Leserbrief zu: Studie: Gläubige Kinder „hilfsbereiter und friedlicher“

Sehr geehrter Herr Marschalek, sehr geehrtes orf.at-Religions-Team!

Durch Facebook-Hinweise sind wir auf den bereits im April erschienenen Artikel: Gläubige Kinder „hilfsbereiter und friedlicher“ aufmerksam geworden, den wir aus Sicht der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung nicht unwidersprochen lassen wollten.
Wir hoffen, mit unserer Kritik dazu beizutragen, dass in Zukunft Artikel über wissenschaftliche Studienergebnisse oder auch dpa-Berichte kritischer hinterfragt werden, bevor sie online gehen.

„Gläubige Kinder“ sind, so orf.at „hilfsbereiter und friedlicher“ als ihre „nichtgläubigen Klassenkameraden“. Dass jedoch im Artikel gleich im ersten Absatz nur noch von christlichen Kindern als den „gläubigen“ gesprochen wird, weckt nicht nur Zweifel an der Studie, sondern auch an der medialen Aufbereitung. Sollten mit „Kindern, die nicht an Gott glauben“ im Artikel tatsächlich alle gemeint sein, die keine christlichen Glaubensvorstellungen haben – also auch muslimische oder jüdische Kinder? Falls ja, wird hier das Christentum als Maß aller Dinge herangezogen, was zu kritisieren wäre. Falls nein, sollte jedenfalls in der Berichterstattung klar zwischen areligiösen Kindern und solchen mit Eingott-Glauben unterschieden werden (kleine Frage am Rande: Worunter fallen für die StudienautorInnen wohl buddhistische Kinder?).
Die entsprechende Untersuchung steht noch nicht online zur Verfügung, um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. In der Beschreibung des wissenschaftlichen Projektes wird zwar betont, dass die Studie Kinder und Eltern aller Religions- und Konfessionszugehörigkeiten berücksichtigen würde, ebenso Kinder und Eltern ohne Konfession. Andererseits wird bei den Vorab-Ergebnissen und der qualitativen Studie nur die christliche kirchliche Religion hervorgehoben. Auch die Tatsache, dass eine nähere Auseinandersetzung mit den Befragten lediglich bei Kindern des katholischen Kommunionsunterrichts stattfindet, lässt es offen, welchen Stellenwert die Ergebnisse anderer Religionszugehöriger einnehmen.
Die Beschreibung der Studie ist demnach derart unzureichend für Rückschlüsse, dass sie in der Berichterstattung auf orf.at unserer Meinung nach nichts verloren hat – zumindest nicht in dieser Form als Grundlage für allgemein gültige Behauptungen. Im Gegenteil: Hier wären kritische Journalisten und Journalistinnen gefordert, solche Studien und Pressemitteilungen sowie ihre Vorannahmen zu hinterfragen, anstatt blind zu reproduzieren.

Mit freundlichen Grüßen
Mag.a Susanna Reiskopf, Mag.a Heidemarie Weinhäupl
Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung (www.univie.ac.at/tmb)

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