Antwort zu „Sie kamen übers Meer“ oder: vom Ausblenden von Machtpositionen

Antwort zu „Sie kamen übers Meer“ von Dr. techn. Otto J. Golger, erschienen in der Kronen Zeitung am 13.10.2013.

„Sie kamen übers Meer“ – das ist auch schon das Einzige was die zwei, bei Leserbriefschreiber Dr. Golger vermeintlich vergleichbaren Gruppen – die im Zuge der Kolonialisierung Amerikas eingewanderten Personen und die heutigen „afrikanischen“ Flüchtlinge – gemeinsam haben.

Davon abgesehen, dass der afrikanische Kontinent aus vielen verschiedenen Ländern besteht und somit die Bezeichnung eines „afrikanischen Ansturm[s]“ sehr verallgemeinernd ist, waren die Ausgangssituationen und vor allem die Machtpositionen sehr verschieden. Diese Machtpositionen lagen nämlich damals (wie auch heute) in europäischer Hand. Die Native Americans sowie die heutigen Flüchtlinge befinden sich in der unterlegenen Position, was den Vergleich ins Absurde zieht. Sie sehen hier auch eine andere Bezeichnung für jene Menschen, die bei Golger „primitive Prärie-Indianer“ genannt werden. Dieses evolutionisitische Denken und die Wertung in „Hochkulturen“ und „schriftlose“ Kulturen ist in den Sozialwissenschaften schon lange überholt. Dass am Ende des Leserbriefes mit „Winnetou und Montezuma“ zwei klischeebehaftete stereotype Figuren ausgepackt werden, von denen einer zudem nie real existiert hat, ist sehr bezeichnend für die geringe Ernsthaftigkeit des Vergleichs.

Lena J. Pöchtrager

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