Islamfeindlichkeit als Kalkül

Sehr geehrter Herr Ortner,

Ihre grundsätzlich islamfeindliche Haltung ist sattsam bekannt, solche Artikel wie in Die Presse am 13. 6. 2014 bieten gute Chancen abgedruckt zu werden, die bei anderen Themen weit weniger gegeben sind. Es läge in der journalistischen, redaktionellen und verlegerischen Verantwortung, nicht gegen Gläubige zu hetzen, sondern zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen zu vermitteln und genau die Missverständnisse auszuräumen, die hier mit Genuss und Unkenntnis aufgebaut werden.

Dem Hadith (Sahih Muslim 41,6985), den Herr Zeman und Herr Ortner halbrichtig zitieren, ließen sich Textstellen aus dem Koran (z. B. 2,62; 2,113; 5,69) gegenüberstellen, die darauf verweisen, dass Gott nicht unterscheidet zwischen den Angehörigen verschiedener Religionsgruppen, sondern alle gleich behandelt.

Auch in christlichen heiligen Schriften lassen sich antisemitische Textstellen finden, auch Angehörige des Christentums oder jeder anderen Glaubensrichtung lassen sich zu antisemitischen Ergüssen hinreißen. Dies offenbart jedoch nichts über die Haltung einer bestimmten Religion, sondern bloß über die Haltung von Individuen, die solche Aussagen tätigen.

Auch eine Auswahl von Zitaten sagt gar nichts aus über eine Religion und deren Inhalte, aber sie sagt sehr viel aus über denjenigen, der die Zitate auswählt. Das gleiche gilt für die Auswahl von Kronzeugen – Abdel-Samad ist der Halbwahrheiten und Unrichtigkeiten überführt, versteht es aber glänzend, diese medial zu inszenieren.

So informiert dieser Text nicht über Islam und nicht über Muslime und Musliminnen, sondern bloß über seinen Urheber und die Zeitung, die ihn abdruckt. Ob solche islamfeindlichen Äußerungen aus innerer Überzeugung oder mehr aus redaktionellem Kalkül erfolgen, ist unwichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Thurner

Dieser Leserbrief ist am 20. 6. 2014 in Die Presse erschienen.

 

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