Sprache ist nicht gleich Sprache

Wer, was, wann, wo und wie sind die fünf Frageworte, die wohl einem jeden Bericht zu Grunde liegen. Dies ist bestimmt auch beim Artikel „Ein Haus der Geschichten“ von Judith Belfkih, der die Eröffnung des Weltmuseums zum Thema hat, der Fall. Doch über das Wie lässt sich streiten. In welcher Weise, mit welcher Sprache wird über ein Thema gesprochen und welche Annahmen werden getroffen? Die Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) setzt sich unter anderem auch intensiv mit diesem Wie auseinander. weiterlesen »

Radikalisierung und Medien

Diesen Sommer ist die Debatte über den Einfluss von Medien auf Nachahmungstaten wieder hochgekocht (gesammelte Verlinkungen sind hier nachzulesen). Berichterstattungen über Terrorangriffe und Amokläufe sollen weniger Details über Täter veröffentlichen. Jemand könnte sich mit ihnen identifizieren. Dafür soll mehr auf die Opfer eingegangen werden.

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Knigge für Flüchtlinge

Der Kommentar erschien am 21. 10. 2015 in der Wiener Zeitung.

In letzter Zeit wird Flüchtlingen mittels Verhaltenskodex eingebläut, was die Willkommensschilder an Grenzübergängen und Bahnhöfen tatsächlich bedeuten. weiterlesen »

Eine differenzierte Sicht auf den IS

Eine Replik auf die Glosse Totschlag und Wissenschaft; sie erschien als Leserkommentar am 2./3. 5. 2015, S. 12 in der Wiener Zeitung.

Selbst den dümmsten Kulturwissenschaftlern ist klar, dass die Terror-Organisation IS leider mehr ist als ein intellektuelles Konstrukt. weiterlesen »

Gottesstaaten überall?

Der Kommentar erschien am 20. 8. 2014 in der Wiener Zeitung.

Was hat Gott mit den Kriminellen zu tun, die unter Missbrauch der Religion in mehreren Ländern Terror verbreiten?

In letzter Zeit werden in deutschsprachigen Medien eine Unzahl von Gottesstaaten heraufbeschworen, wenn nicht herbeigebetet. Es besteht allerdings wenig Aussicht, dass Gott demnächst im Irak, in Syrien, in Mali, in Nigeria, in Afghanistan, in Somalia oder sonst irgendwo regiert, denn diese Hoffnung beruht vorläufig nur auf der Tatsache, dass gut organisierte Verbrecherbanden sich beim Morden, Plündern und Brandschatzen auf die Religion berufen. weiterlesen »

TMB-Gastkommentar: Schule fürs Leben?

Von Gizem Gerdan, erschienen in der Wiener Zeitung am 15. Juni 2014

Seit Mitte März werden im Rahmen eines Experiments der Sendung „Thema“ zwei Schulklassen aus einer Neuen Mittelschule (NMS) und einem Gymnasium mit einer Kamera und einem Team von Trainer_innen durch die letzten Monate der 8. Schulstufe begleitet. Schon im Laufe der ersten Folge wird klar, dass es der Anteil an Schüler_innen mit Migrationshintergrund ist, der diese Klassen nach der Idee der Redakteure ganz besonders von einander unterscheidet. Ziel dieses Experiments ist es, dass die Schüler_innen von- und miteinander lernen. Zehn Jugendliche werden näher vorgestellt und begleitet, sechs von ihnen haben Migrationshintergrund, vier davon Fluchterfahrungen.

Der Ansatz der Sendung ist eigentlich erfreulich, da er eine Möglichkeit bietet, migrantische Geschichten zu erzählen, die selten Platz in Mainstreammedien finden. Die erste Folge der Sendung setzt in dieser Hinsicht auch positive Zeichen: Wir lernen die Jugendlichen kennen. Nichtsdestotrotz zeigen leider die nächsten Folgen eine deutliche Fokussierung auf die Kinder mit Fluchterfahrung, die stutzig werden lässt. Natürlich ist diese Erfahrung prägend für die Wünsche und Träume der Schüler_innen. Aber das Thema Flucht beherrscht nicht nur die Darstellung der Jugendlichen aus der NMS sondern den Großteil der gesamten weiteren Sendezeit. weiterlesen »

Fehlende Recherche und Sprachsensibilität

 

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Knauer!

Mit großem Interesse haben wir – die Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung – Ihren Artikel Der Ur-Krieg ist abgesagt“ in der Wochenendausgabe der Wiener Zeitung (20./21. Juli 2013) gelesen. Positiv ist unserer Meinung nach, dass die darin vorgestellte Studie von Douglas Fry und Patrik Söderberg zeigt, dass Krieg keine conditio sine qua non der menschlichen Existenz ist. Daneben gibt es allerdings einige Punkte, die wir am Artikel kritisieren. weiterlesen »

Was wir von unseren Kindern lernen sollten

Gastkommentar, Wiener Zeitung Printausgabe: 07.02.2012

Schauplatz Nachmittagsbetreuung. „Herzlich willkommen“ steht in vielen Sprachen an der Tür. Hier treffen Volksschulkinder mit unterschiedlicher Muttersprache und Herkunft zusammen. Konfliktsituationen gibt es im Kinderalltag ständig: A. nimmt S. den Radiergummi weg, B. versteckt die Turnschuhe von L., K. stört bei der Hausübung, G. beschimpft andere ohne ersichtlichen Grund, E. kritzelt ins Heft des Sitznachbarn, D. tritt F. absichtlich auf die Zehen . . . Wenn mehrere Kinder aufeinandertreffen, sind solche Probleme normaler Alltag. Grenzen werden ausgetestet, Freundschaften gebildet und auch wieder aufgelöst – Stillstand herrscht hier nie.
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Zuwanderung in einem christlichen Weltbild

Leserbrief zum Text “Tolerant bis zur Selbstaufgabe?“ von Martin G. Petrowsky in der Wiener Zeitung, Extra, vom 22. 5. 2010, der am 7. 6. 2010 in stark gekürzter Form erschien.

Sehr geehrter Herr Petrowsky, sehr geehrte Redaktion,

bedauerlich, dass sich nun auch die Wiener Zeitung in den Reigen jener einfügt, die auf emotionaler Ebene gegen Einwanderungswillige, Wirtschaftsflüchtlinge und „Asylanten“ Stellung beziehen, wie geschehen in dem Beitrag Tolerant bis zur Selbstaufgabe? von Martin G. Petrowsky, vom 22. 5. 2010.

Da wird als “Tatsache” beschrieben, dass “Wirtschaftsflüchtlinge … meist … weder die nötige fachliche und sprachliche Qualifikation, noch die nötige Lern- und Anpassungsbereitschaft besitzen”. Dem ist entgegenzuhalten, dass so genannte „Wirtschaftsflüchtlinge“, wenn sie offiziell in eine solche Kategorie eingeteilt werden, ohnedies wieder dorthin geschickt werden, wo sie herkommen. Keine Studie kann daher einen solchen Sachverhalt belegen, dies ist keine Tatsache, sondern eine bloße Meinung desjenigen, der sie erfindet.
Derart bietet dieser Text viele Gelegenheiten, Sätze des Vorurteils zu überführen, der Ungenauigkeit, der unbewiesenen Behauptung oder einer bloßen Meinung, die als Tatsache auftritt. weiterlesen »