Leserbrief zum Kommentar der Anderen „Religionskritik als Rassismus?“

Der Kommentar erschien am 26.4.2019 im Standard

Schon seit den 1980er-Jahren wird über Neo-Rassismus, Rassismus ohne Rassen und kulturellen Rassismus diskutiert – als einer Form des Rassismus, der ohne „Rassen“ auskommt, die ja (und wenigstens das ist mittlerweile recht unbestritten), auch eine Konstruktion sind. Abseits der als einheitlich konstruierten biologischen Merkmale können auch kulturelle oder religiöse Symbole genutzt werden, um „die Anderen“ zu konstruieren: Die Juden, die Muslime oder die Flüchtlinge, beispielsweise. Darüber, dass das Konzept eines kulturellen Rassismus möglicherweise zu schwammig ist, um ausgrenzende Ideologien wie Antisemitismus oder Anti-Muslimismus zu erfassen, wird in der Fachwelt durchaus diskutiert. Dennoch scheint es einigermaßen absurd, im Jahr 2019 einem Universitäts- und einem Fachhochschulprofessor erklären zu müssen, wieso Rassismus doch etwas mit Religion zu tun haben kann und ihr rein biologistischer Rassismus-Begriff lang überholt ist. weiterlesen »

Replik zu Florian Klenks Kommentar „Offene Grenzen brauchen offene Worte“ (Falter 38/15)

Ja, es stimmt, es braucht eine ehrliche Debatte. Naivität und das Beklatschen von Flüchtlingen lösen keine Probleme.
Schade ist jedoch, dass es auch Herr Klenk schafft, wieder bekannte Vorurteile zu bedienen. Unterm Strich bleibt von seinem Kommentar: Probleme werden uns die MuslimInnen aus „rückständigen“ Gebieten machen. weiterlesen »

Eine differenzierte Sicht auf den IS

Eine Replik auf die Glosse Totschlag und Wissenschaft; sie erschien als Leserkommentar am 2./3. 5. 2015, S. 12 in der Wiener Zeitung.

Selbst den dümmsten Kulturwissenschaftlern ist klar, dass die Terror-Organisation IS leider mehr ist als ein intellektuelles Konstrukt. weiterlesen »

Fatales Nicht-Schweigen eines Islamkritikers

Betr: Fatales Schweigen vieler Muslime, Standard, 24. 5. 2013

Sehr geehrter Herr Kirchengast, sehr geehrte Redaktion,

die Freude und das Lob über den Standard vom Samstag 18. 5. – den wir über weite Strecken schätzten, weil Diversität als Chance gesehen und nicht als Problem aufgebaut wurde – ist uns im Hals stecken geblieben, als wir den Kommentar „Fatales Schweigen vieler Muslime“ (24. 5.) lasen. Er hat die ganze schöne Wochenendausgabe Lügen gestraft. weiterlesen »

Die antimuslimischen Vorurteile pflegen

Der Kommentar erschien am 17. 5. 2013 gekürzt in der Wiener Zeitung.

„Mehrheit der Muslime weltweit für Scharia“, so oder so ähnlich lauteten weltweit die Schlagzeilen anlässlich einer Umfrage des Pew Research Center*), die dieser Tage für mediale Aufregung sorgte.
Es klang zugleich wie eine Anklage und wie ein Triumph, wie wenn endlich offiziell bestätigt würde, was man immer schon befürchtet hat. Aber was ist daran überraschend, wenn Muslime für die Scharia sind? Selbstverständlich befürworten die Angehörigen einer Religion ihre Glaubensinhalte. weiterlesen »

Offener Brief an die „Heute“-Redaktion über die Berichterstattung im Fall des „Kindergarten-Mörders“

Rassistische Berichterstattung ist in österreichischen Medien kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: Sie findet recht häufig statt.
Selbst die „Krone“, über die man per Gerichtsurteil sagen darf, dass sie „antisemitische und rassistische Tendenzen unterstützt“, bewegt sich innerhalb bestimmter Grenzen.

Der Gratis-Ableger der „Krone“, die Tageszeitung „Heute“, hat diese Grenze überschritten.
Der Bericht in „Heute“ über den „Kindergarten-Mord“ ist ein übles Machwerk:
Zum Nachlesen:
http://dastandard.at/1353208508447/Heute-ueberschreitet-Grenzen weiterlesen »

Islamfeindlichkeit und Nichtwissen

Betr.: Identität durch Hass in: Standard, 25. 9. 2012

Sehr geehrter Herr Rauscher, sehr geehrte Redaktion,

ein Autor kann sich nicht dagegen wehren, von seinen Lesern zitiert zu werden, und so ergeht es Salman Rushdie mit Ihrem Kommentar vom 25.  9.  2012, der sich im Übrigen auszeichnet durch Islamfeindlichkeit und Nichtwissen. Jene „wissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit der Glaubensüberlieferung“, die Sie „den allermeisten muslimischen Ländern“ absprechen, fand ganz im Gegenteil bereits im 7. Jahrhundert in Mekka und Medina statt und kennzeichnet jegliche Auslegung von Koran und Hadithen in allen vier Rechtsschulen.

Mit freundlichen Grüßen
Ingrid Thurner

Unsere Mitschuld an den Krawallen

Der Kommentar erschien in gekürzter Form am 19. 9. 2012 in der Wiener Zeitung und in veränderter Form in Politikum bei WDR5.

Die derzeitigen Ausschreitungen in mehreren arabischen Ländern liefern wieder verschiedenen Medien und Personen, die bereits einschlägig bekannt sind, Vorwände für islamfeindliche Angriffe. Sowie irgendwo in der muslimischen Welt Radikalismus und Dummheit eine Allianz eingehen und mit Gewalt Probleme lösen wollen, wird gleich die gesamte Religion mit allen Gläubigen mitverurteilt. Da können Korrespondenten wie Karim El-Gawhary noch so oft betonen, dass es nur eine Minderheit ist, die zündelt. Wenn auf allen Fernsehkanälen des Abends Feuerschein die Wohnzimmer erhellt, dann werden die rechtskonservativen Kreise wohlig in ihre islamfeindlichen Meinungen gelullt.

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Zur Pieta des Arabischen Frühlings

Zum Kommentar „Die Pieta des ‚Arabischen Frühlings'“ in Die Presse vom 7. 9. 2012 über das zum World Press Photo 2012 gekürte Bild, auf dem eine Jemenitin ihren verwundeten Sohn in den Armen hält.

Wir stimmen mit Ihnen überein, dass das preisgekrönte Pressefoto einen westlichen Blick auf die Vorkommnisse im arabischen Raum offenbart. Aber keineswegs ist diese Frau wegen ihrer Vollverschleierung ihrer Identität beraubt. Sie nennen ja sogar ihren Namen, der weltweit weiterlesen »

Zur Anonymität im Web 2.0

Echtnamen schützen vor Bosheit nicht

Gastkommentar, erschienen in Der Standard, Print-Ausgabe 24.08.2011

Seit den Gräueltaten in Norwegen wird wieder verstärkt gefordert, in den Diskussionsräumen des Web 2.0 die Anonymität abzuschaffen. Da wird von der Annahme ausgegangen, dass nicht nur die islamfeindlichen Exzesse rechtspopulistischer Parteien, sondern auch die Hasstiraden in Blogs und Postings den Boden dafür bereitet haben – und dass bei Zwang zu Echtnamen die Schamgrenze steigt und die Bereitschaft zu beleidigendem Gekeife sinkt. weiterlesen »