Rassistische Logos und Marken

Negerküsse, Mohr im Hemd, Indianer mit Schlag, Negerbrot, Schwedenbomben, Mohrenbräu – es ist an der Zeit, dass gewisse Namen von Lebensmitteln entsorgt werden. Manchmal wäre auch eine Änderung des Logos hilfreich.

Wenn in einem Abbild Millionen von Menschen als Werbeträger herhalten müssen, indem sie reduziert werden auf bestimmte morphologische Merkmale wie Hautfarbe, Haare, Lippen und Nase, ist dies eine rassistische Zuschreibung. Wenn das Stereotyp eines Afrikaners dazu dient, den konstruierten Begriff „Mohr“ zu illustrieren, ist dies eine diskriminierende Darstellung. Und wenn ein solches Bild das Logo einer Marke verunstaltet, ist dieses Logo rassistisch, ob die Firmenleitung und die Biertrinker dies nun wahrhaben wollen oder nicht.

Afrikaner und Leute mit afrikanischen Wurzeln, die im Lande leben, fühlen sich durch solche Illustrationen gedemütigt. Überall auf der Welt kämpfen Ngos, Bürgerrechtsbewegungen und Aktivisten gegen solche Erzählungen in Wort und Bild.

Die Einteilungen der Welt und der Menschen in Kategorien, die nach Hautfarben benannt werden (Mohr, vom Griechischen mauros = schwarz, dunkel), sind an sich schon rassistisch, sie stammen aus der kolonialen Epoche und dienten im Allgemeinen  dazu, bestimmte Gruppen abzuwerten und/oder zu benachteiligen.

Zudem sind solche Unterscheidungen aus molekulargenetischer Sicht veraltet. Die morphologischen Merkmale von Menschen sind nur einige wenige, die genetischen hingegen tausende. Die genetischen Gemeinsamkeiten (DNA) zwischen einzelnen Angehörigen Europas und einzelnen Angehörigen Afrikas oder Chinas sind nicht selten weit größer als die Gemeinsamkeiten zwischen zwei afrikanischen und zwei europäischen Individuen.

Und wenn dann das so beworbene Produkt auch noch einen hohen Marktanteil hat, dann wird das rassistische Stereotyp täglich weiter verbreitet. Solche Darstellungen sind kolonialistischen Ursprungs, sie sind die symbolhafte Fortschreibung der Ausbeutung und Unterdrückung, denen der afrikanische Kontinent und Menschen aus Afrika heute wie eh und je – wenngleich unter anderen Vorzeichen – ausgesetzt sind.

Die andauernde Verwendung solcher Markennamen und Logos bedeutet nichts anderes als Zustimmung zu rassistischen Praktiken.

Ingrid Thurner

6 Kommentare

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  1. huckleberry

    „Die Einteilungen der Welt und der Menschen in Kategorien, die nach Hautfarben benannt werden (Mohr, vom Griechischen mauros = schwarz, dunkel), sind an sich schon rassistisch“

    Das versteh ich nicht. Es gibt verschiedene Menschen mit verschiedenen Hauttönen, von sehr dunkel bis sehr hell. Wieso ist eine Bezeichnung, die beschreibt, ob ein Mensch hellere oder dünklere Hautfarbe hat, automatisch rassistisch? Abwertende Bezeichnungen – natürlich! Aber manche Bezeichnungen können ja auch nur deskriptiv sein, und nicht wertend.

  2. sam

    „schwedenbomben“???

    also die reaktionen von schwed*innen darauf sind eher immer belustigt, nicht offended

  3. Ingrid Thurner

    @huckleberry
    Welchen Erkenntnisgewinn haben solche Beschreibungen von Hautschattierungen? Dienen sie nicht immer dazu, Menschen einzuordnen? Solche Kategorisierungen sind nie neutral gewesen (Kolonialismus und Genozide wurden damit gerechtfertigt), und sie werden im Allgemeinen bloß vorgenommen, um Unterschiede zwischen Menschen zu betonen. Enthält nicht die Beschreibung an sich schon eine Wertung und eine bestimmte Konnotation? Mit der Hautfarbe teilt man zugleich etwas mit, was über die Hautfarbe weit hinausgeht, die Person aber trotzdem auf sie reduziert.

  4. Ingrid Thurner

    @sam
    Schweden sind keine diskriminierte Gruppe, sondern wegen ihrer hohen Standards in vielen Bereichen weltweit geachtet. Deswegen können sie über solche Benennungen großzügig hinwegsehen.
    Schwedenbomben gehen offensichtlich auf die Bombenidee eines Schweden zurück*), dies ist jedoch nicht allgemein bekannt. Assoziationen die mit dem Begriff Bomben verbunden sind, haben durchaus abwertenden Charakter, seien es Atombomben, Sexbomben oder Kalorienbomben. Wenn diese nun mit einem geografischen Begriff in Verbindung gebracht werden, unterliegt die ganze Region und ihre Bevölkerung einer stereotypisierten Wahrnehmung, was nicht wünschenswert ist. it

    *) http://www.austria-lexikon.at/af/Heimatlexikon/Schwedenbombe (Abfrage 29.11.2012)

  5. Schöner Artikel, der immer aktuell ist, denn aus den Köpfen sind die vom Kolonialismus geprägten Denkweisen noch lange nicht.
    Wer kennt diesen Spruch nicht: „Ach, ich kann die Schwarzen immer nicht auseinanderhalten.“ Und woher kommt das wohl? Man beschränkt sich auf das Merkmal Hautfarbe bei der Identifizierung einer Person und siehe da, kaum sind einige dann mit mehreren Personen der ähnlichen Hautfarbe konfrontiert verlieren sie den Überblick. Daran sieht man meiner Meinung nach, wie unsinnig es ist, Menschen nach Hautfarben einzuteilen, denn:“Die genetischen Gemeinsamkeiten (DNA) zwischen einzelnen Angehörigen Europas und einzelnen Angehörigen Afrikas oder Chinas sind nicht selten weit größer als die Gemeinsamkeiten zwischen zwei afrikanischen und zwei europäischen Individuen.“ Das sollte man immer im Hinterkopf behalten!

  6. haecker

    Leider handelt es sich bei frau thurner auch nur um eine weitere weisse heterosexuelle nichtbehinderte frau des deutschen privilegierten bildungsbuergertums die auf diese leicht durchschaubare weise versucht ihre zugehoerigkeit zu einem westlichzentrisch gepraegten welt- und sprachbild sowie ihre zugehoerigkeit zur zweithoechsten repressionsstufe (die haette sie dann erreicht wenn sie auch noch ein mann waere) hinter kleinlichen verbesserungsvorschlaegen zu verbergen. In diesem zusammenhang ist es ihre aufgabe im.system die wirklich erforderlichen aenderungen zu hintertreiben u zu verhindern…

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