Das Muezzin-Experiment

Eine mutige Oberbürgermeisterin wagt einen Vorstoß, und halb Europa ist in Aufruhr.

Der Kommentar ist mit anderem Untertitel in der Wiener Zeitung am 3. 5. 2022 erschienen.

Allfreitäglich dürfte nun in Köln der Muezzin erschallen, dessen Aufgabe es ist, die Gläubigen in die Moschee zu rufen. Natürlich ist die Initiative mit allerhand Einschränkungen und Auflagen versehen, etwa was Zeitraum, Dauer und Lautstärke betrifft. Auch ist sie auf zwei Jahre befristet. Danach soll evaluiert werden. Aber sogleich ist grenzüberschreitend eine Debatte entbrannt. So manche Schweizer frohlocken, weil sie vor Jahren schon Minarette verboten haben, offenbar einer verqueren Logik folgend: wo keine Minarette, da kein Muezzin, da keine Agitation … Gewiss wird das neue antimuslimische Getöse über kurz oder lang auch nach Österreich überschwappen. weiterlesen »

Corona und Islam

Aus verschiedenen Gründen bietet Covid-19 wieder Anlass für Hetze.

Der Kommentar ist unter anderem Titel in der Wiener Zeitung am 6. 5. 2021, S. 22 erschienen.

Zu Beginn der Vireninvasion hat es eine Weile lang so ausgesehen, als ob Zugewanderte, ihre Nachkommen und Musliminnen für einmal in Ruhe gelassen werden, weil das Aufbauen neuer Feindbilder für die professionellen Aufwiegler attraktiver war. weiterlesen »

Leserbrief zum Kommentar der Anderen „Religionskritik als Rassismus?“

Der Kommentar erschien am 26.4.2019 im Standard

Schon seit den 1980er-Jahren wird über Neo-Rassismus, Rassismus ohne Rassen und kulturellen Rassismus diskutiert – als einer Form des Rassismus, der ohne „Rassen“ auskommt, die ja (und wenigstens das ist mittlerweile recht unbestritten), auch eine Konstruktion sind. Abseits der als einheitlich konstruierten biologischen Merkmale können auch kulturelle oder religiöse Symbole genutzt werden, um „die Anderen“ zu konstruieren: Die Juden, die Muslime oder die Flüchtlinge, beispielsweise. Darüber, dass das Konzept eines kulturellen Rassismus möglicherweise zu schwammig ist, um ausgrenzende Ideologien wie Antisemitismus oder Anti-Muslimismus zu erfassen, wird in der Fachwelt durchaus diskutiert. Dennoch scheint es einigermaßen absurd, im Jahr 2019 einem Universitäts- und einem Fachhochschulprofessor erklären zu müssen, wieso Rassismus doch etwas mit Religion zu tun haben kann und ihr rein biologistischer Rassismus-Begriff lang überholt ist. weiterlesen »

Muslimen reicht’s.

Über eine abendliche Diskussionsrunde in Karls Garten

Das Magazin „biber“, das über die multiethnische und multireligiöse Gesellschaft Österreichs berichtet, zeichnet sich einmal aus durch diverse Durchmischung seiner Redaktion und zudem, weil es pikante transkulturelle Themen aufgreift (Selbstbezeichnung: „biber mit scharf“), die die örtliche Medienlandschaft enorm bereichern, aber keineswegs den niedrigen Instinkten huldigen wie die anderen Gratisblätter.

Unlängst (am 24. 7.) war die Zeitschrift Veranstalterin eines sommerlichen Podiums- und Publikumsgesprächs im Karls Garten: „Muslimen reicht’s“. Unter diesem Titel würde man eigentlich erwarten, über die Befindlichkeiten von Menschen zu hören, die seit Längerem regelmäßig und ganz generell einem feindlich gesinnten verbalen Dauerbeschuss ausgesetzt sind. Wie geht es jemandem, dessen Religion zwar seit mehr als hundert Jahren offiziell anerkannt ist, dessen zentrale Glaubenssätze und -praktiken aber immer mehr von politischen Parteien und inzwischen systematisch von ganz oben diskriminiert werden? Wie geht es ihnen bei den ständigen Forderungen nach Verboten von Kopftuch, Schächten, Fasten, Beschneidung …? weiterlesen »

Was wir aus der Kopftrophäen-Debatte lernen könnten

Der Kommentar erschien am 12. 12. 2017 in der Wiener Zeitung.

Nicht nur die Toten verdienen Respekt, sondern auch die Lebenden – und zwar alle, unabhängig von Herkunft und Religion.

Gegenwärtig wird darüber diskutiert, ob man die menschlichen Überreste, die bisher als Kunst und Ethnographica betrachtet wurden, aus den Auktionshäusern und Schaukästen der endlich umbenannten Völkerkunde-Museen entfernen soll oder nicht. Dabei wird argumentiert, dass Leichenteile aus Pietät und aus Respekt dem Tod und dem Verstorbenen gegenüber nicht mehr verkauft und ausgestellt werden sollten, auch um rechtsextremen Umtrieben und Ansichten keinen Vorschub zu leisten.

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Islam sells

Der Kommentar erschien am 27. 9. 2017 in der Wiener Zeitung.

Islam bringt Stimmen, Islam macht Quote, Islam lenkt ab. Wie man eine Religion und deren Angehörige auf ihre Kosten für politische Zwecke nutzen kann.

Ein neues Schlagwort macht die Runde: „der politische Islam“ ist in aller Munde, taucht in allen Medien auf und bei allen Parteien und wird bei jeder einschlägigen Veranstaltung erneut in die Köpfe der Wahlberechtigten gehämmert. Inzwischen kann bei dem Thema jeder mitreden. Es ist wie beim Wetter, beim Straßenverkehr und beim Sex, alle wissen Bescheid.
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Muslimhass darf bei uns keinen Platz haben

Die islamfeindlichen (um nicht zu sagen islamophoben) Positionen von Gudula Walterskirchen sind seit Langem bekannt, dennoch bietet ihr “Die Presse“ immer wieder eine Plattform sie zu verbreiten (21.11. Judenhass darf bei uns keinen Platz haben – auch nicht in Moscheen). Dies macht die Zeitung für Personen, die Menschen nicht aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit schon einmal vorauseilend vorverurteilen, zunehmend unattraktiv.

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Ein Hoch auf die Burka-Debatte!

Der Kommentar erschien am 22. 9. 2016 in der Wiener Zeitung.

Das Gerede über die textile Ganzkörperverhüllung dient in der aktuellen innenpolitischen Problemlage als vielseitig einsetzbarer Joker.

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Radikalisierung und Medien

Diesen Sommer ist die Debatte über den Einfluss von Medien auf Nachahmungstaten wieder hochgekocht (gesammelte Verlinkungen sind hier nachzulesen). Berichterstattungen über Terrorangriffe und Amokläufe sollen weniger Details über Täter veröffentlichen. Jemand könnte sich mit ihnen identifizieren. Dafür soll mehr auf die Opfer eingegangen werden.

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Terror in “Österreich”

Österreich ist von Österreich ja schon einiges gewöhnt – aber die Ausgabe vom vergangenen Dienstag toppte die bisherige Panikmache durch Faktenverbiegung noch einmal. Statt wie andere Medien auch die eigene Rolle in der medialen Hysterie kritisch zu hinterfragen, wird hier nachgelegt.
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