Reise zu sagenhaften Inseln im Südpazifik

Sehr geehrter Herr Riffert!

Im profil Nr. 7/ 42. Jg stellen Sie in der Rubrik Reisen eine Tour „Mit Reinhold Messner zu sagenhaften Inseln“ vor. Darin ist die Rede von einer „wunderbaren Reise zu fantastischen Inseln“ von Chile bis Tahiti. Offensichtlich fährt die MS Bremen quer durch den Pazifik und steuert verschiedene pazifische Inselstaaten an. Es wäre schön, wenn Sie diese Region nicht mit „Südsee“ titulieren würden. Dies ist ein denkbar altmodischer Begriff, der weder die geographische – analog zur Nordsee – noch die politische Einheit meint, sondern einfach eine Bezeichnung jenes Mythos’ ist, den Europa von Beginn an in der Auseinandersetzung mit Ozeanien entwickelt hat und von dem bis heute die Tourismusindustrie in dieser Region lebt. Die Sehnsucht nach der „Südsee“ mag ihre Berechtigung haben, immerhin gibt es auch jene nach der vollkommenen Utopie, dem Nirwana, Eldorado, Atlantis, Shangri la, Thule,  Elysischen Gefilden oder auch dem Orient (im Sinne Saids). Nur ist hier ziemlich offensichtlich, dass dies Orte sind, die auf einer Karte heute nicht zu finden sind, bei der „Südsee“ hält sich diese Illusion leider hartnäckig, und es fällt wohl auch in die Aufgabe eines kritischen Nachrichtenmagazins hier die Lesenden über die tatsächliche Reiseroute eben zu den pazifischen Inseln/nach Ozeanien/in den Südpazifik aufzuklären, und sie nicht mit einem irreführenden, vollkommen idealisierenden und exotisierenden Begriff auf die falsche Fährte zu locken. Die Menschen auf den pazifischen Inseln und auch die Reisenden werden es Ihnen danken, denn beide Gruppen haben es mit realen Orten mit realen Problemen und auch Besonderheiten zu tun, die mit den Träumen von der „Südsee“ sehr wenig gemeinsam haben. Selbst wenn sich dies ein Reiseteilnehmer/eine Reiseteilnehmerin vorab anders vorstellt, die Realität wird ihm/ihr, sofern er/sie nicht die Reise ausschließlich an Bord des Schiffes verbringt und nur den Vorträgen über die Welt draußen zuhört und diese nie betritt, nicht verborgen bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Mag.a Margit Wolfsberger

Obfrau der Österreichisch-Südpazifischen Gesellschaft (www.ospg.org) und Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der  Universität Wien



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