Wild Girls bei den Himba

Sehr geehrte Frau Priesching,

(LeserInnenbrief zum Beitrag: http://derstandard.at/1373513707374/Gnadenlose-Wild-Girls-auf-RTL-Erstkontakt-mit-dem-Pavillon)

wir teilen Ihre Ablehnung von so fragwürdigen Spektakeln wie die RTL-Reality-Show Wild Girls voll und ganz, möchten Sie aber darauf hinweisen, dass in Ihrem Beitrag einige Begriffe auftauchen, die aus Sicht der Kultur- und Sozialanthropologie überholt sind.

Sie schreiben von Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern – dies ist abzulehnen, da der Begriff auf der unbeweisbaren Annahme basiert, dass die Vorfahren dieser Bevölkerungsgruppe in einer fernen Vergangenheit die einzigen BewohnerInnen einer Region gewesen wären, und dass sie ihre Gene, ihre Kultur, ihre Sprache seit dieser fiktiven Epoche unverändert und unbeeinflusst sozusagen in die Gegenwart herübergerettet hätten. Es wäre daher besser zu schreiben, dass sich die Wild Girls „von einheimischen Frauen stylen lassen“ und „Den BewohnerInnen Namibias war der Rückzug nicht gestattet.“

Auch der Begriff „Naturvolk“ ist problematisch. Er wurde vor Jahrzehnten für Gesellschaften mit vorindustriellen Wirtschaftsformen bzw. Jäger- und SammlerInnengesellschaften verwendet, die wiederum im Gegensatz zu „Hochkulturen“ oder eben Kulturgesellschaften im evolutionistischen Denken auf einer „niedrigeren Stufe“ angesiedelt wurden. Die Natur-Kultur-Dichotomie ist selbst ein Produkt der europäischen Aufklärung (vgl. etwa Bruno Latour „Wir sind nie modern gewesen“) und innerhalb der Kultur- und Sozialanthropologie sowohl in Bezug auf die Unterteilung von menschlichen Gesellschaften als auch was den Forschungsbereich betrifft längst über Bord geworfen. Leider ist der Alltagsgebrauch dieser diskriminierenden Bezeichnung noch immer üblich und gängige journalistische Schreibpraxis.

Es wäre fein, wenn Sie unsere Anregungen aufgreifen und dies im Beitrag ändern würden – online bleibt er ja lange bestehen.

Beste Grüße

Margit Wolfsberger
für die Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung
am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
der Universität Wien

 

++++

Reaktion von Dr. Doris Priesching:
(Mo, 29.07.2013, 11:51)

Sehr geehrte Frau Wolfsberger,
vielen Dank für die Information, wir passen das umgehend an. Die korrekte Schreibweise ist mir wichtig, es ist aber auch manchmal schwierig, den Überblick zu bewahren.

Herzlich, Doris Priesching

————————————————

Dr. Doris Priesching
Redakteurin Kommunikation
DER STANDARD

 

Ein Kommentar

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  1. […] hatte einen Artikel zu dem furchtbaren TV-Format “Wild Girls” geschrieben. Auf problematische Wortungen in diesem macht Teilnehmende Medienbeobachtung aufmerksam. Die Redakteurin passte den Artikel an, […]

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