Theologische Diskussion und Erneuerung im Islam

LeserInnenbrief zum Profil-Artikel Helden aus dem Orient von Tessa Szyszkowitz im Profil vom 29. Oktober 2012

Sehr geehrte Dr. Szyszkowitz,

vielen Dank für das Aufgreifen dieses wichtigen Themas, ich verfolge ihre Ausführungen immer mit großem Interesse. Leider entsteht beim Lesen ihres aktuellen Artikels der Eindruck, theologische Diskussion und Erneuerung seien innerhalb des Islams eine Seltenheit, etwas Neues und überhaupt etwas, was sich erst durch den Einfluss Europas ergeben habe. Fälschlicherweise werden dabei – wie so oft – Konzepte wie Freiheit, Aufklärung oder Emanzipation ausschließlich einer westlichen Ideengeschichte zugeschrieben und so unterschiedlichste Ansätze und Bewegungen innerhalb des Islams der letzten 1400 Jahre ausgeblendet. Diskussionen über die Stellung des Menschen in der Welt sind kein durch irgendjemanden gepachtetes Gedankengut, sondern sind und waren in verschiedensten Kontexten – religiös konnotiert oder nicht – immer schon zentral. Wie das Interview mit Tariq Ramadan zeigt, greift die Frage nach einer muslimischen Reformbewegung zu kurz, ebenso wie die Einteilung moderat–radikal nicht zielführend ist und weniger dem Verständnis komplexer Lebenswelten dient als sie Schwarz-Weiß-Denken fördert.

Mit freundlichen Grüßen,

MMag.a Eva Kössner

Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive (www.univie.ac.at/tmb)

 

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