Archiv des Autors: Ingrid Thurner

Muslimen reicht’s.

Über eine abendliche Diskussionsrunde in Karls Garten

Das Magazin „biber“, das über die multiethnische und multireligiöse Gesellschaft Österreichs berichtet, zeichnet sich einmal aus durch diverse Durchmischung seiner Redaktion und zudem, weil es pikante transkulturelle Themen aufgreift (Selbstbezeichnung: „biber mit scharf“), die die örtliche Medienlandschaft enorm bereichern, aber keineswegs den niedrigen Instinkten huldigen wie die anderen Gratisblätter.

Unlängst (am 24. 7.) war die Zeitschrift Veranstalterin eines sommerlichen Podiums- und Publikumsgesprächs im Karls Garten: „Muslimen reicht’s“. Unter diesem Titel würde man eigentlich erwarten, über die Befindlichkeiten von Menschen zu hören, die seit Längerem regelmäßig und ganz generell einem feindlich gesinnten verbalen Dauerbeschuss ausgesetzt sind. Wie geht es jemandem, dessen Religion zwar seit mehr als hundert Jahren offiziell anerkannt ist, dessen zentrale Glaubenssätze und -praktiken aber immer mehr von politischen Parteien und inzwischen systematisch von ganz oben diskriminiert werden? Wie geht es ihnen bei den ständigen Forderungen nach Verboten von Kopftuch, Schächten, Fasten, Beschneidung …? weiterlesen »

Was wir aus der Kopftrophäen-Debatte lernen könnten

Der Kommentar erschien am 12. 12. 2017 in der Wiener Zeitung.

Nicht nur die Toten verdienen Respekt, sondern auch die Lebenden – und zwar alle, unabhängig von Herkunft und Religion.

Gegenwärtig wird darüber diskutiert, ob man die menschlichen Überreste, die bisher als Kunst und Ethnographica betrachtet wurden, aus den Auktionshäusern und Schaukästen der endlich umbenannten Völkerkunde-Museen entfernen soll oder nicht. Dabei wird argumentiert, dass Leichenteile aus Pietät und aus Respekt dem Tod und dem Verstorbenen gegenüber nicht mehr verkauft und ausgestellt werden sollten, auch um rechtsextremen Umtrieben und Ansichten keinen Vorschub zu leisten.

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Islam sells

Der Kommentar erschien am 27. 9. 2017 in der Wiener Zeitung.

Islam bringt Stimmen, Islam macht Quote, Islam lenkt ab. Wie man eine Religion und deren Angehörige auf ihre Kosten für politische Zwecke nutzen kann.

Ein neues Schlagwort macht die Runde: „der politische Islam“ ist in aller Munde, taucht in allen Medien auf und bei allen Parteien und wird bei jeder einschlägigen Veranstaltung erneut in die Köpfe der Wahlberechtigten gehämmert. Inzwischen kann bei dem Thema jeder mitreden. Es ist wie beim Wetter, beim Straßenverkehr und beim Sex, alle wissen Bescheid.
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Für Muslime gilt die Schuldvermutung

Der Kommentar erschien am 28. 8. 2017 im Standard, ebenso auf Qantara und wurde ins Englische und Arabische übersetzt.

Über die erfolgreiche Strategie, den Antisemitismus islamischen Gemeinden anzulasten.

Als ob Europa je frei von Rassismen und Fremdenfeindlichkeit gewesen wäre, als ob es nie Diskriminierungen von Minderheiten gegeben hätte, schaffen es rechte Parteien, rechte Blätter und rechte Kommentare erfolgreich, den grassierenden Antisemitismus dem Islam und seinen Angehörigen in die Schuhe zu schieben. weiterlesen »

Die merkwürdigen Kulturbegriffe einflussreicher Herren

Der Kommentar erschien am 6. 6. 2017 in der Wiener Zeitung.

Der deutsche Innenminister beschwört eine „deutsche Leitkultur“, der österreichische Außenminister spricht von „kulturfernen Regionen“ und meint die Türkei, und in rechtskonservativen bis rechtsextremen Kreisen ist zunehmend die Rede von „Gewaltkulturen“.

Was sind das für rückwärtsgewandte eurozentristische Ideologie-Konzepte, denen manche Politiker und manche Medienschaffende verfallen? Wer solche Begriffe im aktiven Wortschatz führt, sollte ein wenig Kulturgeschichte büffeln, seinem ethnologischen Basis-Wissen dringend ein Update verpassen und das Wording überdenken. weiterlesen »

Über Menschen. Eine Marginalie zur Sprachentwicklung

Der Kommentar erschien am 29. 11. 2016 in der Wiener Zeitung.

Wie das Betroffenheitsgetue bei Kriegen und Katastrophen den Bedeutungsinhalt eines unschuldigen Wortes strapaziert. weiterlesen »

Muslimhass darf bei uns keinen Platz haben

Die islamfeindlichen (um nicht zu sagen islamophoben) Positionen von Gudula Walterskirchen sind seit Langem bekannt, dennoch bietet ihr „Die Presse“ immer wieder eine Plattform sie zu verbreiten (21.11. Judenhass darf bei uns keinen Platz haben – auch nicht in Moscheen). Dies macht die Zeitung für Personen, die Menschen nicht aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit schon einmal vorauseilend vorverurteilen, zunehmend unattraktiv.

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Ein Hoch auf die Burka-Debatte!

Der Kommentar erschien am 22. 9. 2016 in der Wiener Zeitung.

Das Gerede über die textile Ganzkörperverhüllung dient in der aktuellen innenpolitischen Problemlage als vielseitig einsetzbarer Joker.

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Islam hat eine schlechte Presse

Der Kommentar ist am 2. Juni 2016 in Die Furche erschienen.

Unterzieht man die Schlagzeilen der letzten Zeit in Google News einer Wortanalyse, dominieren beim Thema Islam die Substantive Gewalt, Terror, Krieg, Delikte, Überwachung, Dschihadismus, Islamismus, Hetze, Anti-Islam, Verfassungsschutz, die Adjektive radikal, bedrohlich, nicht kontrollierbar, die Verben warnen, verschärfen, beschimpfen, fordern, gehört zu, gehört nicht zu. weiterlesen »

Was ist ein Kulturkreis?

Der Kommentar erschien am 3. 5. 2016 in der Wiener Zeitung.

Je mehr sich Europa nach außen abschottet, desto öfter stolpern Leser über Formulierungen wie „fremde Kulturkreise“ oder „andere Kulturkreise“. Eine Klarstellung.

Wenig überraschend müssen Kulturkreise besonders dann herhalten, wenn Unterschiede zwischen Menschen zementiert und bestimmte Gruppen ausgegrenzt werden.

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