LeserInnenbrief zu „Kranke Kassen“

Sehr geehrte Frau Mag.a Goebel, sehr geehrte Profil-Redaktion,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Kranke Kassen“ gelesen, der die zahlreichen Probleme unseres Gesundheitssystems einleuchtend aufzeigt.

Unglücklich ist in diesem Zusammenhang lediglich der Vergleich unserer Lebensweise mit jener des frühen Menschen, da im Zuge dessen auf heute lebende Bevölkerungsgruppen Bezug genommen wird. Wie leider so oft in medialen und Alltagsdiskursen üblich, wird dadurch der Eindruck vermittelt, es gäbe Menschen, die in ihrer Entwicklung weiter zurück liegen würden als andere, vorzugsweise wir selbst. Dieses evolutionistische Bild, welches aus Zeiten stammt, in denen Kolonialismus und rassistische Weltvorstellungen noch gang und gäbe waren, ist jedoch seit langem wissenschaftlich widerlegt.

„Naturvölker, die noch heute wie unsere Frühahnen leben“ existieren folglich nur in eurozentrischen Weltvorstellungen. Ein etwaiges niedrigeres Krebsrisiko im Zusammenhang mit einer unterschiedlichen Lebensweise müsste deshalb differenzierter erklärt werden als mit einem Rückgriff auf nicht mehr zeitgemäßes Gedankengut. Gerade eine umfassende Auseinandersetzung wie die vorliegende sollte durch solche Vereinfachungen nicht an Qualität verlieren.

Mit besten Grüßen,
Mag.a Eva Kössner
Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive (www.univie.ac.at/tmb)

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