Rassismus im Falter? Da wünschen wir uns auch was

Zu Recht kritisiert Armin Thurnher in seiner Replik (3.12.2014) auf die Vorwürfe, der Falter verbreite rassistische Bilder, die schnelle Verurteilungsmaschinerie der sozialen Medien, in denen sich viele zu Wort melden und auf Züge aufspringen, ohne zu wissen, wohin diese fahren. Auch fordert er zu Recht eine Kontextualisierung ein. Den Falter ab nun per se als rassistisch zu verurteilen ist falsch und nicht dienlich.

Was aber von so einer reflektierten Zeitung eingefordert werden kann, ist Selbstkritik und die Fähigkeit, sich auch im Nachhinein eines Besseren belehren zu lassen. Denn die Zeichnung von Bianca Tschaikner ist durchaus zu kritisieren, auch wenn sie offenbar nicht rassistisch gemeint war und der Artikel dazu sehr differenziert ist. Die Gewalt ausübende schwarze Frau auf dieser Illustration ist eindeutig als schwarze Frau zu erkennen und nicht als weiße Frau, die zu Illustrationszwecken der schwarzen Pädagogik mit schwarzer Farbe gemalt ist. Die Darstellung mit dem Dutt, dem Rock und den rosa Lippen lässt an eine schwarze Nanny denken, die das ihr anvertraute weiße Kind züchtigt. In diesem Zusammenhang zu fordern, das Thema Gewalt zu analysieren, ohne das Thema „Rasse“ hineinzubringen, da es „unerheblich“ sei, ist widersprüchlich, da ja genau durch diese Darstellung das Thema Hautfarbe/Herkunft ins Spiel gebracht wird.

Dass die Dichotomisierung von schwarz-böse und weiß-gut auf vielen Ebenen wirkt, die nicht zu trennen sind, ist nichts Neues und sollte bekannt sein. Daher kann man das Thema „schwarze Pädagogik“ nicht mittels schwarzer Haut illustrieren, ohne dabei das Thema „Rasse“ zu streifen.
So spricht Thurnher zwar Simon Inou zu, betreffend das Thema „sensibler“ sein zu dürfen, es bleibt jedoch alles beim Alten: Was rassistisch ist, das dürfen bitte immer noch wir selbst bestimmen und sicher nicht diejenigen, die davon betroffen sind!

Daher der Weihnachtswunsch: Nicht von denjenigen Großmut einfordern, die von struktureller Gewalt betroffen sind, nur weil man einmal selbst derjenige ist, der auf seine „weiße Brille“ hingewiesen wurde!

Mag.a Margarete Gibba
Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung
www.univie.ac.at/tmb

PS: Ein Literaturtipp: Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow

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