Die „netten MigrantInnen“ aus „Wir in Wien“, der Artikelserie in „Heute“

Sehr geehrte „Heute“-Redaktion,

Schon seit längerer Zeit verfolgen wir mit großem Interesse Ihre Artikelserie „Wir in Wien“, in der „erfolgreiche“ Migrantinnen und Migranten vorgestellt werden.

Das Klima der Hetze und offener Ausländerfeindlichkeit hat sich in den letzten Jahren in Österreich verstärkt. Es scheint fast zu einer Art überparteilichem Konsens geworden zu sein, MigrantInnen als Sündenböcke für alle Versäumnisse der Politik hinzustellen. Die Boulevardmedien machen keine Ausnahme. Um so erfreulicher ist die kleine Artikelserie „Wir in Wien“ in Ihrem Medium. Sie zeigt, dass „die“ nicht alle gleich sind, dass es positive Beispiele für Migration und Integration gibt.

Das ist ein guter Anfang und ein wichtiger Beitrag. Dadurch ist ein erster Schritt getan, den sonst als „fremd“ Dargestellten ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Die Menschen werden aus der anonymen Masse herausgelöst und zu Individuen. Man kann sich mit ihnen identifizieren.

Die Gefahr bei Ihrer Artikelserie ist jedoch, dass die so genannten „erfolgreichen“ MigrantInnen (wie auch immer das genau zu definieren ist) als einzelne, positive Ausnahmen wahrgenommen werden. Und der Rest? Das sind die schlechten AusländerInnen, MigrantInnen, Kriminellen, Asylbetrüger etc.

Unser Vorschlag: Berichten Sie über die Schicksale „alltäglicherer“ MigrantInnen, über deren (positive oder negative) Erfahrungen mit dem österreichischen Schul- oder Gesundheitssystem oder der Politik. Über Diskriminierung, darüber, bei jeder Polizeikontrolle durchsucht zu werden, in der U-Bahn beschimpft zu werden, keinen Arbeitsplatz aufgrund der Herkunft zu finden –oder was jahrelange Asylverfahren ohne Arbeitsmöglichkeiten für einen Menschen bedeuten.

Es fehlt vermehrte Berichterstattung über das funktionierende und bereichernde Zusammenleben von ÖsterreicherInnen und MigrantInnen. Oder Informationen über die vielen spannenden Kulturinitiativen, neue Freundschaften und gemeinsame Freizeitgestaltungen etc. Aber auch die menschenunwürdigen Zustände (fehlende Unterbringung und Versorgung etc.) für Asylsuchende, Abschiebehaft für Kinder etc. sind wesentliche Themen, über die die Heute-LeserInnen mehr wissen sollten.

Immerhin: Die Artikelserie „Wir in Wien“ ist ein erster, sehr positiver Schritt.

Bitte mehr davon!

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Igor Eberhard

Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung

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