben, Mohrenbräu – es ist an der Zeit, dass gewisse Namen von Lebensmitteln entsorgt werden. Manchmal wäre auch eine Änderung des Logos hilfreich. weiterlesen »

Schwarzafrika gibt es nicht

In zahlreichen Medien erschien am 13.11.2012  ein APA-Bericht, der sich auf einen Bericht von Amnesty International über die Diskriminierung von Menschen aus dem subsaharischen Afrika in Libyen stützte. Dabei wurde diese Personengruppe in allen Medien als „Schwarzafrikaner“ bezeichnet (ORF: http://orf.at/stories/2150951/; Der Standard: http://derstandard.at/1350261279916/Amnesty-Folter-und-Willkuer-gegen-Schwarzafrikaner-in-Libyen; Die Presse: http://diepresse.com/home/panorama/welt/1312334/Libyen_Amnesty-beklagt-Folter-von-Schwarzafrikanern?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do). weiterlesen »

„Kurze Miniröcke und die sexuellen Fantasien des armen Professors“

Eine sehr empfehlenswerte Antwort auf einen aus TMB-Sicht kritikwürdigen Beitrag über den Umgang mit sexueller Belästigung an japanischen Universitäten. Danke an Thomas Schmidinger.

http://derstandard.at/1350260474760/Kurze-Miniroecke-und-die-sexuellen-Phantasien-des-armen-Professors

Theologische Diskussion und Erneuerung im Islam

LeserInnenbrief zum Profil-Artikel Helden aus dem Orient von Tessa Szyszkowitz im Profil vom 29. Oktober 2012

Sehr geehrte Dr. Szyszkowitz,

vielen Dank für das Aufgreifen dieses wichtigen Themas, ich verfolge ihre Ausführungen immer mit großem Interesse. Leider entsteht beim Lesen ihres aktuellen Artikels der Eindruck, theologische Diskussion und Erneuerung seien innerhalb des Islams eine Seltenheit, etwas Neues und überhaupt etwas, was sich erst durch den Einfluss Europas ergeben habe. weiterlesen »

Leben in der Migrationsgesellschaft

Am 13. Oktober 2012 durfte Heinz Buschkowsky, SPD-Bürgermeister von Berlin-Neukölln, im „Standard“ sein diskussionswürdiges Integrationsverständnis darstellen. Buschkowsky spricht von Einwanderung als „Testbetrieb fürs Sozialsystem“, von einer Zunahme von „Zweit-, Dritt- und Viertfrauen“, von einer „Bewahrung der archaischen Lebenswelt wie bei Opa“ und von einem Zurück zu „Fred Feuerstein“. Als besonders brennende Probleme werden – wieder einmal – die „Sprach- und Bildungsdefizite“ der „Einwandererkinder“ betrachet. weiterlesen »

Chancengerechtigkeit und Schule

Die VertreterInnen der sogenannten Ausländerpädagogik konstruierten in den frühen 1970er Jahren – voll guten Willens – die Kinder von „Gastarbeitern“ als SchülerInnen mit „Sprach- und Kulturdefiziten“. Sie arbeiteten mit der naiven Annahme, dass diese Kinder im Schulsystem nur bestehen könnten, wenn sie durch einen Prozess der vollständigen Assimilation gehen und dabei Sprache und Kultur ihrer Eltern gegen die des Gastlandes eintauschen. Die betroffenen Kinder werden dabei als eine besondere Gruppe betrachtet, als Schüler und Schülerinnen mit Defiziten und Problemen charakterisiert; als zusätzliche Bürden, „Analphabeten in zwei Sprachen und Kulturen“, tickende Zeitbomben, Kriminelle, als Gefahren oder als zu wenig motiviert. Eben diese Bilder finden sich auch in jüngster Zeit wiederholt – so auch im Kurier-Kommentar „Mehr Integrations- als Schulproblem“ von Martina Salomon, 5.10.2012. weiterlesen »

Islamfeindlichkeit und Nichtwissen

Betr.: Identität durch Hass in: Standard, 25. 9. 2012

Sehr geehrter Herr Rauscher, sehr geehrte Redaktion,

ein Autor kann sich nicht dagegen wehren, von seinen Lesern zitiert zu werden, und so ergeht es Salman Rushdie mit Ihrem Kommentar vom 25.  9.  2012, der sich im Übrigen auszeichnet durch Islamfeindlichkeit und Nichtwissen. Jene „wissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit der Glaubensüberlieferung“, die Sie „den allermeisten muslimischen Ländern“ absprechen, fand ganz im Gegenteil bereits im 7. Jahrhundert in Mekka und Medina statt und kennzeichnet jegliche Auslegung von Koran und Hadithen in allen vier Rechtsschulen.

Mit freundlichen Grüßen
Ingrid Thurner

Unsere Mitschuld an den Krawallen

Der Kommentar erschien in gekürzter Form am 19. 9. 2012 in der Wiener Zeitung und in veränderter Form in Politikum bei WDR5.

Die derzeitigen Ausschreitungen in mehreren arabischen Ländern liefern wieder verschiedenen Medien und Personen, die bereits einschlägig bekannt sind, Vorwände für islamfeindliche Angriffe. Sowie irgendwo in der muslimischen Welt Radikalismus und Dummheit eine Allianz eingehen und mit Gewalt Probleme lösen wollen, wird gleich die gesamte Religion mit allen Gläubigen mitverurteilt. Da können Korrespondenten wie Karim El-Gawhary noch so oft betonen, dass es nur eine Minderheit ist, die zündelt. Wenn auf allen Fernsehkanälen des Abends Feuerschein die Wohnzimmer erhellt, dann werden die rechtskonservativen Kreise wohlig in ihre islamfeindlichen Meinungen gelullt.

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Konflikt mit dem Islam?

LeserInnenbrief zur Aufmachung von Berichten im Standard vom 20. September 2012

Sehr geehrte Standard-Redaktion,

vielen Dank für Ihre Berichte und Analysen zu den aktuellen Unruhen wegen des umstrittenen Films über Muslime. Was mich an der Berichterstattung in der heutigen Printausgabe dennoch gestört hat, ist die Einordnung der Artikel unter dem Schwerpunkt „Konflikt mit dem Islam“. Dies erzeugt das Bild eines Kultur- oder Religionskampfes, welches erfreulicherweise in der Berichterstattung nicht bestätigt wird.

Mit freundlichen Grüßen,
MMag.a Eva Kössner

Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive
www.univie.ac.at/tmb