Ein Marshallplan mit Afrika

Bevor gegen Hilfszuwendungen für Afrika gewettert wird, sollte zu allererst die Geschichte Europas auf diesem Kontinent betrachtet werden. Europa hat ab dem auslaufenden 15. Jahrhundert Teile Afrikas ausgeplündert. Europa hat sich an Afrika immer nur bereichert, durch Ressourcen (Seltene Erden, Gold, etc.), Anbau- und Ablageflächen oder versklavte Arbeitskräfte. Bis heute scheint es unmöglich dem Kontinent auf Augenhöhe zu begegnen. Dies wird vor allem im Sprechen über Afrika stark deutlich (Stichwort: Shithole-Countries). Aus fast allen Ecken schallt es, wenn über den Kontinent gesprochen wird: Armut, Korruption, Vetternwirtschaft, Unterernährung, Krankheiten, um nur ein paar Schlagworte zu nennen. Ein Marshallplan – oder fast schon eine Restitution der gestohlenen und enteigneten Ressourcen – zur Erzeugung eines Gleichgewichts zwischen den Kontinenten scheint angebracht.

Der Marshallplan mit Afrika, der vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 2017 ausgearbeitet wurde, erscheint als passende Grundlage. Es sollen die wirtschaftlichen Beziehungen aufgebaut und weiterentwickelt werden, doch diesmal auf Grundlage der Wertschöpfung, nicht auf Ausbeutung. Handelshemmnisse sollen abgebaut und wirtschaftliche Impulse zum Aufbau einer funktionierenden lokalen Wirtschaft, durch Handelsketten sowie Unterstützungen in der Landwirtschaft und in der Aufwertung des Handwerks, verstärkt werden. Weiters sollen Reformpartnerschaften entstehen, die die lokalen Bevölkerungen ermächtigen. Es geht um Zusammenarbeit, einen Dialog – wie es scheint auf Augenhöhe. Dies macht auch der Titel des Vorhabens deutlich: nicht „für“ Afrika, wie bisher immer, sondern „mit Afrika“. Das Hilfsprinzip von oben herab scheint passé. Afrika wird als Partner angesehen, nicht als Territorium, über das Europa bestimmen kann. Alleine dieser Ansatz ist in einer aktuellen Auseinandersetzung notwendig, wenn auch verspätet.

Der Marshallplan mit Afrika ist natürlich noch Zukunftsmusik, und erst seine Umsetzung wird zeigen, ob die Theorie der Praxis standhält. Dennoch ist gerade im Hinblick auf die koloniale Geschichte ein Streichen der Entwicklungszusammenarbeitsgelder ebenso wie das vorwiegende Suchen der Verantwortung bei den afrikanischen Eliten (Stichwort: Korruption) ein europäischer Versuch sich der Pflicht zu entziehen.

Replik auf den gleichnamigen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung von Jänner 2018: https://www.sueddeutsche.de/politik/afrika-entwicklungshilfe-1.3834199

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